Nagelpilz

Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Nagelpilz (Onychomykose, Tinea unguium) ist eine Pilzerkrankung der Finger- und Fußnägel. Mehr als 12 Prozent aller Deutschen leiden darunter. Männer und ältere Menschen sind häufiger betroffen. Lesen Sie hier mehr zum Thema: Woran kann man Nagelpilz erkennen? Wie behandelt man ihn am wirkungsvollsten? Wie entsteht er und was sind die Risikofaktoren?

nagelpilz

Nagelpilz: Kurzübersicht

  • Behandlung: langfristige und konsequente Behandlung mit Anti-Pilzmitteln (Antimykotika) als Nagellacke, Cremes oder Stift, ggf. auch in Tablettenform. Außerdem Lasertherapie, in schweren Fällen evtl. operative Nagelentfernung
  • Typische Symptome: Je nach Pilzart Verfärbung vom Rand oder der Nagelwurzel, komplette Verfärbung oder Flecken, Verdickung und Auflösung der Nageslstruktur oder Splitterung der oberen Schichten. Häufig auch Schmerzen, Rötung der Nagelfalz, Entzündung des Nagelbetts.
  • Ursachen: Infektion über gemeinsam genutzte Handtücher, Teppiche, Betten; feuchtes Milieu in geschlossenen Schuhen ("Schweißfüße"), Nutzung von Gemeinschaftsduschen (Sauna, Sportverein, Schwimmbad), Stoffwechsel- und Immunkrankheiten (z.B. Diabetes mellitus, HIV-Infektion), Durchblutungsstörungen, Rauchen
  • Diagnostik: Arztgespräch und körperliche Untersuchung, mikroskopische und infektiologische Untersuchung (Pilzkultur) einer Probe des erkrankten Nagels
  • Prognose: gute Heilungschance bei frühzeitig begonnener und konsequent durchgeführter Langzeitbehandlung

Nagelpilz: Behandlung

Die Nagelpilz-Behandlung richtet sich vor allem nach Art und Schwere der Symptome. In allen Stadien von Nagelpilz ist eine lokale Behandlung zu empfehlen. Als am wirksamsten gilt hier ein Antipilz-Nagellack, weil er gut in das Nagelgewebe eindringt.

In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Methoden und Mittel gegen Nagelpilz. Vor einer Behandlung kann es sinnvoll sein, infiziertes Nagelmaterial schonend abzutragen. Dazu wird meist einmal täglich eine Harnstoffsalbe aufgetragen, welche die Hornsubstanz des Nagels aufweicht. Sie kann vorsichtig abgeschabt werden.

Eine Selbstbehandlung von Nagelpilz soll aber nicht durchgeführt werden, wenn der Nagel bereits sehr stark vom Pilz befallen ist. In solchen Fällen verschreibt der Arzt oft zusätzlich Tabletten gegen die Infektion.

Methode/Mittel

Anwendung, Vor- und Nachteile

Anmerkungen

Antipilz-Nagellack (wasserlöslich)

- unkomplizierte und schnelle Anwendung

- muss einmal täglich aufgetragen werden

- nach dem Auftragen darf der Nagel 6 Stunden keinen Kontakt mit Wasser haben

- nach den 6 Stunden lassen sich Lackreste einfach mit Wasser abwaschen

- Antipilz-Wirkstoff Ciclopirox wirkt auch antibakteriell und entzündungshemmend

Wirkstoff: Ciclopirox;

rezeptfrei erhältlich

nie zeitgleich kosmetischen Nagellack verwenden!

Antipilz-Nagellack (wasserfest)

- unkomplizierte und schnelle Anwendung

- Wirkstoff Amorolfin: ein- bis zweimal pro Woche auftragen

- Wirkstoff Ciclopirox: im 1. Monat jeden 2. Tag auftragen, im 2. Monat mind. zweimal pro Woche, im 3. Monat mind. einmal pro Woche

- Lackreste nur mit Alkohol oder Nagellackentferner beseitigbar

- Ciclopirox wirkt auch antibakteriell und entzündungshemmend, Amorolfin nicht

Wirkstoff: Ciclopirox oder Amorolfin;

rezeptfrei erhältlich

nie zeitgleich kosmetischen Nagellack verwenden!

