Junge Frau beim Tätowierer

Tattoos – Hautschmuck mit Nebenwirkungen

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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Der Trend zum Tattoo ist ungebrochen. Getrieben vom Wunsch nach Individualität haben sich auch hierzulande 15 Prozent der Bevölkerung tätowieren lassen, unter den Jüngeren ist der Anteil sogar deutlich höher.

Doch oft folgen auf das fröhliche Stechen Komplikationen: So berichtete im Rahmen einer britischen Befragung jeder vierte Tätowierte von Problemen, einer von Hundert musste deswegen sogar ins Krankenhaus. „Die Liste reicht von Sonnenmpfindlichkeit bis hin zu schweren Hautschädigungen“, sagt Dr. Steffen Schubert im Gespräch mit e-happiness. Er arbeitet für den Informationsverbund Dermatologischer Kliniken zur Erfassung und wissenschaftlichen Auswertung der Kontaktallergien (IVDK) in Göttingen.

Juckreiz, Blasen, Narbenbildung

Am häufigsten sind allergische Hautreaktionen, sogenannte Kontaktekzeme. Sie beginnen mit Jucken und Brennen, gefolgt von Schwellungen und Rötungen. Schließlich bilden sich Bläschen, Krusten und knötchenartigen Verhärtungen, sogenannten Papeln, und sogar Narben. Schubert ist in der Fachliteratur schon auf alles gestoßen – von leichten Verläufen bis zu schweren Nekrosen, bei denen die Haut bis tief ins Gewebe abstirbt. „Aber die sind zum Glück sehr selten“, sagt der Biologe.

Ein Drittel der Farbe verteilt sich im Körper

Allerdings sind allergische Reaktionen nicht das einzige gravierende Problem, das nach einer Tätowierung auftreten kann: „Etwa ein Drittel der Farbe verteilt sich im Körper“, sagt der Wissenschaftler. Die Farbpigmente färben sogar die Lymphknoten oder auch die Leber ein.

Die Invasion der Farbpigmente ruft das Immunsystem auf den Plan. Die anhaltende Auseinandersetzung mit den verdächtigen Substanzen schwächt dann den Körper. Bei Leistungssportlern könnten Leistungseinbußen von bis zu fünf Prozent möglich sein, schätzen Sportmediziner.

Unbekannte Risiken

Ob darüber hinaus Gefahren drohen, steht noch nicht fest: Bislang haben sich Spekulationen, dass Tätowierungen Leberschäden oder gar Krebs auslösen könnten, nicht bestätigt. „Dafür fehlen uns die Daten“, sagt der Forscher. Ausschließen lässt sich das aber auch nicht: Denn was in den Tätowier-Farben steckt, ist häufig unbekannt und mitunter giftig.

Graubereich Tattoo-Studio

„Tattoo-Studios sind ein Graubereich“, warnt Schubert. Zum einen, weil nur Pigmente verboten sind, die auch in der Kosmetikherstellung auf dem Index stehen. Stoffe, die dort nicht gelistet sind, dürfen die Hersteller verwenden, obwohl ihre Verträglichkeit nicht getestet wurde. „Die meisten Tätowierten wissen nicht, dass sie Bestandteile von Autolacken, Plastik oder Druckerfarbe im Körper haben.“ Hinzu kommt: Oft sind die Inhaltsstoffe der Farben ohnehin falsch deklariert. Nicht einmal ein erfahrener Tätowierer weiß dann, was er dem Kunden in die Dermis stanzt.

Nicht alle Farben sind gleich riskant

„Besonders riskant sind grellbunte Farben aus den USA“, sagt Schubert. Sie enthalten Azofarbstoffe, die eine hohe Leuchtkraft haben. Gleichzeitig sind die bunten Pigmente aber besonders aggressiv. Und sie zerfallen in Spaltprodukte, die unter Verdacht stehen, nicht nur Allergien, sondern auch Krebs zu erregen.

Auch von Billigprodukten aus Asien rät der Forscher dringend ab. In ihnen stecken oft Konservierungsmittel und andere verbotene Substanzen.

Besonders kritisch sei rote Farbe. Die enthaltenen Pigmente provozieren besonders häufig Allergien. Es folgen Blau und Violett, dann Grün, Orange und Gelb. Schwarze Farbe werde dagegen meist besser vertragen.

