Tinnitus

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Tinnitus, auch Ohrensausen oder Ohrenklingeln genannt, sind Ohrgeräusche, die im Patienten selbst verursacht werden. Sie treten meist plötzlich auf und können ganz verschiedene Ursachen haben. Tinnitus zu behandeln beziehungsweise zu heilen, ist deshalb gar nicht so einfach. Die Geräusche im Ohr an sich sind zwar ungefährlich, belasten die Betroffenen aber oft sehr stark. Erfahren Sie hier, wie genau sich ein Tinnitus äußert, warum er entsteht und was sich dagegen tun lässt.

Tinnitus

Kurzübersicht

  • Definition: plötzlich auftretende Ohrgeräusche etwa in Form von Pfeifen, Summen, Brummen oder Zischen. Sie können mehr oder weniger laut sein und werden nur vom Betroffenen selbst gehört. Der Tinnitus ist entweder anhaltend oder kehrt immer wieder und dauert dann längere Zeit an.
  • Ursachen: sehr vielfältig, z.B. Schwerhörigkeit, Lärm- oder Knalltrauma, Hörsturz, Mittelohrentzündung, Otosklerose, Tumoren, Trommelfellperforation, Morbus Menière, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Medikamente, Stress und emotionale Belastung; vielfach bleibt die Ursache auch unklar (idiopathischer Tinnitus)
  • Ansprechpartner: Hals-Nasen-Ohren-Arzt
  • Untersuchungen: Patientengespräch, diverse Untersuchungen wie Ohrmikroskopie, Hörtest, Gleichgewichtsprüfung
  • Behandlungsmöglichkeiten: z.B. Infusionen, Krankengymnastik, Entspannungstechniken, Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT), spezielles Hörsystem (Tinnitusmasker), ggf. psychologischer Betreuung
  • Prognose: Tinnitus bleibt manchmal lebenslang bestehen. Manche Betroffene kommen gut damit zurecht, andere leiden sehr und entwickeln in der Folge körperliche und/oder psychische Probleme.

Tinnitus: Behandlung

Tinnitus zu behandeln ist gar nicht so einfach. Oftmals lässt sich nämlich die Ursache des Ohrensausens nicht bestimmen. Generell gilt: Je schneller ein Tinnitus behandelt wird, desto besser sind die Chancen, dass er wieder verschwindet. Ideal ist es, wenn die Therapie in den ersten 24 bis 48 Stunden nach Auftreten des Ohrensausens beginnt.

Akuter Tinnitus: Behandlung

Diese Form von Tinnitus besteht seit maximal drei Monaten. Bessert er sich nicht nach kurzer Zeit von selbst (z. B. Ohrenfiepen nach einem lauten Konzert), wird der Arzt vermutlich zunächst die Standardtherapie ansetzen und entweder eine Infusion mit entzündungshemmenden Mitteln verabreichen oder alternativ entzündungshemmende Tabletten verschreiben.

Zudem kann der Arzt eine ursächliche (kausale) Tinnitus-Therapie versuchen. Einige Beispiele:

  • Infusionstherapie mit durchblutungsfördernden Medikamenten: Sie wird angewendet, wenn der Arzt die Tinnitus-Ursache im Innenohr vermutet, aber auch, wenn der Grund unbekannt ist. Durch die Behandlung soll der Ohrenbereich besser mit Blut und Sauerstoff versorgt werden.
  • Kortison: Das entzündungshemmende Medikament kommt dann zum Einsatz, wenn der Arzt eine Entzündung als Ursache des Tinnitus vermutet. Es wird normalerweise in Form von Infusionen verabreicht.
  • physikalisch-medizinische oder krankengymnastische Behandlung: Sie ist sinnvoll, wenn Fehlstellungen oder Verletzungen der Halswirbelsäule für die Ohrgeräusche verantwortlich sind.
  • kieferorthopädische Behandlung: Sie soll Fehlbildungen des Gebisses oder Kiefergelenksbeschwerden, die Ohrgeräusche auslösen, korrigieren.
  • hyperbare Sauerstofftherapie: Diese Methode kommt in Betracht, wenn die anderen Therapien keine Besserung gebracht haben. Der Betroffene hält sich dabei in einer Überdruckkammer auf und atmet über eine Maske Sauerstoff ein. Der höhere Druck soll mehr Sauerstoff ins Gewebe und Blut leiten und damit auch das Innenohr besser versorgen. Die Wirksamkeit dieser Behandlungsform ist allerdings umstritten.

