Gift im Hirn: Alkohol und Nikotin verändern Nerven

Junger Mann hält eine Zigarette und trinkt ein Bier
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Lisa Vogel

Lisa Vogel studierte Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach und vertiefte ihre journalistischen Kenntnisse im Masterstudiengang Multimediale Information und Kommunikation. Als freie Journalistin sammelte sie Erfahrungen im Lokaljournalismus und schrieb Beiträge für Gesundheitsplattformen. Seit September 2018 ist sie Volontärin in der e-happiness Redaktion.

Dass Alkohol und Rauchen schädlich sind, ist kein Geheimnis. Doch Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass bereits kleine Mengen Alkohol und Nikotin Veränderungen im Gehirn verursachen – und das bereits in jungen Jahren.

Genussmit Schäden an der weißen Materie

Der Kaffee und die Zigarette nach dem Essen: Für viele Menschen ist das ein liebgewonnenes Ritual. Doch bereits kleine Mengen dieser Genussmittel hinterlassen Spuren – vor allem im Gehirn. Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden und der Oxford University haben mit modernen Kernspintomografie-Aufnahmen herausgefunden, dass ein ungesunder Lebensstil die weiße Gehirnsubstanz angreift.

„Jedes Glas, jede Zigarette hinterlässt Spuren“

125 Personen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren ließen sich von den Forschern durchchecken. Dabei wurden körperliche Fitness, Blutdruck, Cholesterinwerte, Alkohol- und Zigarettenkonsum erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass jeder einzelne Risikofaktor – Rauchen, Alkoholkonsum und auch Bluthochdruck – das Gefäßsystem und das Gehirn schädigen. „Schon bei jungen Menschen scheint jede Zigarette, jedes Glas Alkohol Spuren im Gehirn zu hinterlassen“, sagt Dr. Timo Siepmann, Neurologe am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden.

Die Aufnahmen zeigten, dass sich die isolierenden Hüllen der Nervenfasern im Gehirn, auch Myelinscheiden genannt, verändern. Sie erscheinen auf den Bildern heller als gewöhnlich, was für Schäden in der Isolierschicht spricht. Die weiße Materie ist wichtig für einen reibungslosen Informationsaustausch. Entstehen hier Schäden, kann das Gedächtnis schwächer werden.

Entwicklung bis ins Erwachsenenalter

Anders als lange angenommen, dauert die Entwicklung des Gehirns bis ins junge Erwachsenenalter an – etwa bis zum 25. Lebensjahr. Der Konsum von Alkohol und Nikotin, aber auch Bluthochdruck, beeinträchtigen die Entwicklung der weißen Gehirnmasse und der Hippocampus wächst verringert. Ein ungesunder Lebensstil in jungen Jahren kann daher das Gedächtnis negativ beeinflussen. Auch Herz-Kreislauferkrankungen werden durch die Genussmittel wahrscheinlicher und gelten in Deutschland als Todesursache Nummer eins.

Vor allem Alkohol ist bei den Deutschen beliebt: 2015 waren es durchschnittlich 9,6 Liter reiner Alkohol pro Kopf, berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Das entspricht 135,5 Litern alkoholischer Getränke. Zum Vergleich: Eine Badewanne fasst im Schnitt 150 Liter. Auch Rauchen ist nach wie vor populär: Etwa 25 Prozent der deutschen Bevölkerung über 15 Jahren greifen zur Zigarette, schreibt das Ärzteblatt.