Schizophrenie

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Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Die Schizophrenie gehört zu den Psychosen - also zu den psychischen Erkrankungen, bei denen die Betroffenen die Realität verändert wahrnehmen oder verarbeiten. Im Falle der Schizophrenie leben die Patienten phasenweise in einer anderen Welt. Sie leiden unter Verfolgungswahn, Halluzinationen und motorischen Störungen. Was genau eine Schizophrenie ist, wie man sie erkennt und wie sie behandelt werden kann, lesen Sie hier.

Unbehandelt kann eine Schizophrenie für Betroffene und ihr Umfeld sehr gefährlich sein. Eine frühe Therapie mit speziellen Medikamenten ist daher äußerst wichtig!

Marian Grosser, Arzt
Schizophrenie

Kurzübersicht

  • Was ist Schizophrenie? schwere psychische Störungen. Die Hauptformen sind Paranoide Schizophrenie, Hebephrene Schizophrenie, Katatone Schizophrenie.
  • Symptome: Wahnvorstellungen (z.B. Verfolgungswahn), Halluzinationen (z.B. Stimmen-Hören), Störungen emotionaler Regungen (z.B. Schwanken zwischen extremen Stimmungen), Denk- und Sprachstörungen, psychomotorische Auffälligkeiten (bizarre Körperhaltungen, Bewegungslosigkeit etc.)
  • Ursachen: ungeklärt, man kennt aber verschiedene Einflussfaktoren (Auslöser) wie genetische Veranlagung, hohe Sensibilität, belastende Situationen, Stress, gestörter Botenstoffwechsel im Gehirn (evtl. Drogen als Auslöser)
  • Therapie: Medikamente (Neuroleptika. Antidepressiva, Beruhigungsmittel), kognitive Verhaltenstherapie
  • Schizophrenie bei Kindern: selten, wird oft übersehen
  • Prognose: sehr variabel, abhängig von Form und Schwere der Erkrankung

Was ist Schizophrenie?

Die Schizophrenie ist eine schwere psychische Störung. Die Betroffenen leiden phasenweise unter massiven Veränderungen ihrer Gedanken, Gefühle und ihrer Wahrnehmung. Auch ihr Verhalten ändert sich dramatisch und wirkt auf Außenstehende oft bizarr oder beängstigend.

Experten zählen die Schizophrenie zu den endogenen Psychosen: Psychosen sind psychische Erkrankungen, bei denen die Patienten die Realität verändert wahrnehmen oder verarbeiten. "Endogen" bedeutet, dass die betreffende Erkrankung durch verschiedene Faktoren "von innen heraus" entsteht, das heißt ohne erkennbare körperliche Ursache und ohne erkennbaren Zusammenhang mit bestimmten Erlebnissen.



, wie vielfach angenommen wird. Sie tragen also nicht mehrere Persönlichkeiten in sich, die abwechselnd zum Vorschein kommen, wie das bei einer Dissoziativen Identitätsstörung der Fall ist.keine gespaltene PersönlichkeitMenschen mit Schizophrenie haben

Schizophrenie: Symptome

Schizophrenie-Symptome sind ausgesprochen vielfältig. Jeder Patient entwickelt ein ganz eigenes Krankheitsbild. Auf Außenstehende können die Patienten unberechenbar und sehr beängstigend wirken – vor allem, wenn jemand nur wenig über die Störung weiß.

Bestimmte Symptome treten bereits im Vorfeld einer Schizophrenie auf. Dazu gehören Schlafstörungen, starke Reizbarkeit und Anspannung. Häufig reagieren die Betroffenen besonders empfindlich auf Licht und Geräusche. Sie werden oft misstrauisch gegenüber ihren Mitmenschen und ziehen sich zurück. Manche vernachlässigen ihr Äußeres und sind zunehmend weniger an Schule oder Arbeit interessiert. Mitunter treten auch erste Trugwahrnehmungen auf. Diese Anzeichen können einige Monate, aber auch über Jahre andauern, bevor die Schizophrenie in ihre akute Phase übergeht.

