Hepatitis-B-Viren lauern auch auf Nagelscheren

Mann beim Nägel schneiden
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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Hepatitis B wird überwiegend bei sexuellen Kontakten übertragen. Vor allem in der Frühphase nach der Ansteckung reichen kleinste Mengen Blut aus, um die Erreger auch bei winzigen Verletzungen des Partners auf diesen zu übertragen. Auch andere Körperflüssigkeiten sind infektiös. Doch es gibt offenbar Infektionswege, an die kaum einer denkt: gemeinsam benutzte Hygieneartikel.

Das können beispielsweise Nagelscheren sein. Anders als Zahnbürsten und Rasierklingen werden sie häufig von Personen eines Haushalts geteilt. Wenn eine Nagelschere zuerst von einem Hepatitis-B-Infizierten und anschließend von einem Gesunden benutzt wird und beide sich beim Gebrauch leicht verletzen, kann es zur Virusübertragung kommen.

Hepatis-B-DNA im Blut

Ein Team um Dr. Mehmet Koroglu von der türkischen Universität Adapazari hat untersucht, wie häufig Fingernägel und Nagelscheren von Hepatitis-B-Infizierten mit dem Virus kontaminiert sind. Dazu untersuchten die Forscher Proben von 70 Infizierten. Bei 63 von ihnen fanden die Forscher Hepatis-B-DNA im Blut. 27 gesunde Personen dienten als Kontrollgruppe.

Die Infizierten stellten insgesamt 97 Nagelscheren zur Verfügung. Bei 17 der 63 Hepatis-B-DNA-positiven Teilnehmer konnten die Forscher das Virus-Erbgut auch an der Schere feststellen. Durch Kratzen oder bei leichten Verletzungen könnten die Nägel mit geringen Blutmengen verunreinigt werden, die dann auch an der Nagelschere hängenbleiben.

Wie groß ist das Ansteckungsrisiko?

Wie schnell man sich tatsächlich anstecken kann, hängt von der Virenkonzentration ab. Bei einem recht niedrigen Serumwert von 105 IU/ml (IU = Internationale Einheiten) beträgt das Ansteckungsrisiko immerhin noch 72 Prozent, errechneten die Forscher.

Experten des Robert Koch-Instituts RKI raten deshalb vom gemeinsamen Benutzen von Hygieneartikeln ab. Angehörige von Infizierten sollten sich zudem gegen Hepatitis B impfen lassen.

In Westeuropa selten, weltweit stark verbreitet

Hepatitis B gehört weltweit gesehen zwar zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Sie ist aber von Land zu Land sehr unterschiedlich verbreitet.

In Westeuropa sind weniger als ein Prozent der Bevölkerung betroffen, in Osteuropa sind es bis zu 8 Prozent. Doch auch hierzulande gibt es Bevölkerungsgruppen, in denen Hepatitis B häufiger auftritt. Dazu gehören unter anderem homosexuell aktive Männer.