Sonnencreme: Anwender überschätzen Schutzeffekt

Frau beim Sonnenbaden
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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Wer sich mit Sonnenmilch eincremt, wähnt sich in puncto Hautschutz auf der sicheren Seite. Tatsächlich tragen viele Anwender trotzdem Hautschäden davon. Das Problem ist die falsche Anwendung.

Kaum jemand trägt Sonnenschutzprodukte so üppig auf, wie vom Hersteller empfohlen. Mindestens zwei Milligramm pro Quadratzentimeter sollen es sein. Wird weniger gecremt, sinkt der Lichtschutzfaktor rapide.

Simulierter Alltagstest

Forscher vom King's College London haben nun untersucht, welche Schäden das sparsame Cremen zur Folge hat. „Bislang gab es keine Daten dazu, wie Sonnencreme schützt, wenn sie im Alltag angewendet wird“, schreiben die Forscher. Die Resultate zeigen, dass selbst Sonnenmilch mit dem hohen Lichtschutzfaktor 50 nur 40 Prozent ihrer Schutzwirkung entfaltet, wenn sie in der gemeinhin sparsamen Manier aufgetragen wird.

Sonnenschutz im Auftragstest

Für die Untersuchungen hatten die Wissenschaftler um Prof. Antony Young 16 hellhäutige Frauen und Männer rekrutiert. Bei acht von ihnen trugen sie ein Produkt mit hohem Lichtschutzfaktor in unterschiedlicher Stärke auf: 0.75 Milligramm, 1.3 Milligramm sowie die empfohlenen 2 Milligramm pro Quadratzentimeter Haut.

Anschließend wurden die so geschützten Partien mit künstlichem Sonnenlicht der Stärke 30 SED bestrahlt. Ein unbehandelter Hautabschnitt erhielt zur Kontrolle eine deutlich niedrigere Strahlendosis von 4 SED.

Was passiert im Badeurlaub?

Die übrigen acht Teilnehmer nahmen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen künstliche Sonnenbäder, was einen typischen Badeurlaub simulieren sollte. Auch bei diesen Teilnehmern wurde Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor in den drei verschiedenen Mengen getestet. Die UV-Strahlung lag bei 15 oder 30 SED. Ein unbehandelter Kontrollabschnitt der Haut erhielt lediglich eine Strahlendosis von 1 SED täglich.

Anschließend wurden den Probanden kleine Hautproben entnommen, um sie auf DNA-Schäden hin zu untersuchen.

Haut, die mit 2 Milligramm Sonnenschutzmittel pro Quadratzentimeter geschützt war, zeigte im Vergleich zu ungeschützter Partien deutlich weniger DNA-Schäden – obwohl Letztere eine deutlich niedrigere Strahlendosis abbekommen hatten.

0,75 Milligramm reichen nicht

Auch bei einer Menge von 1.3 Milligramm pro Quadratzentimeter war die Schutzwirkung immer noch klar erkennbar. Dagegen hatten 0,75 Milligramm Sonnenschutzmittel kaum noch einen Effekt im Vergleich zu weniger bestrahlter, ungeschützter Haut.

Dass sorgfältiger Sonnenschutz auch in einem mehrtägigen Urlaub greift, zeigt folgendes Ergebnis: Selbst bei fünf Tagen UV-Bestrahlung wiesen die am besten geschützten Hautpartien weniger Schäden auf als nach einer eintägigen, niedrigen Dosis auf ungeschützter Haut.

Höhere Lichtschutz wählen

„Es besteht kein Zweifel, dass Sonnencreme einen wichtigen Schutz vor krebserregenden UV-Strahlen bietet. Unsere Untersuchung zeigt aber, dass die Art der Anwendung eine zentrale Rolle dafür spielt, wie effektiv sie ist“, sagt Studienleiter Young. Trotzdem wendeten die meisten Leute Sonnenmilch nicht so an, wie sie von den Herstellern empfohlen werde. „Sie sollten daher einen deutlich höheren Lichtschutzfaktor wählen, als sie zu benötigen glauben“, so der Forscher.