Diabetes: Insulin-Pillen statt Spritzen

Insulinpille
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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Insulinpillen könnten Millionen Diabetikern das Leben leichter machen. Doch Insulin wird im Darm verdaut. Nun ist eine clevere Lösung in Sicht.

Alle Tage wieder: Den Pen zücken, den Bauch entblößen, die Haut zusammenkneifen und dann die Nadel entschlossen ins eigene Gewebe stechen. Solche Insulininjektionen sind für Millionen Diabetiker überlebensnotwendiger Alltag. Besonders angenehm ist die Therapie nicht.

Insulin endlich in Pillenform?

Seit Langem suchen Forscher daher nach einer Möglichkeit, Insulin bequem und schmerzlos in Pillenform zu verabreichen. Doch das ist nicht so einfach: Das Hormon, dass den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen schleust, wird normalerweise wie andere Eiweißbausteine von der Magensäure attackiert und dann im Darm verdaut.

Wissenschaftler um Amrita Banerjee und Samir Mitragotri von der Harvard John A. Paulsen School of Medicine in Cambridge haben jetzt möglicherweise eine Lösung des Problems gefunden.

Ein Medikament wie ein Schweizer Messer

Einmal geschluckt muss das Insulin einen Hindernisparcours überwinden, bevor es in den Blutstrom gelangt. „Unser Medikament ist wie ein Schweizer Messer, das mit vielen Werkzeugen für die unterschiedlichen Herausforderungen ausgestattet ist“, sagt Mitragotri.

Zunächst gibt es da eine Hülle, die das Insulin unbeschadet durch den ätzend sauren Magen schleust. Erst im basischen Milieu des Dünndarms löst sich die Kapsel auf „Dort warten aber viele Enzyme, die Eiweiße wie Insulin in kleiner Aminosäuren zerlegen“, sagt Studienleiterin Banerjee im Gespräch mit e-happiness. Dadurch würde es normalerweise unbrauchbar.

Doch die Wissenschaftler haben das Insulin auf Basis einer ionischen Flüssigkeit aufbereitet, die das Molekül stabil hält. Entscheidende Bestandteile sind Cholin, das auch als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wird, und Geraniumsäure, die unter anderem in Zitronengras und Kardamom vorkommt.

Schwierige Passage durch die Darmwand

Fehlt noch die Passage durch die zähe Schleimhaut, mit der der Darm innen ausgekleidet ist, sowie durch den eng gedrängten Zellverband, der sich dahinter anschließt. Doch auch die lassen sich dank Cholin und Geraniumsäure gut überwinden.

Dass die raffinierte Mixtur tatsächlich funktioniert, haben die Forscher in Versuchen mit Ratten zeigen können. Dabei blieb das oral eingenommene Insulin ganze zwölf Stunden wirksam und damit länger als solches, das per Nadel in den Körper gelangt.

Ein weiterer Vorteil des Präparats: Anders als klassisches Insulin bleibt es mehrere Tage auch bei Zimmertemperatur stabil.

Langsame Pillen

Doch es gibt weiterhin Hürden. Zum einen: Auch wenn die Schleusermoleküle noch so flott arbeiten, dauert es länger, bis das orale Insulin ins Blut gelangt als bei gespritztem Insulin. Gerade wenn mit schnellwirksamen Insulinen nachjustiert werden muss – beispielsweise, weil man mehr gegessen hat als geplant - sind Pillen in der aktuellen Form ungeeignet. „Dann setzt man besser auf eine Injektion“, sagt Banerjee.

Noch viele Fragen offen

Ein weiteres Problem ist, dass anders als bei einer Injektion Faktoren wie zuvor verzehrte Nahrung den Übertritt aus dem Darm ins Blut verlangsamen könnten. Das könnte eine präzisere Dosierung erschweren. „Wir sind noch in einem frühen Stadium der Entwicklung. Wir wissen noch nicht, wie unterschiedlich die Bioverfügbarkeit der Kapseln bei verschiedenen Menschen ist – und auch nicht, inwiefern es sich auswirkt, ob jemand das Medikament auf leeren oder vollen Magen einnimmt“; sagt Banerjee.

Angst vor Spritzen gefährdet die Therapie

Insgesamt zeigen sich die Forscher aber optimistisch, dass die Insulinpillen Millionen Menschen mehr Lebensqualität schenken könnten. Vor allem aber würden jene profitieren, die sich nur schwer überwinden können, sich die Spritze zu setzen. „Viele Menschen haben Angst vor den Schmerzen, oder das Spritzen im Alltag ist ihnen unangenehm“, sagt Mitragotri. Bei ihnen funktioniere die Blutzuckerkontrolle dann nicht ausreichend - mit erheblichen gesundheitlichen Konsequenzen.

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