Lungenemphysem

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Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Bei einem Lungenemphysem sind die Lungenbläschen teilweise überdehnt und zerstört. Die Folge ist, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann. Typische Symptome eines Lungenemphysems sind daher Kurzatmigkeit, Atemnot und verminderte Leistungsfähigkeit. Rauchen ist die Hauptursache der Lungenüberblähung. Welche anderen Ursachen es gibt, was die Folgen eines Lungenemphysems sind und wie die Behandlung und Prognose aussehen, lesen Sie hier!

lungenemphysem

Kurzüberblick

  • Was ist ein Lungenemphysem? Chronische Lungenerkrankung, die mit Überblähung und Zerstörung von Lungenbläschen einhergeht. Der Körper wird dadurch immer schlechter mit Sauerstoff versorgt.
  • Ursachen: Rauchen, chronische Entzündungsprozesse (chronische Bronchitis, COPD etc.), Alpha-1-Antitrypsinmangel, höheres Alter, Einatmen von Schadstoffen (Staub, Gase etc.), Narbenbildung im Lungengewebe
  • Symptome: Atemnot (zuerst nur bei körperlicher Anstrengung, später auch in Ruhe), Husten, verminderte Leistungsfähigkeit, erhöhte Infektanfälligkeit. Im fortgeschrittenen Stadium auch blaue Lippen und Nägel (Zyanose), fassförmiger Brustkorb (Fassthorax), schlechter Allgemeinzustand mit Muskelabbau, Rechtsherzschwäche (Form der Herzinsuffizienz).
  • Untersuchungen: Erstgespräch (Anamnese), körperliche Untersuchung, Röntgen, Computertomografie, Blutgasanalyse, Lungenfunktionstest
  • Behandlung: Rauchstopp, Atemtraining, Inhalation von Kochsalzlösung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, medikamentöse Therapie, bei fortgeschrittenem Lungenemphysem evtl. Sauerstoff-Langzeittherapie, Operation. In sehr schweren Fällen Lungentransplantation. Impfungen gegen Pneumokokken und Grippeviren aufgrund höherer Infektanfälligkeit sinnvoll, Behandlung akuter Atemwegsinfekte mit Antibiotika.
  • Prognose: Keine Heilung möglich. Konsequente Behandlung (v.a. Rauchstopp) kann aber das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen oder stoppen. Mögliche Komplikationen sind Pneumothorax (kollabierte Lunge), Rechtsherzinsuffizienz mit Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödeme), gestauten Halsvenen, Leberzirrhose.

Lungenemphysem: Wissen & Ursachen

Bei einem Lungenemphysem werden immer mehr Lungenbläschen (Alveolen) krankhaft überbläht und zerstört. Mediziner sprechen deshalb auch von einer Lungenüberblähung.

Die Lungenbläschen sind die kleinsten Struktureinheiten der Lunge und von einem dichten Netz feinster Blutgefäße (Kapillaren) umgeben. Hier findet der Gasaustausch statt: Mit jedem Atemzug fließt Luft durch die Luftröhre bis in die Lungenbläschen. Dort gelangt der Sauerstoff aus der Luft gelangt durch die Wände der Lungenbläschen ins Blut. Gleichzeitig wird Kohlenmonoxid (CO2) aus dem Blut an die Luft in den Lungenbläschen abgegeben wird. Diese verbrauchte Luft wird dann ausgeatmet.

Bei einem Lungenemphysem funktioniert der Gasaustausch nicht mehr richtig: Bei den Betroffenen verlieren die Wände der Lungenbläschen an Elastizität. Durch die bei jedem Atemzug einströmende Luft werden die Alveolen überdehnt. Schließlich können sie sogar platzen. Benachbarte zerstörte Alveolen vereinen sich dann zu größeren Blasen, die beim Ausatmen zusammenfallen. Durch die Überblähung der Lungenbläschen werden die kleinsten Bronchien (Bronchiolen) eingeengt und fallen ebenfalls leicht zusammen. Alles zusammen erschwert das Ausatmen: Die Patienten können die eingeatmete Luft nicht mehr vollständig ausatmen. Ein Teil davon bleibt also in den noch vorhandenen Bläschen, so dass beim Einatmen weniger Platz für neue, sauerstoffreiche Luft ist. Eine zunehmende Unterversorgung mit Sauerstoff ist das Resultat.

Das passiert beim Lungenemphysem
Lungenemphysem
Bei einem Lungenemphysem wird die Wandstruktur der Lungenbläschen unwiderruflich zerstört. Dies führt zu einer sackförmigen Erweiterung der Lufträume.