Chronischer Tinnitus: Behandlung

Hält das Ohrensausen länger als drei Monate an, sprechen Experten von einem chronischen Tinnitus. Angenehm sind die Geräusche nie – doch während es manchen Betroffenen gelingt, sich mit dem Ohrensausen zu "arrangieren", leiden andere Höllenqualen und bekommen mitunter psychische Probleme.

Entsprechend muss der Arzt die Therapie planen. Zunächst wird er auch beim chronischen Tinnitus meist eine durchblutungsfördernde Infusion legen. Zudem sollten den Patienten Wege aufgezeigt werden, wie sie mit dem anhaltenden Brummen, Klingeln oder Pfeifen im Ohr besser umgehen können. Da Stress den Tinnitus verstärken kann, haben sich verschiedene Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training als hilfreich erwiesen. Bei Menschen, die durch das Ohrensausen sehr verunsichert, ängstlich oder depressiv sind, ist unter Umständen eine intensive psychologische Betreuung (z. B. kognitive Verhaltenstherapie) notwendig, um mit dem Tinnitus leben zu lernen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, den Tinnitus zu maskieren. Das heißt, die Wahrnehmung der Ohrgeräusche wird mittels spezieller Hörsysteme (Tinnitusmasker) unterdrückt. Diese Systeme ähneln Hörgeräten, produzieren aber ein kontinuierliches Rauschen, das vom Ohrensausen ablenkt beziehungsweise es überdeckt. Eventuell erfolgt parallel eine Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT). Dabei lernt der Betroffene, die Ohrgeräusche zu verdrängen und aus seinem Bewusstsein zu filtern. Ein Experte berät den Patienten bezüglich seiner Erkrankung (Counseling). Bei der TRT arbeiten für gewöhnlich Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Psychologe und Hörgeräteakustiker zusammen.

„Echte“ Hörgeräte sind sinnvoll, wenn der Tinnitus mit einer Hörstörung einhergeht. In vielen Fällen sind mit einer Innenohrelektrode (Cochlea Implantat, CI) sogar schwerste Innenohrschwerhörigkeiten behandelbar. Sie wird ins Innenohr eingesetzt und kann Hören und Sprachverstehen über eine direkte elektrische Reizung des Hörnervs verbessern. Oft verschwindet der Tinnitus, wenn sich das Hörvermögen steigert - oder er nimmt zumindest ab.

Tinnitus: Was Sie selbst tun können

Anders als die Augen kann ein Mensch seine Ohren nicht verschließen. Der Hörsinn ist gewissermaßen immer auf Empfang – sogar, wenn wir schlafen. Trotzdem sind Betroffene einem Tinnitus nicht ausgeliefert. Der Mensch kann durchaus Strategien entwickeln, um mit den Ohrgeräuschen besser zurechtzukommen.

