Kälte; eingefrorene Zweige

Im Winter fällt das Denken schwerer

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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Im Sommer und Frühherbst ist das Gehirn besonders leistungsfähig. Im Winter nimmt das Denkvermögen hingegen messbar ab. Manche Fähigkeiten leiden besonders.

Wie gut das Gehirn arbeitet, ist von vielen Faktoren abhängig: Schlaf, Ernährung, psychische Gesundheit, Alter und körperliche Aktivität sind nur einige davon. Nun zeigt sich, dass auch die Jahreszeiten eine Rolle spielen. Im Winter und Frühjahr arbeitete das Denkorgan deutlich schlechter als im Sommer und Herbst.

„Bei jüngeren Personen hatte man dieses Phänomen schon früher beobachtet“, berichtet Andrew Lim von der University of Toronto. Allerdings sei die Studienlage nicht ganz einheitlich gewesen. Lim und Kollegen haben den Zusammenhang von Jahreszeit und Hirnleistung nun auch bei älteren Menschen untersucht. Dazu werteten sie drei Studien mit insgesamt 3.353 Senioren aus.

Alle Untersuchungen hatten die kognitive Leistungsfähigkeit der Teilnehmer ermittelt, aber auch verschiedene biologische Faktoren, zum Beispiel die Menge der Ablagerungen im Gehirn.

Winterstarre im Gehirn

Die Auswertung ergab, dass die Senioren im Winter und Frühjahr bei kognitiven Tests deutlich schlechter abschnitten. Das galt für geistig fitte Senioren ebenso wie für jene, die bereits unter einer Demenz litten. Der Leistungsverlust entsprach einer Alterung des Gehirns um immerhin 4,8 Jahre. Dementsprechend wurden in den leistungsschwächeren Jahreszeiten Demenz und milde kognitive Störungen, die oft eine Vorstufe von Demenz sind, häufiger diagnostiziert.

Auch bestimmte Proteine, die mit Alzheimer in Verbindung stehen, fanden die Forscher in Winter und Frühling in größerer Menge im Nervenwasser. Zudem war die Aktivität der bislang bekannten, an Alzheimer beteiligten Gene erhöht.

Geschwächtes Arbeitsgedächtnis

Besonders stark machten sich die Leistungseinbußen im Arbeitsgedächtnis bemerkbar, das für viele Aufgaben notwendig ist. Es ermöglicht, verschiedene Informationseinheit für kurze Zeit gleichzeitig parat zu halten. Das ist für Aufgaben nötig wie Kopfrechnen, aber auch beim Autofahren, während man sich unterhält, oder ein Gespräch zu führt, bei dem man sich erinnert, was der andere gesagt hat, um passend zu antworten. Ist das Arbeitsgedächtnis beeinträchtigt, werden solche Aktivitäten anstrengender – man kann sich nicht lange konzentrieren.

Spielen Tageslicht und Temperatur eine Rolle?

Warum das Denken im Winter und im Frühjahr schwerer fällt, dafür gibt es viele mögliche Erklärungen. Licht und Temperatur könnten dabei eine Rolle spielen. „Wenn sich das bestätigt, dann könnten Maßnahmen wie eine Lichttherapie die Leistung des Gehirns das ganz Jahr über unterstützen“, schreiben die Autoren.

Lebensstil ändert sich mit den Jahreszeiten

Auch Faktoren wie körperliche Aktivität, Schlafgewohnheiten und Ernährung ändern sich mit den Jahreszeiten und könnten die Gedächtnisleistung beeinflussen. Diese waren im Rahmen der Studien zwar abgefragt worden, hatten aber keinen Einfluss erkennen lassen. Allerdings wurden sie nicht systematisch erfasst. Sie basierten ausschließlich auf den Erinnerungen der Teilnehmer, was grundsätzlich problematisch ist, da ein solches Verfahren sehr ungenau ist.

Innere Uhr wirkt auch im Gehirn

Auch die Psyche wird von den Jahreszeiten beeinflusst. So treten in den dunklen Monaten häufiger depressive Verstimmungen auf, die die kognitiven Leistungen ebenfalls beeinträchtigen können. Hinzu kommen Faktoren wie der Blutspiegel von Vitamin D, Testosteron und Melatonin, die durch die innere Uhr auch abhängig von den Jahreszeiten reguliert werden. „Leider lagen uns zu diesen Messwerten keine Daten vor“, schreiben die Forscher.

Zudem wurden die Teilnehmer nur einmal im Jahr untersucht. Daher konnten die Forscher keine personenbezogenen, jahreszeitlichen Leistungsschwankungen messen – beispielsweise, ob sich die Leistung nach einem Wintertief im Sommer tatsächlich wieder messbar verbessert. „Untersuchungen derselben Personen zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr, die Verhalten und physiologische Faktoren erfassen, würden helfen, die wichtigsten Einflussfaktoren zu identifizieren“, so die Forscher.

Jüngere kompensieren die Jahreszeiten besser

Dass vorangegangene Untersuchungen an jüngeren Personen nicht so eindeutig Leistungsschwankungen des Gedächtnisses zeigen, wie die Studien bei älteren Teilnehmern, führen die Forscher darauf zurück, dass in jungen Jahren einschränkende Faktoren noch besser kompensiert werden.

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