Neutrophile Granulozyten

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Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Neutrophile Granulozyten sind eine Unterform der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Sie machen etwa zwei Drittel aller Leukozyten aus. Bestimmt werden sie mit einem Blutbild. Neutrophile sind Teil des zellulären Immunsystems und bekämpfen Krankheitserreger. Lesen Sie hier mehr über neutrophile Granulozyten, welche Aufgabe sie haben und wann sie erhöht beziehungsweise erniedrigt sind.

Welche Aufgabe haben neutrophile Granulozyten?

Neutrophile Granulozyten sind ein wichtiger Teil des angeborenen Immunsystems. Sie ruhen größtenteils in der Blutbahn. Wenn Fremdkörper oder Erreger in den Körper eindringen, werden Stoffe ausgeschüttet, welche die Neutrophilen anlocken. Diese verlassen dann die Blutbahn und treten ins Gewebe über. Dort übernehmen sie ihre Aufgabe als Fresszellen, sogenannte Phagozyten: Sie nehmen Erreger in sich auf und zerstören sie.

Außerdem räumen Neutrophile Granulozyten zerstörte Gewebezellen auf. Dabei entsteht aus ihnen und den zerstörten Gewebezellen Eiter.

Neutrophile Granulozyten: Einteilung

Je nach der Form ihrer Kerne unterscheidet man stabkernige und segmentkernige Neutrophile: Reife Granulozyten haben einen aus drei bis vier Teilen bestehenden Kern und werden deshalb als segmentkernig bezeichnet. Stabkernige Granulozyten haben hingegen einen länglichen Zellkern. Es handelt sich dabei um die unreife Form der neutrophilen Granulozyten. Sie machen in der Regel nur bis zu fünf Prozent aller Zellen im Differentialblutbild aus.

Neutrophile Granulozyten: Normalwerte

Neutrophile (absolut)

Neutrophile (in %)

stabkernig

150 - 40000/µl

3 - 5

segmentkernig

3000 - 5800/µl

50 - 70

Wann sind neutrophile Granulozyten erhöht?

Kommen mehr stabkernige Granuloyzten als normal vor, nennen Mediziner das „Linksverschiebung“. Eine regelmäßige Linksverschiebung tritt zum Beispiel bei bakteriellen Infekten, aber auch bei abakteriellen Entzündungen wie einer Venen- oder Dickdarmentzündung (Kolitis) auf. Auch bei Zellzerfall, zum Beispiel bei Verbrennungen, sind stabkernige Neutrophile erhöht. Weitere Gründe für einen Anstieg der stabkernigen Granuloyzten sind:

  • Virusinfektion, Pilz- oder Parasitenbefall
  • Herz- oder Lungeninfarkt
  • Schwangerschaft
  • Übersäuerung des Körpers (Azidose)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • bösartige hämatologische Erkrankungen („Blutkrebs“) wie die akute myeloische Leukämie
  • körperliche Erholungsphase nach Knochenmarksschädigung (zum Beispiel nach einer Strahlen- oder Chemotherapie)

Sind hingegen segmentkernige Neutrophile zu hoch, bezeichnet man das als „Rechtsverschiebung“. Sie tritt vor allem bei einer gestörten Zellproduktion im Knochenmark auf: Das Knochenmark ist nicht in der Lage, neue Granulozyten zu produzieren, sodass der Anteil der älteren, segmentkernigen Granulozyten steigt. Ursache kann eine laufende Chemo- oder Strahlentherapie oder eine bestimmte Form von Blutarmut sein – die megaloblastäre Anämie (verursacht zum Beispiel durch Folsäuremangel). Auch ein verminderter Abbau der segmentkernigen Granulozyten, zum Beispiel nach einer Milzentfernung, erhöht ihren Anteil im Blut.

Wann sind neutrophile Granulozyten erniedrigt?

Der Mangel an Neutrophilen wird Neutropenie genannt und ist sehr gefährlich. Ohne die Granulozyten ist der Körper eindringenden Erregern wehrlos ausgesetzt, und Infektionen können nicht so gut bekämpft werden.

Sind Neutrophile erniedrigt, kann das sowohl angeborene als auch erworbene Ursachen haben. Zu den seltenen angeborenen Erkrankungen mit Neutropenie gehören zum Beispiel:

  • angeborene Störungen der Granulozytenbildung
  • Fanconi-Anämie
  • Stoffwechselerkrankungen wie die Glykogenose
  • angeborene Immundefekterkrankungen

Zu den im weiteren Lebensverlauf erworbenen Ursachen einer Neutropenie gehören:

Liegen bei einem Patienten zu wenige neutrophile Granulozyten vor, wird möglichst die zugrunde liegende Erkrankung therapiert. Die Gabe von Medikamenten, welche die Neutrophilenproduktion fördern, oder eine Transfusion sind nur selten nötig.

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