Lungenemphysem: Ursachen

Beim Entstehungsmechanismus eines Lungenemphysems spielen meist bestimmte Eiweißstoffe eine entscheidende Rolle:

Bei jedem Einatmen gelangen mit der Luft auch Krankheitserreger und andere schädliche Stoffe in die Lunge. Das Immunsystem ist normalerweise dagegen gewappnet: Abwehrzellen in den Lungenbläschen setzen regelmäßig eiweißabbauende Proteine frei, sogenannte Proteasen. Sie können eingedrungene Keime und Fremdstoffe unschädlich machen. Allerdings unterscheiden Proteasen nicht zwischen fremdem und eigenem Gewebe. Sie können deshalb auch das empfindliche Lungengewebe angreifen und abbauen (genauer: die elastischen Fasern in den Wänden der Lungenbläschen). Damit das nicht passiert, wird normalerweise auch eine angemessene Menge an schützenden Proteinen ausgeschüttet, die sogenannten Protease-Inhibitoren. Deren wichtigster Vertreter ist Alpha-1-Antitrypsin.

Das Gleichgewicht zwischen Proteasen und Protease-Inhibitoren kann durch Rauchen, chronische Entzündungsprozesse sowie einen Alpha-1-Antitrypsinmangel so gestört werden, dass zunehmend Lungengewebe abgebaut wird und ein Lungenemphysem entsteht. Weitere mögliche Ursachen sind das wiederholte Einatmen von Schadstoffen, höheres Alter und Narbengewebe in der Lunge.

Rauchen

Rauchen ist die häufigste Ursache eines Lungenemphysems. Es hemmt die schützenden Protease-Inhibitoren (wie Alpha-1-Antitrypsin). Diese können also den Angriff der Proteasen auf die Lungenbläschen nicht verhindern - ein Lungenemphysem entsteht.

Chronische Entzündungsprozesse

Chronische Entzündungsprozesse in der Lunge können wie Rauchen dazu führen, dass die zerstörerischen Proteasen in den Lungenbläschen die Überhand gewinnen. Auf diese Weise können sowohl chronische Bronchitis als auch chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) einem Lungenemphysem den Weg ebnen.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

Bei etwa einem Prozent der Patienten entsteht das Lungenemphysem auf der Basis eines genetisch bedingten Mangels an Alpha-1-Antitrypsin, dem Hauptvertreter der Protease-Inhibitoren. Die Betroffenen sind dadurch anfälliger für ein Lungenemphysem als die Normalbevölkerung. Wie hoch das Erkrankungsrisiko im Einzelfall ist, hängt von der Ausprägung der Erbkrankheit ab. Besonders leicht entwickelt sich ein Lungenemphysem, wenn menschen mit angeborenem Alpha-1-Antitrypsinmangel zusätzlich rauchen oder eine chronische Lungenerkrankung (wie COPD) haben.

Hinweis: Ein angeborener Alpha-1-Antitrypsinmangel kann neben einem Lungenemphysem noch weitere Folgen haben. Dazu zählt eine zunehmende Zerstörung von Leberzellen (Leberzirrhose).

Alter

Mit dem Alter nimmt generell die Elastizität von Bindegewebe ab. So verringert sich auch die Elastizität der Scheidewände der Lungenbläschen. Das führt selten zur Entwicklung eines altersbedingten Lungenemphysems. Dieses sogenannte Altersemphysem ist keine Krankheit, sondern eine Folge des natürlichen Alterungsprozesses. Die Betroffenen zeigen meist keine Symptome. Deshalb muss das Altersemphysem meist auch nicht behandelt werden.

Narbengewebe

Nach einer überstandenen Lungenentzündung oder Tuberkulose sowie nach einer Lungenoperation (etwa Entfernung eines Lungenflügels) entsteht oft Narbengewebe in der Lunge. Dieses ist instabiler als normales Lungengewebe und wird deshalb leichter überdehnt. So entsteht ein sogenanntes Narbenemphysem.

Atemwegsreizende Substanzen

Selten entsteht ein Lungenemphysem durch das Einatmen von reizenden Gasen oder Staub. Zu diesen inhalativen Noxen gehören:

  • quarzhaltiger Staub
  • Baumwoll- und Getreidestaub
  • Schweißrauch
  • Gase wie Ozon oder Chlorgas

Auch die allgemeine Luftverschmutzung in Großstädten kann ein Lungenemphysem begünstigen. Das gilt besonders für Menschen, die bereits unter einer anderen Lungenerkrankung leiden.