Akute und chronische Krankheitsphase

Schizophrenie verläuft meist in Schüben. Die Symptome, die in der Akutphase auftreten, bezeichnet man als „positive Schizophreniesymptome" (Positiv-Symptomatik): Hier überwiegen Symptome, die gesunde Menschen nicht zeigen. Häufig treten etwa Halluzinationen auf, beispielsweise hören die Patienten Stimmen, die nicht vorhanden sind. Viele Betroffenen haben auch Wahnvorstellungen wie Verfolgungswahn. Insgesamt sind die Patienten sind in der akuten Krankheitsphase eher aktiv oder überaktiv.

Die chronische Phase dagegen ist durch eine Negativ- oder Minus-Symptomatik gekennzeichnet, das heißt es stehen nun Einschränkungen bestimmter psychischer Funktionen und Emotionalität im Vordergrund. Die Patienten verfallen also in äußere und innere Lethargie: Sie werden antriebslos und wirken erschöpft. Jede Tätigkeit fällt ihnen schwer. Sie vernachlässigen ihre sozialen Kontakte und ziehen sich zurück. Einige vernachlässigen sogar ihre Körperpflege. Dieses Verhalten wirkt sich nicht nur auf ihr privates Leben aus. Die Betroffenen sind oft nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben. So können sich viele in dieser Phase nur schwer aufraffen, überhaupt das Bett zu verlassen, geschweige denn einen ganzen Arbeitstag durchzustehen. Darüber hinaus wirken schizophrene Patienten in der chronischen Krankheitsphase oft emotionslos. Sie zeigen keine Freude mehr. Ihre Stimme ist monoton und ihre Mimik ausdruckslos. Ihr Interesse an Hobbys, Job und sozialen Kontakten schwindet. Ihre Sprache verarmt.

Drei Subtypen von Schizophrenie

Abhängig von den vorherrschenden Symptomen in der Akutphase unterscheidet man bei der Schizophrenie drei Subtypen: Paranoide Schizophrenie, Hebephrene Schizophrenie und Katatone Schizophrenie.

In der Praxis zeigt sich allerdings, dass es für Schizophrenie keine starren Schubladen gibt: Typische Symptome der einen Form treten auch bei Patienten auf, die typische Symptome einer anderen Form haben. Eine klare Einordnung der Patienten in einen der drei Subtypen ist deshalb oft nicht möglich.

Paranoide Schizophrenie

Die paranoide Schizophrenie ist die verbreitetste Form der Störung. Die markantesten Symptome in der akuten Phase sind hier Wahnvorstellungen und Halluzinationen.

Ein häufiger Wahn ist etwa Verfolgungswahn. Hier sind die Betroffenen überzeugt, von einer Person, einer Organisation oder sogar von Außerirdischen verfolgt zu werden. Sie fürchten, ständig überwacht und abgehört zu werden. Auch Beziehungswahn zeigt sich oftmals bei paranoider Schizophrenie: Die Betroffenen glauben, dass Handlungen oder Äußerungen einer bestimmten Person an sie gerichtet sind. Andere Varianten von Wahn sind etwa Größenwahn und wahnhafte Botschaften (etwa eine Todesbotschaft durch einen normalen schwarzen Mantel).

Unter den Halluzinationen sind bei paranoider Schizophrenie akustische Halluzinationen sehr häufig: Die Patienten hören beispielsweise Stimmen, die in der Realität nicht existieren. Manchmal wirken die Stimmen freundlich, oftmals aber auch bedrohlich, weil sie dem Patienten Befehle erteilen oder ihn beschimpfen. Ebenfalls möglich sind körperliche Halluzinationen: Beispielsweise sind manche Patienten davon überzeugt, dass sich einzelne Körperteile auflösen oder nicht an der richtigen Stelle befinden. Seltener sind bei paranoider Schizophrenie visuelle und Berührungshalluzinationen.

