Multiple Sklerose

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Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Multiple Sklerose (MS, Encephalomyelitis disseminata) ist eine chronische Entzündung des Nervensystems. Dabei werden Nervenstrukturen zerstört, was unterschiedlichste Symptome nach sich zieht. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber ihr Fortschreiten lässt sich mit Medikamenten mildern. Lesen Sie mehr über die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose, ihre Ursachen, Symptome und Behandlung.

multiple sklerose

Multiple Sklerose: Kurzübersicht

  • Häufige erste Symptome: Gefühlsstörungen in den Beinen, starke Ermüdbarkeit, Probleme bei der Darmentleerung, Unsicherheiten beim Gehen und Stehen, Sehstörungen auf einem Auge usw.
  • Wichtige Untersuchungen: Körperliche und neurologische Untersuchung, Evozierte Potenziale, Kernspintomografie (MRT), Liquordiagnostik, Blut- und Urinuntersuchung
  • Behandlung: Medikamente (Schubtherapie, Basistherapie), symptomatische Therapiemaßnahmen und Rehabilitation (Physiotherapie, Ergotherapie, gemäßigter Sport, Psychotherapie usw).
  • Prognose: MS ist nicht heilbar, aber durch konsequente Behandlung in ihrem Verlauf positiv beeinflussbar (weniger Schübe, langsameres Fortschreiten der Erkrankung, verbesserte Lebensqualität)

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS: Rückenmark und Gehirn, inklusive Sehnerv). Nervenstrukturen entzünden sich, was unterschiedliche Beschwerden auslöst wie zum Beispiel Seh- und Gefühlsstörungen, Schmerzen oder Lähmungen. Bislang ist Multiple Sklerose noch nicht heilbar. Mit Medikamenten lässt sich der Verlauf der Erkrankung aber günstig beeinflussen.

Multiple Sklerose beginnt meist im frühen Erwachsenenalter zwischen 20 und 40 Jahren. In Deutschland leben mehr als 200.000 Menschen mit Multipler Sklerose. Frauen erkranken ungefähr doppelt so häufig an MS wie Männer.

Multiple Sklerose: Symptome

Multiple Sklerose tritt in den meisten Fällen völlig unerwartet und aus völligem Wohlbefinden heraus auf. Vielfach entwickeln sich die ersten MS-Anzeichen relativ rasch innerhalb von Stunden oder Tagen. Nur bei wenigen Patienten beginnt die Krankheit langsam mit mal weniger, mal stärkeren Beschwerden, sodass die Betroffenen kaum merken, dass etwas ernsthaft nicht in Ordnung ist. Bei manchen Patienten zeigen sich nur wenige MS-Symptome, bei anderen mehrere gleichzeitig.

Das Beschwerdebild kann also bei jedem Betroffenen ganz unterschiedlich ausfallen. MS wird deshalb auch die "Krankheit mit den 1.000 Gesichtern" genannt. In der folgenden Tabelle finden Sie Art und Häufigkeit der ersten Multiple-Sklerose-Symptome (nach Krämer/Besser):

Erste Multiple Sklerose-Symptome

Häufigkeit in Prozent

Gefühlsstörungen in den Beinen

30

Abnorme Müdigkeit/Ermüdung

20

Darmentleerungsstörungen

20

Unsicherheiten beim Gehen und Stehen

18

Sehstörungen auf einem Auge

16

Gefühlsstörungen in den Armen

10

Gangstörungen durch Spastik (Muskelverkrampfung)

10

Kraftlosigkeit in den Beinen

10

Blasenentleerungsstörungen

6

Kraftlosigkeit in den Armen

5

Lähmung im Gesicht (Trigeminusneuralgie)

5

Gefühlsstörungen im Gesicht

3

Lhermitte-Zeichen (Kribbeln im Nacken bei vorgebeugtem Kopf)

3

Sprechstörungen

2

Schmerzen

2

Lähmung einer Körperseite – Arm und Bein (Halbseitenlähmung)

2

Bei mehr als einem Drittel der Patienten stellen sich als erste Multiple-Sklerose-Symptome Gefühlsstörungen ein: Arme oder Beine fühlen sich taub an, oder es kribbelt auf der Haut. Jeder fünfte Patient fühlt sich müder als sonst und ist schnell erschöpft, hat Probleme beim Stuhlgang oder fühlt sich unsicher beim Gehen und Stehen.

Eine Sehstörung an einem Auge ist bei etwa 16 Prozent der Patienten das erste Multiple-Sklerose-Anzeichen. Einige Patienten leiden unter Kraftlosigkeit (meist in den Armen, seltener in den Beinen), können ihre Blase nicht mehr richtig entleeren oder haben Schmerzen. Sprechstörungen und Halbseitenlähmung sind nur selten erste MS-Symptome.

Manchmal geht der Krankheitsbeginn mit nur einem Symptom einher. Es können aber auch mehrere Symptome gleichzeitig auftreten.

Multiple Sklerose: Anzeichen im weiteren Verlauf

Multiple Sklerose kann bei jedem Patienten einen unterschiedlichen Verlauf nehmen. Meist verläuft sie schubförmig, das heißt, es kommt immer wieder zu einer akuten Verschlechterung der Beschwerden (Schub). Nach einem ersten Schub können die Beschwerden ganz oder teilweise verschwinden und nach einer Weile wieder auftreten. Manchmal kommen andere Symptome hinzu, die ebenfalls wieder zurückgehen können. In einigen Fällen nehmen die Beschwerden auch von Anfang an stetig zu, und Schübe lassen sich nicht erkennen.

Art und Häufigkeit der Multiple-Sklerose-Symptome im Krankheitsverlauf sind (nach Krämer/Besser):

Multiple Sklerose-Symptome im Verlauf

Häufigkeit in Prozent

Gangstörungen durch Spastik (Muskelverkrampfung)

90

Kraftlosigkeit in den Beinen

90

Gefühlsstörungen in den Beinen

85

Unsicherheiten beim Gehen und Stehen

80

Blasenentleerungsstörungen

80

Abnorme Müdigkeit/Ermüdung

80

Sehstörungen auf einem Auge

75

Sexuelle Störungen (Männer)

75

Kognitive Störungen (wie Konzentrationsprobleme)

70

Darmentleerungsstörungen

70

Unsicherheit bei Ziel- und Zeigebewegungen

50

Sprechstörungen

50

Psychische Störungen (vor allem Depressionen)

50

Sexuelle Störungen (Frauen)

50

Schmerzen am Körper

40

Lähmung im Gesicht (Trigeminusneuralgie)

30

Kopfschmerzen

30

Lhermitte-Zeichen (Kribbeln im Nacken bei vorgebeugtem Kopf)

30

Gefühlsstörungen in den Armen

30

Kraftlosigkeit in den Armen

22

Lähmungen von Hirnnerven

10

Mehr als die Hälfte der Patienten hat im Laufe ihrer Multiple Sklerose-Erkrankung Gang- und Gleichgewichtsstörungen oder Spastiken (Muskelverkrampfungen). Sie sind häufig sehr müde (Fatigue), haben ein Schwächegefühl in den Armen oder Beinen oder können ihre Blase nicht richtig entleeren. Männer können Erektionsstörungen bekommen, Frauen verlieren die Lust am Sex. Drei von vier Multiple Sklerose-Patienten haben Sehstörungen auf einem Auge, manche sehen alles doppelt.

