Krätze

Marian Grosser

Marian Grosser studierte in München Humanmedizin. Daneben hat der vielfach interessierte Arzt einige spannende Abstecher gewagt: ein Philosophie- und Kunstgeschichtestudium, Tätigkeiten beim Radio und schließlich auch für Netdoktor.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Die Krätze (mediz. Scabies) ist eine ansteckende Hauterkrankung, die durch Milben verursacht wird. Die Infektion geschieht meist durch engen Haut mit Erkrankten. Die Parasiten und deren Ausscheidungen lösen eine allergische Reaktion mit Ausschlag und starkem Juckreiz aus. Krätze lässt sich aber sehr wirksam behandeln. Lesen Sie hier das Wichtigste zur Ansteckung, Symptomen und Therapie der Krätze.

Kratzen am Fuß

Krätze: Kurzübersicht

  • Ansteckung: über längeren, intensiven Körper (Umarmung, Geschlechtsverkehr), gemeinsames Schlafen, Pflege Erkrankter, enges Zusammenleben, gemeinsame Nutzung von Handtüchern oder Kleidung, gemeinsames Spielen
  • Symptome: kleine Pusteln/Bläschen, kleine, rötlich-braune Milbengänge an warmen Körperstellen (zwischen Fingern und Zehen, innere Fußränder, Achselbereich, um die Brustwarzenvorhof, Penisschaft, Analregion), starker Juckreiz, Brennen (nachts verstärkt) allergieähnlicher Hautausschlag.
  • Behandlung: äußerlich angewendete Insektizide (Ganzkörperbehandlung), Tabletten
  • Prognose: meist sehr schneller und zuverlässiger Behandlungserfolg, Hautirritationen können aber noch länger bestehen. Keine Immunität, wiederholte Infektionen möglich
  • Meldepflicht: an das Gesundheitsamt bei Befall mehrerer Personen in Gemeinschaftseinrichtungen (wenn ein Zusammenhang wahrscheinlich ist)
  • Wichtig: zeitgleiche Mitbehandlung aller Kontaktpersonen des Erkrankten erforderlich!

Wo können Sie sich mit Krätze anstecken?

Infektionskrankheiten sind ansteckend, das gilt auch für die Krätze. „Ansteckung“ oder „Infektion“ werden im Zusammenhang mit Krätze manchmal auch als „Infestation“ bezeichnet, ein Begriff, der eine Besiedlung des Körpers mit Parasiten beschreibt.

Die Übertragung der Krätze erfolgt durch direkten Haut mit erkrankten Personen. Es gibt also in der Regel keinen (tierischen) Zwischenwirt, wie das bei vielen anderen Parasitenerkrankungen der Fall ist. Für die Übertragung muss zudem ein längerer Körper bestehen, damit die Milben von einem Wirt auf den nächsten wandern können. Das ist zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr der Fall, weshalb Krätze auch zu den sexuell übertragbaren Krankheiten gezählt wird.

Typische Übertragungswege sind zudem beispielsweise:

  • gemeinsames Schlafen in einem Bett
  • Körperpflege von Kleinkindern durch die Eltern oder von Kranken durch Pflegende
  • Liebkosen und Kuscheln
  • gemeinsames Spielen

Entgegen der weitverbreiteten Meinung spielen kontaminierte Gegenstände als Ansteckungsweg eine geringere Rolle. Denn die Milben verlieren bei Raumtemperatur innerhalb weniger Stunden ihre Infektiosität. Dennoch ist eine Ansteckung beispielsweise über einen kontaminierten Teppichboden, gemeinsam genutzte Bettwäsche, Kleidung oder Handtücher möglich. Auch Möbel oder medizinische Instrumente, mit denen der Patient in Kontakt kam, sollten immer gereinigt werden sollten.

Körperhygiene spielt nur eine geringe Rolle

Was laut neueren Studien hingegen weit weniger ins Gewicht fällt als gedacht, ist die Körperhygiene. So lässt sich das Infektionsrisiko auch bei intensiver Körperhygiene kaum senken. Bei der Stärke der Ausprägung der Krätze spielt die Köperpflege allerdings sehr wohl eine Rolle. Denn je schlechter die Körperhygiene desto mehr Milben tummeln sich auf der Haut.

Hinweis: Kurze Berührungen wie etwa Händeschütteln reichen in der Regel nicht aus, um sich mit Krätze anzustecken. Dennoch sollte der Körper mit Infizierten ohne Schutzkleidung nach Möglichkeit gänzlich vermieden werden.