Antipilz-Creme/-Salbe

- enthält den Wirkstoff Bifonazol (und manchmal auch Harnstoff): wird einmal täglich aufgetragen (Dauer: mehrere Wochen)

- in jedem Fall Vorbehandlung mit Harnstoffsalbe sinnvoll (zum Ablösen des Nagels)

- Bifonazol wirkt auch antibakteriell und entzündungshemmend

geeignet bei verdickten Nägeln und Pilzinfektionen unter der Nagelplatte;

rezeptfrei erhältlich

Nagelpilz-Stift

- unkomplizierte und schnelle Anwendung

- je nach Produkt ein- bis zweimal täglich auftragen

verschiedene Wirkstoffe;

rezeptfrei erhältlich

nie zeitgleich kosmetischen Nagellack verwenden!

Tabletten mit Terbinafin

- Einnahme durchgehend jeden Tag oder mit Behandlungspausen (z.B. Einnahme für 1 Woche, dann 3 Wochen Pause)

- Anwendungsdauer: max. 4 Monate

- weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten als Itraconazol und Fluconazol, daher besonders für ältere Patienten geeignet

Standardmittel gegen Dermatophyten (häufigste Nagelpilz-Erreger);

rezeptpflichtig

Tabletten mit Itraconazol

- Einnahme durchgehend jeden Tag oder mit Behandlungspausen (z.B. Einnahme für 1 Woche, dann 3 Wochen Pause)

- Anwendungsdauer: max. 3 Monate

- zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich

hilft gegen spezielle Nagelpilz-Erreger, gegen die Terbinafin und Fluconazol nicht wirksam sind;

rezeptpflichtig

Tabletten mit Fluconazol

- Einnahme einmal pro Woche

- Anwendungsdauer: 6 bis 12 Monate

- weniger wirksam als Terbinafin und Itraconazol, aber gut verträglich, daher besonders für Kinder geeignet

- zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich

Angewendet, wenn andere Wirkstoffe nicht helfen oder nicht eingenommen werden dürfen.

rezeptpflichtig

chirurgische Nagelentfernung

- schnelles Resultat, aber nicht erfolgversprechender als andere Behandlungen

- hohes Rückfallrisiko

- oft Schmerzen und zeitweilige Arbeitsunfähigkeit nach dem Eingriff

Wird kaum noch durchgeführt. Schonender ist die Nagelablösung mit Harnstoffsalbe.

Laserbehandlung

- kaum Nebenwirkungen, unkompliziert und effektiv

- teuer und nur in wenigen Hautarztpraxen verfügbar

Gesetzliche Krankenkassen zahlen die Laserbehandlung nicht. Private Versicherer fordern Nachweis der medizinischen Notwendigkeit.



Antipilz-Nagellack, -Creme und -Stift

Eine lokale Nagelpilz-Behandlung mit Antipilz-Nagellack, -Creme oder -Stift kann jeder Patient selbstständig zuhause durchführen. In leichteren Fällen kann diese Selbstbehandlung ausreichen, das heißt, wenn:

  • nur ein Nagel befallen ist,
  • maximal die Hälfte der Nagelfläche befallen ist und
  • die Nagelwurzel (Nagelmatrix) nicht infiziert ist (das ist jener Bereich, wo die Nagelplatte gebildet wird).

Wenn Sie unsicher sind, ob diese Punkte bei Ihnen zutreffen, sollten Sie einen Arzt oder medizinischen Fußpfleger (Podologen) um Rat fragen.

