Haarausfall

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Vom krankhaften Haarausfall (Alopezie) spricht man, wenn einem über einen längeren Zeitraum mehr als 100 Haare pro Tag ausfallen. Die häufigste Form ist der erblich bedingte Haarausfall bei Männern. Aber welche Formen von Haarausfall gibt es noch? Und welche Mittel helfen am besten? Lesen Sie jetzt alles darüber!

Haarausfall

Haarausfall: Kurzübersicht

  • Formen: Erblich bedingter Haarausfall (mit über 60% häufigste Form), Kreisrunder Haarausfall, Diffuser Haarausfall, unspezifische Formen (z.B. durch Medikamente, Krankheit, mechanische Belastung)
  • Behandlung: richtet sich nach der Form. Einige vielverprechende Ansätze insbes. bei erblich bedingtem Haarausfall/Geheimratsecken (s. Tabelle)
  • Diagnostik: ausführliches Erheben der Vor- und Familiengeschichte (Anamnese, Familienanamnese), körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung, Epilationstest ("Ausreißversuch"), Trichogramm (Bestimmung der Wachstumphasenverteilung), Haaranalyse, Biopsie (Gewebeprobe der Kopfhaut), Ausschluss anderer Erkrankungen
  • Prognose: je nach Ursache unterschiedlich, oft langfristige (dauerhafte) Behandlung, früher Beginn verschlechtert Behandlungsaussichten. Kreisrunder Haarausfall heilt manchmal spontan.

Haarausfall: Welche Behandlung hilft?

"Was hilft gegen Haarausfall?" Das ist für die meisten Betroffenen die entscheidende Frage. Die Antwort hängt von Art und Ursache des übermäßigen Haarverlusts ab. So wird etwa eine hormonell-erblich bedingte Alopezie anders behandelt als ein Kreisrunder Haarausfall oder ein Haarausfall aufgrund von Mangelernährung. Insgesamt gilt: Der Erfolg einer medikamentösen oder sonstigen Haarausfall-Behandlung lässt sich schwer abschätzen - bei den einen wirkt die Behandlung, bei den anderen nicht.

In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht über die wirksamsten Medikamentenwirkstoffe und sonstigen Therapien, die bei den verschiedenen Formen von Haarausfall angewendet werden:

Art von Haarausfall

Mittel/Methode

Anmerkungen

Erblich bedingter Haarausfall

Finasterid

äußerliche Anwendung; nur für Männer

Minoxidil

äußerliche Anwendung; für Frauen und Männer

Antiandrogene

innerliche Anwendung; nur für Frauen

Kreisrunder Haarausfall

Dithranol (Cignolin, Anthralin)

äußerliche Anwendung

Glukokortikoide

äußerliche oder innerliche Anwendung

Topische Immuntherapie

äußerliche Anwendung; nur bei größeren kahlen Stellen

PUVA

äußerliche Anwendung von Psoralen plus Bestrahlung mit UV-A-Licht

Finasterid

Finasterid wurde ursprünglich nur bei gutartiger Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) verschrieben. Als Mediziner entdeckten, dass sich bei einigen Patienten unter Finasterid der Haarwuchs verbesserte, entwickelten Unternehmen eigene Präparate gegen erblich bedingten Haarausfall (Alopecia androgenetica).

Finasterid ist ein sogenannter 5α-Reduktase-Hemmer, das heißt: Er blockiert das Enzym 5α-Reduktase, das normalerweise das männliche Sexualhormon Testosteron in seine aktive Form Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. Bei Männern mit erblich bedingtem Haarausfall reagieren die Haarwurzeln überempfindlich auf DHT. Deshalb kann Finasterid bei den Betroffenen das Fortschreiten des Haarverlusts stoppen. Manchmal verdichten sich die Kopfhaare auch wieder. Die Wirkung zeigt sich allerdings meist erst nach drei bis sechs Monaten. Wird das Medikament abgesetzt, fallen die Haare erneut aus.

Der Wirkstoff ist rezeptpflichtig und wird in Form von Tabletten (1 mg) eingenommen. Höher dosierte Tabletten (5 mg) sind nur zur Behandlung von gutartiger Prostatavergrößerung zugelassen.

Nebenwirkungen: Finasterid kann unter anderem die sexuelle Lust (Libido) und das sexuelle Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Manche Männer berichten auch von einer Berührungsempfindlichkeit und/oder einem Spannungsschmerz der Brust.