Vorsicht bei der Borkenkrätze

Eine Besonderheit stellt die Scabies norvegica dar. Bei dieser Form der Krätze leiden die Betroffenen unter einem sehr dichten Milbenbefall, meistens aufgrund einer Immunschwäche. Während bei Patienten mit einer normalen Krätze selten mehr als 12 bis 30 Milbengänge gleichzeitig zu finden sind, können bei der Borkenkrätze mehrere Millionen aktive Tiere vorhanden sein.

Je mehr Milben, desto höher die Ansteckungsgefahr. Jede Hautschuppe, die ein Mensch mit Scabies norvegica verliert, kann mit mehreren tausend Milben besetzt sein. Umso wichtiger ist es dann, Erkrankte zu isolieren und im Umgang mit Ihnen sowie in ihrer Umgebung Schutzkleidung zu tragen.

Mehrwöchige Inkubationszeit

Bei Krätze kann die Inkubationszeit mehrere Wochen betragen: Die typischen Krätze-Symptome treten also erst zwei bis fünf Wochen nach der ersten Infektion auf. Bei erneuten Ansteckungen kommt es bereits nach wenigen Tagen zu Krankheitszeichen. Ohne Therapie lässt sich die Krätze meist nicht vollständig heilen, obwohl Fälle von spontanen Heilungen beschrieben sind.

Besteht bei Krätze Meldepflicht?

Krätze ist laut Infektionsschutzgesetz dann meldepflichtig, wenn sie in Gemeinschaftseinrichtungen ausbricht. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Kindergärten
  • Alten- und Kinderheime
  • Schulen
  • Flüchtlingsunterkünfte, Asylbewerberheime

Die Leitung der Einrichtung muss, sobald sie Kenntnis vom Krätzebefall hat, diesen dem zuständigen Gesundheitsamt melden und auch die persönlichen Daten des/der Erkrankten angeben. Eine grundsätzliche Meldepflicht von Einzelfällen besteht nicht, bei zwei oder mehr Erkrankungen mit vermutetem Zusammenhang dagegen wohl.

Wichtig:An Krätze Erkrankte dürfen nicht in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten beziehungsweise Kontakt zu den dort Betreuten haben.

Krätze: Symptome

Die Krätze-Symptome sind zwar typisch, aber trotzdem werden sie oftmals nicht erkannt und mit Allergien oder anderen Krankheiten verwechselt. Das kann auch daran liegen, dass die Krätze in Deutschland sehr selten geworden ist.

Man unterscheidet zwischen direkten und indirekten Symptomen der Krätze:

Direkte Krätze-Symptome

Die sogenannten Milbengänge: Die Parasiten graben kleine Tunnel in die obere Hautschicht, die sich als maximal zwei bis drei Zentimeter lange, unregelmäßig gewundene („kommaförmige“) Milbengänge zeigen können. Wenn diese mit dem bloßen Auge sichtbar sind, erscheinen sie bräunlich-rötlich.

Oftmals lassen sich trotz einer Infektion keine Gänge mit bloßem Auge entdecken. Zum Beispiel, wenn sie von anderen Hauterscheinungen überdeckt werden, oder die Hautfarbe sehr dunkel ist.

Die Zahl der Milbengänge kann in Abhängigkeit des Krankheitsstadiums variieren. Ein ansonsten gesunder Mensch hat normalerweise nicht mehr als elf bis zwölf Milbengänge, während in der Haut von immungeschwächten Patienten mehrere zehntausend oder sogar Millionen (Scabies crustosa) vorhanden sein können.

Auch bei Menschen mit gesundem Immunsystem können zeitweise einige hundert Milbengänge vorliegen, meist ist das etwa drei bis vier Monate nach der Ansteckung der Fall. Nach kurzer Zeit geht die Anzahl der Milbengänge aber stark zurück.

Hinweis: Die Körperhygiene hat nur einen geringen Einfluss auf die Milbenzahl. Schlecht gepflegte Menschen haben eventuell einige Milben mehr in ihrer Haut.

Indirekte Krätze-Symptome: Die Antwort des menschlichen Immunsystems auf die Krätzmilben ist meisten der Auslöser der Hauptsymptome. Juckreiz ist das klassische Krätze-Symptom, das Kratzen hat der Krankheit ihren Namen gegeben:

  • starker Juckreiz (Pruritus) oder/und leichtes Brennen der Haut
  • Bläschen und Pusteln, eventuell auch Knötchen. Die Bläschen sind mit Flüssigkeit oder Eiter gefüllt, enthalten aber keine Milben. Sie können einzeln oder in Gruppen vorliegen.
  • Hautausschläge (Exantheme)
  • Krusten (nach dem Aufplatzen der flüssigkeitsgefüllten Bläschen)

Hinweis: Wie bei einigen anderen Hauterkrankungen auch, ist der Juckreiz bei Krätze nachts im warmen Bett meist viel stärker als tagsüber.