Bei mindestens jedem zweiten Patienten treten Unsicherheiten bei Ziel- und Zeigebewegungen, psychische Störungen (wie Depressionen), Sprechstörungen, kognitive Störungen (wie Konzentrationsstörungen) oder Darmentleerungsstörungen auf.

Seltenere Beschwerden sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Schmerzen oder Lähmungen im Gesicht, Schmerzen am Körper, Gefühlsstörungen oder Kraftlosigkeit in den Armen oder ein Kribbeln im Nacken, wenn der Kopf gebeugt wird.

Multiple Sklerose: Ursachen

Die meisten Experten vermuten, dass die Multiple Sklerose auf einer Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems (Autoimmunerkrankung) beruht - also dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt:

Abwehrzellen (Immunzellen) des Körpers, die normalerweise Eindringlinge wie Viren oder Bakterien unschädlich machen, richten sich gegen körpereigene Strukturen. Sie werden daher Autoantikörper genannt. Im Fall der MS bewirken sie, dass weiße Blutkörperchen (Leukozyten) das Nervengewebe angreifen und Entzündungen auslösen. Die Hüllen der Nervenfasern (Myelinscheiden) werden zerstört, was als Entmarkung oder Demyelinisierung bezeichnet wird. Auch die Nervenfasern und Nervenzellen selbst werden geschädigt.

Bei den Patienten finden sich in Gehirn und Rückenmark zahlreiche (multiple) Areale mit Myelinschädigung und nachfolgender Narbenbildung (Sklerosierung). Diese Areale werden Plaques genannt.

In der Folge können Nervensignale nicht mehr richtig weitergeleitet werden - es kommt zu Nervenausfällen. Diese können sich auf unterschiedlichste Weise äußern, weil die Entzündungen (Entzündungsherde) in allen Bereichen des ZNS auftreten können. Deshalb wird die Multiple Sklerose oft auch "Encephalomyelitis disseminata" genannt. Das Wort "disseminata" bedeutet "verstreut", während sich der Begriff "Encephalomyelitis" auf die grundlegenden Vorgänge der Erkrankung bezieht: "Enkephalos“ steht für Gehirn, die Endung "-itis" für „Entzündung“.

Doch warum gerät das Immunsystem bei der Krankheit MS so durcheinander, dass es das eigene Nervengewebe attackiert? Die Experten wissen es nicht genau, aber vermuten, dass bei den Betroffenen mehrere Faktoren zusammenkommen, die gemeinsam die Krankheit auslösen.

Nervenzellen im Vergleich – gesunde und MS-Nervenzelle
Nervenzellen bei MS
Bei Multipler Sklerose sind die Nervenhüllen so beschädigt, dass die Nervenfasern teilweise freiliegen. Dies führt zu einer gestörten Reizweiterleitung.

Gene

Zu einem gewissen Teil ist Multiple Sklerose vererbbar, glauben Experten: Studien mit Zwillingen zeigten, dass eineiige Zwillinge von MS-Kranken ein um 25 bis 30 Prozent höheres Risiko für Multiple Sklerose haben als die Normalbevölkerung. Bei zweieiigen Zwillingen ist das Risiko um fünf Prozent höher. Eltern und Kinder eines Erkrankten haben immerhin noch ein doppelt- bis dreifach höheres Risiko für Multiple Sklerose. Das Risiko sinkt, je weniger man mit einem Erkrankten verwandt ist.

Unklar ist, welche Gene bei der Entstehung der Multiplen Sklerose mitspielen. Eine Rolle könnten beispielsweise Veränderungen das HLA-DRB1-Antigens, des Apolipoproteins E oder des Interferon Gamma-Gens spielen. Experten gehen jedenfalls aus, dass es nicht ein einzelnes Gen ist, das die MS-Krankheit verursachen kann, sondern dass an der Krankheitsentstehung mehrere Gene beteiligt sind.

Infektionen

Manche Experten diskutieren darüber, ob auch Infektionen beim Ausbruch von Multipler Sklerose eine Rolle spielen. Genannt werden etwa Infektionen mit dem Masern-Virus, dem Humanen Herpes-Virus 6 (HHV-6) und vor allem mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV). Letzterer löst die Erkrankung Pfeiffersches Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose) aus. Im Blut fast aller Multiple-Sklerose-Patienten zirkulieren Antikörper gegen EBV im Blut. In der Allgemeinbevölkerung ist das nur bei etwa 60 Prozent der Menschen der Fall.

In einer Studie stießen Forscher auch auf einen möglichen Zusammenhang zwischen MS und bestimmten Chlamydien-Bakterien (Chlamydia pneumoniae). Nachfolgende Studien konnten diesen Verdacht aber nicht bestätigen.

Insgesamt gehen Forscher nicht davon aus, dass eine bestimmte Infektionskrankheit direkt Multiple Sklerose auslösen kann. Vielmehr vermutet man, dass allgemein die Reaktionen des Immunsystems auf eine Infektion die Entstehung von MS bei entsprechend veranlagten Menschen triggern kann.

Lebensstil und Umwelt

Umweltfaktoren beziehungsweise ein bestimmter Lebensstil sind möglicherweise ebenfalls an der Multiple Sklerose-Entstehung mitbeteiligt. Ein in Studien erwiesener Zusammenhang zwischen Lebensstil oder Umweltfaktoren und MS muss aber nicht unbedingt ursächlicher Natur sein: Alleine durch einen "schlechten", ungesunden Lebensstil kann Multiple Sklerose nicht ausgelöst werden!

Als möglicher auslösender Umweltfaktor bei der MS-Krankheit gilt Rauchen. Es soll das Risiko für Multiple Sklerose erhöhen und den Verlauf der Erkrankung beschleunigen.

Ein weiterer Risikofaktor für Multiple Sklerose könnte die Menge an Vitamin D im Körper sein: Menschen, die als Kinder verstärkt der Sonne ausgesetzt waren und deren Körper dadurch mehr Vitamin D produziert hatte, bekamen seltener eine Multiple Sklerose als Menschen mit niedrigerem Vitamin D-Spiegel. Aufmerksam auf Vitamin D wurden Forscher, weil die Häufigkeit von Multipler Sklerose offenbar mit der geographischen Breite zusammenhängt, in der man lebt: Je weiter man sich vom Äquator entfernt (Richtung Norden oder Süden), desto häufiger tritt MS auf. Das deutet auf einen Zusammenhang mit der Sonnenexposition hin. Allerdings erkranken die Inuit in Grönland seltener an MS als andere Völker. Der Grund dafür könnte die traditionell Vitamin D-reiche Ernährung der Inuit sein. Der Zusammenhang muss aber noch genauer erforscht werden.

Geschlecht

Frauen bekommen wesentlich häufiger Multiple Sklerose als Männer. Dies könnte zum einen daran liegen, dass Frauen eher zum Arzt gehen und die Krankheit deshalb bei ihnen häufiger festgestellt wird. Andererseits könnte der Geschlechtsunterschied durch bislang noch unbekannte Umweltfaktoren bedingt sein.

Weitere Faktoren

Es gibt noch weitere Faktoren, die im Verdacht stehen, an der Multiple-Sklerose-Entstehung beteiligt zu sein. Dazu zählen zum Beispiel Übergewicht und übermäßiger Kochsalzkonsum. Auch die Darmflora spielt möglicherweise eine Rolle beim Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie MS.

