Chronische Schmerzen: Glutamat weglassen!

Brühwürfel mit Glutamat
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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Chronische Schmerzen zählen zu den verbreiteten Gesundheitsproblemen. Sie sind schwer zu behandeln und können die Lebensqualität erheblich einschränken. Forscher der American University haben nun eine leicht zu befolgende Maßnahme entdeckt, die Betroffenen Linderung bringen könnte: Verzicht auf den Geschmackverstärker Glutamat.

Glutamat, genauer Natriumglutamat, entsteht ganz natürlich im Eiweißstoffwechsel aller Lebewesen. Im Gehirn dient er als Botenstoff. In höheren Mengen kann er aber eine Überstimulation der Nervenzellen hervorrufen oder diese sogar schädigen.

Verbreiteter Geschmacksverstärker

Glutamat ist zudem ein höchst effektiver Geschmacksverstärker. Von Natur aus steckt er besonders hoch dosiert in getrockneten Tomaten, Parmesankäse und Sojasoße. Vor allem aber fügt die Nahrungsmittelindustrie den Stoff gern Fertigprodukten zu: Brühwürfeln und Tütensuppen, Chips und Fertiggerichten.

Fördert Glutamat Schmerzen?

Seit einiger Zeit gibt es Hinweise darauf, dass Glutamat chronische Schmerzen verstärken könnte. Forscher um die Kathleen Holton vom Department of Health Studies & Center for Behavioral Neuroscience an der American University in Washington haben das im Rahmen einer kleinen Pilotstudie mit 30 Schmerzpatienten untersucht.

Die Untersuchung fand in der Region Maru in Ost-Kenia statt. Forscher hatten herausgefunden, dass dort 60 Prozent der Bevölkerung unter chronischen Schmerzen litten. Das sind doppelt so viele wie gewöhnlich. Zudem würzen die Menschen dort ihre Speisen bevorzugt mit einer Würzmischung namens Mchuzi, die große Mengen Glutamat enthält.

Schmerzen in verschiedenen Körperpartien

Die Probanden litten alle seit mehr als drei Monaten unter ausgedehnten Schmerzen in verschiedenen Körperpartien. Mindestens drei von vier Körperquadranten waren betroffen. Die meisten von ihnen hatten zudem weitere neurologische Beschwerden wie Kopfschmerzen, chronische Erschöpfung, Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen.

Für das Experiment machten die Teilnehmer zunächst Angaben zu ihrer Ernährung, insbesondere zur Verwendung des glutamatreichen Würzmittels sowie zu ihrer täglichen Trinkmenge. Außerdem bewerteten sie zu Beginn und am Ende der Studie die Stärke ihrer Schmerzen auf einer Schmerzskala von 0 bis 100 Punkten.

Wenig Glutamat, viel Wasser

Teilnehmer, die ihre Speisen mit Mchuzi würzten, erhielten für die Studie nun eine glutamatfreie Ersatzmischung. Teilnehmer, die bisher ohnehin keine Würzmischung beim Kochen verwendeten, dienten als Vergleichsgruppe. Sie erhielten nun zweimal täglich 1000 mg Paracetamol.

Da zumindest von Kopfschmerzen bekannt ist, dass sie durch Flüssigkeitsmangel begünstigt werden, stellten die Forscher sicher, dass die Probanden während der Untersuchung genug Wasser tranken.

Erhebliche Schmerzreduktion

Innerhalb von zwei Wochen reduzierte sich bei den Probanden mit der Paracetamolbehandlung das Schmerzempfinden erwartungsgemäß von durchschnittlich 80 auf 30 Punkte. Eine vergleichbare Schmerzerleichterung erlebten aber auch jene Patienten, die nun auf Glutamat verzichteten und keine Schmerzmittel einnahmen – nämlich von 85 auf 40 Punkte.

Durchlässige Blut-Hirn-Schranke

Für den Zusammenhang von Glutamat und Schmerzen bei chronischen Schmerzpatienten haben die Forscher eine Hypothese: „Möglicherweise reagieren Schmerzpatienten sensibler auf Glutamat, weil ihre Blut-Hirn-Schranke durchlässiger ist“, sagt Hoton im Gespräch mit e-happiness. „Wir wissen, dass Verletzungen im Schädel und Nackenbereich, Infektionen, aber auch Stress ein chronisches Schmerz-Syndrom begünstigen.“ All diese Faktoren machten Tierversuchen zufolge auch die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger.

Einfache und wirksame Maßnahme

Frühere Untersuchungen von Hoton und Kollegen hatten bereits gezeigt, dass sich durch Glutamatverzicht die Symptome der chronischen Schmerzerkrankung Fibromyalgie um 30 Prozent reduzieren lassen. Das gleiche gilt für Patienten mit dem Reizdarm-Syndrom.

„Eine glutamatarme Ernährung könnte für Menschen mit chronischen Schmerzen überall auf der Welt hilfreich sein“, sagt Hoton. Besonders bedeutsam sei dies allerdings in Entwicklungsländern, in denen die Behandlungsmöglichkeiten limitiert seien. Allerdings seien größere Studien nötig, um den Effekt zu bestätigen.

Glutamat – ein Stoff, viele Namen

Glutamat in Fertigprodukten kann sich unter vielfältigen Namen verbergen. Wer möglichst wenig davon zu sich nehmen möchte, sollte auf bestimmte Inhalte achten. Neben Mononatriumglutamat sind das die E-Kennziffern E620 bis 625, außerdem Inhaltsstoffe wie Hefeextrakt oder Hefeflocken.

Manche Menschen reagieren darauf sehr empfindlich. Bei höherem Verzehr entwickeln sie ein sogenanntes Chinarestaurant-Syndrom. Dieses geht unter anderem mit Hautrötungen, Kribbeln in der Mundhöhle, Juckreiz im Hals, Schwitzen, Herzklopfen, Gliederschmerzen und Übelkeit einher.

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