Wo zeigen sich die Krätze-Symptome?

Die trächtigen Milbenweibchen bohren Gänge in die Haut, um dort ihre Eier abzulegen. Sie suchen dafür bevorzugt Stellen auf, an denen die Haut dünn und besonders warm ist. Dazu zählen:

  • die Bereiche zwischen den Fingern und Zehen (Interdigitalfalten) sowie die inneren Fußränder
  • die Handgelenke
  • die Achselregionen
  • die Brustwarzenvorhöfe und der Nabel
  • der Penisschaft und der Bereich um den Anus

Der Rücken ist nur selten betroffen, Kopf und Nacken bleiben für gewöhnlich verschont. Bei Babys und Kleinkindern dagegen kann der Milbenbefall auch im Gesicht, am behaarten Kopf sowie an den Hand- und Fußsohlen auftreten.

Die typischen Krätze-Symptome sieht man hauptsächlich dort, wo die Milben sitzen. Sie können aber auch darüber hinausgehen und in manchen Fällen sogar den gesamten Körper betreffen. Letzteres gilt vor allem für die Hautausschläge (Exantheme).

Sonderformen der Krätze und ihrer Symptome

Die Krätze lässt sich, je nach Ausprägung und Art der Symptome, in bestimmte Sonderformen einteilen:

  • Krätze bei Neugeborenen und Säuglingen
  • gepflegte Scabies
  • nodöse Scabies
  • bullöse Scabies
  • Scabies norvegica (crustosa), auch Borkenkrätze genannt

Im Rahmen einiger Sonderformen der Erkrankung können die genannten Krätze-Symptome variieren beziehungsweise weitere dazukommen.

Gepflegte Scabies

Bei Betroffenen, die eine intensive Körperpflege inklusive Einsatz von Kosmetika betreiben, zeigen sich die beschriebenen Hautveränderungen oft nur sehr dezent, was die Diagnose erschweren kann. Man spricht dann von einer gepflegten Scabies.

Nodöse und bullöse Scabies

Die nodöse Scabies zeichnet sich durch die Entstehung stark juckender rötlich-bräunlicher Knötchen aus. Diese enthalten keine Milben und bleiben manchmal noch Monate nach einer erfolgreichen Abtötung der Parasiten bestehen.

Bilden sich im Rahmen der Krätze besonders viele kleinere und größere Blasen (Vesiculae, Bullae), dann ist von einer bullösen Scabies die Rede. Diese Verlaufsform findet man vermehrt bei Kindern.

Scabies norvegica (Scabies crustosa)

Die oben bereits erwähnte Borkenkrätze (Scabies norvegica oder S. crustosa) unterscheidet sich aufgrund des massiven Milbenbefalls deutlich von der normalen Variante der Krätze. Es kommt zu einer Hautrötung am ganzen Körper (Erythrodermie) sowie zur Bildung von kleinen und mittelgroßen Schuppen (psoriasiformes Bild).

An den Hand- und Fußflächen entstehen dicke Hornhautschichten (Hyperkeratosen). Bevorzugt an Fingern, Handrücken, Handgelenken und Ellenbogen können sich bis zu 15 Millimeter dicke Borken bilden. Unter diesen Krusten (die übrigens nicht von aufgeplatzten Bläschen herrühren) erscheint die Haut rot und feucht-glänzend. Die Borken sind meist auf ein bestimmtes Areal begrenzt, können sich aber auch Richtung Kopfhaut, Rücken, Ohren und Fußsohlen ausbreiten.

Hinweis: Zu beachten ist, dass hier der Juckreiz – das typischste der Krätze-Symptome – oftmals völlig fehlen kann.

Krätze: Behandlung

Die Krätze-Behandlung geht schnell, schmerzlos und unkompliziert – zumindest in den meisten Fällen. Unter bestimmten Umständen kann die Therapie der parasitären Hauterkrankung allerdings Schwierigkeiten bereiten, beispielsweise wenn mehrere Menschen innerhalb einer Gemeinschaftseinrichtung betroffen sind. Auch der Zustand des Immunsystems der Patienten spielt eine Rolle, und bei einigen Patientengruppen gibt es Abweichungen im Behandlungskonzept.

Wichtigstes Ziel der Krätze-Behandlung ist es, die Parasiten abzutöten, die die Erkrankung verursachen. Dafür stehen verschiedene Medikamente bereit, die mit einer Ausnahme alle direkt auf die Haut aufgetragen werden:

Permethrin: Das Insektizid wird als Creme auf die gesamte Körperoberfläche aufgetragen und gilt als Mittel der ersten Wahl. Nur in Ausnahmen greift der Arzt zu Alternativen.