Leben mit Multipler Sklerose

Als chronische und schwere Erkrankung stellt Multiple Sklerose die Patienten und ihre Angehörigen vor viele Herausforderungen. Die Erkrankung kann alle Bereiche des Lebens betreffen - angefangen von Partnerschaft, Sexualität und Familienplanung über das Sozialleben und Hobbies bis hin zu Ausbildung und Beruf.

Kann man auch mit Multipler Sklerose Kinder bekommen? Sind Urlaubsreisen trotz MS möglich? Soll der eigene Chef über die Erkrankung informiert werden oder besser nicht? Welche Jobs sind günstig, welche eher ungünstig? Diese und viele weitere Fragen beschäftigen MS-Patienten.

Mehr darüber, wie sich Multiple Sklerose auf den Alltag der Betroffenen auswirkt und wie man damit umgehen kann, lesen Sie im Beitrag Leben mit Multipler Sklerose.

Multiple Sklerose: Untersuchungen und Diagnose

Weil das Beschwerdebild bei Multipler Sklerose so vielgestaltig sein kann, lässt sich die Erkrankung nicht leicht diagnostizieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten gibt es keine typischen Anzeichen, die nur bei MS vorkommen. Die meisten Beschwerden können auch bei anderen Krankheiten auftreten, etwa bei Durchblutungsstörungen des Gehirns oder Bandscheibenvorfall. Die aufwändige Diagnose „Multiple Sklerose“ setzt sich deshalb aus verschiedenen Untersuchungsschritten zusammen:

  • Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese)
  • Körperliche Untersuchung (klinisch-neurologische Untersuchung)
  • Apparative Untersuchungen (wie Kernspintomografie = MRT, evozierte Potenziale)
  • Laboruntersuchungen (Untersuchung des Nervenwassers, Blutuntersuchungen)

Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt. Dieser wird den Patienten bei Bedarf an einen Facharzt überweisen, meist an einen Neurologen. Dieser kann dann endgültig die MS-Diagnose stellen.

Krankengeschichte

Erster Schritt in der Multiple Sklerose-Diagnose ist ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patient zur Erhebung der Krankengeschichte. Der Mediziner lässt sich genau die Symptome schildern, fragt, seit wann diese bestehen und wie sie sich über die Zeit entwickelt haben. Patienten sollten dabei von allen Beschwerden erzählen, an die sie sich erinnern. Manchmal ist einem Patienten nämlich nicht bewusst, dass Beschwerden, die schon Monate oder sogar Jahre zurückliegen, die ersten Anzeichen für Multiple Sklerose waren. Manche MS-Patienten erinnern sich beispielsweise daran, dass sie einmal für wenige Tage bis Wochen ein "komisches Gefühl" in einem Arm oder einem Bein hatten (möglicher Hinweis auf einen Entzündungsherd im Bereich des Rückenmarks). Einige Patienten messen den Beschwerden keine Bedeutung bei, weil sie gering oder schnell wieder verschwunden sind (etwa bei einer Entzündung des Sehnervs). Andere gehen zwar zum Arzt, aber dieser findet trotz eingehender Untersuchung nichts.

Die Schilderungen des Patienten helfen dem Arzt, die möglichen Ursachen einzugrenzen und eventuell den Verdacht auf Multiple Sklerose zu erhärten. Wichtig ist dabei auch die Information, ob der Patient oder seine Angehörigen an irgendeiner Autoimmunerkrankung leiden.

Körperliche Untersuchung

Im Anschluss an die Erhebung der Krankengeschichte folgt eine eingehende körperliche Untersuchung. Durchgeführt werden eine "normale" klinische und eine neurologische Untersuchung. Dabei überprüft der Arzt die Funktion des Nervensystems. Vor allem untersucht er:

  • die Funktion der Augen und der Hirnnerven
  • die Empfindung von Berührung, Schmerz und Temperatur
  • die Muskelkraft und Muskelspannung

Neben der rein neurologischen Untersuchung kann der Arzt bei Verdacht auf Multiple Sklerose auch eine neuropsychologische Untersuchung durchführen. Dabei werden verschiedene geistige Funktionen wie die Lernfähigkeit, Sprachverarbeitung oder das Gedächtnis geprüft. Dafür stehen verschiedene Tests zur Verfügung.

Apparative Untersuchungen

Um festzustellen, wie weit sich die Multiple Sklerose im Körper des Patienten ausgebreitet hat, werden evozierte Potenziale aufgezeichnet. Das sind elektrische Spannungen, die in den Nerven- und Muskelzellen des menschlichen Körpers auftreten, wenn von außen ein Reiz einwirkt. Sie können mit Elektroden abgeleitet und aufgezeichnet werden, nachdem sie elektronisch verstärkt wurden.

Beispielsweise können visuell evozierte Potenziale (VEPs) durch ein Schachbrettmuster ausgelöst werden, dessen Felder rasch hintereinander in unterschiedlicher Helligkeit erscheinen. Der Patient schaut sich das Schachbrettmuster an, und die Potenziale werden dabei von seinem Kopf abgeleitet.

Außerdem wird bei Verdacht auf Multiple Sklerose eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) des Schädels und Rückenmarks angefertigt. Entzündungsherde oder Plaques im Gehirn, die größer als zwei Millimeter sind, kann man schon im Anfangsstadium der Erkrankung erkennen. Die MRT hat einen großen Vorteil gegenüber anderen Untersuchungen: Auch wenn die Multiple Sklerose noch keine Beschwerden verursacht, kann die MRT bereits krankheitsbedingte Veränderungen im ZNS aufzeigen.

Leidet der Patient unter Problemen beim Wasserlassen, kann der Arzt ein Miktionsprotokoll empfehlen: Der Patient notiert, wie oft er Wasser lässt. Außerdem bestimmt der Arzt die Urinmenge, die nach dem Wasserlassen in der Blase bleibt (Restharnbestimmung). Möglicherweise folgt eine urodynamische Untersuchung - ein Messverfahren, bei dem die Funktionsweise der Harnblase mit Hilfe von Drucksonden und Elektroden untersucht wird.

Laboruntersuchungen

Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Diagnose „Multiple Sklerose“ ist die Untersuchung des Nervenwassers (Liquordiagnostik). Um eine Liquorprobe zu gewinnen, sticht der Arzt mit einer feinen Nadel in Höhe der mittleren Lendenwirbelsäule zwischen die Wirbel (Liquorpunktion). Die Auswertung der Nervenwasser-Probe kann die Entzündung des Gehirns und Rückenmarks erkennbar machen: Hat der Patient Multiple Sklerose, ist die Zahl bestimmter Abwehrzellen (Lymphozyten, Plasmazellen) im Nervenwasser erhöht, und es lassen sich Antikörper wie Immunglobulin G (IgG) nachweisen.

Außerdem kann der Arzt mit einer Liquorpunktion feststellen, ob die Entzündung vielleicht durch Keime (wie bei Borreliose) und nicht durch Multiple Sklerose verursacht wurde.

