Yin und Yang

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Dr. med. Manuela Mai

Dr. Manuela Mai studierte Medizin an den Universitäten Heidelberg und Mannheim. Nach dem Studium sammelte sie klinische Erfahrung in der Gynäkologie, der Pathologie sowie der klinischen Pharmakologie. Sie interessiert sich besonders für die großen Zusammenhänge, die zu Krankheiten führen - auch abseits der Schulmedizin. Sie absolvierte Zusatzausbildungen in klassischer Homöopathie sowie Ohr- und Schädelakupunktur.

Die Lehre von Yin und Yang bildet die Grundlage der chinesischen Philosophie und damit auch der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie beschreibt die gegensätzlichen Pole, die allem in der Natur zugrunde liegen: weiblich und männlich, Himmel und Erde, Ruhe und Bewegung. Gesundheit wird als Harmonie der Gegensätze verstanden, Krankheit ist Folge eines Ungleichgewichts. Lesen Sie hier, was genau das Yin-Yang-Prinzip bedeutet und welche Rolle es in der TCM spielt.

Yin und Yang

Die Lehre von Yin und Yang

Yin und Yang sind jahrhundertealte Begriffe aus der chinesischen Philosophie, die insbesondere im Daoismus von großer Bedeutung sind.

Die Yin-Yang-Lehre basiert auf der Erkenntnis, dass alle Dinge oder Phänomene zwei gegensätzliche Seiten haben, die einander wechselseitig beeinflussen, ergänzen und sich gegenseitig vervollständigen. So haben im traditionellen chinesischen Denken beispielsweise das Männliche, der Tag, der Sonnenschein, Hitze und Bewegung Yang-Charakter. Das Weibliche, die Nacht, Regen, Kälte und Ruhe haben dagegen Yin-Charakter.

Das Symbol für Yin und Yang ist das schwarz-weiße Taijitu: ein vollkommener Kreis, der aus zwei gelichstarken, ineinandergefügten Formen besteht. Beide tragen jeweils den Keim ihres Gegenpols in Form eines Punktes in sich.

Yin und Yang: Zentrale Aspekte der Lehre

Die Lehre von Yin und Yang ist sehr komplex, es gibt aber einige grundsätzliche Ansätze, die im Folgenden aufgeführt sind:

Yin und Yang als Gegensätze (Dui-Li)

Mit der Yin-Yang-Lehre lassen sich die gegensätzlichen Aspekte jedes Phänomens erfassen. Yin und Yang bekämpfen und begrenzen sich demnach wechselseitig. Hat eine Seite das Übergewicht, herrscht auf der anderen Seite Mangel. Wird eine Seite schwach, wird die andere Seite zu stark. Daraus folgt, dass sich die beiden Gegensätze Yin und Yang im Körper niemals ohne Wechselbeziehung und Auseinandersetzung gegenüberstehen. Die beiden Seiten bekämpfen und verdrängen sich gegenseitig .

Gegenseitige Abhängigkeit von Yin und Yang (Yi-Cun)

Als polare Gegensätze sind Yin und Yang voneinander abhängig, eines ist ohne das andere nicht denkbar. Bedeutet Yang „oben“ und Yin „unten“, so kann es ohne „oben“ kein „unten“ geben und umgekehrt. Die chinesische Medizin kennt, entsprechend der Yin-Yang-Lehre, zahlreiche Beziehungspaare im menschlichen Körper und in der Natur. Stets bildet die eine Seite die wichtigste Grundbedingung für die andere Seite. Ohne Hitze gibt es keine Kälte, ohne Kälte gibt es keine Hitze.

Die gegenseitige Ergänzung und Begrenzung von Yin und Yang (Xiao-Zhang)

Yin und Yang sind nie im Stillstand, sie verändern sich ständig und beeinflussen dabei ihren Gegenpol. Diese Gesetzmäßigkeit beschreibt in der Traditionelle Chinesische Medizin, dass die Organfunktionen (Yang) von dem Vorhandensein von Nahrungsmitteln (Yin) abhängig sind. Nur bei einem anhaltenden Gleichgewicht von Yin und Yang kann eine ausgeglichene Stoffwechsellage im Körper bestehen.

Die gegenseitige Umwandlung von Yin und Yang (Zhuan-Hua)

Beide Seiten der Yin-Yang-Beziehung entwickeln sich bis zu einem bestimmten Grad, dann verwandeln sich in ihren Gegenpol: aus Yin wird Yang, aus Yang wieder Yin. Diese Umwandlungsregel wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin benutzt, um Veränderungen von Krankheitssymptomen zu erklären. Kälte-Syndrome können so zu Wärme-Syndromen und Leere-Syndrome zu Fülle-Syndromen werden.

