Tetanus

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Marian Grosser

Marian Grosser studierte in München Humanmedizin. Daneben hat der vielfach interessierte Arzt einige spannende Abstecher gewagt: ein Philosophie- und Kunstgeschichtestudium, Tätigkeiten beim Radio und schließlich auch für Netdoktor.

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Tetanus ist eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit. Die Infektion erfolgt über verunreinigte Wunden. Auch kleinste Verletzungen können ausreichen. Das Gift der Bakterien verursacht qualvolle und langanhaltende Muskelkrämpfe. Unbehandelt verläuft Wundstarrkrampf tödlich. Selbst unter intensivmedizinischer Betreuung sterben viele Patienten. Deshalb ist die Impfung für jeden Menschen wichtig. Lesen Sie hier, wie man sich mit Tetanus ansteckt, welche Symptome er verursacht und was man tun kann.

Tetanus

Kurzübersicht

  • Beschreibung: bakterielle Infektion, Bakteriengifte verursachen schwere Muskelkrämpfe, unbehandelt tödlicher Verlauf durch Atemlähmung
  • Symptome: Mundsperre, "Teufelsgrinsen", Schluckstörungen, Kehlkopflähmung, Reizbarkeit, Unruhe, extreme Verkrampfung der Rumpfmuskeln, überstreckter Rücken bis hin zum Wirbelbruch, Atemlähmung
  • Ursachen: Infektion mit Clostridium tetani auch über kleinste Wunden, Sporen im Erdreich oder Tierkot, vermehrt sich dort, wo Sauerstoff fehlt (daher sind oberflächliche Wunden weniger gefährlich als tiefere)
  • Diagnose: typische Symptome nach Verletzung, Nachweis des Bakteriums im Serum
  • Behandlung: Ausschneiden der Wundränder, Gabe von Antikörpern, intensivmedizinische Behandlung mit Sauerstoffversorgung, ggf. Beatmung
  • Prognose: unbehandelt fast immer tödlich, unter intensivmedizinischer Behandlung Sterberate bis 20 Prozent

Tetanus: Beschreibung

Tetanus wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Clostridium tetani verursacht. Die Sporen des Bakteriums finden sich im Kot von Tieren, vor allem von Pferden, und hauptsächlich im Erdreich. Die Sporen sind sehr widerstandsfähig und können lange Zeit ohne Wirt überdauern. Sie vermehren sich nur im anaeroben Milieu, also unter der Abwesenheit von Sauerstoff.

Sie gelangen schon über kleinere Verletzungen in den menschlichen Körper. Ihr Gift wandert dann auch ins Gehirn und ins Rückenmark. Oft genügt schon ein kleiner Schnitt oder ein Splitter in der Haut für die Infektion. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist beim Wundstarrkrampf nicht möglich, Erkrankte sind also nicht ansteckend.

So infiziert man sich mit Tetanus
Tetanus
Tetanus wird durch Bakterien verursacht, die in der Erde lange Zeit überleben können. Bereits über kleinste Wunden gelangen die Bakterien in den Körper und vermehren sich dort.

Tetanus: Das passiert im Körper

Die Bakterien produzieren zwei Toxine:

Das eine, Tetanolysin, zerstört die roten Blutkörperchen und richtet womöglich auch Schäden am Herzen an.

Das zweite Gift, das die Bakterien produzieren, ist Tetanospasmin. Es wandert an den Nerven entlang und erreicht irgendwann das zentrale Nervensystem. Das Gift hemmt Nervenimpulse, die normalerweise überschießende Muskelkontraktionen verhindern. Fällt diese hemmende Kontrollinstanz aus, sind die Nerven stark übererregbar. Resultat sind starke, langanhaltende, quälende Muskelkrämpfe, die typisch für Tetanus sind.

Tetanus: Inkubationszeit

Die Zeitspanne zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) ist bei Tetanus sehr unterschiedlich. Bei schnellen Verläufen tauchen schon nach wenigen Tagen ersten Krankheitszeichen auf, in anderen Fällen dauert es bis zu drei Wochen. Sogar Fälle, in denen es erst nach Monaten zu Symptomen kam, sind beschrieben. Ist die Inkubationszeit sehr kurz, sind unter Umständen viele Erreger gleichzeitig in den Körper eingedrungen. Die Krankheit verläuft dann besonders schwer.

Tetanus: Symptome

Tetanus äußert sich vor allem in starken, anhaltenden Muskelkrämpfen. Diese können prinzipiell jede Muskelpartie betreffen. Typisch ist dabei, dass akustische und visuelle Reize sowie Berührungsreize die Krämpfe auslösen können.

