menu
home Startseite

Artikel teilen Nach oben scrollen

Herzschwäche: Sind Flugreisen und Sex erlaubt?

Frau am FlughafenFrau am FlughafenFrau am Flughafen

Herzschwäche ist vor allem im fortgeschrittenen Alter eine häufige Erkrankung. Wassereinlagerungen, Leistungsschwäche, schnelle Ermüdbarkeit, Kurzatmigkeit und Atemnot, insbesondere bei körperlicher Belastung, sind einige der Einschränkungen durch diese Krankheit. Doch was dürfen sich die Betroffenen zumuten: Ist eine Flugreise noch Mallorca oder sogar Thailand trotzdem möglich? Und muss man beim Sex vorsichtig sein?

„Patienten mit leichter Herzschwäche, die nach der NYHA-Klassifikation I und II keine oder nur geringe Beschwerden aufweisen, können in der Regel ohne wesentliche Einschränkungen verreisen“, sagt der Dr. Magnus Baumhäkel, Kardiologe am Caritas Klinikum St. Theresa in Saarbrücken. Ihnen bereite die geringere Sauerstoffkonzentration an Bord eines Flugzeuges keine Probleme. „Eine einfache Regel besagt, dass jeder Patient, der imstande ist, ohne Atemnot zwei Stockwerke hochzusteigen, normalerweise flugtauglich ist.“

Bei Distanzen über 1000 Kilometer gelte das Flugzeug sogar als zu bevorzugendes Verkehrsmittel, weil eine lange Fahrt mit dem Auto oder der Bahn oft stärker belastet als ein Flug. „Doch auch Patienten mit leichter Herzschwäche haben bei Reisen ein erhöhtes Risiko, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert, wenn sie in Zielgebiete in großer Höhe (über 1500 Meter über dem Meeresspiegel) oder mit hoher Luftfeuchtigkeit fahren“, warnt Baumhäkel.

Besser nicht fliegen?

Patienten mit schwerer Herzschwäche (NYHA IV*) empfiehlt die Deutsche Herzstiftung auf das Fliegen zu verzichten. „Diese können infolge der geringeren Sauerstoffkonzentration die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreichen“, so der Herzexperte. Doch nicht nur die Sauerstoffkonzentration ist an Bord geringer, sondern auch die Luftfeuchtigkeit (5 -25 %). Die Patienten trinken dann vermehrt, wodurch das Herz zusätzlich belastet wird.

Bei einer mittelschweren Herzschwäche (NYHA III) sei in punkto Fliegen im Einzelfall zu entscheiden. „Diese Patienten bleiben während des Fluges in der Regel ohne Beschwerden. Es kann aber vorkommen, dass Probleme am Zielort auftreten, wo sie – abhängig von der verfügbaren medizinischen Versorgung – behandelt werden müssen“, berichtet der Experte. Um kein Risiko einzugehen, sollten Menschen mit mittlerer oder schwerer Herzschwäche vor dem Urlaub unbedingt ihren Arzt ieren und die Gefahren abwägen.

Medikamente immer mitführen

Generell sollten Herzkranke immer darauf achten, genügend Medikamente in den Urlaub mitzunehmen – und zwar im Handgepäck, für denn Fall, dass der Koffer verloren geht. Auch eine Liste mit den Namen und Wirkstoffnamen der Medikamente ist sinnvoll. Ferner empfiehlt es sich die medizinische Versorgung am Urlaubsort abzuchecken. „In Länder mit schlechter medizinischer Versorgung sollten Risikopatienten mit koronarer Herzkrankheit oder einer fortgeschrittenen Herzschwäche nicht reisen“, rät Baumhäkel.

Zudem gilt es, besonders bei Herzschwäche, einer Thrombose bei längeren Flügen vorzubeugen. Bewegen Sie sich möglichst viel. Wackeln Sie mit den Füßen, heben und senken Sie die Beine und laufen Sie nach Möglichkeit auch mal im Gang auf und ab. Vermeiden Sie es zudem die Beine übereinander zu schlagen. Verzichten Sie auf langwirkende Schlafmittel, denn sie ketten Sie an den Sitz. Ziehen Sie ihre Schuhe aus und öffnen Sie enge Reißverschlüsse. Und nicht zu vergessen: Vermeiden Sie den Genuss von Kaffee und Alkohol, da beide ausschwemmend wirken.

Sex ohne Einschränkung?

Nicht nur das Reisen, sondern noch eine andere Frage beschäftigt viele Patienten mit Herzschwäche: Sex kann einen ganz schön aus der Puste bringen – schadet dies dem schwachen Herzen? „Die Sorge kann durchaus berechtigt sein, etwa bei Patienten, die nach einem Herzinfarkt eine Herzschwäche entwickelt haben“, erklärt Baumhäkel. Auch hier gelte die Regel: Wer zuhause ohne Atemnot zwei Stockwerke schaffe, könne auch sexuell aktiv sein.

