Magersucht bei Jungen

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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Magersucht kommt nicht nur bei Mädchen vor. Auch junge Männer können eine Essstörung entwickeln. Denn auch Jungs wollen heute oft vor allem eins: toll aussehen. Ganz weit vorn auf der Schönheitswunschliste steht eine gute Figur. Doch dieser Wunsch kann sich verselbstständigen - dann wird es gefährlich.

Magersucht äußert sich bei Jungs anders als bei Mädchen

Die Sehnsucht nach dem Traumbody ist auch bei Jungs so stark, dass sie gar nicht mal so selten zu einem gestörten Essverhalten führt: Immerhin 15 Prozent der Jungen zwischen 11 und 17 Jahren zeigen Symptome einer Essstörung. Manchmal können sie nicht aufhören zu essen und erbrechen sich danach absichtlich, sie finden sich zu dick, obwohl sie schon sehr dünn sind - oder sie nehmen sehr stark ab, weil sie kaum noch etwas zu sich nehmen.

Der Druck, attraktiv zu sein

Warum männliche Jugendliche seltener Essstörungen entwickeln als Mädchen, dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Eine ist, dass es für ihr Selbstbild weniger wichtig ist, schlank und schön zu sein. Das allerdings ändert sich zunehmend: Auch Jungen geraten angesichts der perfekten Bodys in der Werbung und in den sozialen Netzwerken immer stärker unter Druck.

Während Mädchen vor allem möglichst dünn sein wollen, hat der ideale Männerkörper nicht nur möglichst wenig Speck, er ist auch muskulös. „Adoniskomplex“ heißt das Phänomen, wenn junge Männer alles tun, um ihre Muckies aufzupumpen. Am Anfang geht es ihnen sogar darum zuzunehmen – und zwar an Muskelmasse.

Heißhunger auf Pizza

Langfristig kann der Körperkult jedoch ins Gegenteil umschlagen: Wer dauernd nur Eiweiß mampft, kriegt irgendwann Heißhunger auf etwas anderes. Doch wer sich so diszipliniert, fast schon zwanghaft, bestimmte Lebensmittel verbietet, dem schlägt dann jede Pizza und jeder Schokoriegel aufs Gewissen. Die Jungs fangen an, ihr Essverhalten immer stärker zu kontrollieren. Irgendwann verselbstständigt sich das Ringen mit der Esslust. Und so rutscht ein Teil durch die besessene Beschäftigung mit ihrem Körper in eine Essstörung: Sie hungern, treiben bis zur Erschöpfung Sport – und werden erschreckend dünn.

Neben der rapiden Gewichtsabnahme gibt es weitere typische Signale für eine Anorexie, wie Mediziner die Magersucht nennen: Eines ist das gestörte Körperbild. Obwohl Magersüchtige bereits klapperdürr sind, empfinden sie sich selbst als zu dick. Hinzu kommt die panische Angst zuzunehmen. Die Gedanken kreisen ständig ums Essen und um die Figur – der Körper wird zum Lebensinhalt.

Kontrolle über den eigenen Körper

Ob Mädchen oder Junge: Magersüchtige sind oft sehr leistungsorientiert und haben ein starkes Kontrollbedürfnis. Dass es ihnen immer wieder gelingt, den Hunger und die Lust auf Essen zu bezwingen, gibt ihnen einen besonderen Kick, der ihr Selbstbewusstsein stärkt. Anfangs regnet es dann noch bewundernde Kommentare: „Super siehst du aus!“ oder „Wie hast du das geschafft?“ Das motiviert, weiter abzunehmen. Aber auch wenn die anderen einen längst zu dünn finden, geht der Kampf gegen jedes Gramm Fett weiter – auch wenn kaum noch welches da ist. Hilfe lehnen Magersüchtige meist ab, denn das würde bedeuten, dass sie zunehmen müssten.

Schäden an den Organen

Dieser Kampf gegen sich selbst ist gefährlich: Der hungernde Körper baut irgendwann Muskeleiweiß ab, um seinen Energiebedarf zu decken – und zwar auch in den Organen wie Herz, Leber, Niere und Gehirn. Zudem werden die Knochen mürbe. Bei Jugendlichen, die eigentlich noch wachsen sollten, führt eine Magersucht zu Wachstumsstörungen – sie bleiben klein, was Jungs besonders stören dürfte. Vor allem aber ist der Verzicht auf Nahrung lebensgefährlich: Fällt der Body-Mass Index (BMI), also das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße, auf einen Wert von unter 18,5, beginnt das Untergewicht. Ab einem BMI von 14 wird es gefährlich.

Tödliches Hungern

15 bis 20 Prozent der männlichen Erkrankten hungern sich zu Tode. Bei den Mädchen sind es zehn Prozent. Denn bei Jungen und Männern fällt eine Essstörung oft erst später auf – und erst dann, wenn sie schon sehr weit fortgeschritten ist. So denken mitunter nicht einmal Ärzte an die Diagnose Magersucht, wenn sie einen ausgemergelten jungen Mann vor sich sitzen haben. Magersucht gilt noch immer als Frauenproblem – das ist in den meisten Köpfen fest verankert. Hinzu kommt: Jungs ist es peinlich, unter einer „Weiberkrankheit“ zu leiden. Darum leugnen und verbergen sie ihr Problem noch sorgfältiger als junge Frauen.

Ausweg aus der Magersucht

Der Weg aus der Magersucht ist meist lang und ohne therapeutische Hilfe kaum zu schaffen. Dabei geht es keineswegs nur darum zuzunehmen. Ein wichtiges Ziel ist, das Selbstwertgefühl zu stärken. Auch der Druck, möglichst perfekt sein zu müssen, wird nach und nach abgebaut. Im Rahmen der Therapie lernen die Jugendlichen, Gefühle und Bedürfnisse, die sie so lange unterdrückt haben, überhaupt erst wieder wahrzunehmen. Und sie entwickeln wieder ein normales Essverhalten. In schweren Fällen ist dazu der Aufenthalt in einer Klinik notwendig.

Weitere Informationen und Hilfe findest du hier:

  • Anonyme Hilfe bekommt ihr zum Beispiel unter der „Nummer gegen Kummer“: 0800-1110333. Die Berater dort können euch auch Hilfsangebote in der Nähe nennen.
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