Antipilz-Nagellack, -Creme und -Stift sind eine unkomplizierte Hilfe bei Nagelpilz. Sie müssen aber unbedingt solange angewendet werden, bis der Pilz sicher abgetötet ist. Dies zu erkennen, ist für Laien nicht einfach. Dann gilt auch hier: Im Zweifelsfall zum Arzt gehen!

Nagelpilz-Behandlung mit Tabletten

Gehen Sie zum Arzt, wenn eine selbstständige Nagelpilz-Behandlung nicht zum Erfolg führt oder viele Nägel beziehungsweise größere Nagelflächen befallen sind. Die lokale Nagelpilz-Therapie muss dann meist durch eine systemische Therapie ergänzt werden - also durch die Einnahme von antimykotisch wirksamen Tabletten, die von innen heraus und im ganzen Körper ihre Wirkung entfalten.

Bei der Auswahl eines geeigneten Wirkstoffes (Terbinafin, Itraconazol, Fluconazol) berücksichtigt der Arzt den genauen Erregertyp und andere Faktoren. So sollten zum Beispiel Frauen in der Schwangerschaft möglichst kein Terbinafin einnehmen, auch wenn dies der geeignetste Wirkstoff gegen Fadenpilze ist (die häufigsten Erreger von Nagelpilz). Stattdessen kann der Arzt zum Beispiel Clotrimazol oder Miconazol verschreiben.

Ältere Patienten sollten dagegen bevorzugt mit Terbinafin behandelt werden. Bei diesem Wirkstoff ist nämlich das Risiko für Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten viel geringer als bei Itraconazol und Fluconazol. Das ist für ältere Menschen deshalb besonders wichtig, weil sie meist mehrere verschiedene Medikamente (wie Blutdruckmittel) einnehmen müssen.

Patienten sollten den Arzt auch über alle eventuellen Erkrankungen und Gesundheitsbeschwerden gewissenhaft informieren. Denn bei bestimmten Erkrankungen dürfen manche Antimykotika gar nicht gegeben werden, zum Beispiel Terbinafin bei Leberfunktionsstörungen.

Nagelpilz-Behandlung mittels Operation

In der Vergangenheit wurde auf die Frage „Was tun bei Nagelpilz in schweren/hartnäckigen Fällen?“ häufig die Möglichkeit der chirurgischen Nagelentfernung genannt. Aufgrund der Nebenwirkungen (wie Schmerzen) und des hohen Rückfallrisikos wird dieser Eingriff heute aber kaum noch durchgeführt. Zudem führt das operative Entfernen erkrankter Nägel in der Nagelpilz-Behandlung nicht eher zum Erfolg als andere Methoden.

Nagelpilz-Behandlung mittels Laser

Eine neue Behandlungsoption bei Nagelpilz ist die Bestrahlung mit Laser. In mehreren Sitzungen kann dies der Pilzinfektion den Garaus machen, auch wenn man noch nicht genau weiß, wie das funktioniert.

Ein weiterer Vorteil der Lasertherapie bei Nagelmykose ist, dass sie bei korrekter Durchführung kaum Nebenwirkungen verursacht. Die Patienten berichten höchstens über ein Wärmegefühl oder leichtes Stechen in den bestrahlten Zehen.

Allerdings ist das Lasern einer Nagelpilz-Infektion sehr teuer und wird nicht von den Gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Mehr über die Lasertherapie bei Onychomykose erfahren Sie im Beitrag Nagelpilz- Laser.

Nagelpilz: Homöopathie

Viele Betroffene stellen sich die Frage "Was hilft gegen Nagelpilz außer der Schulmedizin?" Sie wollen mit alternativen Heilmethoden die Onychomykose behandeln. So vertrauen manche auf ätherische Öle oder Schüßler Salze. Wieder andere setzen auf Homöopathie. Nagelpilz wird jedoch eher selten ausschließlich alternativmedizinisch behandelt. Stattdessen werden alternative Heilmethoden oft begleitend zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt.

