Leberzirrhose

Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen ansehen

Bei der Leberzirrhose (Schrumpfleber) geht das Lebergewebe zugrunde und wandelt sich allmählich in Bindegewebe um - es vernarbt. Je mehr intaktes Lebergewebe auf diese Weise verloren geht, desto schlechter kann das Organ seine Aufgaben erfüllen. Die häufigsten Ursachen einer Leberzirrhose sind chronischer Alkoholkonsum und Leberentzündung (Hepatitis). Lesen Sie hier alles Wichtige über Symptome, Ursachen, Therapie und Lebenserwartung bei Leberzirrhose.

Leberzirrhose

Kurzübersicht

  • Beschreibung: Bei einer Leberzirrhose (Schrumpfleber) wird zunehmend gesundes Gewebe in funktionsloses Bindegewebe (Narbengewebe) umgewandelt. Die Leber kann ihre wichtigen aufgaben immer weniger erfüllen.
  • Symptome: allgemeine Beschwerden (wie Müdigkeit, mangelnder Appetit, Gewichtsabnahme), Leberhautzeichen (gerötete Handinnenflächen und Fußsohlen, Juckreiz, Gelbfärbung der Haut und der weißen Lederhaut im Auge etc.), oft auch Komplikationen (Bauchwassersucht etc.)
  • Ursachen: meist Alkoholmissbrauch oder durch Viren ausgelöste Leberentzündung (Hepatitis). Manchmal auch andere Erkrankungen der Leber, Gallenwege, des Herzens, Stoffwechselkrankheiten etc. oder Medikamente bzw. Giftstoffe
  • Behandlung: Ursache muss beseitigt/behandelt werden. So lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten. Bereits vorhandene Leberschäden kann man nicht rückgängig machen.
  • Prognose: Sie hängt davon ab, wie weit fortgeschritten die Leberzirrhose bereits ist und ob die Ursache beseitigt/behandelt werden kann.

Was ist Leberzirrhose?

Bei einer Leberzirrhose (Schrumpfleber) geht Lebergewebe zugrunde und wandelt sich nach und nach in Bindegewebe um (Vernarbung). Möglicher Auslöser ist eine Leberschädigung etwa durch Alkoholmissbrauch, Leberentzündung (Hepatitis) oder andere Erkrankungen.

Durch den zunehmenden Umbau des Lebergewebes nimmt die Organfunktion ab. Im Leberzirrhose-Endstadium kann die Leber schließlich ihre Aufgaben als zentrales Stoffwechselorgan nicht mehr ausreichend erfüllen: Durch den Zusammenbruch aller Leberfunktionen (akutes Leberversagen) stirbt der Patient.

Entstehung einer Leberzirrhose
Leberzirrhose-Entstehung
Aus einer chronischen Vergiftung oder Entzündung der Leber kann eine Leberzirrrhose entstehen

In Deutschland entwickeln etwa 250 von 100.000 Menschen pro Jahr eine Leberzirrhose. Experten vermuten aber eine hohe Dunkelziffer: Die tatsächliche Erkrankungszahl liegt also möglicherweise viel höher. An einer Leberzirrhose erkranken und sterben ungefähr doppelt so viele Männer wie Frauen. Dabei hat die Sterblichkeit in den letzten Jahren zugenommen.

Leberzirrhose: Symptome

Leberzirrhose verursacht verschiedene allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Appetitmangel oder Übelkeit. Hinzu kommen Anzeichen der Grunderkrankung. Bei weiter fortgeschrittener Leberschädigung treten auch spezifische Leberzirrhose-Symptome auf.

Allgemeine Leberzirrhose-Symptome

Die Leberzirrhose zeigt anfangs gar keine Symptome oder äußert sich mit allgemeinen Krankheitssymptomen wie:

  • Müdigkeit und Leistungsschwäche
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Gewichtsabnahme
  • Völlegefühl im Oberbauch

Leberzirrhose: Symptome der Grunderkrankung

Zusätzlich zeigen sich oft Symptome der Grunderkrankung, also der eigentlichen Ursache der Leberzirrhose. Anzeichen für die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson beispielsweise sind Gedächtnisstörungen, Zittrigkeit und Psychosen.