Ebenfalls wichtig sind Blutuntersuchungen. Dabei werden folgende Werte bestimmt:

  • Großes Blutbild
  • Leberwerte
  • Nierenwerte
  • Schilddrüsenwerte
  • Blutzucker
  • Vitamin B12
  • Rheumafaktor
  • Antinukleäre Antikörper (ANA)
  • Anti-Phospholipid-Antikörper
  • Anti-ds-DNS-Antikörper
  • Lupus-Antikoagulans
  • Entzündungsmarker (C-reaktives Protein = CRP)
  • Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE)
  • Borrelien (Auslöser der Borreliose) und Borrelien-Antikörper (Borrelien-Serologie)

Auch eine Urinuntersuchung wird durchgeführt.

Die meisten Laborwerte sind bei Multiple Sklerose-Patienten normal. Sie dienen weniger dem direkten Nachweis von Multipler Sklerose als vielmehr dem Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen können. Manchmal sind zu diesem Zweck noch weitere Laboruntersuchungen notwendig. Bestimmt werden zum Beispiel "extrahierbare nukleäre Antigene" (zur Differenzierung verschiedener Autoimmunerkrankungen, HIV-Antikörper, Mykoplasmen-Antikörper und Antikörper zum Nachweis von Syphilis (TPHA).

Langwierige Diagnosefindung

Eine MS nachzuweisen, ist nicht einfach. Mitunter kann es Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern, bis die Multiple Sklerose-Diagnose eindeutig feststeht. Die Suche nach der "Krankheit mit den 1000 Namen" ist mit der Suche nach den Teilen eines Puzzles vergleichbar: Je mehr Teile zusammenpassen, desto sicherer liegt tatsächlich eine Multiple Sklerose vor.

Multiple Sklerose: Therapie

Die Multiple Sklerose-Therapie stützt sich auf vier Säulen:

  • Schubtherapie: Behandlung des akuten Schubs mittels Kortison oder Plasmapherese (eine Art Blutwäsche).
  • Verlaufsmodifizierende Therapie (Basistherapie, Langfristige Immuntherapie): Sie zielt darauf ab, die Schwere und Häufigkeit von Schüben zu reduzieren und das Ausmaß der fortschreitenden Behinderung günstig zu beeinflussen.
  • Symptomatische Therapie: Behandlung unspezifischer Beschwerden wie Muskelverkrampfung, Schmerzen, Depressionen, Blasen- oder Darmentleerungsstörungen.
  • Rehabilitationsverfahren: Ziel dabei ist es, den Patienten die Rückkehr in ihr familiäres, berufliches und soziales Leben zu ermöglichen.

Um die Therapieziele zu erreichen, werden unter anderem Medikamente, Krankengymnastik (Physiotherapie) sowie Aktivierungs- und Beschäftigungstherapie (Ergotherapie oder Psychotherapie) eingesetzt.

Multiple Sklerose: Schubtherapie

Ein MS-Schub sollte möglichst innerhalb von zwei bis fünf Tagen nach Beginn der Beschwerden in einer Klinik behandelt werden. Die stationäre Behandlung hat den Vorteil, dass dabei auch eventuell notwendige Untersuchungen wie Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden können. Außerdem kann der Arzt mit dem Patienten in Ruhe die Schubtherapie besprechen und eventuelle Nebenwirkungen besser überwachen als bei einer ambulanten Multiple Sklerose-Behandlung.

Mittel der Wahl bei der Schubtherapie sind Kortisonpräparate (Kortikosteroide, Kortikoide, Glukokortikoide). Wenn sie nicht (ausreichend) wirken, kann eine Plasmapherese (eine Art Blutwäsche) durchgeführt werden.

Kortison-Pulstherapie

Kortisonpräparate unterdrücken die Entzündung, dichten die Blut-Hirn-Schranke ab, reduzieren Wasseransammlungen im Gehirn und verbessern die Weiterleitung von Nervenimpulsen. Eventuell fördern sie sogar die Neubildung von Nervenhüllen (Myelinscheiden). Sie werden entweder über die Vene (intravenös) verabreicht oder als Tablette eingenommen.

Das am häufigsten bei einem akuten MS-Schub verwendete Kortison ist Methylprednisolon. Der Grund: Es gelangt gut ins Nervenwasser (Liquor) und damit an den Ort der Entzündung. Studien zufolge wird der Wirkstoff am besten hoch dosiert, intravenös (als Kurzinfusion) und an drei aufeinander folgenden Tagen gegeben. Nach den drei Infusionen "schleichen" manche Ärzte diese Kortison-Pulstherapie (Kortison-Stoßtherapie) aus, weil einige Patienten dies besser vertragen. Dabei nimmt der Patient Kortison für maximal zwei Wochen in sinkender Dosierung als Tablette ein.

Eine Alternative zu den Infusionen ist eine hochdosierte Kortisontherapie in Tablettenform über fünf Tage. Kleinere Studien weisen darauf hin, dass dies ähnlich wirksam ist wie eine intravenöse Kortisonbehandlung.

Zwei Wochen nach dem Ende der Kortison-Pulstherapie wird der Patient gründlich untersucht und nach seinen Beschwerden gefragt. Gibt es keine deutliche Verbesserung, schließt sich eine zweite Therapierunde an. Je nach Beschwerden wird jetzt eventuell eine höhere Dosis als bei der ersten Stoßtherapie gegeben.

Mögliche Nebenwirkungen von Kortison sind zum Beispiel leichtes Zittern (innere Unruhe), Gesichtsrötung, Appetitzunahme, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen und erhöhter Blutzuckerspiegel. Selten kommt es zu Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, Krampfanfällen, psychischen Störungen, Blutdruckkrise, allergischen Reaktionen oder Wassereinlagerungen (Ödeme). Bei längerer Einnahme sind unter anderem Magen-Darm-Blutungen, Bluthochdruck, erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) und Cushing-Syndrom möglich.

Plasmapherese

Eine andere Möglichkeit der Schubtherapie ist die Plasmapherese. Das ist eine Art Blutwäsche, bei der Immunglobuline aus dem Blut gefiltert werden, die für den Entzündungsprozess während eines MS-Schubes verantwortlich sind. Die Plasmapherese wird meist vier bis sechs Mal durchgeführt. Sie kann entweder nach zwei Kortison-Pulstherapien oder schon nach der ersten durchgeführt werden, wenn sich die Beschwerden des Patienten während der Infusionstherapie kontinuierlich verschlechtert haben.

Immunsuppressiva

Bei einem schweren Schub, der sehr rasch verläuft und kaum auf eine Therapie anspricht, können Ärzte zusätzlich einen Wirkstoff verordnen, der das Immunsystem unterdrückt (Immunsuppressivum wie Mitoxantron). Solche Medikamente werden eigentlich in der Langzeittherapie der MS (Basistherapie) eingesetzt.

Multiple Sklerose: Verlaufsmodifizierende Therapie

Die verlaufsmodifizierende Therapie (Basistherapie) bei Multipler Sklerose zielt darauf ab, die Anzahl und Schwere von akuten Schüben zu verringern und das Voranschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die genaue Dauer der Medikamenteneinnahme wird von Fall zu Fall entschieden. Solange die Präparate wirken, kann die Basistherapie über Monate oder Jahre weitergeführt werden. Während der Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen ratsam oder sogar vorgeschrieben (je nach Medikament).