Mehr zu dieser speziellen Schizophrenieform lesen Sie in unserem Beitrag Paranoide Schizophrenie.

Hebephrene Schizophrenie

Bei dieser Form der Schizophrenie sind vor allem das Denken, die Emotionen und der Antrieb stark beeinträchtigt. Bei vielen Patienten erscheint das Denken zusammenhanglos und unlogisch. Das schlägt sich in der Sprache nieder. Manche Patienten reden viel und ohne Zusammenhang. Einige sprechen nur noch in Wortfetzen oder vernachlässigen den Satzbau. Für Außenstehende ist das Gesagte dann nicht mehr verständlich. Umgekehrt kommt es in akuten Phasen jedoch auch vor, dass Betroffene gar nicht mehr sprechen.

Die emotionalen Störungen bei hebephrener Schizophrenie führen zu einem distanzlosen und oft unangemessenen Verhalten. Die Betroffenen lachen zum Beispiel, während sie mitteilen, dass sie sehr unglücklich sind. Oder sie albern auf einer Beerdigung herum. Damit irritieren und brüskieren die Betroffenen oftmals ihr Umfeld.

In einer akuten Phase kann die Stimmung der Patienten sowohl euphorisch (manisch) als auch gedrückt (depressiv) sein. Dieser Wechsel kann mit den Symptomen einer Bipolaren Störung verwechselt werden.

Erfahren Sie mehr über diese Form der Schizophrenie im Beitrag Hebephrene Schizophrenie.

Katatone Schizophrenie

Für eine katatone Schizophrenie sind vor allem psychomotorische Störungen typisch. Die Patienten vollführen merkwürdig anmutende Bewegungen, zum Beispiel mit ihren Händen, Armen oder Beinen. Sie verbiegen ihren Köper oder laufen ziellos umher. In diesen Momenten sind die Patienten stark erregt. Sie wiederholen oft stereotyp, was jemand anderes sagt.

In anderen Momenten verfallen sie in einen Starrezustand (Stupor). Sie verharren dann oft stundenlang in einer ungewöhnlichen Position. Obwohl die Patienten wach sind, reagieren und sprechen sie in diesem Zustand nicht mehr (Mutismus).

Die katatone Schizophrenie tritt heute nur noch selten auf - möglicherweise weil die modernen Medikamente besser wirken als früher verwendete Präparate.

Schizophrenie: Ursachen und Risikofaktoren

Was eine Schizophrenie letztlich auslöst, weiß man noch nicht genau. Es kommen aber sicherlich mehrere Faktoren zusammen, darunter genetische, biologische und psychosoziale.

Genetische Ursachen der Schizophrenie

Eine genetische Vorbelastung spielt bei der Entstehung der Schizophrenie auf jeden Fall eine Rolle. Ist beispielsweise ein eineiiger Zwilling an Schizophrenie erkrankt, erkrankt der andere Zwilling in etwa 45 Prozent der Fälle ebenfalls. Ebenso hoch ist das Krankheitsrisiko, wenn beide Elternteile schizophren sind. Ist nur ein Elternteil betroffen, liegt das Risiko für Kinder immer noch bei 12 Prozent. Zum Vergleich: In der durchschnittlichen Bevölkerung erkrankt nur etwa ein Prozent an Schizophrenie.

Stress und negative Erlebnisse

Menschen, die an einer Schizophrenie erkranken, reagieren vermutlich besonders empfindlich auf Stress. Auch bevor die Krankheit ausbricht, können sie mit belastenden Situationen oft schlecht umgehen. An einem bestimmten Punkt wird die Belastung zu groß. Dann wird der Stress zum Auslöser, der die Krankheit anstößt.

Viele schizophrene Patienten berichten von kritischen Lebensereignissen vor Ausbruch der Erkrankung. Das kann zum Beispiel der Verlust einer nahestehenden Person oder eine problematische berufliche Situation sein. Aber auch positive Situationen können Stress verursachen - beispielsweise eine Hochzeit oder die Geburt eines Kindes.