Für Frauen ist dieses Mittel gegen Haarausfall nicht geeignet, da bei Schwangeren und Frauen im gebärfähigen Alter eine Schädigung des Fetus nicht auszuschließen ist.

Minoxidil

Minoxidil war wie Finasterid ursprünglich zur Behandlung einer ganz anderen Erkrankung gedacht - Bluthochdruck. Auch hierbei wurde als Nebenwirkung ein verstärkter Haarwuchs beobachtet. Daraufhin entwickelten Forscher eine Minoxidil-haltige Haartinktur, die zur äußerlichen Anwendung bei erblich bedingtem Haarausfall zugelassen ist. Bei weiblichen Patienten gilt Minoxidil als derzeit wirksamste Therapie.

Gelegentlich wird auch versucht, mit Minoxidil Kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) zu lindern, wobei sich hier aber kein nennenswerter Erfolg einstellt.

Der genaue Wirkmechanismus von Minoxidil ist unbekannt, könnte aber unter anderem in einer gesteigerten Durchblutung der Kopfhaut bestehen. Die wirkstoffhaltige Haartinktur ist rezeptfrei erhältlich - für Männer gibt es eine 5-prozentige, für Frauen eine 2-prozentige Lösung. In Tablettenform wird der Wirkstoff nur als Blutdrucksenker eingesetzt.

Nebenwirkungen: Die Haartinktur kann lokale Hautreaktionen wie Juckreiz, Rötung und Entzündung der Haut verursachen. Manchmal verstärkt sich der Haarwuchs im Gesicht. Selten kommt es zu Veränderungen des Blutdrucks. Dennoch sollten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Nebenwirkungen wie beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme) und Gewichtszunahme achten: Falls die Kopfhautbarriere nicht intakt ist (z.B. kleine Risse), kann der Wirkstoff in den Blutkreislauf geraten und eventuell solche unerwünschten Effekte hervorrufen.

In der Schwangerschaft und Stillzeit darf Minoxidil nicht angewendet werden.

Nach Absetzen von Minoxidil schreitet der androgenetische Haarausfall meist wieder fort.

Antiandrogene

Antiandrogene (wie Cyproteronacetat oder Dienogest) sind Substanzen, welche die Wirkung von Testosteron beziehungsweise dem stärker wirkenden Dihydrotestosteron (DHT) unterbinden, indem sie deren Andockstellen (Rezeptoren) besetzen. Manche Antiandrogene wie Chlormadinonacetat hemmen auch das Enzym 5α-Reduktase (wie Finasterid), sodass weniger DHT in den Zellen entsteht. Aufgrund dieser Wirkmechanismen sollen Antiandrogene gegen erblich bedingten Haarausfall bei Frauen helfen.

Nach den Wechseljahren können Antiandrogene allein verschrieben werden. Bei Frauen vor den Wechseljahren müssen sie in Kombination mit Östrogenen als Verhütungsmittel eingenommen werden. Denn während der Behandlung muss eine Schwangerschaft unbedingt vermieden werden: Antiandrogene würden bei einem männlichen Fötus die Genitalentwicklung stören und zur "Verweiblichung" führen.

Das Östrogen im Verhütungsmittel kann zudem die Wirkung gegen den Haarausfall verstärken: Es erhöht die Menge an sogenanntem Sexualhormon-bindendem Globulin (SHBG). In der Folge wird mehr Testosteron im Blut gebunden. Es kann aber nur freies Testosteron in die Haarfollikelzellen gelangen.

Nebenwirkungen: Antiandrogene können unter anderem die sexuelle Lust verringern.

Raucherinnen wird generell von der Einnahme von Sexualhormonpräparaten abgeraten, weil sie ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen, Embolien) haben. Durch die Hormone steigt dieses noch zusätzlich an.

Männer mit erblich bedingter Alopezie dürfen Antiandrogene nicht einnehmen, weil sie "verweiblichen" würden (zum Beispiel Wachstum der männlichen Brust = Gynäkomastie).

Dithranol (Cignolin, Anthralin)

Der Wirkstoff Dithranol wird vor allem in der Behandlung von Schuppenflechte (Psoriasis) eingesetzt. Der hautreizende Stoff wird aber manchmal auch auf kahle Stellen bei Kreisrundem Haarausfall aufgebracht: Die Hautirritation soll neues Haarwachstum anregen.