Wenn die Multiple Sklerose unter der Therapie längere Zeit stabil ist (zum Beispiel keine Schübe mehr, kein Fortschreiten der MS im MRT erkennbar), können Arzt und Patient gemeinsam entscheiden, die MS-Behandlung versuchsweise zu unterbrechen. Auch dann sollte der Patient sich regelmäßig von seinem Nervenarzt untersuchen lassen und selbst auf mögliche Anzeichen einer zurückkehrenden MS achten.

Die für die verlaufsmodifizierende Multiple Sklerose-Behandlung verwendeten Medikamente zählen zu den Immunmodulatoren beziehungsweise Immunsuppressiva. Mit Immunmodulatoren lassen sich Immunreaktionen gezielt verändern. Immunsuppressiva dagegen unterdrücken Aktivitäten des Immunsystems. Oft werden alle Medikamente für die Langzeittherapie vereinfacht unter dem Begriff "Immunmodulatoren" zusammengefasst oder "Immunprophylaktika" genannt.

Welche Medikamente bei Multiple Sklerose-Patienten im Einzelfall gegeben werden, hängt unter anderem vom Verlauf der Erkrankung ab: Mediziner unterscheiden zwischen milden/moderaten und (hoch)aktiven Verlaufsformen von MS. Außerdem berücksichtigt der Arzt noch andere Faktoren wie zum Beispiel Alter des Patienten, Schwangerschaft etc.

Die wichtigsten Wirkstoffe für eine langfristige Multiple Sklerose-Therapie sind:

Wirkstoff

MS-Verlaufsform

Anwendung

Beta-Interferone

mild-moderat

Je nach Präparat eine oder mehrere Spritzen pro Wochen in den Muske oder unter die Haut.

Glatiramer-Acetat

mild-moderat

Eine Spritze täglich unter die Haut.

Teriflunomid

mild-moderat

Einmal täglich eine Tablette.

Dimethylfumarat (DMF)

mild-moderat

Zweimal täglich eine Kapsel.

Azathioprin

mild-moderat

Einmal täglich eine Tablette.

Natalizumab

(hoch)aktiv

Infusion alle vier Wochen in eine Vene.

Fingolimod

(hoch)aktiv

Einmal täglich eine Kapsel.

Alemtuzumab

(hoch)aktiv

Ein Infusionszyklus pro Jahr und das insgesamt maximal zweimal.

Mitoxantron

(hoch)aktiv

Infusion alle drei Monate in die Vene.

Beta-Interferone

Interferone unterdrücken die Entzündungsprozesse bei MS: Sie hindern vermutlich bestimmte weiße Blutzellen (T-Lymphozyten) daran, in die Blutgefäße zu gelangen. So können diese nicht in das Gehirn übertreten und dort Entzündungen und die Zerstörung der Myelinscheiden in Gang setzen. Interferone hemmen zudem die Bildung von Eiweißen, die Entzündungen fördern. Damit können die zugelassenen Interferon-Präparate die Anzahl und Stärke der MS-Schübe verringern und die Krankheitsaktivität reduzieren.

Nebenwirkungen: Zu Beginn der Behandlung leiden viele Patienten unter grippeähnlichen Beschwerden mit Fieber, Schüttelfrost oder Muskelschmerzen. Zur Vorbeugung sollte das Interferon abends gespritzt werden, und der Patient zudem vorbeugend Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen.

An der Einstichtelle können Rötungen, Schmerzen und Verhärtungen auftreten und Hautgewebe absterben (Nekrose). Frauen berichten gelegentlich von einer verstärkten Regelblutung während der Therapie. Weitere mögliche Interferon-Nebenwirkungen sind zum Beispiel Hautausschlag, Blutbild-Veränderungen und depressive Verstimmungen.

Glatiramer-Acetat (GLAT)

GLAT kann eine wirksame Alternative zu Interferonen sein. Es verlängert die Zeit bis zum nächsten Krankheitsschub und mildert die Schwere eines Schubes. Der genaue Wirkmechanismus ist unklar. Möglicherweise verändert GLAT das Verhältnis bestimmter weißer Blutzellen zueinander - es entstehen weniger "schädliche" (zytotoxische) TH1-Zellen und mehr schützende TH2-Zellen.

Nebenwirkungen: Am häufigsten treten lokale Nebenwirkungen an der Einstichstelle auf wie Rötungen, Schmerzen, Quaddelbildung, Juckreiz und Entzündungen. Seltener treten andere Nebenwirkungen auf wie zum Beispiel Infektionen (Bronchitis, Mittelohrentzündung, Candida-Infektion, Herpes etc.), Funktionsstörungen der Augen, Erbrechen, Gewichtszunahme oder Zittern (Tremor). Meist wird das Medikament insgesamt gut vertragen.

Teriflunomid

Teriflunomid ist ein Immunmodulator mit entzündungshemmenden Eigenschaften. Seine genaue Wirkweise ist noch nicht im Detail bekannt; es reduziert aber die Schubrate, bremst das Fortschreiten körperlicher Behinderungen und verringert die Anzahl von Hirnschäden im MRT.

Nebenwirkungen: Die häufigsten Nebenwirkungen sind erhöhte Leberwerte, Haarausfall, Infektionen (wie Grippe, Magen-Darm-Infekte, Bronchitis, Harnwegsinfekte), Übelkeit, Schmerzen und Missempfindungen.

Dimethylfumarat

Auch Dimethylfumarat (Fumarsäure (BG-12)) ist ein Immunmodulator. Es sorgt es für eine Umprogrammierung von Immunzellen. Zudem entschärft es zellschädigende freie Radikale und Stickoxide und aktiviert schützende Stoffwechselwege in den Zellen. Im Endeffekt sinkt dadurch die jährliche Schubrate bei Multiple Sklerose-Patienten. Außerdem werden das Fortschreiten des Behinderungsgrades und die Anzahl der Hirnschäden im MRT verringert.

Nebenwirkungen: Zu Beginn der Einnahme von Dimethylfumarat treten häufig Magen-Darm-Beschwerden (wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall) sowie Hautrötung mit Hitzegefühl (Flush) auf.

Alemtuzumab

Alemtuzumab ist ein sogenannter monoklonaler Antikörper und wird gentechnisch hergestellt. Er verringert die Anzahl an Lymphozyten - weißen Blutzellen, die maßgeblich an der Zerstörung der Nervenschutzhüllen (Myelinscheiden) beteiligt sind.

Nebenwirkungen: Die Verabreichung von Alemtuzumab kann Infusionsreaktionen (wie Fieber, Ausschlag), Verringerung der weißen Blutkörperchen, Atemwegs- und Harnwegsinfektionen, Verdauungsstörungen sowie sekundäre Autoimmunerkrankungen (etwa der Schilddrüse und Niere) hervorrufen.

Azathioprin

Azathioprin wird heute nur noch in seltenen Ausnahmefällen zur verlaufsmodifizierenden MS-Therapie eingesetzt, wenn Beta-Interferone oder Glatiramer-Azetat nicht gegeben werden können oder nicht ausreichend wirken. Sein genauer Wirkmechanismus ist unbekannt. Das Medikament hemmt aber die Produktion bestimmter Abwehrzellen (B- und T-Lymphozyten) und stört die Bildung und Funktion anderer Abwehrzellen (Monozyten). Lymphozyten und Monozyten sind in den Entzündungsprozess bei MS verwickelt.