Übrigens: Auf die Frage „Was hilft bei Nagelpilz?“ nennen Homöopathen Mittel wie zum Beispiel Acidum hydrofluoricum, Silicea, Antimonium crudum oder Sepia. Die Aromatherapie wendet etwa die ätherischen Öle von Eucalyptus globulus, Origanum vulgare oder Thymus vulgaris (Chemotyp Thymol) an. Als geeignete Schüßler Salze gegen Nagelpilz gelten die Nr. 5 Kalium phosphoricum und die Nr. 8 Natrium chloratum. Welches Mittel im Einzelfall am besten geeignet ist, sollten Sie mit einem erfahrenen Therapeuten besprechen.

Nagelpilz: Hausmittel

"Lieber natürlich als chemisch", denken viele Menschen und bevorzugen Hausmittel im Kampf gegen den Nagelpilz. Anwendung finden zum Beispiel Essig oder Essigsäure, Zitrone, Ringelblumen und Aloe vera sowie Teebaumöl. Solche Naturheilmittel gelten als sanfte Hilfe gegen die Pilzinfektion. Sie werden vor allem äußerlich direkt am erkrankten Nagel angewendet.

Allerdings ist bislang wissenschaftlich nicht bewiesen, dass Essig, Teebaumöl & Co. bei Nagelpilz wirklich wirksam sind. Manche Ärzte raten deswegen davon ab. Zumindest sollten die Hausmittel aber nicht als Ersatz, sondern nur begleitend zur schulmedizinischen Behandlung angewendet werden.

Mehr über die Anwendung von Hausmitteln bei Pilzinfektionen der Nägel lesen Sie im Beitrag Nagelpilz-Hausmittel.

Nagelpilz: Symptome

Generell kann Nagelpilz Finger- und/oder Fußnägel befallen. Letztere sind aber viel häufiger betroffen. Das hat zwei Gründe:

Zum einen sind die Füße einer größeren mechanischen Belastung ausgesetzt. Dadurch kommt es eher zu winzigen Verletzungen, die Pilzen (und anderen Krankheitserregern) als Eintrittspforten dienen. Zum anderen liebe Pilze ein feucht-warmes Milieu, und dies findet sich eher an den Füßen, etwa beim Barfußlaufen im Schwimmbad oder in Gemeinschaftsduschen sowie bei Fußschweiß in geschlossenen Schuhen.

Oft wächst der Nagelpilz am großen Zeh, er kann aber auch einen der anderen Zehen befallen beziehungsweise sich über mehrere Nägel ausbreiten. In schweren Fällen sind alle Nägel eines Fußes oder einer Hand betroffen.

Die Nagelpilz-Symptome variieren bei den verschiedenen Formen von Onychomykose, wie sie im Folgenden beschrieben werden. Bei allen gilt aber: Wird die Infektion nicht oder zu spät behandelt, kann schließlich der ganze Nagel vom Pilz befallen sein und von diesem völlig zerstört werden (total-dystrophische Onychomykose).

Nagelanatomie
Anatomie eines Nagels
Aufbau von Fuß- und Fingernägeln

Distolaterale subunguale Onychomykose (DSO)

Etwa 82 Prozent aller Patienten zeigen diese Art von Nagelpilz. Der Erreger ist meist der FadenpilzTrichophyton rubrum. Er dringt am freien (distalen) Ende des Nagels unter der Nagelplatte ein und breitet sich an deren Unterseite in Richtung Nagelwurzel aus. Im Verlauf resultieren daraus typischerweise folgende Nagelpilz-Symptome (ohne Behandlung):

Zunächst sieht die Nagelplatte stumpf und glanzlos aus, bevor sie sich weiß-gelblich verfärbt. Weitere Symptome (Schmerzen etc.) fehlen meist in dieser Phase von Nagelpilz.

Durch übermäßige Verhornung unter der Nagelplatte (subunguale Hyperkeratose) verdickt sich der Nagel allmählich und beginnt, sich vom Nagelbett abzulösen. Bei manchen Patienten kann die verdickte Nagelplatte schmerzhaft auf das darunterliegende empfindliche Nagelbett drücken. Das kann sich besonders beim Tragen enger Schuhe und beim Gehen bemerkbar machen.