Nebenwirkungen: Mögliche Nebenwirkungen sind Rötungen der Haut, Braunverfärbungen der Haut, Haarverfärbungen (bei blondem und grauem Haar) sowie allergische Reaktionen der Haut auf den Kontakt mit Dithranol (Kontaktdermatitis).

Glukokortikoide ("Kortison")

Meist wird Kreisrunder Haarausfall äußerlich mit Kortison-Cremes oder -Lösungen behandelt. Sie sollen die entzündliche Immunreaktion an den betroffenen Stellen lindern. Bei manchen Patienten kann dies tatsächlich den Haarausfall stoppen und neue Haare sprießen lassen, bei anderen dagegen nicht. Wenn die Behandlung erfolgreich ist, dann im Allgemeinen nur solange sie andauert: Wir die Kortisontherapie beendet, fallen die Haare oft wieder aus.

In bestimmten Fällen kann der Arzt auch Kortison-Spritzen in die kahlen Stellen verabreichen. Starker Haarausfall kann auch mit Kortison in Tablettenform behandelt werden. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist dabei aber besonders groß.

Nebenwirkungen: Die äußerliche Anwendung von Kortison kann zum Beispiel allergische Reaktionen hervorrufen. Besonders bei innerlicher Anwendung besteht auf Dauer die Gefahr von systemischen (den ganzen Körper betreffenden) Nebenwirkungen. Dazu zählen zum Beispiel eine Schwächung des Immunsystems (mit Wundheilungsstörungen, erhöhter Infektanfälligkeit etc.), Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), Menstruationsstörungen und das Cushing-Syndrom.

Topische Immuntherapie

Wenn Kreisrunder Haarausfall zu größeren kahlen Stellen geführt hat, kann unter Umständen eine Topische Immuntherapie helfen. Dabei wird durch Aufbringen des Wirkstoffes Diphencypron (Diphenylcyclopropenon, DCP) gezielt eine allergische Kontaktdermatitis ausgelöst und durch wiederholte Behandlung aufrecht erhalten. Das soll die Immunzellen von einem Angriff auf die Haarwurzeln "ablenken". Experten vermuten nämlich eine Autoimmunreaktion bei Kreisrundem Haarausfall - also einen Angriff von Immunzellen auf die Haarwurzeln aufgrund einer Fehlsteuerung des Immunsystems.

Nebenwirkungen: Die aufwändige Therapie kann unter anderem die Bildung von überschießenden Ekzemen auf den behandelten Hautstellen auslösen. Sie sollte deshalb nur von speziell geschulten Ärzten durchgeführt werden.

Falls die Behandlung anschlägt und die Haare nachwachsen, kann es später dennoch zu einem Rückfall kommen.

PUVA

Die Behandlung von Kreisrundem Haarausfall mittels PUVA umfasst die Anwendung eines photoxischen Stoffes (Psoralen), gefolgt von einer Bestrahlung der kahlen Stellen mit UV-A-Licht. Das soll den Angriff der Immunzellen auf die Haarwurzeln stoppen. Im Allgemeinen wird das Psoralen äußerlich appliziert (etwa als Creme). Die Behandlungsmethode gilt als ähnlich erfolgreich wie die Topische Immuntherapie. Allerdings ist das Rückfallrisiko höher.

Nebenwirkungen: Im Allgemeinen wird das Psoralen äußerlich als Creme angewendet (Topische PUVA). Besonders bei zu hoher Konzentration können sich auf der behandelten Hautpartie nach der UV-A-Bestrahlung unerwünschte Reaktionen wie etwa eine Art Sonnenbrand zeigen.

Man könnte Psoralen auch innerlich (als Tablette) anwenden, bevor man die Haut bestrahlt. Diese systemische PUVA ist aber nicht erfolgversprechender als eine topische. Zudem birgt sie ein höheres Risiko für Nebenwirkungen wie etwa ein höheres Hautkrebs-Risiko.

Angriffspunkte verschiedener Mittel gegen Haarausfall
Wirkungsorte der Mittel gegen Haarausfall

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall

Neben erblich bedingtem und kreisrundem Haarausfall gibt es noch weitere Formen von Haarverlust. Wenn jemand mehr oder weniger gleichmäßig über den ganzen Kopf Haare verliert, sprechen Mediziner von Diffusem Haarausfall. Er kann unterschiedlichste Grüne haben: Oft wird er durch bestimmte Medikamente verursacht, zum Beispiel durch Mittel gegen erhöhte Blutfettwerte (Lipidsenker), Krebsmedikamente (Zytostatika) oder Mittel gegen Schilddrüsenüberfunktion (Thyreostatika). Nach Beenden der Therapie legt sich der Haarausfall meist wieder. Je nach Medikament kann es auch möglich sein, die Dosis zu verringern oder auf ein alternatives Präparat umzusteigen, das den Haaren weniger schadet.