Spezifische Leberzirrhose-Symptome

Leberzirrhose im späteren Stadium geht mit spezifischen Anzeichen der Leberschädigung einher: Die Leber kann vergrößert oder verkleinert sein, derb oder höckerig durch das Narbengewebe, das sich bildet. Die Mehrzahl der Patienten hat auch eine vergrößerte Milz. Eine gleichzeitige Vergrößerung von Milz und Leber wird Hepatosplenomegalie genannt.

Weitere Anzeichen der Leberzirrhose sind die sogenannten Leberhautzeichen:

  • Gelbfärbung der Lederhaut der Augen sowie der Haut (Gelbsucht = Ikterus)
  • "Gefäßspinnen" (Spider naevi): kleine, sichtbare Gefäßverzweigungen, die sich stern- oder spinnenförmig ausbreiten (besonders im Gesicht und am Dekolleté)
  • Rötung der Handinnenflächen (Palmarerythem) sowie der Fußsohlen (Plantarerythem)
  • Mundwinkelrhagaden (schmerzhafte Risse in den Mundwinkeln) sowie Lacklippen (auffallend rot-glänzende Lippen)
  • Juckreiz

Auch hormonelle Störungen treten auf: Die Leber kann bei einer Schädigung nämlich unter anderem die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) nicht mehr richtig abbauen. Das kann folgende Leberzirrhose-Symptome hervorrufen:

  • Männer: Brustentwicklung, Verlust der Bauchbehaarung (Bauchglatze), Schrumpfung der Hoden, Abnahme des sexuellen Verlangens oder der Potenz
  • Frauen: Ausbleiben oder Unregelmäßigkeiten der Regelblutung

Leberzirrhose: Anzeichen von Komplikationen

Bei weit fortgeschrittener Zirrhose kann die Leber den großen Verlust an funktionsfähigen Zellen nicht mehr ausgleichen (kompensieren). Diese dekompensierte Leberzirrhose kann verschiedene Komplikationen verursachen. Dazu zählen zum Beispiel Bauchwassersucht (Aszites), Pfortaderhochdruck, Leberzellkrebs und eine Leber-bedingte Gehirnerkrankung (hepatische Enzephalopathie). Oft entwickeln sich auch Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen).

Solche Komplikationen verursachen zusätzliche Symptome bei Leberzirrhose:

Bauchwassersucht: Die Bauchwassersucht (Aszites) entsteht sehr oft bei Leberzirrhose im fortgeschrittenen Stadium. Durch die Ansammlung von Flüssigkeit vergrößert sich der Bauchumfang, und der Bauch wölbt sich vor. Im Liegen dehnt sich die Flüssigkeit im Bauch zu den Seiten hin aus. Wenn sie auf das Zwerchfell drückt, können Atemprobleme hinzukommen.

Pfortaderhochdruck: Die Pfortader sammelt das Blut verschiedener Bauchorgane (Magen, Darm, Milz etc.) und bringt es zur Leber. Bei Patienten mit Leberzirrhose kann sich dieses Blut vor der vernarbten Leber aufstauen. Dann entsteht ein Pfortaderhochdruck (portale Hypertension). Zu den möglichen Folgen zählen Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen: siehe unten) oder im Magen, die platzen und eine gefährliche Blutung verursachen können.

Leberzellkrebs: Der Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) kann sich durch Druckschmerz im rechten Oberbauch bemerkbar machen. In frühen Stadien treten aber nicht immer Beschwerden auf. Deshalb werden alle Patienten mit Leberzirrhose vorsorglich auf Leberzellkrebs hin untersucht.