  • Stille meiden: Hört sich zunächst komisch an. Doch je stiller die Umgebung ist, desto mehr fallen einem die Ohrgeräusche auf. Besonders beim Einschlafen kann es deshalb helfen, einen Zimmerbrunnen plätschern zu lassen, Naturgeräusche oder leise Musik abzuspielen. Probieren Sie aus, was am besten für Sie funktioniert.
  • Gelassen bleiben: Entscheidend ist auch die innere Einstellung zum Ohrensausen. Ganz allgemein ordnen wir Geräusche unterschiedlich ein. Meeresrauschen etwa wird von vielen Menschen als beruhigend empfunden, ein Laubbläser nervt eher, Kindergeschrei wird von manchen als schön und von anderen als störendempfunden, und einen Feueralarm sollte man tunlichst als Hinweis auf eine Gefahr deuten. Nimmt ein Betroffener also den Tinnitus als bedrohlich war, wird sein Bewusstsein die Ohrgeräusche nicht ausblenden. Eine Gefahr zu ignorieren hätte in der Evolution schließlich den Tod bedeuten können. Gelingt es dem Patienten dagegen, eine gelassene Haltung zum Tinnitus zu entwickeln, kann er ihn aus dem Bewusstsein verdrängen.
  • Stress abbauen: Ebenfalls hilfreich ist alles, was entspannt. Denn unter Stress ist der Mensch besonders dünnhäutig und reagiert überempfindlich – auch auf Geräusche. Vielleicht gelingt es Ihnen, Ihr Leben ein wenig umzustrukturieren, mehr Ruhe in den Alltag zu bringen und Belastungen abzubauen. Auch hier kann eine kurze therapeutische Intervention helfen, um sich von tief verinnerlichtem Leistungsdenken zu verabschieden. Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Achtsamkeitsübungen, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen sowie Yoga, Meditation oder Tai-Chi können ebenfalls sinnvoll sein und den eigenen Stresspegel senken.
Wie der Tinnitus-Teufelskreis durchbrochen wird
Tinnitus
Eine gelassene Haltung gegenüber dem Ohrgeräusch sowie Stressabbau können helfen, aus dem Tinnitus-Teufelskreis auszubrechen.

Hinweis: Für Patienten, deren Tinnitus auf einer Durchblutungsstörung des Innenohrs beruht, gibt es pflanzliche Präparate auf der Basis von Ginkgo biloba. Diesem Extrakt aus den Blättern des gleichnamigen Baumes wird eine durchblutungsfördernde Wirkung zugeschrieben.

Tinnitus: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Mediziner unterscheiden zwischen dem objektiven und subjektiven Tinnitus:

Objektiver Tinnitus

Objektiver Tinnitus entsteht durch eine messbare Schallquelle in der Nähe des Innenohrs. Mit geeigneten Geräten können die Ohrgeräusche des Patienten also auch für andere Menschen hörbar gemacht werden.

Bei der messbaren Schallquelle handelt es sich zum Beispiel um Strömungsgeräusche des Blutes, die durch Verengungen der Gefäße entstehen. In diesem Fall ist der Tinnitus ein pulsierendes Geräusch im Ohr. Andere Patienten beschreiben klickende Töne. Sie kommen durch unwillkürliche Muskelzuckungen im Mittelohr oder Gaumen zustande.

Eine offene Tube kann ebenfalls der Grund für objektiven Tinnitus sein. Die Tube (Ohrtrompete, Eustachische Röhre) ist die röhrenförmige Verbindung zwischen Mittelohr und Nasen-Rachen-Raum. Sie ist wichtig für den Druckausgleich im Mittelohr. Beim Schlucken und Sprechen öffnet sie sich kurz, um sich danach schnell wieder zu schließen. Bei Menschen mit offener Tube ist die Ohrtrompete aber dauerhaft oder zumindest über längere Zeit geöffnet. Das kann Ohrgeräusche verursachen.

Weitere mögliche Ursachen für objektiven Tinnitus sind Herzklappenerkrankungen, Anämie (Blutarmut) oder ein sogenannter Glomustumor. Das ist ein gutartiger Tumor im Bereich der Kopfschlagader.