Allethrin: Wird in Kombination mit Piperonylbutoxid als Spray eingesetzt, wegen etwaiger Komplikationen aber nur verwendet, wenn eine Therapie mit Permethrin nicht möglich ist.

Benzylbenzoat: Hat zwar eine hohe Wirksamkeit gegen die Milben, wird aber aufgrund der relativ komplizierten Anwendung ebenfalls nur in Ausnahmen eingesetzt.

Ivermectin: Wird auch als Wurmmittel angewendet und im Gegensatz zu den anderen Medikamenten der Krätze-Behandlung in Tablettenform eingenommen.

Bis vor einigen Jahren wurde auch Lindan noch häufiger als Alternative zu Permethrin eingesetzt, jedoch verzichtet man mittlerweile weitestgehend darauf, da dieses Insektizid ziemlich giftig ist.

In Entwicklungsländern verwendet man in der Krätze-Behandlung neben dem kostengünstigen Benzylbenzoat auch noch vermehrt schwefelhaltige Präparate. In Deutschland spielen diese aufgrund des unangenehmen Geruchs beim Auftragen und der möglichen Giftigkeit keine Rolle mehr.

Studien zufolge rufen die gängigen Medikamente zur Krätze-Behandlung nur sehr selten Nebenwirkungen wie Hautausschläge, Durchfall und Kopfschmerzen hervor.

Achtung: Allethrin kann bei Patienten mit vorbestehenden Erkrankungen der Bronchien und Lungen zu ernsthaften Komplikationen im Bereich der Atemwege führen und sollte daher bei diesen Personen nicht angewendet werden.

So funktioniert die Krätze-Behandlung

Die genannten Wirkstoffe zielen direkt auf die Milben ab. Permethrin, Allethrin und Benzylbenzoat diffundieren nach dem Auftragen in die Haut, verbreiten sich dort und töten die Parasiten ab. Die exakte Anwendung variiert je nach Medikament:

Bei Permethrin genügt in der Regel ein einmaliges Auftragen, wobei die gesamte Körperoberfläche mit der Creme zu behandeln ist. Allerdings müssen die Schleimhäute und Körperöffnungen ausgespart werden, da an diesen Stellen keine Milben vorhanden sind und der Körper dort wesentlich sensibler auf den Wirkstoff reagiert. Der Kopf und damit auch die Gesichtshaut werden aus diesen Gründen ebenfalls nicht mitbehandelt. Es wird empfohlen die Permethrin-Creme abends aufzutragen und sie am nächsten Morgen (frühestens nach 8 Stunden) mit Seife abzuwaschen.

Wenn zwei Wochen nach der Erstbehandlung immer noch (beziehungsweise erneut) Zeichen eines aktiven Milbenbefalls zu sehen sind, etwa Milbengänge oder andere typische Hautveränderungen, dann muss die Behandlung wiederholt werden. Ebenso kann dies bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem notwendig sein.

Bei ansonsten gesunden Menschen ohne Immunschwäche ist bereits nach der ersten ordnungsgemäßen Krätze-Behandlung kein Ansteckungsrisiko für andere mehr gegeben. Kinder und Erwachsene können also nach der ersten acht- bis zwölfstündigen Therapie wieder in die Schule beziehungsweise zur Arbeit gehen.

Bei Allethrin und Benzylbenzoat ist das Anwendungsschema vergleichbar. Allerdings muss in manchen Fällen der Wirkstoff mehrmals aufgetragen werden.

Im Falle desIvermectins, das geschluckt wird, gelangt die Substanz quasi „von innen“ zu den Milben. Invermectin wird zweimal im Abstand von acht Tagen als Tablette geschluckt.

Allgemeine Maßnahmen zur Krätze-Behandlung

Neben der eigentlichen Therapie mit den genannten Medikamenten gibt es einige Maßnahmen, die die Krätze-Behandlung unterstützen und weiteren Ansteckungen vorbeugen:

  • Das behandelnde und Kontaktpersonal sollte Handschuhe tragen, im Falle einer Borkenkrätze (Scabies crustosa) auch Schutzkittel.
  • Sowohl bei den Patienten als auch beim Personal sollten die Nägel gekürzt und die Bereiche unter den Fingernägeln ausgebürstet werden.
  • Die äußerlich anzuwendenden Anti-Milben-Mittel wirken besser, wenn sie etwa 60 Minuten nach einem Vollbad aufgetragen werden.
  • Während der Einwirkzeit sollte der Patient Baumwollhandschuhe und darüber Plastikhandschuhe tragen.
  • Nach dem Abwaschen des Medikaments sollte vollständig frische Kleidung angezogen werden.
  • Enger Körper mit Erkrankten sollte vermieden werden.
  • Intensive Körperhygiene ist wichtig um zu vermeiden, dass sich die Milben übermäßig vermehren.