Hepatische Enzephalopathie: Die hepatische Enzephalopathie ist die wichtigste Komplikation der Leberzirrhose. Rund 70 Prozent der Betroffenen zeigen Anzeichen einer Störung des Gehirnstoffwechsels. Ursache ist vor allem ein Anstieg von Giftstoffen wie Ammoniak im Blut, da die Entgiftungsfunktion der Leber zu schwach ist. Je nach den auftretenden Symptomen wird die hepatische Enzephalopathie in vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium 1: Die Erkrankten sind etwas schläfrig, in ihren Reaktionen leicht verlangsamt und leicht verwirrt. Auch Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwäche und verwaschene Sprache treten auf.
  • Stadium 2: Die Schläfrigkeit verstärkt sich. Zusätzlich wirken die Patienten teilnahmslos (apathisch), haben zittrige Hände (Tremor), und ihre Schrift verändert sich.
  • Stadium 3: Die Patienten schlafen viel, lassen sich aber wecken. Aufgeregtheit (Agitation), Aggressivität und Veränderungen der elektrischen Gehirnaktivität (EEG-Veränderungen) sind weitere Anzeichen in diesem Stadium.
  • Stadium 4: Durch den Ausfall der Leber fallen die Patienten ins Koma (Coma hepaticum). Sie reagieren nicht mehr auf Schmerzreize, zeigen keine Reflexe mehr, und die Atemluft hat einen typisch-süßlichen Geruch (Foetor hepaticus).

Ösophagusvarizen

Eine Leberzirrhose kann dazu führen, dass sich Krampfadern (Varizen) in der Speiseröhre (Ösophagus) bilden. Denn die Venen in der Speiseröhre dienen dann als Ersatzweg für große Mengen venösen Blutes auf dem Weg vom Bauchraum zum Herzen. Diese Ösophagusvarizen verursachen zunächst keine Symptome.

Gefährlich wird es aber, wenn die Speiseröhren-Krampfadern platzen. Die sogenannte Ösophagusvarizenblutung kann zu lebensgefährlichem Blutverlust führen und sich unter anderem in Bluthusten (Hämoptyse) äußern. Aspiriert der Patient dieses Blut in die Atemwege, droht Ersticken oder eine schwere Lungenentzündung. Außerdem kann das Blut über den Magen in den Darm gelangen und den Stuhl schwarz färben. Mediziner sprechen hierbei von einem Teerstuhl.

Achtung: Eine Varizenblutung in der Speiseröhre ist lebensgefährlich und muss umgehend ärztlich behandelt werden!

Mehr zum Thema lesen Sie im Beitrag Ösophagusvarizen.

Leberzirrhose: Therapie

Das Fortschreiten der Leberzirrhose lässt sich aufhalten, wenn die Ursache rechtzeitig behoben wird. Mit der richtigen Behandlung lassen sich auch die Beschwerden lindern. Bereits entstandene Schäden bleiben aber bestehen - man kann sie nicht mehr rückgängig machen.

Eine Leberzirrhose-Therapie setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:

Der Patient muss leberschädigende Stoffe meiden. Dazu zählt in erster Linie Alkohol. Der Verzicht auf Alkohol gilt nicht nur für Patienten mit alkoholbedingter Leberzirrhose, sondern auch für alle anderen! Der Arzt kann Tipps und Möglichkeiten zum Alkoholentzug (Beratungsstellen, Therapiezentren etc.) nennen. Außerdem sollten sich Patienten von Angehörigen, Freunden und/oder Selbsthilfegruppen (wie Anonyme Alkoholiker) unterstützen lassen.

Auch Medikamente schädigen die Leber: Sie sollten deshalb bei Leberzirrhose nur eingenommen werden, wenn es medizinisch unbedingt notwendig ist. Außerdem sollten Patienten immer zuerst ihren Arzt fragen, bevor sie auf eigene Faust irgendwelche Präparate - auch rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel - anwenden.

Zu jeder Leberzirrhose-Therapie gehört es auch, die auslösende Grunderkrankung zu behandeln (so gut es möglich ist). So verschreibt der Arzt zum Beispiel bei Leberentzündung (Hepatitis) bestimmte Medikamente.