Subjektiver Tinnitus

Wesentlich häufiger als der objektive ist der subjektive Tinnitus: Er lässt sich nicht für andere Menschen hörbar machen, sondern kann nur vom Betroffenen selbst wahrgenommen werden. Die genaue Entstehung von subjektivem Tinnitus ist noch nicht abschließend geklärt. Man weiß aber, dass die Ohrgeräusche durch eine fehlerhafte Informationsbildung bzw. -verarbeitung im Hörsystem zustande kommen. Bislang bekannte Ursachen dafür sind:

  • Schwerhörigkeit: Tinnitus und Schwerhörigkeit gehen oft Hand in Hand. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Geräusche auf ähnliche Weise entstehen wie Phantomschmerzen nach einer Amputation: Da aufgrund der Hörstörung entsprechende Signale aus einem bestimmten Hörspektrum ausbleiben oder nur noch schwach wahrgenommen werden, versucht das Gehirn, diesen Mangel zu kompensieren. Dazu reguliert es die Aktivität in den entsprechenden Bereichen nach oben – ein Tinnitus entwickelt sich. Für diese Annahme spricht auch, dass in solchen Fällen die Frequenz des Tinnitus-Geräusches oft in dem Bereich liegt, in dem der Betroffene schlecht hört.
  • Ohrenschmalz oder Fremdkörper im Ohr: Wenn der Gehörgang durch einen Schmalzpfropfen oder einen Fremdkörper verschlossen ist, können Ohrgeräusche resultieren.
  • Lärm- und Knalltrauma: Bei einem Knalltrauma ist der Druck im Ohr kurzzeitig so hoch, dass im Extremfall sogar das Trommelfell platzt. Der Auslöser kann ein Schuss, ein platzender Reifen, ein Böller sein - kurz: alles, was sehr plötzlich sehr viel Lärm macht. Aber auch nach einem lauten Konzert klingeln einem die Ohren, weil die Sinneszellen geschädigt wurden. Das Gehör funktioniert nicht mehr richtig, und ein (meist nur kurzzeitiger) subjektiver Tinnitus entsteht. Wer wiederholt seine Ohren einer Lärmbelastung aussetzt (z.B. durch laute Musik über Kopfhörer), kann ebenfalls Ohrensausen davontragen.
  • Hörsturz: Ein Hörsturz tritt plötzlich auf und äußert sich in einseitigen Hörproblemen. Experten sprechen auch von einem Hörinfarkt. Ursache sind vermutlich Durchblutungsstörungen der kleinsten Gefäße im Innenohr. In 70 Prozent der Fälle stellt sich nach einem Hörsturz ein Tinnitus ein.
  • Akustikusneurinom: Ohrgeräusche sind manchmal das erste Symptom dieses gutartigen Tumors des Hör- oder Gleichgewichtsnervs. Weitere mögliche Anzeichen sind Schwindel und vermindertes Hören.
  • Innen- und Mittelohrentzündungen: Solche Entzündungsprozesse lösen bei manchen Menschen einen vorübergehenden Tinnitus aus.
  • Otosklerose: Darunter versteht man eine Verknöcherung am Übergang zwischen dem Steigbügel (drittes Hörknöchelchen) und dem Innenohr. Sie kann ebenfalls einen subjektiven Tinnitus provozieren.
  • Trommelfellperforation: Solche Verletzungen des Trommelfells können zum Beispiel durch Infektionen des Mittelohrs auftreten, durch Schläge auf das Ohr oder durch Schallwellen. Seltener sind direkte Verletzungen, beispielsweise durch Reinigen der Ohren. Auch bei einer Trommelfellverletzung leidet das Hörvermögen, und es treten Ohrgeräusche entstehen.