Grundsätzlich sollten alle Kontaktpersonen auf Symptome einer Krätze untersucht und gegebenenfalls zeitgleich mitbehandelt werden..

Kleidung, Bettwäsche und sonstige Gegenstände, mit denen der Patient längeren Körper hatte, sollten bei mindestens 60° C gewaschen werden.

Wenn waschen nicht möglich ist, dann genügt es, die Sachen mindestens vier Tage trocken und bei Raumtemperatur (mindestens 20° C) zu lagern. (Bei kühlerer Lagerung würden die Krätzmilben über mehrere Wochen ihre Ansteckungsfähigkeit behalten.)

Sonderfälle bei der Krätze-Behandlung

Bestimmte Umstände erfordern ein Abweichen von der gängigen Krätze-Behandlung, wobei die eingesetzten Medikamente aber meist die gleichen sind.

Schwangere, Stillende und Kinder:

In der Schwangerschaft sind alle verfügbaren Krätze-Medikamente problematisch. Sie sollten deshalb nur angewendet werden, wenn es zwingend erforderlich ist und auch dann erst nach dem ersten Drittel der Schwangerschaft.

Das Standardmedikament Permethrin sollte bei schwangeren Frauen nicht oder nur unter vorheriger Absprache mit einem Arzt verwendet werden. Es gibt zwar keinen Hinweis auf schädliche Wirkungen, Nebenwirkungen und Schädigungen des Embryos/Fötus sind aber nicht auszuschließen. Stillende Frauen sollten Permethrin nur unter ärztlicher Aufsicht anwenden und, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergehen kann, eine Stillpause von einigen Tagen einlegen. Die Dosierung wird bei diesen Patientengruppen reduziert, damit weniger Wirkstoff in den Körperkreislauf gelangt.

Neugeborene sowie Kleinkinder unter drei Jahren sollten ebenfalls nur unter strenger ärztlicher Kontrolle mit (einer reduzierten Dosis) Permethrin behandelt werden. Das Anwendungsschema gleicht dem bei Erwachsenen, wobei hier auch der Kopf mitbehandelt wird, ausgenommen die Bereiche um Mund und Augen. Die Creme sollte man außerdem nicht auftragen, wenn das Kind gerade frisch gebadet wurde, da durch die dann gesteigerte Hautdurchblutung eine kritische Menge des Wirkstoffs über die Haut in den Körper aufgenommen werden könnte.

Als Alternative zu Permethirn kommt vor allem bei Kindern Crotamiton in Frage; ansonsten spielt dieser Wirkstoff bei der Krätze-Behandlung eine untergeordnete Rolle. Bei Schwangeren wird Crotamiton nur unter großer Vorsicht gegeben. Zuvor versucht man hier meist Benzylbenzoat.

Achtung: Allethrin und Invermectin dürfen in der Schwangerschaft gar nicht angewendet werden.

Vorschädigungen der Haut:

Die Haut stellt eine natürliche Barriere dar, die das Eindringen äußerer Faktoren in das Körperinnere verhindert, beziehungsweise erschwert. Wenn die Haut geschädigt ist, etwa durch Ausschläge oder nach starkem Kratzen, können neben Krankheitserregern auch äußerlich aufgetragene Medikamente leichter in den Körper gelangen. Durch die verstärkte Resorption der Substanzen kann es dann zu vermehrten Nebenwirkungen kommen.

Bei größeren Hautdefekten ist es deshalb wichtig, diese zunächst zu behandeln, zum Beispiel mit Kortikosteroiden (Cortisol), bevor man die Medikamente zur Krätze-Behandlung aufträgt. Wenn das nicht möglich ist, muss auf die systemische Therapie mit Ivermectin zurückgegriffen werden.

Scabies norvegica (S. crustosa):Bei dieser Sonderform der Krätze kommt es zu einem extremen Milbenbefall, meist aufgrund einer Immunschwäche. Die Zahl der Milben kann hier in die Millionen gehen, und die Patienten leiden unter der Bildung von Borken und dicken Schuppenschichten auf der Haut. Deshalb wird empfohlen, Permethrin mindestens zweimal im Abstand von zehn bis 14 Tagen anzuwenden und die Therapie zusätzlich mit der Einnahme von Ivermectin zu ergänzen.