Sehr wichtig ist zudem die gezielte Behandlung von Komplikationen. Beispielsweise helfen bei Bauchwassersucht harntreibende Medikamente (Diuretika), die angesammelte Flüssigkeit auszuschwemmen. Außerdem sollten sich die Betroffenen natriumarm ernähren. In schweren Fällen von Bauchwassersucht kann eine sogenannte Punktion notwendig sein: Dabei sticht der Arzt mit einer dünnen Nadel in den Bauchraum, um die Flüssigkeit über einen Schlauch abzuleiten.

Bei schwerer, fortgeschrittener Leberzirrhose ist eine Lebertransplantation oft die letzte Chance des Patienten.

Leberzirrhose & Ernährung

Generell empfehlen Mediziner bei Leberzirrhose eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung. Wenn keine Komplikationen bestehen und der Ernährungszustand des Patienten normal ist (weder Über- noch Untergewicht), ist eine spezielle "Leber-Diät" nicht sinnvoll. Falls eine besondere Ernährung nötig ist, wird der behandelnde Arzt dies mit dem Patienten besprechen.

So sollten sich zum Beispiel übergewichtige Patienten mit einer Fettleber fettarm und kalorienreduziert ernähren. Das hilft beim Abnehmen (zusammen mit regelmäßiger Bewegung).

Wenn die Leberschädigung bereits Gehirnfunktionen stört (hepatische Enzephalopathie), ist es besonders wichtig, Giftstoffe im Blut zu verringern. Zu diesem Zweck sollten Betroffene weniger Eiweiße essen - dann entsteht auch weniger giftiges Ammoniak im Körper. Außerdem lässt sich die Ausscheidung dieses Giftstoffes mit Laktulose, einem leichten Abführmittel, fördern.

Auch für alle anderen Patienten mit Leberzirrhose gilt: Sie sollten auf einen geregelten Stuhlgang achten, um die Ausscheidung von Giftstoffen über den Darm zu unterstützen. Dabei helfen ballaststoffreiche Kost und eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit. Welche Trinkmenge pro Tag sinnvoll und ratsam ist, sollten Patienten mit dem behandelnden Arzt besprechen. In bestimmten Fällen darf man nämlich nicht zu viel Flüssigkeit aufnehmen, etwa bei Bauchwassersucht.

Leberzirrhose: Ursachen und Risikofaktoren

Verschiedene Erkrankungen können als Spätfolge zu einer Leberzirrhose führen. In den Industrieländern liegt in mehr als der Hälfte aller Fälle von Leberzirrhose Alkoholmissbrauch vor. Bei den übrigen Patienten lässt sich die Leberzirrhose auf eine Leberentzündung (Hepatitis B oder Hepatitis C) oder (seltener) eine andere Erkrankung zurückführen. Manchmal wird sie auch durch Medikamente verursacht.

Leberzirrhose durch Alkohol

Langjähriger Alkoholmissbrauch ist in Deutschland eine der Hautpursachen für die Leberzirrhose. Mediziner bezeichnen dies auch als äthyltoxische Leberzirrhose.

Als zentrales Stoffwechselorgan ist die Leber für den Abbau des vielen Alkohols zuständig. Es entstehen dabei vermehrt Giftstoffe. Sie bewirken zunächst, dass die Leber krankhaft viel Fett einlagert - es entsteht eine sogenannte Fettleber. In diesem Stadium sind die Veränderungen im Lebergewebe noch teilweise umkehrbar.

Hält der übermäßige Alkoholkonsum weiter an, gehen die mit Fett überladenen Zellen zugrunde. Sie werden durch Bindegewebe (Narbengewebe) ersetzt. Mediziner sprechen dann von einer Leberfibrose. Die Entwicklung des Narben- und Bindegewebes ist nicht mehr rückgängig zu machen. Schreitet die Fibrose weiter fort, kommt es letztendlich zur Leberzirrhose.