Mundsperre und Teufelsgrinsen

Ein typisches Symptom bei generalisiertem Wundstarrkrampf ist die Mundsperre. Die Zungen- und Kiefermuskeln verkrampfen, was zu einer Grimasse führt: ständiges "Lächeln" und hoch gezogene Augenbrauen, man spricht auch vom „Teufelsgrinsen“. Die Patienten können zudem den Mund nicht weit öffnen.

Schluckstörungen und gelähmter Kehlkopf

Sind die Muskeln im Schlund und im Kehlkopf betroffen, hat der Patient Mühe zu schlucken. Im Extremfall können die Patienten weder sprechen noch schreien.

Durchgebogener Rücken

Außerdem entwickeln sich starke Krämpfe in der Rücken- und Bauchmuskeln. Die Betroffenen überstrecken ihren Rücken bogenförmig. In extremen Fällen entstehen dabei solche Kräfte, dass sogar Wirbelkörper brechen.

Weitere Anzeichen eines Wundstarrkrampfs sind:

  • Schmerzen und Muskelsteifigkeit, vor allem im Nacken und Gesicht
  • Blutdruckanstieg
  • Schwitzen
  • Unruhe, Reizbarkeit
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Krämpfe in den Gliedmaßen
  • Atemprobleme
  • Säuglinge, die an einem neonatalen Tetanus leiden, zeigen zudem eine ausgeprägte Trinkschwäche.
  • Allgemeine Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Frösteln. Diese können im Vorfeld der Krämpfe auftreten, häufig bleiben sie aber aus.

Unbehandelt verläuft ein Tetanus dramatisch. Die Patienten sterben letztlich an einer Lähmung der Atemmuskulatur. Bis zu ihrem Tod bleiben sie bei vollem Bewusstsein, was das Leiden besonders qualvoll macht.

Verschiedene Verlaufsformen von Tetanus

Ärzte unterscheiden vier Formen von Tetanus:

  • Die generalisierte Form: Dabei kommt es zum klassischen Erscheinungsbild der Erkrankung mit starken Krämpfen am ganzen Körper.
  • Die lokale Form: Hier bleiben die Symptome (wie Muskelsteifigkeit) meist auf jene Gliedmaße beschränkt, an der sich die Eintrittspforte des Erregers befindet. Das ist häufiger der Fall, wenn noch ein Rest-Impfschutz besteht.
  • Der zephale Tetanus: Bei dieser Sonderform befindet sich die infizierte Wunde am Kopf. Da hier die Nervenwege zum Gehirn kurz sind, ist auch die Inkubationszeit kurz.
  • Neonataler Tetanus: Der neonatale Tetanus betrifft nur Neugeborene. Es erkranken Säuglinge ungeimpfter Mütter. Die Infektion erfolgt oft aufgrund mangelnder Hygiene unter oder nach der Geburt, wobei die Erreger meist über den Nabel eindringen. Diese Form des Wundstarrkrampfs ist weltweit am häufigsten und tritt in erster Linie in Ländern mit niedrigen Hygienestandards und schlechter medizinischer Versorgung auf.

Tetanus: Ursachen und Risikofaktoren

Das Bakterium Clostridium tetani vermehrt sich nur unter anaeroben Bedingungen, also nur dort, wo kein Sauerstoff hingelangt.

Eine oberflächliche Wunde mit einer etwas größeren Fläche ist besser belüftet als ein tieferer Schnitt oder Stich mit einem spitzen Gegenstand. Eine solche Wunde ist daher weniger gefährlich. Eine harmlos anmutende Verletzung bei der Gartenarbeit hingegen, etwa der Stich an einem Dorn, kann eine ideale Eintrittspforte für den Tetanus-Erreger sein.

Außerdem fühlt sich der Erreger in bereits abgestorbenem Gewebe sehr wohl, denn auch hier liegt ein anaerobes Milieu vor. Solch totes (nekrotisches) Gewebe kommt häufiger in größeren Wunden vor, besonders dann, wenn sie nicht ausreichend chirurgisch behandelt werden.

Risikofaktor Hauterkrankungen

Außerdem können auch Erkrankungen der Hautoberfläche, wie etwa ein offenes Ekzem, eine Tetanus-Infektion begünstigen.

Risikofaktor Alter

Alte Menschen erkranken eher an Wundstarrkrampf. Bei ihnen bauen sich die Antikörper, die ihr Körper nach einer Impfung gebildet hat, oft schneller wieder ab als bei jüngeren Menschen. Sie benötigen daher in kürzeren Abständen Auffrischimpfungen. Geschieht das nicht, sind sie weniger gut geschützt.