Arten von Lungenemphysem

Es gibt verschiedene Lungenemphysem-Arten. Bei der Einteilung spielt die Ursache der Lungenüberdehnung eine wichtige Rolle:

  • Zentrilobuläres Lungenemphysem: Etwa ein Drittel der chronischen Lungenemphysem-Patienten leidet an einer zentrilobulären Form. Dabei sind vor allem die oberen Lungenfelder betroffen, während die unteren intakt sind. Mediziner führen dies darauf zurück, dass Schadstoffe wie Zigarettenrauch zuerst das obere Lungengewebe erreichen und schädigen.
  • Panlobuläres Lungenemphysem: Diese Art des Lungenemphysems ist meist genetisch bedingt, beruht also auf dem oben beschriebenen angeborenen Alpha-1-Antitrypsinmangel. Hier sind vor allem die Lungenbläschen der unteren Lungenabschnitte betroffen.
  • Überdehnungs-Lungenemphysem: Wenn ein Teil der Lunge operativ entfernt werden muss, dehnt sich die Restlunge in manchen Fällen übermäßig aus - es entsteht ein Überdehnungs-Emphysem. Im Vergleich zu den beiden anderen Lungenemphysem-Arten bereitet es meist weniger Beschwerden, da die Wände der Lungenbläschen zuvor nicht durch eine chronische Entzündung (zum Beispiel verursacht durch Zigarettenrauch) geschädigt wurden.

Lungenemphysem: Symptome

Lungenemphysem-Symptome entwickeln sich langsam und schleichend. Art und Schweregrad der Symptome richten sich nach dem Krankheitsstadium.

Erste Lungenemphysem-Symptome

Im Anfangsstadium leiden Lungenemphysem-Patienten meist unter Atemnot bei körperlicher Anstrengung. Hinzu kommen sporadischer Husten und eineverminderte Leistungsfähigkeit. Viele Betroffene werden schon bei leichter Anstrengung schnell müde.

Auch häufige Infektionen der Atemwege wie Bronchitis und Lungenentzündung (Pneumonie) sind typische Begleitsymptome eines Lungenemphysems. Diese Infektanfälligkeit resultiert aus der zunehmenden Zerstörung des Flimmerepithels, das einen großen Teil der Atemwege auskleidet. Die Flimmerzellen ähneln kleinen Härchen. Sie bewegen sich wellenförmig und transportieren so winzige Fremdstoffpartikel aus der Lunge heraus (Mukoziliäre Clearance). Tabakrauch und andere Schadstoffe zerstören das Flimmerepithel jedoch langfristig, was den Reinigungsmechanismus stört. Das erleichtert Infektionen.

Fortgeschrittenes Lungenemphysem

Menschen mit einem fortgeschrittenen Lungenemphysem zeigen Atemnot schon in Ruhe, also auch ohne körperliche Anstrengung. Zudem leiden viele Patienten an Husten mit schleimigem Auswurf, besonders wenn gleichzeitig eine chronische Bronchitis besteht.

Durch die zunehmende Lungenüberblähung kann sich mit der Zeit die Form des Brustkorbs verändern: Bei einem Lungenemphysem wird die Brustmuskulatur beim Atmen stärker beansprucht und verbleibt auf Dauer in der Einatmungsstellung. Die Rippen verlaufen dann horizontal, statt schräg nach unten abzufallen, und der Brustkorb erscheint „fassförmig“ (Fassthorax). Die beiden Hautgruben oberhalb der Schlüsselbeine verschwinden - sie wirken bei vielen Betroffenen ebenfalls überbläht.

Häufig verschlechtert sich auch der Allgemeinzustand der Patienten. Infolge der Atemnot bewegen sich die Betroffenen weniger, so dass der Körper Muskelmasse abbaut. Dies kann die Atemnot weiter verstärken.

Der anhaltende Sauerstoffmangel im Blut zeigt sich häufig durch blau verfärbte Lippen und Finger (Zyanose). Zudem kann die überblähte Lunge die rechte Herzhälfte übermäßig belasten. So entwickelt sich eine besonders Form von Herzschwäche (Herzinsuffizient): die Rechtsherzinsuffizienz. Dabei kann die überlastete rechte Herzhälfte das einströmende Blut nicht ausreichend weitertransportieren. Es staut sich in den Körperkreislauf zurück. Dieser Blutstau zeigt sich unter anderem an prall gefüllten Halsvenen. Weitere Anzeichen für eine Rechtsherzinsuffizienz sind Wassereinlagerungen in den Beinen (Ödeme).