Welche Alkoholmengen zu einer Leberzirrhose führen, ist individuell sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen kann bei Männern schon der tägliche Konsum von etwa 40 Gramm Alkohol die Leber unwiederbringlich schädigen. Frauen reagieren empfindlicher auf das Genussgift. Bei ihnen können deshalb schon 20 Gramm Alkohol pro Tag bleibende Leberschäden verursachen.

Leberzirrhose durch Virushepatitis

Mehr als 30 Prozent aller Leberzirrhose-Fälle in Deutschland werden durch eine chronische Leberentzündung (Hepatitis) vom Typ B oder C verursacht. Beide Krankheitsformen - Hepatitis B und Hepatitis C - werden jeweils durch einen bestimmten Virustyp ausgelöst. Diese Viren finden sich bei Infizierten in praktisch allen Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Urin oder Speichel.

Durch die chronische Entzündung können die Leberzellen mit der Zeit so geschädigt werden, dass sie absterben und vernarben - eine Leberzirrhose entsteht.

Andere Leberzirrhose-Ursachen

Andere Ursachen für eine Leberzirrhose können sein:

  • Leber- und Gallenkrankheiten: z.B. immunbedingte Leberentzündung (Autoimmunhepatitis), chronische Entzündung der kleinen Gallengänge in der Leber (primäre biliäre Zirrhose/Cholangitis, PBC), chronische Entzündung und Vernarbung der mittleren und größeren Gallengänge (primär sklerosierende Cholangitis, PSC)
  • Stoffwechselkrankheiten: Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose), Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson), Mukoviszidose etc.
  • Tropenkrankheiten wie Bilharziose oder Leberegel-Befall
  • Herzerkrankungen wie chronische Rechtsherzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz)
  • Giftstoffe wie Tetrachlorkohlenstoff oder Arsen
  • Medikamente wie Methotrexat (bei Krebs und Autoimmunerkrankungen)

In einigen Fällen lässt sich keine Ursache für die Erkrankung entdecken. Dann liegt eine sogenannte kryptogene Leberzirrhose.

Leberzirrhose: Untersuchungen und Diagnose

Der Arzt wird zuerst im Gespräch mit dem Patienten dessen Krankengeschichte erheben (Anamnese). Er lässt sich dabei die Beschwerden genau schildern und fragt nach eventuellen Vor- oder Grunderkrankungen. Besonders wichtig ist eine mögliche Hepatitis-Infektion. Außerdem erkundigt sich der Arzt, ob der Patient irgendwelche Medikamente verwendet und wie viel Alkohol er konsumiert.

Körperliche Untersuchung

Im nächsten Schritt folgt bei Verdacht auf eine Leberzirrhose eine körperliche Untersuchung. Dabei ertastet der Arzt die Größe der Leber und der Milz sowie den Leberrand. Außerdem klopft er den Bauch ab, um festzustellen, ob sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Bauchwassersucht = Aszites) befindet.

Ein wichtiger Hinweis auf Leberzirrhose sind zudem die sogenannten Leberhautzeichen. Der Arzt prüft also zum Beispiel, ob die Handinnenflächen gerötet sind (Palmarerythem), "Gefäßspinnen" (Spider naevi) oder der Patient eine Gelbsucht (Ikterus) hat.

Bluttest

Durch eine Blutuntersuchung lässt sich das Ausmaß der Leberschädigung feststellen. Sind folgende Werte verringert, deutet das darauf hin, dass die Leber nicht mehr so gut arbeitet:

  • Albumin
  • Cholinesterase (CHE)
  • Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X (dadurch ist der Quickwert erniedrigt, das heißt es dauert länger, bis das Blut gerinnt)

Folgende Werte können bei einer Leberzirrhose erhöht sein:

  • Bilirubin
  • Ammoniak (bei hepatischer Enzephalopathie)
  • die Leberenzyme GOT (ASAT), GPT (ALAT), GLDH und Gamma-GT

Bildgebende Methoden

Mittels Ultraschall (Sonografie) kann der Arzt die Größe und die Beschaffenheit der Leber einschätzen. Auch ein Pfortaderhochdruck lässt sich damit feststellen. Manchmal verwendet der Arzt dafür auch eine besondere Ultraschalltechnik - die Doppler-Sonografie. Eine andere spezielle Form von Ultraschall (Fibroscan) zeigt, wie stark die Leber schon vernarbt ist.