Veränderungen im Gehirn

Vermutlich spielen Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) eine wichtige Rolle beim Ausbruch einer Schizophrenie. Dopamin beispielsweise ist wichtig für Motivation und inneren Antrieb, aber auch für die Steuerung der Motorik. All das ist bei Schizophrenie gestört. Nehmen Schizophreniepatienten Amphetamine ein, schüttet ihr Körper mehr Dopamin aus. Gleichzeitig verschlimmern sich die Schizophreniesymptome.

Auch Glutamat und Serotonin scheinen eine Rolle zu spielen. Letzteres wirkt stimmungsaufhellend und beeinflusst Schmerzempfinden und Gedächtnisleistung.

Außerdem sind bei Menschen mit Schizophrenie bestimmte Gehirnstrukturen verändert. Betroffen ist vor allem das limbische System, das für die Regulierung der Gefühle zuständig ist.

Drogen und Schizophrenie

Unklar ist, ob Drogen eine Schizophrenie verursachen können. Manche Experten vermuten einen Zusammenhang zwischen Schizophrenie und dem Konsum von Drogen wie Kokain, LSD, Amphetaminen oder Cannabis.

Fest steht, dass einige Drogen Wahnvorstellungen, Halluzinationen und andere Zustände erzeugen können, die den Symptomen einer Schizophrenie entsprechen. Die Wirkung lässt jedoch nach einiger Zeit nach.

Manche Untersuchungen zeigen, dass der Konsum von Drogen den Krankheitsverlauf bei Schizophrenie deutlich verschlechtert. Dass auch eine genetische Anlage im Zusammenspiel mit bestimmten Substanzen eine Schizophrenie auslösen kann, ist bislang ungeklärt.

Schizophrenie: Untersuchungen und Diagnose

Haben Sie den Verdacht, dass Sie oder ein Angehöriger an Schizophrenie leiden, sollten Sie sich an eine Fachklinik für Schizophrenie oder einen Facharzt für Psychiatrie wenden. Es gibt mittlerweile auch einige Früherkennungs- und Therapiezentren, die sich auf die Erkrankung spezialisiert haben.

Um die Diagnose Schizophrenie stellen zu können, ist ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen notwendig. Dabei werden die auftretenden psychischen Symptome genauestens erörtert. Dafür gibt es festgelegte Kriterien und spezielle klinische Fragebögen. Die Leitsymptome, nach denen gefragt wird, sind in der ICD-10 für Schizophrenie festgelegt:

  1. Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug, - ausbreitung
  2. Kontroll- oder Beeinflussungswahn; Gefühl des Gemachten bzgl. Körperbewegungen, Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen; Wahnwahrnehmungen
  3. Kommentierende oder dialogische Stimmen
  4. Anhaltender, kulturell unangemessener oder völlig unrealistischer Wahn (bizarrer Wahn)
  5. Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität
  6. Gedankenabreißen oder -einschiebungen in den Gedankenfluss
  7. Katatone Symptome wie Erregegung, Haltungsstereotypien, Negativismus oder Stupor
  8. Negative Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachter oder inadäquater Affekt

Für die Diagnose „Schizophrenie“ muss mindestens ein eindeutiges Symptom (bzw. zwei oder mehr Symptome, wenn weniger eindeutig) der Gruppen 1 - 4 oder mindestens zwei Symptome der Gruppen 5 - 8 auftreten, und zwar fast durchgängig während eines Monats oder länger.

Ausschluss anderer Erkrankungen

Schizophrenie-ähnliche Symptome können beispielsweise auch bei Hirnerkrankungen (wie Epilepsie, Hirntumor), diversen psychischen Störungen (wie Depressionen, Bipolare Störung, Angststörungen) sowie bei Rauschzuständen (etwa durch Kokain, LSD oder Alkohol) auftreten. Diese müssen ausgeschlossen werden, bevor der Arzt eindeutig die Diagnose Schizophrenie stellen kann. Dazu sind verschiedene Untersuchungen notwendig.

