Probiotika: Geblähter Bauch, vernebelter Kopf

Probiotika Kapseln
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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Stoffwechsel, Immunabwehr und sogar das Gefühlsleben: Darmbakterien haben einen enormen Einfluss auf den Menschen und seine Gesundheit. Das zeigt eindrucksvoll eine Flut von Studien der letzten Jahre. Um das eigene Mikrobiom positiv zu beeinflussen, nehmen inzwischen auch immer mehr gesunde Menschen sogenannte Probiotika ein. Sie enthalten lebende, gesundheitsfördernde Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien. Doch das kann drastische Nebenwirkungen haben.

Forscher um Dr. Satish Rao von der Augusta University rekrutierten 38 Patienten, die trotz unauffälliger medizinischer Befunde chronisch unter nicht erklärbaren Blähbäuchen mit Schmerzen, Spannungsgefühlen und Darmwinden litten.

Verwirrt, unkonzentriert, vergesslich

30 von ihnen zeigten außerdem kognitive Probleme wie mentale Verwirrung, eingeschränktes Urteilsvermögen, schlechtes Kurzzeitgedächtnis und Konzentrationsschwierigkeiten. Im englischsprachigen Raum wird dieses Phänomen als „brain fogginess“ (Gehirnnebel) bezeichnet.

Die mentalen Probleme traten vor allem nach Mahlzeiten auf und hielten dann zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden an. Bei einigen Teilnehmern waren sie so ausgeprägt, dass die Betroffenen ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten. Alle 30 Teilnehmer mit „Gehirnnebel“ nahmen Probiotika ein. Von den acht Studienteilnehmern ohne kognitive Probleme nahm nur einer Probiotika ein.

Massive Bakterienbesiedlung im Darm

Mit Hilfe von Bakterienkulturen konnten die Forscher prüfen, ob sich im Dünndarm der Probanden massiv Darmkeime angesiedelt hatten. Bei den Teilnehmern mit „Gehirnnebel“ war das bei jedem zweiten der Fall. Bei den Probanden ohne kognitive Probleme traf das nur auf jeden vierten zu.

Insbesondere fanden die Forscher im Dünndarm größere Mengen von Milchsäurebakterien, die den Einfachzucker Glukose zu D-Laktatazidose verstoffwechseln. D-Laktatazidose wirkt zeitweilig toxisch auf Gehirnzellen. Bei einigen Teilnehmern mit “Gehirnnebel“-Symptomen war die Menge an D-Laktatazidose dreimal so hoch wie gewöhnlich.

Zudem litten in der Gruppe der „Gehirnnebel“-Betroffenen 76 Prozent unter einer Übersäuerung von Gewebe und Blut durch Laktat (Laktatazidose). Unter den kognitiv unbeeinträchtigten Teilnehmern waren es nur 30 Prozent.

Antibiotika fürs Gehirn

Im Anschluss an diese Untersuchungen setzten die Teilnehmer mit „brain fogginess“ die Probiotika ab. Außerdem erhielten sie Antibiotika, welche die Darmbakterien reduzierten. In vielen Fällen ließen daraufhin die Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen und Krämpfe nach. Außerdem verschwanden bei 85 Prozent der Teilnehmer die kognitiven Probleme vollständig. Bei den übrigen besserten sie sich teilweise deutlich. „Jetzt, wo wir das Problem kennen, können wir es auch behandeln“, sagt Rao.

Bei den acht Teilnehmern ohne kognitive Beeinträchtigungen wiesen immerhin vier massive Bakterienansammlungen im Darm auf. Auch sie erhielten Antibiotika. Dadurch besserten sich ebenfalls die Magen-Darm-Symptome wie Bauchschmerzen, Krämpfe und Blähungen.

„Probiotika sind eine große Hilfe, wenn es darum geht die Darmflora beispielsweise nach einer Antibiotikatherapie wieder aufzubauen“, sagt Studienleiter Rao. Als Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Menschen sind sie hingegen mit Vorsicht zu genießen.

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