Ist die Herzfunktion stärker eingeschränkt, sollte man ein Belastungs-EKG anfertigen lassen. „Wenn die Patienten dabei über einen Zeitraum von drei Minuten 75 bis 100 Watt schaffen, besteht normalerweise kein erhöhtes Risiko.“

Allgemein ist es empfehlenswert, sich Zeit für das Vorspiel zu nehmen. So gewöhnen Sie den Körper an das höhere Aktivitätspensum. Auch bequeme Positionen beim Sex sind förderlich. Legen Sie sich zum Beispiel auf den Rücken oder die Seite.

Und wie sieht es mit Medikamenten gegen Impotenz aus, die nicht selten mit Herzinsuffizienz einhergeht? „Generell dürfen Patienten, deren Belastbarkeit für den Sexualakt ausreicht, nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt oder Kardiologen Medikamente gegen Impotenz einnehmen“, sagt Baumhäkel. Nitropräparate seien aber nicht ratsam.

Warnsignale erkennen

Menschen mit einer Herzschwäche können bei Medikamententreue und einem gesunden Lebensstil – normales Gewicht, gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Rauchverzicht und wenig Alkohol - noch viele Jahre gut leben. Wichtig ist es allerdings, mögliche Warnsignale zu erkennen und zu wissen, wann man ins Krankenhaus gehen sollte.

Einige spezifische Symptome zeigen an, dass mit dem Herz etwas nicht stimmt: „Für diese Warnsignale müssen Betroffene wachsam sein, insbesondere für Wassereinlagerungen im Körper, an den Knöcheln, den Unterschenkeln oder im Bauchraum“, berichtet der Kardiologe und langjährige Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg Prof. Dr. Thomas Meinertz.

Diese sogenannten Ödeme seien leicht zu erkennen, wenn man sich täglich wiege. Überschreite die Gewichtszunahme zwei Kilo in drei Tagen, sollte man umgehend einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen. Dasselbe gelte, wenn die Kurzatmigkeit zunimmt oder man nachts öfter wegen Atemnot aufwacht. „Ein weiteres Warnsignal ist es, wenn man nachts zum Schlafen immer mehr Kissen unter dem Oberkörper benötigt, um eine Erhöhung des Oberkörpers zu erreichen, damit mehr Flüssigkeit aus der Lunge abfließt und dadurch im Liegen die Atmung leichter fällt“, berichtet Meinertz.

Was das Herz entgleisen lässt

Häufige Gründe, die eine Herzschwäche akut verschlechtern, sind Therapiefehler - also, wenn der Patient seine Medikamente vergisst, absetzt oder auf eigene Faust die Dosis verringert. Aber auch andere Arzneien wie eine zu hohe Dosis an Diuretika oder Medikamente, die den Herzmuskel schwächen (z. B. trizyclische Antidepressiva, Herzrhythmusmedikamente oder Rheumamittel) sind kritisch. Ebenso gefährlich ist eine Blutdruckerhöhung und Lungenentzündung. „Die Kombination aus Lungenentzündung und Herzschwäche ist gefährlich, weil das schon geschwächte Herz häufig noch mehr gefordert wird als der geschwächte Herzmuskel leisten kann“, berichtet Meinertz.

* Bei einer Herzschwäche ist die Pumpleistung des Herzens so schwach, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden kann. Der Sauerstoff und Nährstoffmangel schadet mit der Zeit auch anderen Organen wie Muskeln, Niere und Gehirn. Je nach Ausprägung der Beschwerden unterteilen Mediziner die Herzschwäche in vier Klassen:

• NYHA I: keine körperlichen Symptome in Ruhe oder bei alltäglicher Belastung.

• NYHA II: leichte Einschränkungen bei der körperlichen Belastbarkeit, aber noch keine Symptome in Ruhe.

• NYHA III: schon bei alltäglicher körperlicher Belastung Einschränkungen. Beschwerden wie Erschöpfung, Herzrhythmusstörungen, Luftnot und "Brustenge" (Angina pectoris) treten schon bei geringer Belastung auf.

• NYHA IV: Symptome zeigen sich bei jeder körperlichen Belastung und in Ruhe. Betroffene sind meist immobil (bettlägerig) und in ihrem täglichen Leben auf dauerhafte Hilfe angewiesen.

читать дальше farm-pump-ua.com

еще по теме
Autor:
Larissa Melville
Quellen:
  • Deutsche Herzstiftung e. V.: Das schwache Herz: Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz heute (2017), bestellbar unter https://www.herzstiftung.de/Herzschwaeche-Therapie.html
  • Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung vom 25.10.2017: Reisen und Sexualität mit Herzschwäche: Was müssen Betroffene beachten?
  • Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung vom 20.11.2017: Klinikeinweisung wegen Herzschwäche: Welche Warnsignale müssen Betroffene kennen?
  • Deutsche Herzstiftung, www.herzstiftung.de, Abruf am 24.11.2017
читать дальше farm-pump-ua.com

еще по теме