  • Tubenfunktionsstörung: Das ist eine Belüftungsstörung der Ohrtrompete - die Verbindung zwischen Mittelohr und Rachen ist teilweise oder ganz blockiert. Das löst ein unangenehmes Druckgefühl im Ohr aus, das sich auch durch Gähnen oder Schlucken nicht bessert - die Ohrtrompete öffnet sich dabei nicht wie gewohnt. Außerdem berichten viele Betroffene über Ohrgeräusche, etwa ein Knacken beim Schlucken.
  • Morbus Menière: Typisch für diese Erkrankung des Innenohrs sind akute Drehschwindelanfälle, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Während solcher Anfälle leiden die Betroffenen meist auch unter Schwerhörigkeit und tieftonigen Ohrgeräuschen.
  • veränderte Druckverhältnisse im Ohr: Erhebliche Druckänderungen, wie sie sich etwa bei Tauchgängen oder Flugreisen ergeben können, kommen ebenfalls als Auslöser von Ohrensausen in Frage.
  • Arterienverkalkung (Arteriosklerose): Bilden sich in den Blutgefäßen von Kopf und Wirbelsäule Ablagerungen (Plaques), kann dies die Durchblutung des Innenohrs stören und Ohrgeräusche verursachen. Risikofaktoren für Arteriosklerose, die somit auch einen Tinnitus begünstigen, sind hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck und Diabetes.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: In manchen Fällen lässt sich der Tinnitus auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck oder Bluthochdruck zurückführen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Sie können ebenfalls Ohrgeräusche auslösen (z.B. Diabetes, Nierenfunktionsstörungen).
  • Störungen im Hormonhaushalt: Auch hormonelle Veränderungen (etwa durch die Wechseljahre) gelten als mögliche Ursache für Tinnitus.
  • Erkrankungen des Zentralen Nervensystems: Beispielsweise können Multiple Sklerose, Hirntumoren und Hirnhautentzündung (Meningitis) mit Ohrgeräuschen einhergehen.
  • Funktionsstörungen der Halswirbelsäule: Manche Experten glauben, dass der Tinnitus in einigen Fällen von Problemen der Halswirbelsäule (z.B. Wirbelblockade) ausgeht. Das ist allerdings umstritten.
  • Zahn- und Kieferprobleme: Sehr selten wird Tinnitus durch Zahnfüllungen, Zähneknirschen, Kieferfehlstellungen oder Verkrampfungen der Kaumuskulatur (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD) ausgelöst.
  • Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Genuss von Bier, Wein & Co. kann neben vielen anderen Gesundheitsproblemen auch Tinnitus nach sich ziehen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können das Hörsystem beeinflussen und so einen Tinnitus begünstigen. Das gilt zum Beispiel für bestimmte Antibiotika (wie Gentamycin), harntreibende Mittel (Diuretika), Chemotherapeutika (Krebsmedikamente), Mittel gegen Malaria, einige Psychopharmaka sowie für höhere Dosierungen des Schmerzmittels Acetylsalicylsäure (ASS).
  • emotionale Belastung: Etwa die Hälfte aller Tinnitus-Patienten berichtet von starkem Stress (aktuell oder in der Vergangenheit). Auch Ängste, Überforderung und psychische Erkrankungen können zu Ohrensausen führen, auch wenn man bislang noch nicht weiß, wie das möglich ist.
Wo der Tinnitus entsteht
Ohr-Anatomie (Tinnitus)
Ein Tinnitus entsteht häufig als Folge eines Hörsturzes, bei dem die Reizverarbeitung in der Gehörschnecke (Cochlea) beeinträchtigt ist.