Yin und Yang: Die wichtigsten Paare

Es gibt unzählige Möglichkeiten für Yin-Yang-Paare. In der Tabelle sind einige der wichtigsten aufgeführt:

Yin

Yang

Erde

Himmel

Nacht

Tag

Herbst/Winter

Frühling/Sommer

Kälte

Wärme

Frau

Mann

schwer

leicht

dunkel

hell

Bauch, innere Schichten der Extremitäten

Rücken, äußere Schichten der Extremitäten

untere Körperpartien, Körperinneres

obere Körperpartien, Körperoberfläche

fünf Speicherorgane

sechs Hohlorgane

Blut

Qi (Lebensenergie)

absteigen

aufsteigen

Richtung innen

Richtung außen

Stabilität

Dynamik

Behinderung, Abschwächung

Verstärkung

Feuchtigkeit

Wind

Yin und Yang: Anwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Auf der Lehre von Yin und Yang beruhen alle Bereiche der Traditionellen Chinesischen Medizin. Das Prinzip von Yin und Yang wird zur Erklärung der Strukturen des menschlichen Körpers und zur Erläuterung der Funktion der verschiedenen Organe herangezogen. Nur mit dem Verständnis des Yin-Yang-Prinzips kann man das chinesische Konzept zur Entstehung von Krankheiten verstehen und die chinesische Diagnostik und Therapie nachvollziehen. Diese unterscheidet sich wesentlich von unserem westlichen Verständnis.

Nachfolgend finden Sie einige wichtige Punkte dieser chinesischen Sichtweise, für die Yin und Yang Bedeutung haben:

Struktur des menschlichen Organismus

Die Yin-Yang-Lehre betrachtet den lebendigen Körper als organische Einheit. Alle Organe aber auch einzelne Körper- und Organbereiche, Meridiane und Nebengefäße, Blut, die Lebensenergie Qi sowie alle übrigen Körpersäfte werden Yin oder Yang zugeordnet. Entscheidend für die Gesundheit ist die Harmonie von Yin und Yang.

Die physiologischen Funktionen des menschlichen Körpers

Auch die körperlichen Abläufe werden mit der Lehre von Yin und Yang erklärt. Die normale Lebensaktivität des Körpers ist das Ergebnis der Beziehung von Yin und Yang. Sie müssen eine harmonische Einheit bilden. Geraten Yin und Yang im menschlichen Körper aus dem Gleichgewicht, herrscht keine Harmonie und der Mensch wird krank. Trennen sich Yin und Yang voneinander, so stirbt der Mensch.

Krankmachende Veränderungen

In der westlichen Medizin sind es krankmachende Erreger und giftige Einflüsse von außen oder entartete und somit feindliche Körperzellen, die Krankheiten verursachen und die es zu bekämpfen gilt. Ganz anders in der Traditionelle Chinesische Medizin. Hier beruht jede Erkrankung auf einer Unausgewogenheit von Yin und Yang. Einer von beiden Pole ist zu stark oder zu schwach. Demzufolge teilt man die krankheitserzeugenden Disbalancen in Yin- und Yang-Störungen ein.

Auf diese Weise können sämtliche körperlichen und seelischen Beschwerden als Varianten eines Yin-Syndroms (Yin-Zheng) oder eines Yang-Syndroms (Yang-Zheng) gedeutet werden. Ziel der Behandlung ist es, die innere Harmonie wiederherzustellen, nicht Feinde zu bekämpfen.

Diagnostik nach Yin-Yang-Prinzip

Um eine traditionelle chinesische Diagnostik durchzuführen, muss der Arzt zuerst Yin und Yang richtig einschätzen. Erst dann kann er den Charakter der Erkrankung erfassen und die teilweise sehr komplizierten Sachverhalte analysieren. Entscheidende Hinweise liefern dabei ganz unterschiedliche körperliche Merkmale:

Haut: Ist beispielsweise die Haut eines Patienten gut durchblutet, rosig und klar, so hat die vorliegende Krankheit einen Yang-Charakter. Ist die Haut dagegen trübe und dunkel, so handelt es sich um eine Yin-Erkrankung.

Stimme: Ist die Stimme eines Patienten leise und stockend, gehört die Störung zu den Yin-Erkrankungen. Bei einem Patienten, der eine volltönende Stimme hat, liegt eine Yang-Erkrankung vor

Puls: Ein oberflächlicher, schneller starker, gleitender und gefüllter Puls verweist auf den Yang-Charakter einer Krankheit. Ein tiefliegender, langsamer, kleiner, rauer, und leerer Puls zeigt einen Yin-Zustand an.

Die Behandlung von Krankheiten nach der TCM basiert darauf, das wechselseitige Gleichgewicht zwischen Yin und Yang wiederherstellen. In den betroffenen Bereich, wird entweder Yin oder Yang gestärkt oder abgeschwächt. So soll die vorliegende Störung beseitigt werden. Das kann mit Hilfe von Akupunktur, Qigong, Ernährung nach den fünf Elementen oder speziellen TCM-Medikamenten erfolgen.

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