Im Vorfeld sollten die dicken Borkenschichten mit speziellen Substanzen (zum Beispiel harnstoffhaltigen Cremes) aufgeweicht werden, damit der Wirkstoff besser in die Haut einziehen kann (Keratolyse).

Ein Vollbad vor der Krätze-Behandlung, am besten mit Öl, unterstützt die Ablösung der Schuppen

Superinfektionen: Zur Behandlung von Superinfektionen, also im Fall einer Ansteckung mit anderen Erregern (i.d.R. Pilzen oder Bakterien), werden bestimmte Antibiotika eingesetzt.

Krätze-Behandlung in Gemeinschaftseinrichtungen

Wenn es in Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeheimen oder Krankenhäusern zu Krätze-Infektionen kommt, sind oft mehrere Patienten betroffen, in ungünstigen Fällen kommt es sogar zu Endemien (örtlich begrenztes, aber zeitlich unbegrenztes Auftreten der Erkrankung). Die Krätze-Behandlung gestaltet sich dann oft schwierig. Sie muss nach strengen Richtlinien erfolgen, um dauerhaft erfolgreich zu sein:

  • Alle Bewohner beziehungsweise Patienten der Einrichtung sowie Personal, Angehörige und sonstige Kontaktpersonen müssen auf mögliche Infektionen untersucht werden.
  • Patienten mit einer Krätze müssen isoliert werden.
  • Alle Patienten und Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten, müssen gleichzeitig behandelt werden, auch wenn keine Symptome sichtbar sind.
  • Bei Infizierten muss die Krätze-Behandlung nach einer Woche wiederholt werden.
  • Bett- und Unterwäsche aller Bewohner/Patienten müssen gewechselt und gereinigt werden.
  • Personal und Angehörige müssen Schutzkleidung tragen.

Während bislang auch in Gemeinschaftseinrichtungen vor allem mit Permethrin behandelt wurde, geht der Trend inzwischen mehr zu einer Behandlung mit Ivermectin. Beobachtungen ergaben nämlich, dass eine Massentherapie aller Patienten und Kontaktpersonen mit der einmaligen Einnahme von Ivermectin gute Erfolgsaussichten hat und die Rückfallquoten am geringsten sind. Außerdem ist die Einnahme von Ivermectin deutlich weniger aufwändig als das Auftragen von äußerlichen Medikamenten, weshalb sich eine Krätze-Behandlung mit diesem Wirkstoff leichter durchführen lässt.

Welche Komplikationen gibt es?

Neben den genannten Symptomen können bei Krätze zusätzliche Komplikationen entstehen. Ein Beispiel sind sogenannte Superinfektionen. So nennt man die zusätzliche Ansteckung mit weiteren Erregern bei einer bereits vorliegenden Erkrankung.

Bei Krätze können zum Beispiel verschiedene Bakterien leichter in die Haut eindringen und dort Infektionen verursachen (Impetignisierung), weil die oberen Hautschichten durch das ständige Kratzen beschädigt sind. Die Bakterien, meistens Streptokokken oder Staphylokokken, verursachen in ungünstigen Fällen:

  • ein Erysipel: Diese auch Wundrose genannte Entzündung der Haut tritt innerhalb eines scharf begrenzten Hautbereichs auf und geht oft mit Fieber und Schüttelfrost einher.
  • eine Entzündung der Lymphgefäße (Lymphangitis) sowie starke Schwellung von Lymphknoten (Lymphadenopathie).
  • rheumatisches Fieber, manchmal auch eine bestimmte Form der Nierenentzündung (Glomerulonephritis). Diese Komplikationen können einige Wochen nach der Infektion mit Streptokokken der Gruppe A auftreten, sind aber selten.

Wenn Bakterien in die Blutbahn gelangen, besteht außerdem die Gefahr einer Blutvergiftung.

Eine weitere mögliche Komplikation bei Krätze ist ein durch Anti-Milben-Mittel ausgelöster Hautausschlag (Ekzem). Die Haut ist gerötet und meist auch rissig, was in diesem Fall aber keine Folge der Krätze mehr ist, sondern durch den austrocknenden Effekt der Anti-Milben-Mittel verursacht wird. Die Patienten verspüren ein leichtes Brennen und Jucken.

Weil während der laufenden Erkrankung bestimmte Nervenfasern durch den ständigen Juckreiz permanent aktiviert werden, erfolgt möglicherweise eine Sensibilisierung und Umprogrammierung von Nervenzellen im Rückenmark. Die Nerven sind nun sozusagen dauergereizt und vermelden einen anhaltenden Juckreiz, obwohl längst kein Auslöser mehr vorhanden ist.