Hinweis: Oft lässt sich auch gar keine Ursache für die Ohrgeräusche finden. Mediziner sprechen dann von einem idiopathischen Tinnitus.

Tinnitus: Symptome

Ohrensausen ist sehr verbreitet. Jeder Vierte hat laut Deutscher Tinnitus-Liga schon einmal einen Tinnitus gehabt, wenn auch glücklicherweise meist nur vorübergehend.

Tinnitus kann sich bei jedem Patienten unterschiedlich äußern. So können die Geräusche im Ohr beispielsweise als Brummen, Piepen, Summen, Rattern, Surren, Kreischen oder Rauschen beschrieben werden. Die Ohrgeräusche können gleichbleibend intensiv sein oder aber rhythmisch an- und abschwellen. In den allermeisten Fällen können nur die Betroffenen selbst die Töne hören. Mediziner sprechen dann von einem subjektiven Tinnitus. Er beruht auf einer Täuschung des Hörorgans und lässt sich, im Gegensatz zum objektiven Tinnitus, nicht mittels spezieller Untersuchungen feststellen.

Mediziner teilen Tinnitus abhängig von der Belastung, die er für die Betroffenen darstellt, in vier Schweregrade ein:

  • Grad 1: Der Tinnitus ist gut kompensiert und stört den Betroffenen nicht.
  • Grad 2: Der Tinnitus ist weitgehend kompensiert, tritt aber bei Stille in Erscheinung und wirkt unter Stress und in anderen belastenden Situationen störend.
  • Grad 3: Die Tinnitus-Symptome sind eine erhebliche Belastung im Berufs- und Privatleben des Patienten. Sie verursachen Probleme im kognitiven, emotionalen und körperlichen Bereich. Die Patienten leiden beispielsweise unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen sowie Gefühlen von Hilflosigkeit und Resignation.
  • Grad 4: Die Dauerbelastungen durch den Tinnitus sind so massiv, dass die Lebensqualität der Betroffenen extrem beeinträchtigt ist. Die Patienten können ihren Beruf nicht mehr ausüben, ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück und leiden unter massiven psychischen Störungen wie Ängsten oder Depression.

Tinnitus: Untersuchungen

Ein Tinnitus verschwindet in vielen Fällen von allein wieder, beispielsweise, wenn er nach dem Besuch eines lauten Konzerts auftritt. Gönnen Sie Ihren Ohren dann eine Beschallungspause und verzichten Sie auf weiteres Musikhören oder anderes akustisches Trommelfeuer. Treten die Ohrgeräusche erstmals in Belastungssituationen auf, hilft es meist, den Stresslevel herunterzufahren und sich zu entspannen.

Wenn das Rauschen im Ohr aber nach ein bis drei Tagen noch nicht verschwunden ist, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Der richtige                                        Ansprechpartner bei  Tinnitus ist der Hals-Nasen-Ohren-Arzt:

Er wird zuerst im Gespräch mit dem Patienten dessen Krankengeschichte erheben (Anamnese). Mögliche Fragen dabei sind:                                                              

  • Seit wann besteht der Tinnitus?
  • Trat er plötzlich oder schleichend auf?
  • Gab es mögliche Auslöser wie Lärm oder Stress?
  • Können Sie die Ohrgeräusche näher beschreiben?
  • Ist der Ton/das Geräusch im Ohr gleichbleibend oder pulsierend? Verändert er sich im Laufe des Tages oder abhängig von der Haltung des Kopfes?
  • Wie stark belastet Sie der Tinnitus?
  • Sind bei Ihnen irgendwelche Vorerkrankungen bekannt (Diabetes, Herzerkrankungen, Bluthochdruck etc.)?

An die Anamnese können sich verschiedenste Untersuchungen anschließen:

  • Ohrmikroskopie: Mithilfe eines Ohrmikroskops kann der Arzt Außenohr und Trommelfell untersuchen. Dabei lässt sich feststellen, ob ein Schmalzpfropf Ursache des störenden Geräusches ist oder ob das Trommelfell verletzt ist.
  • Hörtest: Im Rahmen einer sogenannten Audiometrie überprüft der Arzt die Hörleistung des Innenohrs. Versucht der Körper, eine Schwerhörigkeit auszugleichen, kann dies Ohrgeräusche hervorrufen.
  • Gleichgewichtsprüfung (Vestibularis-Diagnostik): Da sich das Gleichgewichtsorgan im Innenohr (Cochlear) befindet, ist ein gestörter Gleichgewichtssinn Hinweis darauf, dass die Ursache des Tinnitus in dieser Region liegt. Wie gut das Gleichgewichtsorgan funktioniert, lässt sich relativ einfach feststellen - beispielsweise, indem der Patient versucht, möglichst lange mit geschlossenen Augen auf einem Bein zu stehen.
  • Tympanogramm: Damit lässt sich die Beweglichkeit des Trommelfells ermitteln.
  • Spiegelung des Nasen-Rachen-Raums (Nasopharyngoskopie): Die Untersuchung zeigt, ob die Umgebung des Ohrs krankhaft verändert ist.
  • Hirnstammaudiometrie (BERA): Dabei handelt es sich um einen speziellen Hörtest, der die Funktion des Hörnervs überprüft.
  • Tinnitus-Matching: Bei dieser Untersuchung bestimmt der Arzt Lautstärke und Frequenz des Tinnitus-Tones.
  • Tinnitus-Masking: Diese Methode zeigt, ob und mit welchen Frequenzen sich der Tinnitus verdecken (maskieren) lässt. Dazu spielt der Arzt dem Patienten so lange verschiedene Töne über einen Kopfhörer vor, bis dieser den Tinnitus nicht mehr wahrnimmt. Experten bezeichnen die betreffende Frequenz als Maskierungslevel.
  • Weitere Tinnitus-Untersuchungen: Neben Störungen des Hörsystems können auch andere körperliche Probleme einen Tinnitus auslösen (wie Arterienverkalkung, Bluthochdruck, Zahn- oder Kieferfehlstellungen, Probleme der Halswirbelsäule etc.). Je nach Verdacht kann der Arzt deshalb zur Klärung entsprechende Untersuchungen durchführen, zum Beispiel Blutdruckmessungen, Blutuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen der Halsgefäße, Kernspintomografie, orthopädische Untersuchungen und Untersuchungen des Kauapparates.

Tinnitus: Auswirkungen

Für einige Menschen bleibt der Tinnitus ein lebenslanger Begleiter. Der Leidensdruck ist dabei ganz unterschiedlich – während manche das Brummen im Ohr kaum oder überhaupt nicht stört (kompensierter Tinnitus), bereitet es anderen großen Stress und schmälert ihre Lebensqualität erheblich. In extremen Fällen entwickeln die Betroffenen Angstzustände oder Depressionen. In schweren Fällen kommt es auch zu sozialer Isolation und Berufsunfähigkeit.

Sogenannte somatoforme Störungen können ebenfalls eine Tinnitus-Folge sein. Darunter versteht man körperliche Beschwerden, die keine klare körperliche Ursache haben. Das können zum Beispiel Müdigkeit, Erschöpfung, Herz-Kreislauf-Probleme, Magen-Darm-Beschwerden ooder sexuelle Störungen sein. Darüber hinaus wird der Tinnitus oft von weiteren Beschwerden begleitet wie etwa von Verspannungen im Hals- und Nackenbereich sowie der Kiefer- und Kaumuskulatur, nächtlichem Zähneknirschen (Bruxismus), Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen, Benommenheit, Schwindel, Ein- und Durchschlafstörungen.

Auf emotionaler Ebene kann Ohrensausen zu Konzentrationsstörungen, negativen Gedanken, dem Gefühl von Kontrollverlust und Hilflosigkeit, zu Resignation, Zukunftsangst und dem Verlust des Selbstwertgefühls führen. Menschen mit Tinnitus leiden zudem häufig an einer gestörten Hörverarbeitung und -wahrnehmung wie Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) und verzerrtem Hören (Dyakusis). Manche Betroffene berichten auch, dass sie Sprechen in normaler Lautstärke als zu leise und lautes Sprechen als Schreien empfinden (Recruitment).

Weiterführende Informationen

Bücher:

  • Tinnitus: Kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsmanual von Birgit Kröner-Herwig, Burkard Jäger und Gerhard Goebel, BELTZ, 2010
  • Tinnitus: Leiden und Chance von Helmut Schaaf und Gerhard Hesse, PROFIL Mchn, 2008

Leitlinien:

  • Leitlinie "" der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V (2015)

Selbsthilfe:

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