Zudem besteht die Gefahr, dass sich (zusätzlich zum Nagelpilz) Bakterien im geschädigten Gewebe ansiedeln und eine Nagelbettentzündung hervorrufen. Schmerzen sind dann ebenfalls möglich, und der gesamte Nagel ist sehr durckempfindlich.

Schließlich wird der befallene Nagel rissig, brüchig und krümelig.

Proximale subunguale Onychomykose (PSO)

Auch diese Form von Nagelpilz wird meist vom Fadenpilz Trichophyton rubrum ausgelöst. Er dringt am Nagelwall, wo der Nagel herauswächst, über die Haut in die Nagelplatte und das Nagelbett ein. Der Nagel zeigt eine weißliche Verfärbung und Trübung. Diese Onychomykose tritt fast ausschließlich bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem auf.

Weiße superfizielle Onychomykose (WSO)

Diese Nagelmykose wird auch Leukonychia trichophytica genannt. Der Auslöser ist meist der Fadenpilz Trichophyton interdigitale (T. mentagrophytes). Er dringt direkt in die Oberfläche der Nagelplatte ein. In der Folge bilden sich weiße Flecken im Nagel.

Onychia et Paronychia candidosa (Candida-Paronychie)

Hierbei sind der proximale Nagelwall (dort, wo der Nagel herauswächst) und später auch der seitliche Nagelwall chronisch entzündet durch eine Infektion mit Hefepilzen (meist Candida albicans). Typische Nagelpilz-Symptome sind hier eine Rötung und Schwellung des Nagelwalls.

Später verfärbt sich die Nagelplatte im Randbereich, wo der Nagel herauswächst und an den Seiten. Die Farbe variiert in Abhängigkeit von einer zusätzlichen bakteriellen Infektion von gelblich über bräunlich bis grünlich. Ohne Behandlung breitet sich der Pilz auch auf die Nagelmatrix und das Nagelbett aus.

Diese Nagelmykose entwickelt sich bevorzugt an den Fingernägeln von Menschen, die mit den Händen oft in feuchter oder nasser Umgebung arbeiten.

Edonyx-Onychomykose

Für diese sehr seltene Form von Nagelpilz sind meist Fadenpilze der Gattung Trichophyton verantwortlich. Sie dringen direkt zwischen die Schichten der Nagelplatte ein und breiten sich im Inneren aus. Die glanzlose, weißliche Nagelplatte splittert dadurch lamellenförmig auf. Das Nagelbett bleibt bei dieser Nagelmykose meist intakt. Außerdem kommt es nicht zu einer Verdickung und Ablösung der Nagelplatte vom Nagelbett.

Nagelpilz Stadien
Nagelpilz Stadien
Der Nagelpilz breitet sich in drei Phasen über den Nagel aus.

Nagelpilz: Ursachen und Risikofaktoren

Nagelpilz meist durch Fadenpilze (Dermatophyten) verursacht. Manchmal sind auch Schimmelpilze oder Hefepilze für die Infektion verantwortlich. Letztere befallen vor allem die Fingernägel.

Die Pilze können prinzipiell alle verhornten Körperstellen (Haut, Nägel und Haare) befallen. Sie ernähren sich dort vom Hauptbestandteil Keratin.

Ist Nagelpilz ansteckend?

Der Nagelpilz kommt durch Pilzsporen auf die Haut. Sporen sind mikroskopisch kleine Partikel der Pilze, die sehr lange überdauern können und der Verbreitung dienen. Der häufigste Übertragungsweg ist von Mensch zu Mensch.

Zusätzlich können Pilzsporen auch von verunreinigten Gegenständen auf den Menschen übertragen werden. Dazu gehören zum Beispiel Handtücher, Badematten, Teppiche und Betten.