Manchmal wird Diffuser Haarausfall von Infektionen oder anderen Erkrankungen (wie Schilddrüsenerkrankungen) verursacht, dies es zu behandeln gilt. Steckt Eiweiß- oder Eisenmangel hinter dem übermäßigen Haarverlust, muss das Defizit über die Ernährung oder Ersatzpräparate ausgeglichen werden.

Auch bei einem vernarbenden Haarausfall (narbige Alopezie) ist die Behandlung der Grunderkrankung (Lupus erythematodes, Knötchenflechte etc.) die beste Strategie gegen den Verlust der Haare.

Ein mechanisch bedingter Haarausfall lässt sich stoppen, indem man einen übermäßigen Zug auf die Haarwurzeln vermeidet. Das heißt zum Beispiel, auf einen straff gebundenen Pferdeschwanz zu verzichten und die Haare öfters offen zu tragen.

Haartransplantation

Geheimratsecken und Hinterkopfglatze, die sich bei Männern mit erblich bedingtem Haarausfall bilden, lassen sich mit einer Eigenhaartransplantation kaschieren. Dabei werden am noch stärker behaarten Hinterkopf kleine Gewebsstücke mit Haarfollikeln, die meist nicht empfindlich auf Testosteron reagieren, herausgeschnitten und an die kahlen Stellen "verpflanzt". Der Eingriff sollte von einem erfahrenen Dermatologen durchgeführt werden.

Für Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall ist eine Eigenhaartransplantation oft wenig geeignet, weil sich bei ihnen meist keine umschriebenen kahlen Stellen (wie Hinterkopfglatze) bilden, sondern die Haare allgemein ausdünnen (besonders am Oberkopf). Zu einer völligen Kahlheit kommt es dabei meist nicht.

Auch bei Kreisrundem Haarausfall ist eine Haartransplantation nicht angebracht, weil nach einigen Monaten die Haare oft von allein wieder nachwachsen (Spontanheilung).

Was Sie selbst tun können

Der Handel bietet zahlreiche frei verkäufliche Produkte gegen Haarausfall an. So gibt es zum Beispiel Koffein-Shampoo gegen Haarausfall, Klettenwurzel- und Sägepalmenextrakt, Produkte mit Vitamin H, Hirseextrakt oder Taurin. Sie versprechen etwa, das Haarwachstum anzuregen und die Haare zu erhalten, indem sie die Kopfhaut und die Durchblutung stimulieren. Bei den meisten dieser Mittel steht der Beweis für die Wirksamkeit aber noch aus.

Das Gleiche gilt für Haarwässer mit Alfatradiol (17-α-Estradiol). Der Wirkstoff kann ähnlich wie Finasterid das Enzym 5α-Reduktase und damit die Bildung von hoch wirksamem Dihydrotestosteron (DHT) hemmen. Deshalb wird es Männern mit erblich bedingtem Haarausfall empfohlen. Die Wirksamkeit ist aber nicht wissenschaftlich eindeutig belegt.

Oftmals werden auch Präparate mit Zink gegen Haarausfall eingenommen. Sie führen allerdings nur selten zum Erfolg, haben aber zumindest keine Nebenwirkungen. Oft wird auch Biotin bei Haarausfall empfohlen, besonders auch bei Kreisrundem Haarausfall, der oft von Nagelveränderungen begleitet wird. Denn Biotin ist (ebenso wie Zink) allgemein für gesunde Haare und Nägel wichtig. Die Wirksamkeit von Biotin gegen Haarausfalll ist allerdings umstritten.

Der richtige Haarschnitt oder eine andere Frisur kann kahle Stellen oder dünner werdende Haarpartien verdecken. Lassen Sie sich vor Ihrem Friseur beraten!

Auch Haarersatz kann die betroffenen Stellen kaschieren. Es gibt heute Perücken und Toupets aus Echt- und Kunsthaar in allen Formen und Farben, die sich vorübergehend oder dauerhaft befestigen lassen. Mit manchem Haarersatz können Sie sogar schwimmen gehen. Lassen Sie sich auf jeden Fall in einem Zweithaarstudio professionell beraten! Fragen Sie auch bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie sich an den Kosten für einen Haarersatz bei Haarausfall beteiligt.