Zwei Extreme: Pink Puffer und Blue Bloater

Lungenemphysem-Patienten werden in zwei Typen eingeteilt: den „Pink Puffer“ und den „Blue Bloater“. Beides sind Extremformen, die man nur sehr selten in vollständiger Ausprägung beobachtet. Meist sind die Übergänge fließend.

Typische Merkmale des Blue Bloater sind:

  • Übergewicht
  • ausgeprägte Zyanose (Blaufärbung der Lippen und Finger, daher auch der Begriff „Blue Bloater“)
  • starker Husten mit Auswurf
  • Fassthorax
  • geringe Atemnot
  • „Lippenbremse“ (Ausatmen durch locker aufeinandergelegte Lippen)

Typische Merkmale für den Pink Puffer sind:

  • Untergewicht
  • keine Zyanose durch starke Atemarbeit, eher blasse Hautfarbe
  • ausgeprägte Atemnot
  • trockener Husten ohne Auswurf

Einfach ausgedrückt: Der „Pink Puffer“ kämpft gegen seine ausgeprägte Atemnot an, indem er bewusst und intensiv atmet. Dadurch ist sein Blut ausreichend mit Sauerstoff gesättigt, so dass keine Zyanose entsteht. Der „Blue Bloater“ dagegen gewöhnt sich mit der Zeit an die chronische Sauerstoffunterversorgung, was oft zu einer Rechtsherzinsuffizienz aufgrund eines sogenannten Cor pulmonale führt. Dabei erschöpft die rechte Herzhäfte, da sie gegen einen zu großen Widerstand im Lungenkreislauf anpumpen muss.

Lungenemphysem: Behandlung

Ein Lungenemphysem ist nicht heilbar. Das bedeutet, dass die krankhaften Veränderungen des Lungengewebes unumkehrbar (irreversibel) sind. Mit der richtigen Therapie lässt sich der Krankheitsverlauf jedoch verlangsamen oder sogar stoppen.

Nicht rauchen!

Patienten mit einem Lungemphysem sollten sofort und dauerhaft aufhören, zu rauchen. Manche schaffen den Rauchstopp ganz allein. Viele brauchen dabei aber Hilfe. Schließlich gilt die Nikotinsucht als eine der stärksten Abhängigkeiten überhaupt. Zögern Sie also nicht, sich Unterstützung beim Rauchstopp zu suchen. Das kann etwa eine Verhaltenstherapie oder eine Selbsthilfegruppe sein. Auch Nikotinersatzmittel wie Nikotinpflaster, -kaugummis oder -sprays sowie Akupunktur oder Hypnose können bei der Entwöhnung helfen.

Impfen lassen

Lungenemphysem-Patienten sind anfälliger für Atemwegsinfektionen. Deshalb empfehlen Ärzte ihnen die Pneumokokken-Impfung und die Grippe-Impfung. Der Impfschutz der Pneumokokken-Impfung hält etwa fünf Jahr lang an und sollte dann erneuert werden. Gegen Grippe (Influenza) müssen Sie sich jedes Jahr neu impfen lassen, da sich Grippeviren permanent verändern.

Infekte frühzeitig behandeln

Fieber und Husten mit gelb-grünlichem Auswurf weisen auf eine bakterielle Atemwegsinfektion hin. Wenn Lungenemphysem-Patienten solche Symptome zeigen, sollten sie sich unbedingt vom Arzt mit Antibiotika behandeln lassen. Das kann einen schweren Krankheitsverlauf verhindern. Selten ist eine antibiotische Langzeitbehandlung nötig, die der Hausarzt dann engmaschig überwachen muss.

Medikamentöse Therapie

Welche Medikamente bei einem Lungenemphysem eingesetzt werden, hängt vom Krankheitsstadium und von der Schwere der Symptome ab. Prinzipiell stehen folgende Wirkstoffe zur Verfügung (im Prinzip die gleichen wie bei der Therapie von Asthma und COPD):

  • Beta-2-Sympathomimetika: wirken bronchienerweiternd und werden inhaliert; dabei gibt es kurzwirksame (wie zum Beispiel Salbutamol, Reproterol) und langwirksame Vertreter (wie etwa Salmeterol)
  • Anticholinergika: auch sie wirken bronchienerweiternd und werden inhaliert; Beispiel: Ipratropium
  • ggf. Glukokortikoide ("Kortison"): entzündungshemmende Wirkung; werden ebenfalls meist inhaliert; nur in schweren Fällen gibt man evtl. Kortison-Tabletten

Bei einem angeborenen Alpha-1-Antitrypsinmangel kann zudem das fehlende Eiweiß medikamentös ersetzt werden. Solche Alpha-1-Antitrypsin-Substitute werden regelmäßig als Infusion verabreicht.

