Höheres Demenzrisiko nach Kopfverletzung

Fahrradsturz
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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Ein Sturz, ein Verkehrsunfall oder ein Schlag gegen den Kopf – jedes Jahr erleiden 50 Millionen Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma. Besonders häufig trifft es junge, aktive Menschen. Oft geht es vergleichsweise glimpflich aus – bei einer Gehirnerschütterung reichen ein paar Tage Ruhe und die Sache scheint ausgestanden.

Langzeitfolgen fürs Hirn

Doch selbst in solchen Fällen können die Langzeitfolgen gravierend sein: Das Risiko, später an Alzheimer oder anderen Demenzen zu erkranken, steigt. Wie sehr, hängt von der Schwere und der Häufigkeit der Verletzungen ab.

Wissenschaftler der Universitäten Washington und Aarhus haben 2,8 Millionen dänische Patientendaten ausgewertet. Im Schnitt wurde der gesundheitliche Werdegang der erfassten Personen 36 Jahre lang verfolgt.

Höheres Risiko bereits nach leichten Traumata

„Wir waren überrascht, dass selbst ein leichtes Trauma mit einem deutlich höheren Risiko für eine Demenz einhergeht“, sagt Studienleiter Prof. Jesse Fann von der University of Washington. Den Auswertungen zufolge stieg das Demenzrisiko nach einem einzigen gravierenden Trauma um 33 Prozent, nach einer Gehirnerschütterung um immerhin 17 Prozent.

Mit häufigeren Verletzungen steigt das Risiko rasant

Besonders bedenklich wird es, wenn jemand häufiger ein Hirntrauma erleidet. Das gilt auch, wenn man die Schwere nicht berücksichtigt. Nach einem einzigen Trauma steigt das Demenzrisiko um 33 Prozent, bei zwei bis drei Traumata sind es bereits 33 und nach vier 61 Prozent. Nach fünf und mehr Verletzung ist das Risiko, dement zu werden, um ganze 183 Prozent erhöht.

„Wer bereits ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hat, sollte alles dafür tun, weitere Hirnverletzungen zu vermeiden“, betont Fann. In vielen Sportarten können Helme vor leichten und schweren Kopfverletzungen schützen.

Die Gefahr, mehrfach am Kopf verletzt zu werden, ist besonders in Kontaktsportarten wie Boxen, Football und Hockey groß, aber auch für Soldaten im Kampfeinsatz.

Frühes Trauma, frühe Demenz

Besonders besorgniserregend sei, dass das Demenz-Risiko für Menschen, die in jungen Jahren ein Schädel-Hirn-Trauma erleiden, besonders hoch sei. Personen, die im zweiten Lebensjahrzehnt ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatten, erkrankten zu 63 Prozent häufiger. Nach einem Schädel-Hirn-Trauma in den 30ern war das Risiko nur noch um 37 Prozent erhöht. Jüngere Patienten erkranken zudem auch vergleichsweise häufig bereits im Alter zwischen 50 und 60. Allerdings sind solche Fälle insgesamt selten, sodass das individuelle Risiko auch hier gering ist.

Strikte Bettruhe

Fann weist explizit darauf hin, dass die meisten Menschen, die eine einzige Gehirnerschütterung erleiden, keine Demenz entwickeln. Und auch nicht jeder, den ein schweres Schädel-Hirn-Trauma trifft, wird dement. Trotzdem gilt es, Kopfverletzungen aller Art nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Bei einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer Gehirnerschütterung ist es wichtig, strikt das medizinische Protokoll zu befolgen“, betont der Forscher.

Während schwere Fälle ohnehin im Krankenhaus behandelt werden müssen, bedeutet das für leicht bis mittelschwer geschädigte Patienten vor allem strikte Bettruhe, damit sich das Gehirn erholen kann. Sportler sollten ihre sportliche Aktivität sofort beenden, auch wenn sie lediglich eine leichte Gehirnerschütterung erlitten haben.