Beispielsweise lassen sich mithilfe von Blut- und Urinuntersuchungen Drogen und Medikamente im Körper nachweisen, welche für die Beschwerden verantwortlich sein können. Blutuntersuchungen helfen auch, etwa eine Stoffwechselstörung oder Entzündung auszuschließen.

Eine bildgebende Untersuchung des Gehirns mit einer Computertomografie oder Kernspintomografie zeigt, ob Auffälligkeiten im Gehirn die Schizophrenie-Symptome verursachen könnten. Kommt bei den Untersuchungen der Verdacht auf eine Gehirnentzündung auf, muss zusätzlich das Nervenwasser (Liquor) untersucht werden (Liquordiagnostik).

Außerdem kann der Arzt mithilfe spezieller Tests die verschiedenen Hirnfunktionen überprüfen, beispielsweise organisatorisches Denken, Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit.

Hinweis: Schizophrenie tritt oft gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen (wie Angststörungen, Bipolare Störung etc.) auf. Das kann die Diagnose erschweren.

Schizophrenie: Behandlung

Eine Schizophrenie wird mit Medikamenten und einer Psychotherapie behandelt. Problematisch ist, dass den Patienten in akuten schizophrenen Phasen die Krankheitseinsicht fehlt. Besteht die Gefahr, dass der Patient sich selbst oder andere gefährdet, kann eine Zwangseinweisung in eine Klinik notwendig werden.

Bei Ausbruch einer akuten Phase wird der Patient zunächst in einer Klinik behandelt, um ihn zu stabilisieren. Anschließend kann er in der Regel sein Leben zu Hause wieder selbstständig gestalten.

Medikamentöse Behandlung der Schizophrenie

Zur Behandlung der Schizophrenie können - je nach Form und Ausprägung der Symptome - unterschiedliche Medikamentengruppen zum Einsatz kommen:

  • Neuroleptika (Antipsychotika): Sie waren die ersten wirksamen Medikamente zur Behandlung von Psychosen. Indem sie in den Stoffwechsel der Nervenbotenstoffe eingreifen, reduzieren sie Spannungs- und Angstzustände, Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Dabei haben Neuroleptika aber starke Nebenwirkungen wie Muskelsteifigkeit, Zittern, Muskelzuckungen, gedämpfte Emotionen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und verminderte Reaktionsgeschwindigkeit.
  • Atypische Neuroleptika: Diese Weiterentwicklungen der "klassischen" Neuroleptika wirken besser und haben weniger Nebenwirkungen. Bekannte Vertreter sind etwa Risperidon und Clozapin.
  • Antidepressiva: Zusätzlich zu den antipsychotischen Medikamenten (klassische bzw. atypische Neuroleptika) verschreibt der Arzt manchmal Antidepressiva. Sinnvoll ist das bei Schizophrenie-Patienten, die gleichzeitig depressiv gestimmt sind. Antidepressiva beeinflussen Stimmung, Antrieb und Leistungsfähigkeit positiv.
  • Beruhigungsmittel: Während einer akuten psychotischen Phase leiden viele Patienten unter starken Ängsten. Dann können Beruhigungsmittel helfen. Da sie aber abhängig machen, werden sie nach Möglichkeit nur kurzfristig eingesetzt.

Hinweis: Neuroleptika können im Gegensatz zu Beruhigunsmitteln nicht abhängig machen - weder körperlich noch psychisch.

Psychotherapie bei Schizophrenie

Die Psychotherapie gewinnt in der Behandlung der Schizophrenie immer mehr an Bedeutung. Sie kann sich langfristig positiv auf den Verlauf der Krankheit auswirken. Meist wird eine Kognitive Verhaltenstherapie gewählt. Wichtige Elemente der psychotherapeutischen Behandlung sind:

Abbau von Ängsten durch Informationen: Wichtig ist zunächst, dem Patienten durch ausführliche Informationen zur Schizophrenie die Angst vor der Krankheit zu nehmen. Auch die Angehörigen profitieren von mehr Wissen, indem sie etwa mehr Verständnis für den Patienten entwickeln und ihn so besser unterstützen können. Dabei hilft auch ein Kommunikationstraining, das den Umgang mit dem Patienten erleichtert.