Nebenwirkungen: Durch die Multiple Sklerose-Therapie mit Azathioprin kann die Anzahl der weißen Blutkörperchen so abnehmen, dass die Patienten anfälliger werden für Infektionen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Abnahme der Blutplättchen, Übelkeit, Erbrechen und Leberschäden. Außerdem sollten Frauen und Männer während der Therapie und einige Monate danach auf eine zuverlässige Empfängnisverhütung achten, weil möglicherweise Missbildungen beim Ungeborenen auftreten könnten.

Mitoxantron

Mitoxantron wurde ursprünglich gegen Krebs entwickelt. Erst später entdeckte man, dass es sich auch für die Multiple Sklerose-Therapie eignet. Es hemmt das Wachstum bestimmter Abwehrzellen (B- und T-Lymphozyten, Makrophagen) und führt auch zu deren Tod. Zudem wird die Bildung verschiedener Botenstoffe gehemmt, die an Entzündungsprozessen mitwirken.

Nebenwirkungen: Es kann zu Übelkeit, Erbrechen und kurzzeitigem Durchfall kommen. Bei manchen der behandelten Frauen bleibt vorübergehend die Monatsblutung aus. Zudem besteht ein potenzielles Risiko für Leukämie. Weitere mögliche Nebenwirkungen von Mitoxantron sind Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelerkrankungen, Herzschwäche und Abnahme der weißen Blutkörperchen. Mit zunehmender Dosis verursacht Mitoxantron immer mehr Nebenwirkungen, weshalb es maximal zwei bis drei Jahre gegeben werden kann.

Natalizumab

Der Antikörper Natalizumab blockiert spezielle Rezeptoren an der Oberfläche von bestimmten weißen Blutzellen (T-Lymphozyten). Diese können dann nicht mehr in das Gehirn einwandern und dort Entzündungen und die Zerstörung der Myelinscheiden auslösen.

Nebenwirkungen: Dazu zählen Harnwegsinfekte, Entzündungen des Nasen-Rachenraumes, allergischer Ausschlag (Urtikaria), Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Gelenkschmerzen, Muskelstarre, Fieber und Müdigkeit. Außerdem kann sich eine Progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) entwickeln – eine meist tödlich verlaufende Viruserkrankung des Gehirns. Daher darf Natalizumab nur eingesetzt werden, wenn die bisherigen Therapiemaßnahmen versagt haben.

Fingolimod

Fingolimod ist ein Immunsuppressivum, das die Anzahl der Lymphozyten im Blut verringert. In der Folge gelangen weniger solcher weißer Blutzellen ins Gehirn, wo sie an der Zerstörung der Nervenschutzhüllen beteiligt sind. Auf diese Weise sinkt die Schubrate bei Multiple Sklerose-Patienten.

Nebenwirkungen: Fingolimod kann vor allem in den ersten sechs Stunden nach der ersten Einnahme eine Verlangsamung der Herzfrequenz und unregelmäßigen Herzschlag auslösen. Die Einnahme sollte deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht und sechsstündiger Überwachung erfolgen. Darüber hinaus kann Fingolimod beispielsweise Atmungs- und Leberprobleme, Kopf- und Rückenschmerzen, Durchfall, grippähnliche Symptome, schwere Infektionen und eine Augenerkrankung (Makulaödem) verursachen.

In Einzelfällen entwickelten Multiple Sklerose-Patienten unter Fingolimod ein sogenanntes hämophagozytisches Syndrom (HPS) und starben daran. Bei HPS sind die Fresszellen des Immunsystems übermäßig aktiv: Sie beginnen, gesunde Blutzellen zu fressen und wandern in Organe (wie Milz, Gehirn) ein, wo sie starke Entzündungen auslösen. Mögliche Warnzeichen für das HPS sind Fieber, Schwächegefühl, Vergrößerung von Leber und Milz, geschwollene Lymphknoten und Abnahme der Blutzellen.

Weitere Wirkstoffe (Reservemedikamente)

Unter bestimmten Bedingungen erhalten Multiple Sklerose-Patienten in Ausnahmefällen noch andere Medikamente, die eigentlich nicht für die Behandlung dieser Krankheit zugelassen sind.

Dazu zählen zum Beispiel Intravenöse Immunglobuline. Das ist ein Gemisch von Antikörpern, die aus dem Blutserum Tausender gesunder Menschen gewonnen werden. Sie greifen modulierend in Immunreaktionen ein, wobei der genaue Wirkmechanismus bei MS aber nicht bekannt ist. Intravenöse Immunglobuline werden nur in gut begründeten Einzelfällen bei mild/moderat verlaufender Multipler Sklerose eingesetzt, wenn andere Basistherapeutika (wie Beta-Interferone) nicht wirken oder unvertretbare Nebenwirkungen verursachen.

Auch Cyclophosphamid und Methotrexat werden gelegentlich als Reservemittel bei Multipler Sklerose verordnet. Es handelt sich dabei um Immunsuppressiva, die primär als Krebsmittel verwendet werden. Manchmal setzt der Arzt auch Kortisonpräparate in der Langzeittherapie, die eigentlich nur für die Schubtherapie zugelassen sind.

Multiple Sklerose: Symptomatische Therapie

Multiple Sklerose kann unterschiedlichste Symptome hervorrufen wie etwa Störungen der Blasenfunktion, Erschöpfung (Fatigue), Muskelkrämpfe (Spasmen) oder eine Störung der Bewegungskoordination (Ataxie). Gezielte Maßnahmen helfen, diese Beschwerden zu lindern und so die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Zum Einsatz kommen sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Maßnahmen. Hier einige Beispiele:

Physiotherapie

Die Physiotherapie mit ihrem breiten Spektrum an Techniken und Methoden kann MS-Patienten in mehrfacher Hinsicht nützen: Die Beweglichkeit bleibt länger erhalten; die allgemeine Müdigkeit (Fatigue) bessert sich bei gezielter Bewegung, wie sie in der Krankengymnastik erlernt wird; das Training kann Fehlbelastungen und falsche Bewegungen, die durch Schmerzen oder Muskelblockierungen entstehen, beseitigen und Gangstörungen beheben.

Außerdem löst Bewegung Muskelkrämpfe (Spasmen): Diese entstehen, wenn die Muskelspannung so hoch ist, dass sich das Gelenk gegen die Bewegung sträubt. Dann sollte die Muskulatur zuerst durch passive Bewegungen entspannt werden. Dann kann der Patient schrittweise versuchen, durch vorsichtiges aktives Bewegen die Muskeln zu lockern.

Die Physiotherapie hilft auch bei Ataxie (Störung der Bewegungskoordination): Betroffenen MS-Patienten fällt es oft schwer, das Gleichgewicht zu halten, etwa beim Stehen. Die Patienten bekommen anfangs Hilfestellung durch den Physiotherapeuten oder durch Geräte wie Gurte oder Stangen, um sicher sicher stehen zu können. Langsam wird dann diese Unterstützung immer weiter verringert, bis der Patient irgendwann wieder allein das Gleichgewicht im Stehen halten kann.

Bei Störungen der Blasenfunktion kann der Physiotherapeut den Patienten Übungen zum Beckenbodentraining zeigen. Bei diesen und anderen physiotherapeutischen Übungen ist es sinnvoll, wenn die Patienten sie auch zuhause regelmäßig durchführen. Der Therapeut gibt entsprechende Anleitungen für das selbstständige Training.

