Zu viel Salz blockiert das Gehirn

Salzstreuer
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Eine sehr salzreiche Ernährung kann die Hirnfunktionen beeinträchtigen. Das Gehirn wird schlechter durchblutet. Damit nimmt die Gedächtnisleistung ab – bis hin zur Demenz. Das gilt zumindest für Mäuse.

Sechs Gramm Salz – mehr sollte ein erwachsener Mensch pro Tag möglichst nicht verzehren. Das empfehlen die Gesundheitswächter der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Hauptgrund für den Ratschlag ist, dass Salz den Blutdruck in die Höhe treiben kann. Damit steigt das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Salzdiät für Mäuse

Nun haben Forscher um Giuseppe Faraco von der Cornell University in New York eine weitere negative Konsequenz hohen Salzkonsums entdeckt: Salz verschlechtert die Gedächtnisleistungen.

Für ihr Experiment hatten die Wissenschaftler Mäuse auf eine stark salzhaltige Diät gesetzt: Vier beziehungsweise acht Prozent der Nahrung bestanden aus Salz. Das entspräche einer Ernährung von Menschen, die extrem salzig essen, schreiben die Forscher.

Verloren im Labyrinth

Nach acht Wochen zeigten die Tiere deutliche Gedächtniseinbußen: Gegenstände, die sie bereits kennengelernt hatten, beäugten sie beim wiederholten Mal genauso intensiv wie bei ersten Mal. Artgenossen, denen man keine Salzkur verordnet hatte, waren dann deutlich weniger interessiert. Und auch bei einem Lauf durch ein Labyrinth, das sie bereits erkundet hatten, schnitten die Salzmäuse erheblich schlechter ab.

Schlecht durchblutetes Hirn

Bilder aus dem Magnetresonanztomographen (MRT) zeigten warum die Tiere so schlecht zurechtkamen: Die Hirnrinde und der für das Speichern von Erinnerungen entscheidende Hippocampus waren schlechter durchblutet - und zwar um ganze 28 beziehungsweise 25 Prozent.

Die erste Hypothese der Forscher lautete, dass das Salz Entzündungen in den Blutgefäßen des Gehirns verursacht haben könnte, die die Gedächtnis Leistung störten. Dieser Verdacht bestätigte sich nicht. Auch war der Blutdruck der Tiere zur Überraschung der Forscher unter der Salzkur nicht angestiegen.

Aggressive Immunzellen

Als Ursache des Phänomens entpuppte sich eine bislang unbekannte Verbindung zwischen Verdauung und Gehirn: Unter der salzreichen Kost stieg die Zahl der sogenannten TH17-Immunzellen an. Diese können Entzündungsprozesse anstoßen.

Unter anderem schütten sie dazu Interleukin-17 aus. Der Botenstoff gelangt über das Blut auch ins Gehirn. Dort behindert er die Versorgung der Gefäße mit Stickstoffmonoxid, das für die Weitstellung der Blutgefäße nötig ist. In der Folge wird das Gehirn nicht ausreichend durchblutet.

Das dies auch auf menschlichen Salzkonsumenten zutreffen könnte, legen Labortests mit menschlichen Zelllinien nahe. Denn Interleukin-17 gibt es auch dort.

Dieser Zustand ist umkehrbar: Ein Teil der Tiere erhielt wieder normale Kost. Nach einigen Wochen normalisierte sich ihre Merkfähigkeit wieder. Bei Mäusen, die weiterhin versalzenes Futter bekamen hingegen spitzte sich die Situation zu: Sie hatten sogar Probleme, ein Nest zu bauen. Für die Nager ein deutliches Anzeichen von Demenz.

Derartig hohe Mengen Salz werden von Menschen allerdings normalerweise kaum konsumiert. „In asiatischen Ländern ist der Salzanteil aber teilweise schon nahe an solche Werten“, sagt Faraco auf Nachfrage von e-happiness. In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie sich deutlich niedrigere Salzmengen von ein bis zwei Prozent auswirken. „Insbesondere über einen länger Zeitraum könnten auch dann Beeinträchtigungen auftreten“, so Faraco.

Wirkstoff verbessert Hirnleistung

Mit einem Wirkstoff namens ROCK Inhibitor Y27632 gelang es dem Forscher uns seinem Team, auch die Folgen extremen Salzkonsums abzupuffern: Die Hirnleistung der Tiere verbesserte sich wieder. Er verhindert, dass zu wenig Stickstoffmonoxid in den Gefäßen produziert wird. “Dieser Mechanismus bietet einen interessanten Ansatz für zukünftige Forschung zu den Ursachen kognitiver Einbußen“, so Faraco.

Auch Patienten mit anderen Erkrankungen, die mit Interleukin-17 zusammenhängen, könnten davon profitieren. Dazu gehören Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis und entzündliche Darmerkrankungen.

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