Risikofaktoren für Nagelpilz

Pilze wachsen bevorzugt an warmen und feuchten Orten – also zum Beispiel an Schweißfüßen, besonders wenn sie in Schuhen stecken, aus denen Wärme und Feuchtigkeit schlecht nach außen abgeleitet werden können. Der entstehende Wärme- und Feuchtigkeitsstau fördert das Pilzwachstum.

Das Gleiche gilt, wenn man die Zehenzwischenräume nicht richtig säubert und abtrocknet. Das trifft besonders auf Menschen zu, die eine körperliche Behinderung oder zum Beispiel ein Gipsbein haben. Sie können leichter einen Fuß- und Nagelpilz bekommen. Experten vermuten übrigens, dass sich Nagelpilz an den Füßen oft als Folge einer Fußpilz-Infektion entwickelt. So leiden viele Menschen an beiden Infektionen gleichzeitig.

Weitere Faktoren, die eine Nagelmykose an den Füßen begünstigen könnten, sind:

  • häufiger Kontakt mit Nagelpilz-Erregern, etwa im Schwimmbad, in Gemeinschaftsduschen oder in der Sauna
  • Verletzungen der Nägel
  • bestimmte Hautkrankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Durchblutungsstörungen in den Beinen, etwa aufgrund von Diabetes, Peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) oder Rauchen
  • geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel bei manchen Erkrankungen (wie HIV) oder bei der Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (wie Kortison)
  • familiäre Veranlagung

Übrigens: Diabetiker sind auch aufgrund des vielen Zuckers im Blut anfälliger für Pilzerkrankungen – der Zucker dient den Pilzen als Nahrung.

Für Nagelpilz an den Händen sind vor allem Menschen anfällig, die bei ihrer Arbeit oft feuchte/nasse Hände haben. Dazu gehören zum Beispiel Reinigungskräfte.

Als allgemeine Risikofaktoren für Nagelpilz (und auch Hautpilz) stehen zudem Vitaminmangel (Vitamin A, B1, B2 und K) sowie Mangel an Zink und Folsäure im Verdacht.

Nagelpilz: Untersuchungen und Diagnose

Der erste Ansprechpartner bei der Abklärung von Nagelpilz ist der Hausarzt. Sie können sich aber auch an einen Dermatologen (Hautarzt) wenden.

Erhebung der Krankengeschichte

Der Arzt wird zuerst die Krankengeschichte erheben (Anamnese). Dazu fragt er Sie nach Ihren Symptomen, eventuellen Grunderkrankungen und anderen Faktoren, die für die Diagnose wichtig sind. Mögliche Fragen sind zum Beispiel:

  • Seit wann bestehen die Nagelveränderungen (Verdickung, Verfärbung)?
  • Sind bei Ihnen chronische Erkrankungen (wie Diabetes oder Schuppenflechte) bekannt?
  • Was machen Sie beruflich?
  • Hat oder hatte jemand in Ihrer Familie eine Pilzinfektion?

Körperliche Untersuchung

Nach dem Gespräch folgt die körperliche Untersuchung: Der Arzt begutachtet die betroffenen Nägel und umliegendes Gewebe. Verdickte, verfärbte Nagelplatten sind oft ein deutlicher Hinweis auf Nagelpilz. Allerdings gibt es auch andere mögliche Erklärungen für vermeintliche Nagelpilz-Symptome, die der Arzt ausschließen muss (Differenzialdiagnosen):

So kann sich eine Schuppenflechte auf die Nägel erstrecken und hier wie ein Pilz aussehen (Nagelpsoriasis). Außerdem kann es zu einer Nagelbeteiligung bei Hautekzemen („Ekzemnagel“) und anderen Hauterkrankungen wie Knötchenflechte (Lichen ruber planus) kommen, die einer Pilzinfektion ähneln kann.