Außerdem bietet der Physiotherapeut MS-Patienten auch Ratschläge, wie sie ihren Alltag besser bewältigen können. So lässt sich etwa Fatigue durch ein geeignetes "Energiemanagement" bekämpfen. Ein Tagesplan kann helfen, die begrenzten Kräfte sinnvoll einzuteilen und etwa unnötige Wege zu vermeiden.

Eine bewährte und beliebte Ergänzung zur Krankengymnastik ist zudem die Hippotherapie – auf dem Pferderücken lässt sich besonders gut das Gleichgewichtsgefühl trainieren. Ebenfalls hilfreich kann Elektrotherapie sein: Bei Patienten mit schweren Lähmungen wird der Muskel mit schwachem Strom stimuliert, sobald ihn der MS-Patient anspannt.

Weitere Therapieformen, die bei Multipler Sklerose angewendet werden können, sind etwa Bobath- und Vojtatherapie, propriozeptive neuromuskuläre Fozilitation und andere Techniken.

Ergotherapie

Ergotherapie zielt darauf ab, dass Patienten mit Multipler Sklerose ihren Alltag ohne fremde Hilfe bewältigen und solange wie möglich unabhängig bleiben können. Außerdem unterstützen Ergotherapeuten MS-Patienten bei der Wahl und dem Einsatz technischer Hilfsmittel. Sie zeigen Angehörigen und Freunden, wie sie mit MS-Patienten am besten umgehen.

Konkret versuchen Ergotherapeuten, falsche Bewegungen und kräftezehrende Körperhaltungen bei den MS-Patienten abzustellen. Sie üben mit den Patienten wieder normale Bewegungen ein, die weniger Energie kosten. Ist das nicht mehr möglich ist, lernt der Patient mit seinem Handicap umzugehen und trainiert neue "Ersatzbewegungen". Alle Übungen orientieren sich an den Bedürfnissen im Alltag.

Zum Einsatz kommt zum Beispiel ein Gymnastikball, um das Gleichgewicht im Sitzen zu trainieren, oder ein Stehtisch, der das aufrechte Stehen ohne Umkippen unterstützt. Dabei lernt der Patient, sein Gewicht auf Knochen und Gelenken zu erspüren und seine Bewegung danach auszurichten. Weitere Hilfsmittel und Methoden der Ergotherapie sind beispielsweise Therapieknete, Arbeiten mit Salzteig oder Steckspiele. Sie fördern die Feinmotorik und das Fingerspitzengefühl.

Die Ergotherapie kann die Beeinträchtigungen des Körpers und Gehirns meist nicht rückgängig machen.Sie hilft aber dem Patienten, möglichst lange selbstständig zu bleiben. Dafür brauchen Menschen mit MS Geduld und müssen üben - mit und ohne Therapeuten.

Medikamente gegen Symptome

Zur Linderung verschiedener Beschwerden kann der Arzt gegebenenfalls auch Medikamente verordnen. Es gibt zum Beispiel Wirkstoffe gegen Muskelkrämpfe (Antispastika) wie Baclofen oder Botulinumtoxin. Bei anfallsartig auftretenden Schmerzen können Antiepileptika helfen. Bei Gelenk-, Muskel- oder Wirbelsäulenschmerzen kann der Arzt zusätzlich zur Physiotherapie entzündungshemmende Medikamente wie Diclofenac verschreiben. Wenn Multiple Sklerose-Patienten unter einer schweren Depression leiden, kann - neben einer Psychotherapie - der Einsatz von Antidepressiva (wie Fluoxetin oder Sertralin) notwendig sein.

Multiple Sklerose: Rehabilitation

Multiple Sklerose-Patienten werden von vielen verschiedenen Therapeuten und ärztlichen Fachrichtungen behandelt (wie Neurologe, Urologe, Augenarzt, Hausarzt), Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sozialarbeitern und Pflegekräften.

Der niedergelassene Nervenarzt (Neurologe) kann die langfristige Betreuung übernehmen. Doch möglichst einmal im Jahr sollten MS-Patienten eine vier- bis sechswöchge Rehabilitation machen. Das empfiehlt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).

Eine solche Rehabilitation kann vor allem dann angezeigt sein, wenn sich nach einem akuten Schub die Symptome nicht ausreichend zurückbilden. Sie kann aber auch hilfreich im chronischen Krankheitsverlauf sein, wenn sich körperliche Funktionen trotz ambulanter Therapien verschlechtern.

Jede Rehabilitation wird dabei individuell auf die Bedürfnisse und Schwierigkeiten des Patienten zugeschnitten. Häufige Bausteine sind Physiotherapie, Ergotherapie, Trainings- und Bewegungstherapie, Logopädie (Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie) und eine neurokognitive Therapie. Letztere dient dazu, Probleme in den Bereichen Gedächtnis, Konzentration, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung zu behandeln. Ein weiterer häufiger Bestandteil der Rehabilitation ist eine psychologische Therapie. Sie hilft etwa bei Schwierigkeiten im sozialen Bereich, bei Depressionen und Störungen der Sexualität.

Multiple Sklerose: Alternative Heilmethoden

„Komplementäre" oder "alternative" Therapieverfahren stoßen auf großes Interesse bei Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose. Homöopathie, Pflanzenheilkunde, bestimmte Ernährungsformen oder sonstigen Alternativansätze werden oft zur Linderung der Beschwerden eingesetzt. Patienten sollten mit ihrem behandelnden MS-Arzt und einem in Naturheilkunde erfahrenen Arzt besprechen, welches Verfahren ergänzend zur schulmedizinischen Multiple Sklerose-Behandlung hilfreich sein könnte.

Die Grenzen zwischen alternativen/komplementären und schulmedizinischen Behandlungsmethoden sind fließend. Merkmal vieler - jedoch nicht aller - schulmedizinischen Behandlungsverfahren ist, dass ihre Wirkung in mehreren Studien nachgewiesen wurde. Bei den meisten alternativen Therapiekonzepten fehlt dieser Nachweis bislang.

Eine Gemeinsamkeit haben alternative und schulmedizinische Verfahren aber: Beide können zu Nebenwirkungen führen.

In der folgenden Tabelle finden Sie eine Auswahl verschiedener alternativer/komplementärer Heilmethoden und Therapien, die bei Multipler Sklerose Anwendung finden:

Methode

Beurteilung

Homöopathie

Manchen Patienten zufolge bessern sich Symptome wie Schwindel, Blasen- und Stuhlgangbeschwerden, Konzentrationsprobleme, mangelnde Belastbarkeit sowie das Allgemeinbefinden.

Akupunktur

Hoher Stellenwert in der komplementären Therapie von MS. Der Versuch, damit Schmerzen oder Muskelkrämpfe zu lindern, kann sinnvoll sein.

Akupressur

Hoher Stellenwert in der komplementären Therapie von MS. Der Versuch, damit Schmerzen oder Muskelkrämpfe zu lindern, kann sinnvoll sein.

Cranio-sacrale Therapie

Kann bei vielen Patienten Schmerzen und Muskelkrämpfe verringern.

Entspannungstechniken (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung etc.)

Werden oft bei chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose empfohlen. Können zur Linderung mancher Symptome beitragen sowie das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität verbessern.

Cannabis

Darf in begründeten Einzelfällen bei schwerer Multipler Sklerose verordnet werden, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen oder Symptome zu lindern.

