Verhütung: Erste hormonfreie Pille für den Mann

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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Versuche, eine Verhütungspille für den Mann zu entwickeln, sind schon häufig fehlgeschlagen. Ähnlich wie bei der Pille für Frauen hatten Forscher bisher auf eine hormonelle Verhütungsstrategie gesetzt. Sie soll die Spermienproduktion blockieren oder die Spermien funktionsuntüchtig machen.

Doch die Nebenwirkungen waren zu gravierend: Sie reichten von sexueller Unlust über langfristige Einschränkungen der Fruchtbarkeit bis hin zu Schädigungen des Nachwuchses. Australische Forscher haben nun einen völlig neuen Ansatzpunkt gefunden: Sie wollen den Spermientransport zeitweilig lahmlegen.

Pumpmuskeln chemisch lahmlegen

Damit die kleinen Schwimmer sich auf den Weg zur Eizelle machen können, müssen sie von Muskeln ins Ejakulat gepumpt werden. Das Signal für die Kontraktion erhalten diese über zwei Proteine: α1A-Adrenoceptor und P2X1-Purinoceptor. Schaltet man sie aus, bleiben die Muskeln inaktiv und das Ejakulat spermienfrei.

Libido und Spermienqualität bleiben unbeeinträchtigt

„Wir setzen darauf, den Spermientransport zu unterbrechen, anstatt die Entwicklung und Reifung der Spermien zu stören“, erklärt Studienleiter Ventura vom Monash Institute of Pharmaceutical Sciences. Dabei würden die Spermien unbeschädigt bleiben. Auch Libido und sexuelle Aktivität der Männer würden nicht leiden.

Dass die Blockade eine Befruchtung zuverlässig verhindert, haben die Wissenschaftler bereits in vorangegangenen Experimenten mit Mäusen zeigen können. Dabei hatten sie die beiden Proteine genetisch ausgeschaltet. Nun soll derselbe Effekt mit einem oralen Verhütungsmittel erzielt werden.

Suche nach einer chemischen Blockade

α1A-Adrenoceptor lässt sich bereits mit einem bekannten Wirkstoff blockieren. Ein entsprechendes Pendant für P2X1-Purinoceptor suchen die Forscher um Sab Ventura jetzt. „Bei diesem nicht-hormonellen Ansatz bleiben die Spermien unbeeinträchtigt“. Die Fruchtbarkeit werde also vollständig wiederhergestellt, sobald man die Medikamente absetzt.

„Obwohl wir wirksame Verhütungsmethoden für Frauen haben, gibt es jedes Jahr noch immer 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften“, sagt Ventura. Es sei daher offensichtlich, dass nicht für jeden eine zufriedenstellende Option zur Verfügung stünde.

Hormonelle Verhütungsmittel für Frauen haben Nebenwirkungen.

Die hormonelle Empfängnisverhütung für die Frau ist zwar noch immer das verbreitetste und sicherste Verhütungsmittel. Dennoch verzichten viele Frauen darauf. Denn die Einnahme der Pille ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Insbesondere steigt die Gefahr für Thrombosen und damit für lebensgefährliche Lungenembolien. Weitere Nebenwirkungen sind Stimmungsschwankungen, reduzierte sexuelle Lust, Übelkeit, Kopfschmerzen sowie Schmerzen und Spannungsgefühle im Brustbereich.

Wirksam als Potenzmittel?

Von der hormonfreien Pille für den Mann sind derartige Nebenwirkungen nicht zu erwarten. Zudem könnte sie neben ihrer empfängnisverhütenden Wirkung auch noch einen potenzfördernden Effekt haben: „Es erweitert die Blutgefäße – und das ist genau das, was auch Viagra tut“, sagt Ventura. Spätestens dieser Nebeneffekt könnte manchen verhütungsmuffeligen Mann von der Einnahme überzeugen.

Die Forscher rechnen damit, die Pille für den Mann in fünf bis zehn Jahren auf den Markt bringen zu können.