Tinnitus-Therapie: Ausgebremste Phantomtöne

Beim Tinnitus meldet das Gehirn einen Ton, der eigentlich gar nicht da ist.
Dr. Andrea Bannert

Dr. Andrea Bannert ist seit 2013 bei e-happiness. Die promovierte Biologin und Medizinredakteurin forschte zunächst in der Mikrobiologie und ist im Team die Expertin für das Klitzekleine: Bakterien, Viren, Moleküle und Gene. Sie arbeitet freiberuflich zudem für den Bayerischen Rundfunk und verschiedene Wissenschaftsmagazine und schreibt Fantasy-Romane und Kindergeschichten.

Es brummt, piepst, summt oder rauscht im Ohr: Ein Tinnitus kann die Betroffenen sehr stark belasten. Bisher verfügbare Therapien helfen längst nicht allen Patienten. Das könnte sich bald ändern: Eine gleichzeitige Stimulation von Hörsinn und Hautnerven erzielte in einer ersten klinischen Studie vielversprechende Erfolge.

Phantomsignale

Wie genau ein Tinnitus entsteht, darüber sind sich Wissenschaftler im Detail noch nicht einig. Meist ist das störende Ohrgeräusch nicht wirklich vorhanden. Das Gehirn gaukelt dem Patienten nur vor, dass es piepst oder ein anderes Geräusch ertönt. Dabei spielt ein kleines Hirnareal eine Schlüsselrolle: der sogenannte dorsale cochleare Nucleus. Er sitzt im Hirnstamm und feuert bei Menschen mit Tinnitus übereifrig Signale.

Genau dort setzten Studienleiterin Susan Shore und ihre Kollegen von der University of Michigan an, um eine neue Therapie gegen die Ohrgeräusche zu entwickeln. Mit Hilfe kaum spürbarer elektrischer Impulse bremsen die Forscher den überaktiven Hirnbereich ein. Dazu kleben sie Elektroden auf bestimmte Stellen an Kopf und Nacken des Patienten. Parallel hört dieser über einen Kopfhörer eine maßgeschneiderte Tonspur, die zu seinem Tinnituston passt.

„Die gleichzeitige Stimulation von Nerven und Hörzentrun stört die Übertragung des Phantomsignals ans Gehirn“, erklärt Shore. Entscheidend sei dabei aber die richtige Abfolge der Pulse und Töne.

Deutlich leiseres Tönen

Ein erster Test erzielte vielversprechende Ergebnisse: 20 Patienten mit einem hartnäckigen Tinnitus bekamen täglich vier Wochen lang über 30 Minuten die Doppelstimulation. Eine gleichgroße Gruppe wurde mit funktionslosen Elektroden behandelt, hörte aber auch Töne über Kopfhörer. Weder die behandelnden Ärzte, noch die Patienten wussten, wer welche Behandlung erhielt.

Bei allen Patienten, die die tatsächliche Therapie bekamen, ließen die Ohrgeräusche im Laufe der Behandlungen nach, im Schnitt um zwölf Dezibel. Das ist erheblich, denn pro sechs Dezibel halbiert sich die Lautstärke. Der Tinnituston hatte somit nur noch ein Viertel der Lautstärke wie zuvor. Zwei Probanden wurden ihren Tinnitus sogar ganz los. Dagegen brachte die Scheinbehandlung keine messbare Verbesserung.

Wie oft und für wen?

In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun die optimale Therapiedauer herausfinden und ermitteln, für wen die Methode besonders gut geeignet ist. „Möglicherweise können die Patienten die Behandlung dann mit einem speziellen Therapie-Set selbst von zu Hause aus durchführen“, sagt Shore.

Drei Millionen haben Ohrensausen

In Deutschland leiden drei Millionen Menschen unter Tinnitus. Bei vielen verschwindet er schnell von selbst wieder - oder nach spätestens drei Monaten. Bleibt er länger, spricht man von einem chronischen Tinnitus, der sich dann meist nicht mehr von alleine bessert.

Das Geräusch an sich ist nicht gefährlich. Tinnitus kann aber schwerwiegende seelische Folgen nach sich ziehen wie Schlafstörungen, Angstzustände oder Depressionen. Auslöser für das Brummen, Säuseln oder Piepsen im Ohr gibt es viele, etwa ein Knalltrauma, Stress, eine Mittelohrentzündung, ein Hörsturz, Verletzungen des Trommelfells oder ein Tumor im Ohr.

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