Spätestens nach einigen Monaten sollte aber mit dem Juckreiz auch das letzte der Krätze-Symptome abklingen.

So entsteht Krätze

Die Krätzmilben pflanzen sich auf der menschlichen Haut fort. Nach der Begattung sterben die Männchen, während die Weibchen mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen kleine Tunnel in die äußerste Hautschicht (Stratum corneum) bohren. In diesen Gängen verweilen die Milben einige Wochen, legen ihre Eier und scheiden viele Kotballen aus, die man auch als Skybala bezeichnet. Nach einigen Tagen schlüpfen aus den Eiern Larven, die nach weiteren zwei Wochen geschlechtsreif werden. Somit beginnt der Zyklus von vorne.

Die Milben produzieren weder Gift noch greifen sie den Körper in einer anderen Weise direkt an. Auch die gegrabenen Gänge in der Haut verursachen an sich keine Schmerzen oder Juckreiz. Zu den Symptomen kommt es lediglich deshalb, weil das körpereigene Immunsystem auf die Milben und deren Abfallprodukte reagiert. Dabei werden bestimmte Zellen und Botenstoffe aktiviert, die Schwellungen, Rötungen und Juckreiz verursachen. Die betroffenen Hautareale können sich entzünden und durch das Kratzen wird die Haut zusätzlich irritiert.

Milben verursachen Krätze
Milben verursachen Krätze
Milben Weibchen bohren kleine Tunnel in die Haut und legen ihre Eier dort ab. Nach einigen Tagen schlüpfen die Larven, die nach weiteren zwei Wochen geschlechtsreif werden.

Weil es beim ersten Kontakt mit den Milben einige Wochen dauert, bis der Körper die speziellen „Anti-Milben“-Immunzellen produziert hat, treten auch die Symptome erst nach dieser Dauer auf.

Hinweis: Das Immunsystem hat ein „Krätze-Gedächtnis“. Bei erneuten Infektionen „erinnert“ es sich schnell wieder an die Parasiten und kann bereits nach wenigen Tagen reagieren.

Risikofaktoren

Innerhalb mancher Gruppen tritt Scabies häufiger auf als in der Normalbevölkerung. Zu nennen sind:

  • Kinder, da diese vor allem untereinander viel Körper haben und das kindliche Immunsystem noch nicht so gut ausgebildet ist wie das Erwachsener.
  • Alte Menschen, vor allem wenn sie bereits Vorerkrankungen haben und in Heimen untergebracht sind. Auch bei ihnen ist das Immunsystem oft geschwächt.
  • Menschen mit verminderter Juckreizwahrnehmung, wie zum Beispiel bei Down-Syndrom (Trisomie 21) sowie Zuckerkranke.
  • Auch eine Demenz kann Krätze begünstigen.

Daneben gibt es noch einige Erkrankungen, mit denen gemeinsam Krätze verhältnismäßig oft vorkommt. Grundsätzlich ist ein geschwächtes Immunsystem ein Risikofaktor. Betroffen sind hiervon zum Beispiel:

Selbst eine Ganzkörpertherapie mit Cortisol kann in ungünstigen Fällen das Risiko für Krätze erhöhen.

Hygiene spielt nur eine geringe Rolle.

Vorkommen der Krätze

In manchen Regionen in Entwicklungsländern sind bis zu 30 Prozent der Bevölkerung mit Krätze infiziert. In Mitteleuropa ist Scabies mittlerweile dagegen eher selten, jedoch kann es auch hier immer wieder zu Ausbrüchen kommen, vorwiegend in Gemeinschaftseinrichtungen wie Altersheimen, Kindertagesstätten oder Krankenhäusern. In ungünstigen Fällen entwickeln sich hier sogar Endemien, also chronische Zustände, wobei es innerhalb des begrenzten Bereichs immer wieder zu Infektionen kommt. Problemfällen dieser Art ist dann nur schwer und unter hohem Aufwand beizukommen.

Insgesamt schätzt man die Zahl der Krätze-Infizierten weltweit auf ungefähr 300 Millionen, wobei es aber keine Daten für einzelne Länder gibt, da zum Beispiel Einzelfälle außerhalb von Gemeinschaftseinrichtungen nicht gemeldet werden müssen.

Beschreibung: Krätze, was ist das?

Bei Krätze handelt es sich um eine Hautkrankheit, mit der die Menschheit schon seit Urzeiten geplagt ist. Der Begriff kommt von „sich kratzen“ und beschreibt damit bereits das Problem: Betroffene erleben einen schier unerträglichen Juckreiz und müssen sich deshalb ständig kratzen.

