Wer zu viel trinkt, wird früh dement

Pärchen das jeweils ein Glas Wein trinkt
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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Alkohol ist ein Nervengift. Wenig überraschend ist daher, dass größere Mengen nicht nur die Leber ruinieren, sondern auch das Gehirn schädigen. Vor allem für Demenzen vor dem 65. Lebensjahr ist Alkoholmissbrauch der Hauptrisikofaktor.

Mehr als die Hälfte der Demenzkranken, die jünger als 65 Jahre sind, sind alkoholabhängig oder leiden unter einer Erkrankung, die Folge des Konsums ist. Dazu gehören alkoholbedingte Leberzirrhosen, Kopfverletzungen durch alkoholbedingte Stürze oder das Wernicke-Korsakoff-Syndrom.

Vor allem „jüngere“ Männer betroffen

Michaël Schwarzinger und Kollegen von der Sorbonne haben Daten von fast 32 Millionen Patienten ausgewertet, die zwischen 2008 und 2013 aus französischen Kliniken entlassen wurden.

57.000 der unter 65-Jährigen litten demnach an einer Demenz. Davon waren zwei Drittel Männer. Im höheren Alter ist es genau umgekehrt. Hier stellen die Frauen zwei Drittel der Patienten.

Alkoholmissbrauch und Folgeerkrankungen waren unter den jüngeren Demenzpatienten stark verbreitet: Eine solche Diagnose traf auf 67 Prozent der Männer und 39 der Frauen in dieser Gruppe zu. Somit erwies sich Alkohol als stärkster Risikofaktor für eine früh einsetzende Demenz.

Hirnschäden durch Alkohol

Am häufigsten waren dabei Demenzen, die direkt auf eine Hirnschädigung durch Alkohol zurückzuführen waren. Aber auch alle anderen Demenzformen wie Alzheimer oder vaskuläre Demenz wurden durch starken Alkoholkonsum begünstigt.

„Die meisten Übersichtsseiten schreiben geringem bis mäßigen Alkoholkonsum eine mögliche positive Wirkung auf das Gedächtnis zu“, so die Autoren. Doch seien solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen. Tatsächlich gingen selbst moderate Trinkmengen häufig mit Schädigungen der Hirnstruktur einher. Zudem seien viele Studien zum Alkoholkonsum und seinen Folgen methodisch schlecht.

Nicht nur Suchtkranke betroffen

Alkohol kann auf vielfältige Weise das Gehirn schädigen. Das betrifft nicht nur Menschen, die suchtkrank sind, sondern jeden, der zu viel trinkt.

Ethanol und sein Abbauprodukt Acetaldehyd wirken neurotoxisch, sie zerstören also direkt die Nervenzellen. Folgen sind bleibende strukturelle und funktionelle Schäden des Gehirns.

Gefährlicher Thiamin-Mangel

Ein starker Alkoholkonsum löst zudem einen Thiamin-Mangel aus, der das Wernicke-Korsakoff-Syndrom verursacht. Die Krankheit geht mit schweren Gedächtnisstörungen einher. Diese werden von den Patienten typischerweise durch erfundene Geschichten aufgefüllt.

Angegriffene Blutgefäße

Ein hoher Alkoholkonsum schädigt außerdem die Blutgefäße, unter anderem weil Alkohol den Blutdruck in die Höhe treibt. Damit steigt das Risiko für eine vaskuläre Demenz. Sie entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn und ist nach Alzheimer die zweithäufigste Demenzform.

Trinken begünstig zudem andere gesundheitliche Probleme, die ebenfalls Hirnschäden verursachen können. Dazu gehören Epilepsie, Kopfverletzungen und die Hepatische Enzephalopathie. Diese Leber-Hirn-Störung ritt auf, wenn die Leber nicht mehr richtig arbeitet und sich daher Giftstoffe im Gehirn ansammeln.

Alkoholmissbrauch und – sucht in Deutschland

In Deutschland liegt der pro Kopf Konsum reinen Alkohols bei rund zehn Litern im Jahr. Das ist ein ganzer Eimer. Mehr als 1,8 Millionen Menschen sind hierzulande alkoholabhängig, weitere 1,6 Millionen betreiben einen schädlichen Gebrauch.

Indiz für einen schädlichen Konsum ist eine tägliche Trinkmenge von mehr als 60 g reinem Alkohol bei Männern und mehr als 40 g Alkohol bei Frauen.

Ein riskanter Alkoholkonsum liegt aber bereits vor, wenn Frauen mehr als 20 g Alkohol am Tag und Männer mehr als 40 gkonsumieren. In Deutschland trinkt jeder fünfte Mann und jede zehnte Frau riskant.