Eine Computertomografie (CT) ist nur dann nötig, wenn der Ultraschallbefund unklar ist.

Um den Strukturumbau in narbiges Bindegewebe nachzuweisen, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) der Leber und schickt sie zur Analyse ins Labor.

Weitere Untersuchungen

Manchmal sind noch weitere Untersuchungen angezeigt. So wird bei neu entdeckter Leberzirrhose oft eine Magenspiegelung (Gastroskopie) empfohlen. Der Arzt kann dabei Krampfadern in der Speiseröhre oder auch im Magen aufspüren.

Zur Abklärung einer leichten Hirnschädigung durch die Leberzirrhose (hepatische Enzephalopathie) können unter anderem sogenannte psychometrische Tests durchgeführt werden.

Stadien der Leberzirrhose: Child-Pugh-Score

Leberzirrhose lässt sich in verschiedene Stadien einteilen. Dabei verwenden Mediziner den sogenannten Child-Pugh-Score: Er berücksichtigt fünf Kriterien, die einen Hinweis darauf geben, wie weit fortgeschritten die Schrumpfleber ist. Die Child-Pugh-Kriterien sind:

  • Bauchwassersucht (Aszites), beurteilt im Ultraschall
  • Hirnschädigung durch die Lebererkrankung (Hepatische Enzephalopathie)
  • Albumin-Konzentration im Blut: Albumin ist ein Eiweiß (Protein), das in der Leber hergestellt wird. Bei einer Leberzirrhose wird weniger Albumin produziert.
  • Bilirubin-Konzentration im Blut: Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Normalerweise wird er in der Leber weiter abgebaut. Bei einer Leberzirrhose häuft er sich im Blut an.
  • Quick-Wert: Dieser Marker für die Blutgerinnung ist von Gerinnungsfaktoren abhängig, die in der Leber hergestellt werden. Bei Leberzirrhose werden weniger Gerinnungsfaktoren gebildet. Dadurch sinkt der Quick-Wert. Alternativ wird die Blutgerinnung heute oft mit dem INR-Wert beschrieben: Er verhält sich umgekehrt zum Quick-Wert (z.B. hoher Quick-Wert, niedriger INR).

Der Arzt prüft jedes Kriterium beim Patienten und vergibt jeweils Punkte:

Kriterium

1 Punkt

2 Punkte

3 Punkte

Albumin (g/dl)

> 3,5

2,8 - 3,5

< 2,8

Bauchwassersucht

keine

wenig

ausgeprägt

Bilirubin (mg/dl)

< 2,0

2,0 - 3,0

> 3,0

hepatische Enzephalopathie

keine

mittelgradig

ausgeprägt

Quick-Wert (%) bzw. INR

> 70 % bzw. < 1,7

40 - 70 % bzw. 1,7 - 2,3

< 40 % bzw. > 2,3

Achtung: Wird die Leberzirrhose durch eine primäre biliäre Zirrhose verursacht, wird der Bilirubin-Wert anders beurteilt: Für Messwerte unter 4 mg/dl wird 1 Punkt vergeben. Liegt der Bilirubin-Wert zwischen 4 und 10 mg/dl, gibt es 2 Punkte. Bei Bilirubin-Werten über 10 mg/dl vergibt der Arzt 3 Punkte.

Leberzirrhose-Stadien

Alle erzielten Punkte zusammengezählt ergeben den Child-Pugh-Score. Er liegt zwischen 5 und 15 Punkten: Eine Leberzirrhose der leichtesten Ausprägung ergibt den Wert 5. Bei stärkster Leberschädigung wird dagegen eine Gesamtpunktezahl von 15 erreicht.