Sauerstoff-Langzeittherapie

Patienten mit einem schweren Lungenemphysem erhalten oft eine Langzeitbehandlung mit Sauerstoff: Dabei wird mindestens 16 Stunden täglich reiner Sauerstoff über eine Maske inhaliert. Das kann die Prognose verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen steigern.

Doch nicht alle Patienten profitieren von einer Sauerstofftherapie. Hat sich der Körper bereits an einen erhöhten C02-Spiegel im Blut gewöhnt, entfällt der stärkste Atemantrieb: eben der steigende C02-Gehalt. Dann verbleibt der Sauerstoffmangel als einziger Atemantrieb. Wird nun unkontrolliert Sauerstoff zugeführt, entfällt auch dieser letzte Atemantrieb. Die Patienten hören auf, selbständig zu atmen und können eine Kohlenmonoxid-Narkose entwickeln. Deshalb entscheidet der Arzt sehr sorgfältig, ob eine Sauerstofftherapie bei Lungenemphysem im Einzelfall sinnvoll ist oder nicht.

Hinweis: Während einer Sauerstofftherapie sollten Sie auf keinen Fall rauchen, denn Sauerstoff ist hochexplosiv. Schon ein wenig Glut oder ein kleiner Funke reicht aus, um das Gas zu entzünden!

Physikalische Lungenemphysem-Therapie

Bei einer Atemtherapie lernen die Patienten spezielle Techniken, die das Ausatmen erleichtern. Hilfreich für die richtige Atemtechnik sind außerdem starke Bauchmuskeln. Deshalb beinhaltet die Therapie zusätzlich gezieltes Bauchmuskeltraining. Zudem sollten Betroffene ausreichend trinken und regelmäßig mit einer Kochsalzlösung inhalieren, um das Abhusten des Auswurfs zu unterstützen.

Operation

Bei einem schweren Lungenemphysem kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein. Dabei entfernt der Arzt das funktionslose, überblähte Lungengewebe (Volumenreduktionstherapie). In der Folge wird das gesunde Lungengewebe wieder besser belüftet.

Bei Patienten mit einem sehr weit fortgeschrittenen Lungenemphysem bleibt als letzte Therapieoption oft nur noch eine Lungentransplantation.

Lungenemphysem: Untersuchungen und Diagnose

Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf ein Lungenemphysem ist ein Facharzt für Lungenheilkunde (Pneumologe). Er wird sich zuerst ausführlich mit Ihnen unterhalten, um Ihre Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Mögliche Fragen bei diesem Gespräch sind:

  • Leiden Sie unter Atemnot?
  • Husten Sie oft? Ist der Husten trocken oder mit Auswurf verbunden?
  • Haben Sie noch andere Beschwerden?
  • Rauchen Sie? Wenn ja, wie viel und wie lange schon?
  • Wie viele Treppen können Sie steigen, ohne eine Pause einlegen zu müssen?
  • Ist bei Ihnen bereits eine Lungenerkrankung bekannt (Asthma, chronische Bronchitis etc.)?
  • Haben Sie Verwandte, die an einem Lungenemphysem, COPD oder Alpha-1-Antitrypsin-Mangel leiden?

Körperliche Untersuchung

An die Anamnese schließt sich eine körperliche Untersuchung an. Dabei kann der Arzt typische Veränderungen erkennen, die auf ein Lungenemphysem hinweisen können. Dazu zählt etwa der sogenannte Fassthorax: Ein fassförmig veränderter Brustkorb spricht dies für eine dauerhafte Lungenüberblähung. Das ist ein klares Erkennungsmerkmal des Lungenemphysems.

Charakteristisch ist außerdem die instinktiv ausgeführte Lippenbremse bei der Ausatmung. Dabei atmen die Betroffenen durch die locker aufeinandergelegten Lippen aus. Diese Atemtechnik erleichtert das Ausatmen, denn sie erhöht den Luftdruck in den Bronchien.