Umgang mit Stress und belastenden Situationen: In der Therapie lernt der Patient unter anderem, belastende Situationen, die seine Symptome verschlimmern können, besser zu bewältigen. Zentraler Aspekt dabei ist der Umgang mit Stress.

Verarbeitung beängstigender Erlebnisse: Mithilfe einer psychologischen Schizophrenie-Therapie kann der Patient auch die beängstigenden Erlebnisse besser verarbeiten, die er während der akuten Krankheitsphasen durchlebt hat. Das stabilisiert ihn insgesamt.

Frühwarnzeichen erkennen: Außerdem lernen die Patienten, die Frühwarnzeichen einer schizophrenen Phase zu erkennen. Diese können ganz unterschiedlich sein. Häufig kündigen beispielsweise Schlafstörungen oder starke Reizbarkeit einen neuen Ausbruch an. Wichtig ist es dann, die Stressquellen zu reduzieren und eventuell in Absprache mit dem Arzt die Medikamentendosis kurzzeitig zu erhöhen.

Unterstützung nach dem Klinikaufenthalt

Nach einem stationären Aufenthalt braucht der Patient anschließend meist auch zu Hause Unterstützung. Diese Aufgabe übernehmen Sozialpädagogen. Sie helfen dem Betroffenen, sich im Alltag wieder zurecht zu finden.

Besondere Schwierigkeiten bereitet vielen Patienten, dass ihre Konzentrationsfähigkeit, ihr Arbeitsgedächtnis und die Fähigkeiten, vorauszuplanen, durch die Krankheit gelitten haben. Dann hilft eine kognitive Rehabilitation. Sie arbeitet mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen sowie einem speziellenTraining am Computer. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Wiedereinstieg in den Beruf. Außerdem werden Krankheitseinsicht und Therapietreue gestärkt.

Schizophrenie bei Kindern

In den meisten Fällen tritt eine Schizophrenie erst nach der Pubertät im jungen Erwachsenenalter auf. Schätzungsweise zwei Prozent der Patienten erkranken aber bereits im Kindes- und Jugendalter. Vor dem zehnten Lebensjahr sind schizophrene Erkrankungen allerdings extrem selten. Als "early onset schizophrenia" (EOS) bezeichnen Mediziner eine Erstmanifestation der Schizophrenie zwischen dem 13. und 18 Lebensjahr. Sie wird besonders bei männlichen Jugendlichen beobachtet.

Weil die Erkrankung bei Kinder Kindern und Jugendlichen so selten ist, wird sie oft erst spät entdeckt. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass sich die Schizophrenie-Symptome bei Kindern und Jugendlichen von denen erwachsener Patienten unterscheiden.

Außerdem entwickelt sich die Persönlichkeit von Kindern oder Jugendlichen natürlicherweise ständig weiter. Stimmungsschwankungen sind in der Pubertät bis zu einem gewissen Ausmaß normal. Verfallen Kinder und Jugendliche jedoch in längere depressive Phasen oder treten starke Sprach- und Schreibschwierigkeiten sowie Wahnideen auf, sollte dringend ein Arzt oder Psychiater aufgesucht werden.

Schizophrenie: Krankheitsverlauf und Prognose

Das Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken, liegt im Allgemeinen bei etwa einem Prozent. Damit leben in Deutschland geschätzte 800.000 Menschen mit der Erkrankung.

Sie trifft Männer und Frauen gleich häufig. Allerdings bricht die Krankheit bei Männern früher aus als bei Frauen. Sie erkranken durchschnittlich im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, Frauen dagegen zwischen 25 und 30 Jahren. Warum das so ist, weiß man nicht.