Haarausfall: Ursachen

Die verschiedenen Formen von Haarausfall haben unterschiedlichste Ursachen.

Erblich bedingter Haarausfall

Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie) ist die weitaus häufigste Form von Haarausfall und betrifft vor allem Männer: Bei den Betroffenen weisen die Haarwurzeln eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit gegenüber männlichen Sexualhormonen (Androgenen) auf, darunter vor allem gegenüber Dihydrosteron (DHT). Das ist die wirksamere Variante von Testosteron. Bei den betroffenen Männern wird die Wachstumsphase (Anagenphase) der Haare immer kürzer, und die Follikel schrumpfen zunehmend. Sie produzieren schließlich nur noch kurze, dünne, kaum sichtbare Wollhaare (Vellushaare). Diese können bestehen bleiben oder schließlich auch noch ausfallen, ohne dass neue Haare nachgebildet werden.

Bei Frauen kommt erblich bedingter Haarausfall viel seltener vor. Gelegentlich steckt eine Erkrankung mit gestörter Östrogen-Produktion bzw. erhöhter Testosteron-Produktion dahinter wie etwa das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom). Bei den meisten betroffenen Frauen ist der Testosteronspiegel aber normal. Hier wird die Ursache vielmehr in einer verminderten Aktivität des Enzyms Aromatase in Kombination mit einer genetisch bedingten Empfindlichkeit einiger (nicht aller) Haarwurzeln gegenüber Androgenen vermutet:

Das Enzym Aromatase wandelt an den weiblichen Haarfollikeln die männlichen Sexualhormone (Androgene) in weibliche Sexualhormone (Östrogene) um. Bei Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall ist diese Enzymaktivität reduziert. Die Folge: An den empfindlichen Haarfollikeln steigt die Konzentration der Androgene. Gleichzeitig werden vor Ort weniger Östrogene gebildet, denen eine fördernde Wirkung auf das Haarwachstum zugesprochen wird.

Haarwachstumszyklus
Haarwachstumszyklus
Ein Haar durchläuft im Wachstumszyklus drei Phasen: Die Wachstums-, Übergangs-, und Ausfallphase. In der Ausfallphase beginnt bereits die Wachstumsphase des nächsten Haares.

Kreisrunder Haarausfall

DIe genauen Ursachen für den Kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) sind bis heute nicht geklärt. Es stehen aber einige Faktoren im Verdacht, zur Entstehung dieser Form von Alopezie beizutragen:

Meist wird vor allem eine Autoimmunreaktion verantwortlich gemacht: Aufgrund einer Störung attackiert das Immunsystem die Haarwurzeln, sodass die Haare schließlich ausfallen. Für diese Vermutung spricht, dass Menschen mit Kreisrundem Haarausfall manchmal auch unter Autoimmunerkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) leiden.

Außerdem können auch eine genetische Veranlagung und psychische Faktoren die Entstehung der Alopecia areata begünstigen, glauben Experten.

Mehr darüber lesen Sie im Beitrag Kreisrunder Haarausfall.

Diffuser Haarausfall: Ursachen

Bei der diffusen Alopezie werden die Haarwurzeln geschädigt. Dies führt zu einem mehr oder weniger gleichmäßig am ganzen Kopf auftretenden Haarausfall, wodurch sich das Kopfhaar zunehmend lichtet und die Kopfhaut durchscheint. Die Ursachen können vielfältig sein. Die wichtigsten sind:

  • bestimmte Medikamente, zum Beispiel Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie bei Krebs, Mittel gegen Schilddrüsenüberfunktion (Thyreostatika), Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien), Mittel gegen erhöhte Blutfettwerte (Lipidsenker) oder die Pille (Ovulationshemmer)
  • Infektionskrankheiten wie Typhus, Tuberkulose, Syphilis, Scharlach, schwere Grippe
  • Stoffwechselerkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenunterfunktion
  • Schwermetallvergiftungen (etwa mit Arsen oder Thallium)
  • längerfristige Mangelernährung, etwa durch Crash-Diäten oder Fastenkuren oder aber infolge einer gestörten Nahrungsverwertung
  • Strahlentherapie bei Krebserkrankungen in der Kopfregion

Diffuser Haarausfall bei der Frau kann auch mit der Hormonumstellung nach einer Geburt zusammenhängen, sodass etwa zwei bis drei Monate nach der Entbindung verstärkt die Haare ausfallen. Das legt sich aber nach zwei bis vier Monaten meist von allein wieder.