Alte Menschen haben häufig eine schlechtere Durchblutung, beispielsweise aufgrund von Gefäßerkrankungen oder Diabetes. Bei einer Verletzung ist dann auch die Wunde schlechter durchblutet und damit weniger gut mit Sauerstoff versorgt. Folglich haben es die anaeroben Bakterien leichter, sich zu vermehren.

Tetanus: Untersuchungen und Diagnose

Der Arzt stellt die Diagnose Tetanus aufgrund des typischen klinischen Befunds: Treten als Folge einer Wundverletzung Muskelsteifigkeit oder -krämpfe auf, ist die Diagnose Tetanus in der Regel eindeutig. Zur weiteren Diagnostik stehen Tests zur Verfügung, mit denen sich das Gift der Tetanusbakterien im Wundmaterial oder im Blutserum nachweisen lässt (Neutralisationstest). Diese sind allerdings nicht immer aussagekräftig.

Tetanus: Behandlung

Für die Behandlung von Tetanus gelten drei Grundregeln:

  • Identifizierung der Eintrittspforte und Ausschneiden der Wundränder (Wunddébridement)
  • Neutralisierung des Tetanus-Gifts und Immunisierung
  • Unterstützende Maßnahmen gegen die Symptome

Die Wunde wird sofort sorgfältig ausgeschnitten. Das ist vor allem bei tiefen Wunden wichtig. Einige Antibiotika, besonders Metronidazol, sind gegen den Tetanus-Erreger wirksam, ersetzen aber die gründliche Wundreinigung nicht. Zudem können sie die bereits produzierten Toxine nicht reduzieren. Die Toxine wirken bis zu zwölf Wochen im Körper. So lange dauert es auch, bis die Symptome endgültig verschwunden sind. Eine Besserung tritt meist nach vier bis acht Wochen ein.

Antikörper injizieren:

Um das zirkulierende Tetanus-Gift zu neutralisieren, werden stattdessen Antikörper (Immunglobuline), die gegen das Tetanus-Gift gerichtet sind, in die Gesäßmuskulatur und in die Wundränder gespritzt.

Atemwege offenhalten

Da die Gesichts- und Kehlkopfmuskulatur bei Tetanus verkrampft, müssen die Atemwege gezielt offengehalten werden. Der Erkrankte erhält über eine Nasensonde Sauerstoff. Auch eine künstliche Beatmung an einer Beatmungsmaschine ist häufig erforderlich. Die Muskelkrämpfe werden mit speziellen Medikamenten, sogenannten Muskelrelaxantien, behandelt.

Dunkel und ruhig

Manchmal hilft es, den Patienten in einen abgedunkelten und geräuschlosen Raum zu verlegen. So ist er von äußerlichen Reizen abgeschottet, die weitere Krämpfe auslösen könnten.

Tetanus - Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Tetanus-Impfung für Menschen jeden Alters. Die erste Impfung erfolgt bereits Säuglingen, weitere im 5., 6., 9. und 17. Lebensjahr. Anschließend wird eine Auffrischung im Abstand von zehn Jahren empfohlen.

Die Impfung richtet sich nicht gegen die Bakterien selbst, sondern gegen die Toxine, die sie produzieren. Mit einer abgeschwächten Giftdosis wird das Immunsystem auf die Toxine angesetzt. Daraufhin produziert es Antikörper gegen diese.

Ausschlaggebend für die Wirksamkeit der Impfung ist die Zahl der so gebildeten Antikörper. Diese lässt sich anhand des sogenannten Titers messen.

Dank umfassender Impfungen werden in Deutschland pro Jahr inzwischen nur rund 15 Tetanus-Fälle verzeichnet. Die meisten treffen Erwachsene über 60 Jahre.

Worauf Sie bei einer Impfung gegen Tetanus achten müssen, erfahren Sie im Beitrag Tetanus - Impfung.

Tetanus: Krankheitsverlauf und Prognose

Tetanus darf nicht unterschätzt werden. Die Wundstarrkrampf-Symptome sind für die Betroffenen nicht nur mit erheblichen Schmerzen verbunden, sondern führen unbehandelt zum Tod.

Da aber in aller Regel rechtzeitig mit einer intensivmedizinischen Therapie begonnen wird, kann dies meist verhindert werden. Nach etwa vier Wochen gehen die Symptome allmählich zurück, nach weiteren vier Wochen verschwinden sie dann völlig. Gelegentlich bleiben Folgeschäden zurück, die einer weiteren Behandlung bedürfen.

Die Tetanus-Erkrankung erzeugt keine Immunität, das heißt, die Person kann an der gleichen Infektion erneut erkranken. Wichtig sind deshalb eine vollständige Immunisierung (= Impfung) sowie regelmäßige Auffrischimpfungen gegen Tetanus.

Weiterführende Informationen

Leitlinien:

  • Leitlinie "" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2017)
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