Scabies gehört zu den parasitären Erkrankungen (Parasitosen), wird also durch Kleinstlebewesen verursacht, die einen anderen Organismus benötigen, um sich zu ernähren beziehungsweise fortzupflanzen.

Die weiblichen Krätzmilben erreichen eine Größe von 0,3 bis 0,5 Millimetern und können damit gerade noch mit bloßem Auge als Punkt gesehen werden. Die Männchen hingegen sind kleiner und nicht mehr sichtbar. Ein Weibchen wird etwa zwischen vier und sechs Wochen alt und legt ab der zweiten Lebenswoche täglich bis zu vier Eier.

Außerhalb des Wirts, also beispielsweise auf Möbeln, können die Milben maximal zwei Tage überleben. Bei ungünstigen Bedingungen (warme Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit) sterben sie schon nach einigen Stunden.

Krätze: Untersuchungen und Diagnose

Die Krätze ist trotz ihrer meist ausgeprägten Symptome nicht immer leicht zu erkennen. Die Milbengänge, die bis zu einem Zentimeter lang werden können und aussehen wie kleine Kommata, sind oft aufgekratzt oder von anderen Hauterscheinungen verdeckt. Bei dunkleren Hauttypen sind sie generell schwer oder gar nicht zu sehen.

Wenn der Verdacht auf eine Krätze gegeben ist, muss dieser mit dem Nachweis von Milben oder deren Larven beziehungsweise Milbenprodukten bestätigt werden. Dafür gibt es verschiedene Diagnosemöglichkeiten:

Häufig wird mit einem scharfen Löffel Haut abgeschabt (Kürettage), um sie mikroskopisch zu untersuchen. Idealerweise eröffnet der Arzt dafür zuvor einen Milbengang. Wenn er keinen findet, wird er zumindest ein Hautareal auswählen, in dem sich viele Symptome zeigen.

Eine mögliche Alternative zur Kürettage kann die Aufsichtmikroskopie sein. Wenn sich ein Milbengang gut erkennen lässt, kann der Untersucher bei dieser Methode mit einem speziellen Mikroskop oder einer stark vergrößernden Lupe darauf blicken und möglicherweise die Milben direkt erkennen.

Sensitiver ist die Diagnose mit dem Dermatoskop. Hier wird nach einer bräunlichen Dreiecksform, dem Kopf und dem Brustschild beziehungsweise den vorderen zwei Beinen der weiblichen Milbe gesucht.

Eine weitere Methode ist der Klebebandtest oder auch Tesafilmabriss. Dafür legt der Arzt ein durchsichtiges Klebeband fest auf die mutmaßlich befallenen Körperstellen, zieht es ruckartig ab und untersucht es anschließend unter dem Mikroskop.

Eine der ältesten Methoden ist der Tintentest (Burrow Ink Test). Dort, wo Milbengänge vermutet werden, wird Tinte auf die Haut geträufelt und überschüssige Flüssigkeit mit einem Alkoholtupfer entfernt. An Stellen, an denen tatsächlich Milbengänge sind, dringt die Tinte ein und wird zu einer unregelmäßigen schwarzen Linie. Darüber wie spezifisch oder sensitiv diese Methode ist, gibt es allerdings keine wissenschaftlich fundierten Aussagen.

Krätze: Krankheitsverlauf und Prognose

Bei „normaler“ Krätze muss man nicht ins Krankenhaus. Lediglich bei starken Verkrustungen aufgrund einer Erkrankung mit Scabis crustosa oder im Fall von Säuglingen, Kleinkindern oder bei Menschen, bei denen das Immunsystem unterdrückt ist (z. B. bei AIDS-Patienten) kann eine stationäre Therapie im Krankenhaus angeraten sein.

Ansonsten lassen sich jedoch mit der richtigen und konsequenten Therapie die Milben innerhalb weniger Tage mittels Creme oder Medikamenteneinnahme abtöten.

Die Symptome der Krätze, vor allem der Juckreiz, können allerdings darüber hinaus noch einige Wochen bestehen bleiben. Besonders wenn die Haut der Betroffenen durch Austrocknung und intensives Kratzen zusätzlichen Schaden genommen hat, zieht sich der Heilungsprozess oft hin.

Wiederholte Infektionen mit Krätze stellen besonders in Gemeinschaftseinrichtungen ein Problem dar. Die strenge Behandlung ist ein äußerst zeitaufwändiges Unterfangen, da sowohl alle Patienten als auch das enge Umfeld beziehungsweise sämtliche Kontaktpersonen mit einbezogen werden müssen.

Weiterführende Informationen:

Leitlinie:

  • der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (DDG) Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Infektiologie (Stand: 2016)
www.steroid-pharm.com

www.medicaments-24.com

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