Sonstige Ursachen von Haarausfall

Neben den drei Hauptformen von Haarausfall gibt es noch weitere Ursachen für spärlichen Haarwuchs beziehungsweise verstärkten Haarverlust. Dazu gehören:

  • anhaltender Zug an den Haarwurzeln, etwa durch häufiges Tragen eines straff gebundenen Zopfes oder Pferdeschwanzes (diese Traktionsalopezie betrifft vor allem den Stirn- und Schläfenbereich)
  • Narben oder Gewebeschwund (Atrophie) im Kopfbereich, etwa infolge von Infektionen durch Pilze oder Bakterien, Lupus erythematodes, Knötchenflechte (Lichen ruber planus), Schuppenflechte (Psoriasis), Sklerodermie (vernarbende Alopezie)
  • zwanghaftes Reißen oder Zupfen an den Haaren (Trichotillomantie), oft bei neurotischen Kindern
  • Gendefekt, der bewirkt, dass gar keine oder nur spärlich Haare wachsen (angeborene Alopezie)

Haarausfall bei Frauen

Wenn Frauen unter schütter werdendem Haar oder sogar kahlen Stellen am Kopf leiden, kann das verschiedenste Ursachen haben. Der häufigste Grund für Haarausfall bei Männern - die erblich bedingte Alopezie - kommt bei Frauen viel seltener vor, ist aber möglich. Erkennbar ist er meist an einer Ausdünnung der Haare im Scheitelbereich.

Runde, kahle Flecken im Haarkleid deuten auf Kreisrunden Harausfall hin. Weit verbreitet ist ein allgemeiner Haarverlust (diffuse Alopezie) bei Frauen. Er kann zum Beispiel im Rahmen von Hormonumstellungen (etwa nach der Geburt oder in den Wechseljahren) auftreten, aber auch andere Erklärungen haben.

Eine Zusammenfassung über die möglichen Ursachen von Haarausfall bei Frauen sowie die Behandlungsmöglichkeiten finden Sie im Beitrag Haarausfall bei Frauen.

Haarausfall: Untersuchungen und Diagnose

Wenn Sie unter Haarausfall leiden, sollten Sie als erstes den Hausarzt aufsuchen. Manchmal kann er bereits die Ursache feststellen, etwa einen Eisenmangel anhand einer Blutuntersuchung. Bei Bedarf kann er Sie an einen Facharzt überweisen. Das kann zum Beispiel ein Dermatologe sein (etwa bei Verdacht auf eine Hauterkrankung) oder ein Endokrinologe (bei Verdacht auf eine hormonelle Ursache).

Erhebung der Krankengeschichte

Erster Schritt bei der Abklärung von Haarausfall ist das Anamnesegespräch, also das Arzt-Patienten-Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte. Der Arzt fragt dabei zum Beispiel, seit wann der Haarausfall besteht, ob Sie einen bestimmten Auslöser vermuten, welche Medikamente Sie anwenden und ob irgendwelche Grunderkrankungen bei Ihnen bekannt sind.

Körperliche Untersuchung

Dann folgt eine körperliche Untersuchung. Der erblich bedingte Haarausfall beispielsweise lässt sich oft schon am Muster der Ausdünnung beziehungsweise Glatzenbildung eindeutig diagnostizieren: Stirnglatze, eine kahle Stelle am Hinterkopf (Tonsur) und Geheimratsecken sind ebenfalls wegweisend:

Geheimratsecken

Einen zurückweichenden Haaransatz im oberen Schläfenbereich beklagen vor allem Männer. Bei manchen bilden sich Geheimratsecken schon im jungen Erwachsenenalter aus. Sie sind oft das erste Anzeichen für eine erblich bedingte Alopezie. Bei Frauen mit dieser Form von Haarausfall entwickeln sich Geheimratsecken dagegen nur sehr selten.

Die wachsende Kahlheit im oberen Schläfenbereich ist meist "nur" ein ästhetisches Problem. In ganz seltenen Fällen können Geheimratsecken aber auch auf ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen hindeuten. Dazu zählen Prostatakrebs und Herzerkrankungen.

Mehr über Geheimratsecken sowie über Gesundheitsrisiken, die mit ihnen in Verbindungen stehen können, lesen Sie im Beitrag Geheimratsecken.

