Zungendiagnostik

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Dr. med. Manuela Mai

Dr. Manuela Mai studierte Medizin an den Universitäten Heidelberg und Mannheim. Nach dem Studium sammelte sie klinische Erfahrung in der Gynäkologie, der Pathologie sowie der klinischen Pharmakologie. Sie interessiert sich besonders für die großen Zusammenhänge, die zu Krankheiten führen - auch abseits der Schulmedizin. Sie absolvierte Zusatzausbildungen in klassischer Homöopathie sowie Ohr- und Schädelakupunktur.

Die Zungendiagnostik (She-Zhen) ist wie die Pulsdiagnostik ein wichtigstes Diagnoseinstrument der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Farbe, Beläge, Beweglichkeit und Feuchtigkeit liefern dem Behandler Hinweise auf mögliche Erkrankungen. Dabei stehen die verschiedenen Organe mit bestimmten Bereichen der Zunge in Verbindung. Lesen Sie hier, wie eine Zungendiagnostik abläuft und was sie über Ihren Gesundheitszustand verrät.

Frau bei der Zungendiagnostik

Zungendiagnostik in der TCM

Im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist die Zungendiagnostik ein wichtiger Pfeiler der Diagnose. Sie stützt sich auf Erfahrungen, die die Traditionelle Chinesische Medizin im Laufe der Jahrhunderte gesammelt hat. Organe wie Herz, Milz und Leber sollen über die entsprechenden Meridiane mit der Zunge direkt in Verbindung stehen. So soll die Zunge den Zustand des gesamten Körpers und seiner Erkrankungen widerspiegeln können.

Mithilfe der Zungendiagnostik kann der Behandler ablesen, wie leer oder gefüllt die Speicher- und Hohlorgane sind und wie es um Blutfunktion und Körpersäfte steht. Auch der Schwergrad einer Erkrankung und die Art der Störung kann ein chinesischer Arzt mit Hilfe der Zungendiagnostik herausfinden.

Die Zungendiagnostik lässt insbesondere Rückschlüsse über den Krankheitsverlauf zu. Mit Hilfe der TCM-Zungendiagnostik kann der Arzt abschätzen, ob eine Krankheit leicht oder schwerwiegend ist und wie sie weiter verlaufen wird.

Wie verläuft eine Zungendiagnostik ?

Für eine Zungendiagnostik betrachtet der Behandler die locker herausgestreckte Zunge des Patienten. Um den Befund nicht zu verfälschen, sollten Sie vor einer Zungendiagnostik weder essen, noch trinken oder Zähne putzen. Bestimmte Lebensmittel verändern die Farbe der Zunge was den Zungenbelag beeinflusst. Auch Tabakkonsum verändert die Oberfläche der Zunge und den natürlichen Zungenbelag. All dies kann das Ergebnis der Zungendiagnostik verfälschen.

Im Rahmen einer Zungendiagnostik beurteilt der Behandler das Aussehen des Zungenkörpers und den Zungenbelag. Der Zungenkörper besteht aus der Zungenmuskulatur und den feinen Blutgefäßen der Zunge. Der Zungenbelag ist die normalerweise dünne, meist weißliche Schicht, die auf der Zunge liegt. Sie setzt sich aus Schleim, Nahrungsresten und Bakterien zusammen.

Zustand der gesunden Zunge

Das normale Zungenbild wird von den Jahreszeiten und dem Klima beeinflusst, was bei der Zungendiagnostik mit einbezogen werden muss. Im Sommer ist der Zungenbelag beispielsweise etwas dicker, im Herbst ist die Zunge gewöhnlich etwas trockener.

Nach den Vorgaben der Zungendiagnostik, ist eine gesunde Zunge:

  • weich und zart
  • bewegt sich frei und locker
  • von hellroter Farbe
  • mäßig feucht
  • mit einer dünnen, weißen Schicht bedeckt

Veränderungen der Zunge

Bei der Zungendiagnostik berücksichtigt der Arzt Veränderungen von Zungenkörper und Zungenbelag. Aus all diesen Erkenntnissen der TCM-Zungendiagnostik bildet er sich ein klares Bild der Krankheit und kann so seine Diagnose stellen.

Eine TCM-Zungendiagnostik beruht auf dem Ergebnis der folgenden Veränderungen der Zunge:

Farbe des Zungenkörpers

  • hell, weiß
  • rot
  • dunkelrot
  • grün-violett

Form der Zunge

  • faltig, grob, mit vielen Rillen
  • geschwollen, groß und dick
  • dünn und klein
  • rissig
  • mit Zahnabdrücken an den Rändern der Zunge
  • körnig und stachelig

Zustand der Zunge

  • weich und kraftlos
  • hart und starr
  • zitternd
  • schief
  • verkürzt und geschrumpft
  • unruhig und ruhelos

Farbe des Zungenbelags

  • weiß
  • gelb
  • grau
  • schwarz

Charakter des Zungenbelags

  • dünn oder dick
  • feucht oder trocken
  • locker oder klebrig
  • ausgespart, nur teilweise vorhanden (Landkartenzunge)
  • fehlend

Was bedeuten die Veränderungen der Zunge?

Für die Zungendiagnostik wird die Zunge in vier Abschnitte unterteilt: Zungenspitze, Zungenmitte, Zungenwurzel und Zungenränder. An der Zungenspitze zeigen sich Erkrankungen des Herzens und der Lunge. In der Zungenmitte spiegeln sich Milz und Magen. Die Zungenwurzel entspricht der Niere und die Zungenränder Leber und Galle. So kann die Zungendiagnostik auf Erkrankungen bestimmter innerer Organe hinweisen.

Die chinesische Zungendiagnostik unterscheidet sehr genau, ob eine Krankheit den Zungenkörper oder den Zungenbelag verändert. Veränderungen des Zungenkörpers hinsichtlich seiner Konsistenz, Farbe oder Form spiegeln im Wesentlichen die Leere oder Fülle der Speicher- oder Hohlorgane wieder, außerdem die Stärke oder Schwäche von Qi und Blut.

Der Zungenbelag kann sich in Farbe und Konsistenz verändern. So weist er bei der Zungendiagnostik auf den oberflächlichen oder tieferen Sitz einer Erkrankung hin und lässt Rückschlüsse auf die Schwere der Erkrankung zu. Auch das Verhältnis zwischen der Abwehrkraft eines Menschen und einer Störung von außen (Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und vieles mehr) wirkt sich auf den Zungenbelag aus und kann mit der Zungendiagnostik erkannt werden.

Zungendiagnostik in der westlichen Medizin

Die westliche Medizin nutzt Veränderungen der Zunge, um Krankheiten auf die Spur zu kommen. Die Ergebnisse einer westlichen Zungendiagnose sind allerdings weit weniger umfassend als die Erkenntnisse der TCM-Zungendiagnostik.

Nach den Erkenntnissen der Schulmedizin gibt die Zungendiagnose Hinweise auf folgende Zustände:

  • Infektionen
  • Chronische Lebererkrankungen
  • Sauerstoffmangel
  • Nervenproblemen
  • Krebserkrankungen
  • Flüssigkeitsmangel
  • Nahrungsmangel
  • Blutarmut
  • Verdauungsstörungen
  • Vergiftungen
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