Und sogar Henna-Tattoos sind riskant - zumindest die schwarzen. Die scheinen zwar harmlos, weil sie nur auf die Haut aufgetragen werden und schnell wieder verblassen. „Sie enthalten den schwarzen Haarfarbstoff p-Phenylendiamin. Der kann extreme allergische Reaktionen hervorrufen“, warnt Schubert. Rotes Henna hingegen, das in vielen Kulturen traditionell zur schmückenden Hautbemalung eingesetzt wird, verursacht wenig Probleme.

Vorab testen bringt wenig

Um sich vor Kontaktekzemen zu schützen, reicht leider auch ein Vorab-Test beim Tätowierer nicht aus. Zum einen kann der Probepiekser selbst die Allergie anstoßen. Die Reaktion tritt dann erst auf, wenn das Tattoo schon Wochen in der Haut sitzt.

Auch Reaktionen auf bereits bestehende Allergien tauchen erst nach Tagen auf. Um sie sicher zu identifizieren, benötigt man überdies Expertenwissen als Allergologe. Ein Tätowierer ist damit überfordert.

Vor allem, wer bekannte Allergien hat, sollte sich gut überlegen, ob er ein Tattoo riskiert. Das gilt besonders bei Allergien gegen Farbstoffe, Metalle und Konservierungsmitte. „Darüber sollten Sie den Tätowierer unbedingt informieren“, so Schubert. So kann er zumindest versuchen, diese oder ähnliche Inhaltsstoffe zu vermeiden.

Auch Lasern ist nicht immer eine Lösung

Nicht nur frische Tattoos können Beschwerden verursachen, auch die Entfernung der Bilder per Laser hat es in sich. „Die schwersten allergischen Reaktionen rufen nicht die verwendeten Farbstoffe, sondern ihre Spaltprodukte hervor“, weiß Schubert. Sie entstehen durch UV-Strahlen aus der Sonne - dann können bislang friedliche Tattoos plötzlich rebellieren.

Lasern hat den gleichen Effekt – nur ist er um ein Vielfaches stärker. „Vor allem bei einer Unverträglichkeitsreaktion sollte man die Tätowierung niemals mit einem Laser entfernen lassen!“, warnt der Forscher. Damit würden die Allergene schwallartig freigesetzt und anschließend im ganzen Körper verteilt. Die Alternative? „Da bleibt nur eine operative Entfernung und bei großflächigen Tattoos eine Hauttransplantation.“

Bei Beschwerden in die Spezialklinik

Was also ist zu tun, wenn ein Tattoo anfängt zu rebellieren? „Ab zum Arzt“, rät Schubert. 80 Prozent der Tätowierten gingen jedoch stattdessen zu ihrem Tätowier-Studio. Dabei kann nur ein Arzt oder eine Ärztin die Komplikationen gezielt behandeln und schwere Verläufe frühzeitig in den Griff kriegen.

Wichtig ist auch herauszufinden, worauf der Patient allergisch reagiert hat. „Eine Allergie verschwindet nicht mehr“, sagt der Wissenschaftler. Dem Auslöser müsse man künftig ein Leben lang aus dem Weg gehen.

Allerdings hält die Standardausstattung für Allergietests nur die häufigsten Allergene parat. Ein großer Teil der Stoffe aus Tätowierfarben kommt darin schlicht nicht vor. Besser ausgerüstet sind Kliniken, die dem IVDK angehören. Dort läuft ein bundesweites Projekt zur Erforschung von allergischen Reaktionen nach Tätowierungen. Daher ist man dort auch für das Testen ungewöhnlicher Stoffe gewappnet.

Die Patienten werden hier nicht nur professionell versorgt. Sie liefern den Experten auch neue Erkenntnisse zu Gesundheitsgefahren, die von Tattoos ausgehen. Das hilft, die „Grauzone Tattoo-Studio“ besser auszuleuchten. Damit andere Fans der bunten Hautbilder in Zukunft weniger Komplikationen fürchten müssen.

Hilfe suchen beim IVDK

Anlaufstelle für Probleme nach Tätowierungen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz Kliniken, die dem Informationsverbund Dermatologischer Kliniken zur Erfassung und wissenschaftlichen Auswertung der Kontaktallergien (IVDK) angehören. Welche in Ihrer Nähe sind, erfahren Sie hier: https://www.ivdk.org/de/ueber-den-ivdk/mitglieder

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