Da der Verlauf einer Schizophrenie von Person zu Person stark variiert, gibt es keine allgemein gültige Prognose. Manche Patienten erleben nur eine einzige akute Krankheitsphase, bei anderen ist der Verlauf schwerwiegend und mündet in eine chronische Schizophrenie. Wiederum andere haben immer wieder schizophrene Phasen, die Dank der Behandlung aber auch wieder abklingen. Meist werden die akuten Symptome im Laufe der Zeit schwächer. Dennoch muss eine Schizophrenie oft ein Leben lang behandelt werden.

Die hebephrene Schizophrenie hat eine ungünstigere Prognose als die übrigen Krankheitsformen. Sie beginnt schleichend, wird jedoch oft chronisch und verläuft dann ohne symptomfreie Phasen. Dabei verändert sich die Persönlichkeit der Patienten zunehmend.

Suizidgefahr

Die Ängste, die eine Schizophrenie verursacht, sind oft sehr belastend für die Patienten. Nach einigen Rückfällen verfallen die Betroffenen oft in tiefe Hoffnungslosigkeit. Diese kann sogar zum Suizid führen - die Suizidrate unter Schizophrenie-Patienten liegt bei ungefähr zehn Prozent. Besonders gefährdet sind junge Männer. Eine gute Anbindung an Therapeuten, Familie oder Freunde ist daher besonders wichtig.

Erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen

Statistisch betrachtet haben Patienten mit Schizophrenie ein signifikant erhöhtes Risiko für diverse andere Erkrankungen. Dazu zählen Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs- und Lungenerkrankungen. Behandelnde Ärzte sollten auf entsprechende Anzeichen bei Schizophrenie-Patienten besonders achten.

Jeder Vierte bis Fünfte wird geheilt

Seit Schizophrenie-Patienten mit einer Kombination aus Neuroleptika und Psychotherapie behandelt werden, hat sich die Prognose der Krankheit deutlich verbessert. Circa 20 bis 25 Prozent der Patienten werden mit dieser Behandlung wieder ganz gesund. Aber auch wenn die Patienten nicht vollständig geheilt werden, reicht häufig eine ambulante Betreuung aus, um trotz der Schizophrenie ein weitgehend normales Leben zu führen. Das soziale Umfeld hat darauf einen großen Einfluss: Erhalten Patienten viel Verständnis und Unterstützung durch Freunde und Familie, kann dies den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Schizophrenie: Informationen für Angehörige

Erkrankt ein Mensch an Schizophrenie, ist das für die Angehörigen extrem belastend. In den akuten Phasen lebt der Patient in seiner wahnhaften Welt und ist kaum noch zu erreichen. Vielleicht erstreckt sich sein Wahn auch auf die Angehörigen, denen er finstere Absichten unterstellt und mit Misstrauen begegnet.

Gleichzeitig sind die Angehörigen aber wichtige Stützen für den Patienten. Ihr Verständnis und ihre Unterstützung sind entscheidend für den Krankheitsverlauf.

Als Angehöriger eines Schizophrenie-Patienten sollten Sie daher Hilfsangebote annehmen, die Ihnen ausführliche Informationen zur Krankheit und zum Umgang mit Betroffenen vermitteln. Wichtig ist zum Beispiel, dass Sie den Patienten zu möglichst viel Selbstständigkeit ermuntern. Dabei darf er weder unter- noch überfordert werden. Auch ein spezielles Kommunikationstraining kann für Sie sinnvoll sein.

Suchen Sie zudem das Gespräch mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten und holen Sie sich Rat, wenn Sie überfordert sind und nicht weiter wissen. Eine wichtige Hilfe können auch Angehörigengruppen sein. Wo Sie eine solche in Ihrer Nähe finden, können Sie über die Nationale Kontakt- und Informationsstelle (NAKOS) erfahren (www.nakos.de).

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