Frau mit Bauchschmerzen

Reizdarm: Den Ursachen auf der Spur

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Blähungen, Durchfälle, Verstopfungen, Krämpfe – die Beschwerden, die ein Reizdarmsyndrom verursachen kann, sind vielfältig und können sehr belastend sein. Die Krankheit ist weit verbreitet – nach Schätzungen leidet jeder sechste Mensch in Deutschland darunter. Doch noch immer kennt man die genauen Ursachen nicht – und es gibt keine Therapie, die das Übel wirklich an der Wurzel packt.

Veränderte Proteine in der Darmwand

Wissenschaftler der Technischen Universität München sind der Klärung einen Schritt näher gekommen. Das Team um Dr. Sabine Bühner und Prof. Michael Schemann untersuchte dazu Proben aus der Darmschleimhaut von 20 Reizdarmpatienten. Die Forscher fanden heraus, dass darin die Zusammensetzung- und Mengenverhältnisse von mehr als 200 Proteinen auf typische Weise vom Normalbild abwich.

Veränderte Nervenfunktion als Ursache

Bei den Proteinen handelt es sich um sogenannte Proteasen. Diese fungieren als Verdauungsenzyme, aber auch als Botenstoffe im Darm. Offenbar bewirken die veränderten Proteasemuster eine veränderte Nervenaktivität im Darm der Patienten - und das verursacht letztlich die reizdarmtypischen Beschwerden. Eine Schlüsselrolle spielt dabei ein Rezeptor, der als Andockstelle für die Proteasen fungiert: der protease activated receptor 1 (PAR1).

Unterschiede zu Colitis ulcerosa

Interessanterweise waren die Proteasen nicht nur im Vergleich zu den Darmschleimhautproben von sieben gesunden Personen verändert, die den Forschern als Kontrollgruppe dienten. Sie unterschieden sich auch von denen Proteasemustern aus Proben von zwölf Patienten mit derzeit inaktiver Colitis ulcerosa. Diese entzündliche Darmerkrankung geht mit ähnlichen Symptomen einher wie ein Reizdarm.

Bislang hatte man angenommen, dass ein Reizdarm möglicherweise eine milde Verlaufsform von Cholitis ulerosa ist. Dies konnte die Studie nicht bestätigen: PAR1 spielte hier keine Rolle.

98-prozentige Trefferquote

Nach Berechnungen der Forscher lag die Vorhersagekraft des Proteaseprofils für die Diagnose Reizdarm bei 98 Prozent. „Das ist aber bei der geringen Probenzahl wirklich mit Vorsicht zu genießen“, sagt Studienleiter Schemann auf Nachfrage von e-happiness. Die Ergebnisse müssten in einer großen Studie mit mehreren hundert Patienten bestätigt werden.

Die Forscher gehen zudem davon aus, dass sich das entdeckte Proteaseprofil nicht bei allen Patienten finden lässt. „Es wird wahrscheinlich nicht für alle Reizdarmpatienten gelten, da diese doch ein sehr heterogenes Patientenkollektiv bilden“, sagt Schemann.

Direkter Nachweis für Reizdarm?

Dennoch könnten spezielle Proteasemuster künftig die Diagnosestellung erleichtern. Denn bislang müssen Ärzte erst alle anderen möglichen Ursachen für die Beschwerden ausschließen, um einen Reizdarm festzustellen. Neben einer Colitis ulcerosa können bespielweise auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten Auslöser der typischen Symptome sein.

Option auf wirksame Medikamente?

Zudem ist es den Forschern gelungen, die überschießende Nervenaktivierung mit einem speziellen Protease-Hemmer zu blockieren. Diesen haben sie aus einem bestimmten Stamm von probiotischen Darmbakterien (Bifidobacterium longum NCC3001) isoliert. „Das könnte ein Ansatz für eine künftige Behandlung mit Medikamenten sein“, so Schemann. Der Forscher betont jedoch, dass der Blocker derzeit nicht als Wirkstoff zur freien Verfügung steht.

Bislang lassen sich nur die Symptome eines Reizdarmes lindern: mit entsprechenden Mitteln gegen Verstopfung, Durchfall oder Blähungen. Auch Bewegung, Stressreduktion oder eine Psychotherapie können helfen, den gereizten Darm zu beruhigen. Eine Therapie der Ursachen des Syndroms steht derzeit nicht zur Verfügung.

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