Zika-Virus lässt Tumore schrumpfen

Zika Viren
aktualisiert am
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Die Zika-Epidemie in Südamerika versetzte 2015 werdende Eltern in Angst und Schrecken. Bei Kindern, die sich im Mutterleib infizierten, griff das Virus die neuronalen Stammzellen im Gehirn an und zerstörte sie.

Tausende kamen mit viel zu kleinen Köpfen, einem Mikrocephalus, und schweren Behinderungen zur Welt. Genau diese Eigenschaft der Viren lässt sich aber zukünftig vielleicht sogar heilbringend einsetzen: Die Erreger attackieren aggressive Hirntumoren. Zumindest bei Mäusen hat das bereits verblüffend gut funktioniert.

Menschliche Tumore in Mäusehirnen

Forscher um Oswaldo Keith Okamoto hatten Zelllinien verschiedener menschlicher Tumoren des Zentralen Nervensystems in Mäusehirne gepflanzt. Nachdem die Forscher den Tieren kleine Mengen des gereinigten Virenmaterials injizierten, machte sich der Krankheitserreger ans Werk. „Er springt sogar noch besser auf die Tumor-Zellen an als auf neuronale Stammzellen“, sagt Okamoto.

Bei 20 der 29 behandelten Tier schlug das Virus so gut an, dass sich die Tumoren deutlich verkleinerten und in sieben Nagerköpfen sogar völlig verschwanden. Bei manchen Tieren wendeten sich die Erreger sogar gegen Metastasen, die sich bereits gebildet hatten.

Aggressiv und schwer zu behandeln

Bösartige embryonale Tumore des Zentralen Nervensystems sind die häufigste Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Sie entstehen aus unreifen Zellen, die besonders schnell wachsen. Das Medulloblastom beispielsweise ist ein Tumor des Kleinhirns. Es tritt vor allem bei Kindern zwischen vier und fünf Jahren auf. Der atypische teratoide/rhabdoide Tumor, kurz ATRT, trifft noch jüngere Kinder bis zwei Jahre. Die Prognose bei dieser Krebsform ist schlecht, die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt.

Auf Tumorzellen spezialisiert

Auch aus diesem Grund ist der neuartige Therapieansatz so verlockend: „Wir wollen baldmöglichst mit zwei bis drei Probanden starten“, sagt Mayana Zatz, die zweite Hauptautorin der Studie. Dafür müsse aber sichergestellt sein, dass die Behandlung für die kleinen Patienten möglichst sicher ist.

„Zu diesem Zeitpunkt können wir nicht ausschließen, dass das Virus gerade bei sehr jungen Kindern noch nicht völlig ausdifferenzierte Neuronen schädigt“, sagt Okamoto auf Rückfrage von e-happiness. Dennoch sind die Forscher diesbezüglich optimistisch: Das Virus scheint die Tumorzellen gegenüber neuronalen Stammzellen deutlich zu bevorzugen.

Neuronen, die sich bereits ausdifferenziert haben, nehmen erst recht keinen Schaden. „Wir haben außerdem gesehen, dass infizierte Tumorzellen schnell absterben und keine infektiösen viralen Partikel in den Körper streuen“, so Okamoto. Dennoch sollten weitere Untersuchungen solche Sicherheitsbedenken ausschließen.

Hohe Heilungschancen, geringes Risiko?

Tatsächlich galt Zika bis zum Ausbruch 2015 als weitgehend harmlos. Die meisten Infizierten zeigten überhaupt keine Symptome, andere entwickelten nur leichtes Fieber, Hautausschlag und Kopfweh. Schwere Folgeerkrankungen wie das Guillain-Barr-Syndrom, das mit Lähmungserscheinungen einhergeht, waren sehr selten. Angesicht der Aggressivität der Hirntumore und den schweren Nebenwirkungen, die eine klassische Chemotherapie mit sich bringt, stufen die Forscher die Zika-Therapie als vielversprechend ein.

Versuche, auch andere Krebsformen wie Brust oder Prostatakrebs mit Zika-Viren zu behandeln, verliefen nicht erfolgreich. Allerdings stehen die Chancen gut, dass auch andere Formen von Hirntumoren wie das Glioblastom sich mit den Viren bekämpfen lassen.

www.steroid-pharm.com

www.steroid.in.ua/products/sustaver

www.unc-mps.com.ua