Rundliche, völlig kahle Stellen auf der Kopfhaut ohne Anzeichen einer Hautveränderung (wie Entzündung oder Narbenbildung) weisen auf Kreisrunden Haarausfall hin. Darfür sprechen auch sogenannte Ausrufungszeichen-Haare (Komma-Haare), die sich oft im Randbereich der kahlen Stellen finden lassen: Dabei handelt es sich um kurz abgebrochene Haare, die sich schmerzlos herausziehen lassen und statt einer normalen runden eine spitz zulaufende Wurzel besitzen. Darüber hinaus weisen Menschen mit Kreisrundem Haarausfall auch oft Veränderungen der Fingernägel (Rillen, Grübchen) auf.

Die kreisrunden, kahlen Stellen bilden sich manchmal auch an anderen behaarten Körperstellen, etwa im Bart, in der Achsel- oder Schambehaarung. Gelegentlich fallen den Betroffenen komplett alle Körperhaare aus, was als Alopecia areata universalis bezeichnet wird. Ein solch extremer Haarausfall ist aber selten. Ebenso nur vereinzelt kommt es vor, dass den Patienten die Wimpern ausfallen.

Blutuntersuchung

Eine Blutuntersuchung ist vor allem bei diffusem Haarausfall aufschlussreich. Es werden unter anderem die Eisenwerte, die Schilddrüsenwerte und die Entzündungswerte (wie Anzahl der Leukozyten, Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit) bestimmt. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf mögliche Ursachen des Haarausfalls wie Eisenmangel, Schilddrüsenüberfunktion oder entzündliche Erkrankungen.

Bei jüngeren Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall wird empfohlen, die Blutspiegel der Androgene und Östrogene zu bestimmen. Das ist vor allem dann notwendig, wenn die Frauen auch Anzeichen für einen erhöhten Androgenspiegel zeigen wie Zyklusunregelmäßigkeiten und männlicher Behaarungstyp (Hirsutismus).

Epilationstest

Mit einem Epilationstest lässt sich ein vermuteter Haarausfall bestätigen: Dabei ergreift der Arzt ein kleines Büschel Haare und zieht daran. Lassen sich auf diese Weise an mehreren Stellen der Kopfhaut Haare ausreißen, liegt wahrscheinlich ein verstärkter Haarausfall vor.

Trichogramm

Das Trichogramm ist ein mikroskopisches Untersuchungsverfahren, mit dem sich krankhafte Vorgänge an Haarwurzeln und Haarschaft erkennen lassen. Haare durchlaufen im Laufe ihres Lebens verschiedene Phasen (Haarzyklus):

  • Wachstums- oder Anagenphase:Die Phase des aktiven Haarwachstum dauert meist vier bis sechs Jahre, manchmal auch bis zu zehn.
  • Übergangs- oder Katagenphase: Sie dauert ein bis zwei Wochen, in denen es zum funktionellen Rückbau des Haarfollikels kommt und das Haar in Richtung Kopfhautoberfläche verschoben wird.
  • Ruhe- oder Telogenphase: Sie umfasst drei bis vier Monate, in denen kein Stoffwechsel mehr stattfindet - das Haar "ruht". Am Ende wird es abgestoßen (es fällt aus).

Anhand des Trichogramms lässt sich abschätzen, wie groß der Anteil der Haare in den einzelnen Stadien ist. Das hilft bei der Abklärung des Haarausfalls.

Zur Erstellung des Trichogramms wird mithilfe eines Haarclips ein geeignetes Kopfhautareal freigelegt. Dann wird eine dichte Reihe von etwa 20 bis 50 Haaren mit einer Arterienklemme dicht über der Kopfhaut gegriffen und mit kurzem, kräftigen Ruck in Wuchsrichtung herausgezogen. Die Haarwurzeln werden unter dem Mikroskop untersucht, um festzustellen, in welchem Stadium des Haarzyklus sie sich gerade befinden.

Bei einem normalen Trichogramm befinden sich mehr als 80 Prozent der ausgerissenen Haare im Wachstumsstadium (Anagenphase) und weniger als 20 Prozent im Abstoßungsstadium (Telogenphase). Nur wenige Haare (ein bis drei Prozent) zeigen das Übergangsstadium (Katagenphase) und sind daher unter dem Mikroskop meist schwer auszumachen.

Ein verstärkter Haarausfall liegt vor, wenn der Anteil der Anagenhaare weniger als 80 Prozent und der Anteil der Telogenhaare entsprechend mehr beträgt. Ein Telogenanteil von bis zu 50 Prozent weist auf einen ausgeprägten Haarausfall hin. Bei der Auswertung eines Trichogramms müssen aber immer das Anamnesegespräch und die Ergebnisse der köerplichen Untersuchung berücksichtigt werden.