Bei Menschen mit chronischen Krampfaderleiden sind die Zehennägel oft verdickt und grau-grünlich verfärbt. Das kann ebenfalls eine Nagelmykose vortäuschen. Das Gleiche gilt für Nagelverletzungen wie ein Bluterguss und Quetschung des Nagels.

Weitere Differenzialdiagnosen sind seltene chronische Nagelveränderungen, die sich zum Beispiel bei Durchblutungsstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Eisen-, Kalzium- oder Vitaminmangel entwickeln.

Nachweis von Nagelpilz-Erregern

Bei der Abklärung der Nagelveränderungen hilft dem Arzt ein Nagelpilz-Test: Er desinfiziert den betreffenden Nagel mit Alkohol und schabt dann etwas von der Nagelplatte an. Die winzigen Nagelspäne kann er mit einem speziellen Farbstoff anfärben und unter dem Mikroskop auf Pilzsporen untersuchen. Findet er welche, spricht das für einen Nagelpilz.

Unter dem Mikroskop lässt sich nicht erkennen, um welche Art von Pilz es sich handelt. Dies muss der Arzt aber wissen, wenn er dem Patienten Anti-Nagelpilz-Tabletten verschreiben möchte. Denn je nach Erregertyp sind bestimmte Wirkstoffe besser geeignet als andere. Zur Identifizierung des genauen Erregertyps wird dieser aus der Gewebeprobe im Labor angezüchtet (Pilzkultur). Das dauert drei bis vier Wochen.

Bei einem stark ausgeprägten Nagelpilz kann der Arzt aber schon vorher eine antimykotische Therapie beginnen mit einem Wirkstoff, der gegen eine ganze Bandbreite von Pilzen wirkt (Breitband-Antimykotikum).

In seltenen Fällen werden andere Tests bei Nagelpilz durchgeführt. Beispielsweise kann das Nagelgewebe im Labor genauer (histologisch) untersucht werden.

Was Sie vor dem Arztbesuch beachten sollten

Damit der Arzt bei Verdacht auf Nagelpilz die richtige Diagnose stellen kann, sollten Sie bei der Untersuchung keinen farbigen Nagellack tragen.

Falls Sie im Vorfeld schon eine lokale Nagelpilz-Behandlung versucht haben (etwa mit Antipilz-Nagellack), sollten Sie diese zwei bis vier Wochen vor dem Arztbesuch beendet haben. Anderenfalls kann das Ergebnis der Pilzkultur durch eventuelle Wirkstoffreste am Nagel fälschlicherweise negativ ausfallen.

Nagelpilz: Krankheitsverlauf und Prognose

Nagelpilz heilt nicht von selbst aus, sondern muss behandelt werden. Dabei gilt: Je früher Nagelpilz behandelt wird, desto besser. In Anfangsstadien ist er meist schmerzfrei und leichter therapierbar.

Dagegen kann eine fortgeschrittene Nagelmykose erhebliche Schmerzen, etwa beim Tragen von Schuhen oder Gehen sowie durch das Einwachsen verformter Nägel, verursachen. Die Haut um den Nagel herum oder das Nagelbett können sich entzünden. Zudem kann sich aus dem Nagelpilz Fuß- beziehungsweise Hautpilz entwickeln, der noch weiter um sich greift.

Sind die Fingernägel von der Pilzinfektion betroffen, kann sich das Fingerspitzengefühl so verändern, dass die Feinmotorik beeinträchtigt ist.

Nicht zuletzt ist Nagelpilz ein ästhetisches Problem, das die Betroffenen stark psychisch belasten kann. Deshalb sollte man ihn unbedingt frühzeitig behandeln.

Therapie unbedingt durchhalten!

Eine Nagelpilz-Behandlung ist langwierig und erfordert von den Betroffenen viel Geduld und Konsequenz. Selbst in leichten Fällen erstreckt sie sich über Wochen bis Monate. In schweren dauert die Nagelpilz-Therapie bis zu einem Jahr und länger. Der Grund: Die erkrankte Nagelpartie muss erst komplett rausgewachsen sein, bevor der Patient als geheilt gilt. Manche Patienten brechen die Antimykotika-Behandlung aber frühzeitig ab, wenn kein Befall mehr sichtbar ist. Es kann dann aber noch ein Teil der Nagelplatte infiziert sein. Ausgehend von diesen Stellen kann der Nagelpilz immer wieder auf gesunde Bereiche übergreifen.