Bläulich verfärbte Lippen und Finger sind ebenfalls ernst zunehmende Anzeichen eines Lungenemphysems. Das Gleiche gilt für die sogenannten Trommelschlegelfinger und Uhrglasnägel. Dabei sind die Finger an den Endgliedern wie Trommelschlegel aufgetrieben, während die Fingernägel stark abgerundet sind.

Wichtige Anzeichen sind auch geschwollene Beine und prall gefüllte Halsvenen. Sie deuten darauf hin, dass die rechte Herzhälfte verstärkt belastet wird. Der Grund dafür kann ein Lungenemphysem sein.

Beim Abhören der Lunge mit dem Stethoskop (Auskultation) sind bei einem Lungenemphysem oftmals trockene Rasselgeräusche (ein Brummen oder Pfeifen) zu hören. Beim Abklopfen des Brustkorbs (Perkussion) klingt es laut und hohl. Der Grund ist die erhöhte Luftmenge in der überblähten Lunge. Dagegen sind die Herztöne oft nur sehr leise mit dem Stethoskop zu hören aufgrund der Volumenvergrößerung der Lunge.

Weitere Untersuchungen

Um zu beurteilen, wie weit das Lungenemphysem bereits fortgeschritten ist, kann der Arzt den Brustkorb röntgen (Röntgen-Thorax): Die überschüssige, in den Lungenbläschen "gefangene" Luft kann das Zwerchfell nach unten drücken (abflachen) und auf dem Röntgenbild als dunkle Fläche erscheinen. Zudem sind die normalerweise gut sichtbaren Gefäße oft nur schlecht zu erkennen (Gefäßrarefizierung).

Mit einer Computertomografie (CT) lässt sich das Lungenemphysem noch detaillierter darstellen.

Ob es sich bei einem Lungenemphysem-Patienten eher um Pink Puffer oder Blue Bloater handelt, kann der Arzt mtihilfe einer Blutgasanalyse und eines Lungenfunktionstests erkennen. Diese Diagnoseverfahren zeigen, ob nur der Sauerstoffgehalt im Blut verringert ist (typisch für den Pink Puffer) oder ob außerdem der CO2-Spiegel erhöht ist (typisch für den Blue Roater).

Lungenemphysem: Krankheitsverlauf und Prognose

Heilbar ist ein Lungenemphysem nicht. Hält man sich jedoch an den vom Arzt verordneten Behandlungsplan, kann man den Krankheitsverlauf verlangsamen oder sogar stoppen.

Hinweis: Einer der wichtigsten Therapiebausteine ist der sofortige, absolute und dauerhafte Rauchstopp!

Lungenemphysem: Komplikationen

Die konsequente Therapie ist auch wichtig angesichts der Komplikationen, die ein fortschreitendes Lungenemphysem mit sich bringen kann: Pneumothorax und Rechtsherzschwäche.

Pneumothorax

Eine schwerwiegende akute Komplikation bei Lungenemphysem ist der Pneumothorax: Normalerweise herrscht Unterdruck in dem Spalt zwischen Lunge und Rippenfell (Pleuraspalt). Platzt allerdings ein Emphysem-geschädigtes Lungenbläschen, kann Luft in den Spalt eindringen und den Unterdruck aufheben - mit gravierenden Folgen: Die Lunge kollabiert auf der betroffenen Seite. Der kollabierte Teil wird nicht mehr belüftet und kann deshalb auch nicht mehr am Gasaustausch teilnehmen. Ein spontaner Pneumothorax macht sich meist durch einen plötzlichen, stechenden Schmerz und Atemnot bemerkbar.

Rechtsherzschwäche

Durch das Lungenemphysem steigt mit der Zeit der Druck in den Lungengefäßen. Die rechte Herzhälfte muss gegen den erhöhten Widerstand in den Lungengefäßen anpumpen, was sie zunehmend belastet. Mit der Zeit kann daraus eine Rechtsherzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz) entstehen. Die geschwächte rechte Herzhälfte (Cor pulmonale) kann nicht mehr ausreichend pumpen, so dass sich Flüssigkeit in den Beinen (Ödeme) sammelt. Zudem kann es zu einer Leberzirrhose und gestauten Halsvenen kommen.

Um diese Komplikationen zu vermeiden, sollten Sie sich strikt an die Therapievorgaben Ihres behandelnden Arztes halten und vor allen Dingen das Rauchen einstellen. Dann bestehen gute Chancen, das Lungenemphysem aufzuhalten.

Weiterführende Informationen

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