Weihrauch

Entzündungshemmende Wirkung. Gute Ergebnisse bei entzündlichen Darmerkrankungen und rheumatoider Arthritis. Zur Wirksamkeit bei MS gibt es keine Studien.

Vitamin D

Empfohlen zur Vorbeugung von Osteoporose vor allem bei Frauen mit MS nach den Wechseljahren und bei wiederholter Kortisonbehandlung. Ob Vitamin D den Verlauf von MS günstig beeinflussen kann, ist unsicher. Eine unkontrollierte Aufnahme kann Gesundheitsschaden verursachen.

Vitamin B12

Eine Vitamin B12-Einnahme ist nur bei nachgewiesenem Mangel notwendig. Ein solcher Mangel ist bei MS-Kranken häufig und kann ähnliche Beschwerden wie die MS selbst hervorrufen.

Andere Vitamine

Die Vitamine A, C und E können eingenommen werden (unter Einhaltung der Höchstdosis). Der Nachweis einer positiven Wirkung auf den MS-Verlauf fehlt aber. Schwangere mit MS sollten kein Vitamin A einnehmen, weil das dem Kind schaden könnte.

Ungesättigte Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren)

Die Wirksamkeit bei MS ist bislang nicht erwiesen.

Bestimmte Ernährungsformen/Diäten

Bisher konnte für keine Ernährungsform oder Diät eine positive Wirkung auf den Verlauf und die Symptome von MS nachgewiesen werden. Experten empfehlen allgemein eine abwechslungsreiche, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung.

Enzymkombinationen

Sollen krankheitsauslösende Immunkomplexe abbauen. Eine Studie aber ergab, dass sie bei MS unwirksam sind.

Sauerstoff-Überdruck-Therapie (hyperbarer Sauerstoff)

Soll das Fortschreiten von MS aufhalten, was aber in Studien wiederlegt wurde.

Amalgam-Entfernung

Soll hilfreich sein, weil Amalgam angeblich MS verursacht und aus den Füllungen austretendes Quecksilber das Immunsystem vergiften soll. Beide Behauptungen gelten als falsch. In Studien konnte kein Zusammenhang zwischen Amalgam und Multipler Sklerose festgestellt werden.

Bei Multipler Sklerose werden oft auch gefährliche und teilweise sehr teure Behandlungen angeboten, die meist nicht wissenschaftlich geprüft wurden. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) warnt deshalb davor. Zu diesen Behandlungen zählen:

  • Immunaugmentation (Verstärkung der Immunreaktion): Es besteht das Risiko von Infektionen und Allergien. Zudem kann sich die Multiple Sklerose verschlimmern.
  • Schweinehirn-Implantation in die Bauchdecke: Die MS kann sich verschlechtern. Außerdem gab es schwere Allergien und Todesfälle nach dem Eingriff.
  • Frischzellentherapie: Sie kann schwere Allergien bis hin zu Kreislaufversagen auslösen. Außerdem besteht eine Infektionsgefahr.
  • Bienengift: Es besteht das Risiko schwerer Allergien bis hin zu Kreislaufversagen. Zudem ergab eine Studie keinerlei Nutzen bei MS.
  • Schlangengift: Es kann schwere Allergien bis hin zu Kreislaufversagen auslösen.
  • Intrathekale Stammzelltherapie (Injektion von Stammzellen des Patienten in den Rückenmarkskanal): Sie kann schwere bis schwerste und sogar tödliche Nebenwirkungen haben.

Multiple Sklerose: Prognose

Die Befürchtung vieler Menschen, dass man mit Multipler Sklerose zwangsläufig früher oder später im Rollstuhl landet, trifft nicht zu. Dank verbesserter Therapien nimmt die Multiple Sklerose heutzutage bei vielen Patienten einen günstigeren Verlauf als in früheren Jahren: Bei einem Drittel der MS-Patienten verläuft die Erkrankung zeitlebens günstig. Ein weiteres Drittel leidet zwar unter Behinderungen, bleibt aber selbstständig. "Nur" einem Drittel der Patienten bringt die Multiple Sklerose schwere Behinderungen oder im Extremfall sogar den Tod.

Wie die Prognose bei Multipler Sklerose im Einzelfall aussieht, lässt sich nicht vorhersagen. Inzwischen kennt man aber einige Anhaltspunkte, die für einen eher günstigen oder ungünstigen Krankheitsverlauf sprechen:

Anhaltspunkte für

eher günstigen Verlauf

eher ungünstigen Verlauf

Beginn mit nur einem Symptom

Beginn mit mehreren Symptomen

nur sensible Symptome (wie Gefühlsstörungen)

früh motorische und zerebelläre (das Kleinhirn betreffende) Symptome (wie Gangstörungen)

Schübe dauern nur kurz

Schübe dauern lang

gute Rückbildung der Schübe

schlechte Rückbildung der Schübe

Gehfähigkeit erhalten

früh zahlreiche Läsionen im MRT

Erkrankungsbeginn < 35. Lebensjahr

früh krankhafte SEP* und MEP**

* SEP = somatosensibel evozierte Potenziale (Prüfung der Nervenbahnen, die das Fühlen vermitteln, z.B. Berührungsreize)

** MEP = motorisch/magnetisch evozierte Potenziale (Prüfung der Nervenbahnen, die Muskelbewegungen vermitteln)

Sicher ist: Der Krankheitsverlauf lässt sich positiv beeinflussen, wenn der Patient eine fachgerechte und konsequente Behandlung sowie die Unterstützung durch sein soziales Umfeld bekommt. Genauso wichtig ist die Mitarbeit des Patienten bei verschiedenen Therapien wie Physiotherapie. Dabei ist aber Augenmaß gefragt: Wenn Multiple Sklerose-Kranke zu ehrgeizig sind und " zu viel" wollen, verschleißen ihre begrenzte Kräfte, und die Energiereserven werden vorzeitig ausgeschöpft.

Multiple Sklerose: Verlauf

Mediziner unterscheiden bei Multipler Sklerose verschiedene Verlaufsformen. Bei den meisten Patienten beginnt die Erkrankung mit einem schubförmigen Verlauf: Es kommt zeitweise zu Krankheitsschüben, in denen bereits bekannte oder neue Symptome auftreten. Oft bilden sich diese hinterher ganz oder teilweise zurück. Manchmal bleiben sie aber auch bestehen.

Aus der schubförmigen MS kann sich mit der Zeit eine sekundär-progrediente MS entwickeln: Die Schübe bleiben allmählich aus, und die Symptome nehmen nun kontinuierlich zu.

Bei einem kleinen Teil der Patienten verläuft die Multiple Sklerose chronisch-fortschreitend (primär-progredient): Der Krankheitszustand verschlechtert sich von Anfang an langsam und kontinuierlich.

Mehr zu den verschiedenen Verlaufsformen von MS und der jeweiligen Lebenserwartung lesen Sie im Beitrag Multiple Sklerose – Verlauf.

Weiterführende Informationen

Selbsthilfegruppe:

Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft

Buchempfehlung:

Julia Hubinger: Alles wie immer, nichts wie sonst: Mein fast normales Leben mit multipler Sklerose, Eden Books, 2017

подробно

dopingman.com.ua

buysteroids.in.ua/tabletirovannyie-anabolicheskie-steroidyi/stanozolol.html