Übrigens: Bei infizierten Fingernägeln führt die Behandlung in der Regel schneller zum Erfolg als bei Fußnägeln.

Nagelpilz vorbeugen

Einem Nagelpilz lässt sich vorbeugen. Zwar kommen die Pilzsporen überall in unserer Umwelt vor – die Pilze fühlen sich jedoch vor allem in feucht-warmer Umgebung wohl. Die wichtigste Maßnahme ist deshalb, ihm den Nährboden zu entziehen.

Richtiges Schuhwerk

Sie sollten möglichst wenig geschlossene Schuhe (wie Turnschuhe) tragen, in denen die Füße stark schwitzen. Bevorzugen Sie stattdessen luftdurchlässigere Schuhe (wie Sandalen oder leichte Halbschuhe). Ziehen Sie keine nassen oder feuchten Schuhe an.

Nach jedem Tragen sollten Sie Ihre Schuhe gut auslüften. Haben Sie stark geschwitzt, stopfen Sie Ihr Schuhwerk nach dem Tragen mit Papier aus und lassen Sie sie komplett austrocknen. Zusätzlich können Sie die Schuhe auch regelmäßig desinfizieren.

Laufen Sie in öffentlichen Schwimmbädern, Sauna-Anstalten, Solarien und Umkleidekabinen nicht barfuß herum.

Socken und Strümpfe

Bei der Auswahl der Socken sollten Sie Materialen wie Wolle, Baumwolle oder Baumwollmischungen bevorzugen und auf synthetische Materialien verzichten. Wechseln Sie die Socken täglich, oder, wenn Sie viel schwitzen, auch mehrmals am Tag. Schuhe und Socken sollten außerdem nie mit anderen Menschen geteilt werden, um die Übertragung von Nagelpilz auf diesem Weg zu vermeiden.

Richtige Fußpflege

Nach dem Waschen und Baden sollten Sie die Füße gut abtrocknen, bevor Sie Socken und Schuhe anziehen. Achten Sie beim Abtrocknen besonders auf die Zehenzwischenräume!

Eine regelmäßige und gründliche Fußpflege ist vor allem für Menschen wichtig, die besonders anfällig für Nagelpilz sind. Dazu zählen zum Beispiel Diabetiker und Menschen mit Immunschwäche, aber auch Sportler und Senioren. Oft ist es sinnvoll, regelmäßig einen medizinischen Fußpfleger (Podologen) aufzusuchen.

Wäsche wechseln und richtig waschen

Handtücher und Bettwäsche sollten regelmäßig gewechselt werden. Wer schon Nagelpilz hat, sollte das Handtuch sogar täglich wechseln – ebenso wie Socken und Strümpfe. Waschen Sie diese ebenso wie Duschvorleger bei mindestens 60 Grad Celsius. Verwenden Sie Vollwaschmittel oder spezielle Waschmittel, die Pilzsporen abtöten. Diese sind in Apotheken und Drogeriemärkten erhältlich.

Für Nagelpilz-Patienten: Ausbreitung verhindern

Menschen mit Nagelpilz sollten sowohl draußen als auch in der Wohnung nicht barfuß laufen, um die robusten Pilzsporen nicht in der Umgebung zu verteilen und so möglicherweise andere Menschen anzustecken.

Beim Schlafen sollten Menschen mit Nagelpilz Socken tragen. So können sie verhindern, dass sich die Pilzsporen im Bett verteilen und eventuell an andere Körperstellen oder zum Partner gelangen und dort eine neue Infektion auslösen.

Weiterführende Informationen

  • der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft (Stand: 2006)

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