Übrigens: Das Auszupfen der Haare ist bei dieser Untersuchung unumgänglich. Manche Patienten bringen ausgefallene Haare mit, in der Hoffnung sich das Auszupfen zu ersparen. Für das Trichogramm sind sie aber wertlos, weil sie sich klarerweise alle in der Abstoßungsphase /Telogenphase) befinden.

Computergestützte Haaranalyse

Mittlerweile kann man ein Trichogramm auch mithilfe einer Digitalkamera und einer speziellen Computer-Software erstellen. Dem Patienten müssen dafür keine Haare ausgerissen werden. Stattdessen wird ein kleines Kopfhautareal an einer nicht sichtbaren Stelle rasiert. Drei Tage später färbt man das Areal und die nachwachsenden Haare mit einem Haarfarbstoff und fotografiert das Ganze in starker VergrößerunDas Ergebnis liefert dem Arzt Hinweise auf die Haardichte und die Aktivität der Haarfollikel.

Biopsie

Manchmal muss eine kleine behaarte Kopfhautprobe (mitsamt der Haarfollikel) herausgeschnitten und genauer unter die Lupe genommen werden. Das kann etwa bei vernarbender Alopezie oder bei ungeklärtem diffusen Haarausfall notwendig sein. Die Gewebeentnahme sollte gut überlegt werden: Sie ist schmerzhaft, hinterlässt eine Narbe und an der betroffenen Stelle wachsen keine Haare mehr nach.

Sonstige Untersuchungen

Vermutet der Arzt eine bestimmte Grunderkrankung als Ursache für den Haarausfall, können weitere Untersuchungen notwendig sein. Beispielsweise wird zur Abklärung einer Schilddrüsenüberfunktion oft eine Ultraschall-Untersuchung oder eine Szintigrafie der Schilddrüse durchgeführt.

Haarausfall: Prognose

Die Prognose bei erblich bedingtem Haarausfall ist sehr unterschiedlich. Generell gilt: Je früher im Leben der Haarausfall beginnt, desto schlechter die Prognose.

Der Verlauf von Kreisrundem Haarausfall lässt sich nicht vorhersagen. In vielen Fällen kommt es zu einer Spontanheilung - die ausgefallen Haare wachsen nach, sodass die kahlen Stellen wieder verschwinden. Allerdings sind Rückfälle möglich, also dass die Haare erneut ausfallen.

Bei anderen Patienten bleibt die Spontanheilung aus, und die kahlen Stellen bleiben dauerhaft bestehen. Viele Betroffene greifen dann zu einer Perücke. Unter Umständen beteiligt sich die Krankenkasse am Kauf dieses Haarteils. Nachfragen lohnt sich!

Der diffuse Haarausfall ist oft vorübergehend: Wenn die Ursache (wie Eisenmangel, Chemotherapie, Vergiftungen etc.) beseitigt wird, wachsen die Haare wieder nach. Ein Haarausfall nach einer schweren Infektion oder nach einer Geburt legt sich ebenfalls von allein wieder. Eine Therapie ist hier im Allgemeinen nicht notwendig.

Bei vernarbender Alopezie ist der Haarverlust unumkehrbar: Die ausgefallenen Haare können nicht nachwachsen, weil die Haarfollikel geschädigt sind.

Ein mechanisch bedingter Haarausfall normalisiert sich meist wieder, wenn man die schädigende Belastung der Haarwurzeln (etwa durch straffes Binden eines Pferdeschwanzes oder Zopfes) vermeidet.

Übrigens: Am besten lässt sich Haarausfall vorbeugen, der mechanisch bedingt ist oder durch eine Mangelernährung verursacht wird. Tragen Sie Ihre Haare also öfters locker gebunden oder offen und versorgen Sie Ihren Körper regelmäßig mit allen wichtigen Nährstoffen und Mineralstoffen (Eiweiß, Eisen, B-Vitamine etc.)!

Weiterführende Informationen

Buchempfehlungen:

  • Wirksame Hilfe bei Haarausfall: Ursachen erkennen, Lösungen finden Tipps für einen selbstbewussten Alltag (Jenny Latz, 2007, TRIAS)

Selbsthilfegruppen:

Alopecia Areata Deutschland e.V.

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