Die einzelnen Punktespannen sind verschiedenen Stadien der Leberzirrhose zugeordnet: Bei einer Gesamtpunktezahl von 5 bis 6 liegt eine Leberzirrhose Child A vor - das leichteste Stadium der Leberzirrhose. Child B entspricht einem Child-Pugh-Score von 7 bis 9. Dagegen bedeuten die Punktwerte 10 bis 15 das höchste Stadium der Leberzirrhose: Child C.

Anhand des Stadiums kann der Arzt abschätzen, wie hoch das Sterberisiko des Patienten für die folgenden zwölf Monate ist:

Child-Pugh-Score

Stadium

1-Jahres-Mortalität

5 - 6

Child A

3 bis 10 %

7 - 9

Child B

10 bis 30 %

10 - 15

Child C

50 bis 80 %

Wie die Tabelle zeigt, ist die Sterblichkeit im ersten Jahr beim Stadium Child A noch recht niedrig. Sie steigt aber mit weiterem Fortschreiten der Leberzirrhose deutlich an.

Leberzirrhose: Krankheitsverlauf und Prognose

Je frühzeitiger eine Leberzirrhose erkannt und behandelt wird, desto besser die Prognose. Zur einer effektiven Behandlung gehört, die Ursache der Erkrankung (Alkoholismus, Hepatitis etc.) zu beseitigen beziehungsweise zu behandeln. So haben zum Beispiel Alkoholiker, die dauerhaft mit dem Trinken aufhören, eine vergleichsweise gute Prognose bei Leberzirrhose. Heilbar sind die bereits entstandenen Schäden allerdings nicht. Nur das Fortschreiten der Zirrhose lässt sich aufhalten.

Deutlich schlechter sind die Aussichten, wenn Menschen mit alkoholbedingter Leberzirrhose weiter Alkohol trinken. Jeder zweite von ihnen stirbt dann innerhalb von fünf Jahren. Dabei können aber Komplikationen der Leberzirrhose die Lebenserwartung der Patienten zusätzlich verschlechtern.

Die häufigsten Todesursachen bei Patienten mit Leberzirrhose sind Leberversagen, Blutungen aus Krampfadern der Speiseröhre oder des Magens sowie Leberkrebs (Leberzellkrebs).

Leberzirrhose: Vorbeugung

Wenn Sie Leberzirrhose vorbeugen möchten, sollten Sie in erster Linie Alkohol meiden oder zumindest nur in Maßen konsumieren: Gesunde Männer können bis zu 0,75 Liter Bier oder drei Achtelliter Wein am Tag trinken. Gesunden Frauen wird maximal 0,5 Liter Bier oder ein Viertelliter Wein empfohlen. Für beide Geschlechter gilt: Diese "erlaubte" Alkoholmenge sollte man sich aber nicht jeden Tag gönnen!

Mit einer Hepatitis-Impfung können Sie der zweithäufigsten Ursache von Leberzirrhose vorbeugen. Eine solche Impfung ist vor allem vor geplanten Reisen ins Ausland ratsam.

Achten Sie auf giftige Chemikalien am Arbeitsplatz (Tetrachlorkohlenstoff, Benzol etc.): Betriebsärzte oder Arbeitsmediziner klären Sie über mögliche Gefahren und Arbeitsschutzmaßnahmen auf.

Nehmen Sie Medikamente und Vitaminpräparate nur ein, wenn es nötig ist. Als zentrales Stoffwechselorgan muss die Leber nämlich alle Fremdstoffe abbauen und entgiften. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker im Vorfeld, wie leberschädigend ein Präparat ist - vielleicht gibt es ein besser verträgliches Präparat, welches das Risiko für Leberschäden und Leberzirrhose nicht erhöht.

Weiterführende Informationen

Leitlinien:

S3_Leitlinie "“ der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (2011)

Selbsthilfegruppen:

4,0 / 5 55 Bewertungen – Ihre Bewertung
cialis-viagra.com.ua

www.steroid-pharm.com

www.medicaments-24.com