Herzmuskelentzündung

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Florian Tiefenböck

Florian Tiefenböck ist freier Autor in der e-happiness-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Die Herzmuskelentzündung (Myokarditis) ist eine ernste Erkrankung, der oft harmlose grippale Infekte vorausgehen. Ihr Anzeichen sind häufig sehr unauffällig. Das erschwert eine schnelle Diagnose. In schweren Fällen kann die Herzmuskelentzündung eine Herzschwäche oder schwere Herzrhythmusstörungen zur Folge haben. Dann besteht die Gefahr eines plötzlichem Herztods. Deshalb müssen sich Patienten unbedingt ausreichend schonen, bis die Entzündung abgeklungen ist. Lesen Sie hier, woran man eine Herzmuskelentzündung erkennen kann, was sie verursacht und wie sie behandelt wird.

herzmuskelentzündung

Kurzübersicht

  • Was ist eine Herzmuskelentzündung? Entzündung der Herzmuskelzellen und meist auch des umliegenden Gewebes und der herzversorgenden Gefäße (Herzkranzgefäße). Greift die Entzündung auch auf den Herzbeutel über, spricht man zusammengefasst von Perimyokarditis.
  • Symptome: oft keine oder wenig auffällige Beschwerden wie vermehrtes Herzklopfen (Herzrasen) und Herzstolpern; evtl. Schmerzen im Brustkorb, Herzrhythmusstörungen sowie Anzeichen einer Herzschwäche bei fortgeschrittener Myokarditis (wie Wassereinlagerungen in den Unterschenkeln)
  • Auslöser: Bei infektiöser Myokarditis sind es Krankheitserreger wie Viren (etwa Erkältungs-, Grippe-, Herpes-, Masern- oder Coxsackie-Viren) oder Bakterien (z.B. die Erreger von Mandelentzündung, Scharlach, Diphtherie oder bei Blutvergiftung). Die nicht-infektiöse Myokarditis entsteht etwa aufgrund von fehlerhaften Immunreaktionen, Strahlentherapie oder Medikamenten.
  • Risiken: Mögliche Folgen sind ein krankhaft vergrößerter Herzmuskel (dilatative Kardiomyopathie) mit chronischer Herzschwäche sowie schwere Herzrhythmusstörungen. Es besteht die Gefahr von plötzlichem Herztod.
  • Behandlung: v.a. körperliche Schonung und Bettruhe, evtl. Medikamente gegen die Erreger einer infektiösen Myokarditis (wie Antibiotika gegen Bakterien); Behandlung von Komplikationen, z.B. herzenlastende Medikamente bei Herzschwäche (wie Betablocker)
  • Prognose: Bei konsequenter körperlicher Schonung heilt die Myokarditis meist folgenlos aus. Anderenfalls drohen Spätfolgen wie Herzschwäche. Selten endet die Herzmuskelentzündung tödlich.

Herzmuskelentzündung: Symptome

Herzmuskelentzündungen werden meist von Viren oder Bakterien verursacht (infektiöse Myokarditiden). Die Symptome einer solchen Infektion gehen der Myokarditis deshalb oft voraus. Das können zum Beispiel Schnupfen und Husten, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sein. Gesellen sich zu diesen grippalen Anzeichen zunehmende Müdigkeit und Erschöpfung, Schwäche,sinkende Belastbarkeit oder Atemnot bei Anstrengung, sollte immer an die Möglichkeit einer infektiösen Myokarditis gedacht werden.

Arzt-Patient-Gespräch

Der Arzt wird sich zunächst ausführlich mit Ihnen unterhalten, um Ihre Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Er erkundigt sich nach den genauen Beschwerden und ob diesen möglicherweise ein Infekt (Erkältung, Grippe, Durchfallerkrankung etc.) vorausging. Außerdem fragt der Arzt, ob Sie an irgendwelchen Grunderkrankungen (besonders Herzerkrankungen) leiden oder bereits eine Operation am Herzen hinter sich haben.

Körperliche Untersuchung

Anschließend folgt eine eingehende körperliche Untersuchung. Der Arzt wird dabei unter anderem Ihr Herz und Ihre Lunge mit dem Stethoskop abhören, den Brustkorb abklopfen und Ihren Puls und Blutdruck messen. Er schaut auch, ob Sie Anzeichen einer beginnenden Herzschwäche zeigen. Dazu gehören zum Beispiel Wasseransammlungen (Ödeme) in den Unterschenkeln.

EKG (Elektrokardiografie)

Eine weitere wichtige Untersuchung ist die Messung der elektrischen Aktivität des Herzmuskels (Elektrokardiografie, EKG). Dabei lassen sich Veränderungen der Herzaktivität, wie sie bei einer Herzmuskelentzündung auftreten, nachweisen. Typisch sind ein beschleunigter Herzschlag (Herzrasen) und zusätzliche Schläge (Extrasystolen). Auch Herzrhythmusstörungen sind möglich. Da die Abweichungen meist nur vorübergehend auftreten, ist eine Langzeitmessung der Herzaktivität (Langzeit-EKG) ratsam - zusätzlich zum gängigen kurzzeitigen Ruhe-EKG.

Herzultraschall

Mittels einer Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiografie) kann der Arzt die Struktur und Funktion des Herzmuskels beurteilen. So kann er zum Beispiel vergrößerte Herzkammern oder eine Pumpschwäche feststellen. Bei manchen Herzmuskelentzündungen sammelt sich zudem Flüssigkeit zwischen Herzbeutel und Herzmuskel. Auch ein solcher Perikarderguss lässt sich im Ultraschall erkennen.

Behandlung von Komplikationen

Eine mögliche Komplikation der Herzmuskelentzündung ist Herzschwäche. Dann kann der Arzt verschiedene Medikamente verschreiben, zum Beispiel ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten oder Betablocker. Sie entlasten das schwache Herz. Das Gleiche tun auch wassertreibende Medikamente (Diuretika).

Manchmal schlägt das Herz bei einer Myokarditis derart unregelmäßig und schnell, dass eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung wie eine Kammertachykardie oder Kammerflimmern droht. In diesem Fall werden Patienten gegebenenfalls vorübergehend mit einem äußeren Schockgeber (Defibrillator) versorgt. Im Falle eines Kammerflimmerns gibt das Gerät automatisch einen starken elektrischen Impuls ab, um den normalen Herzrhythmus wieder herzustellen. Diese Maßnahme ist aber zum Glück selten notwendig.

Hat sich während einer Herzmuskelentzündung im Herzbeutel Flüssigkeit angesammelt (Perikarderguss), sollte diese mit einer dünnen, feinen Hohlnadel abgesaugt werden (Perikardpunktion).

Im schlimmsten Fall wird das Herz im Rahmen einer Myokarditis so schwer und dauerhaft geschädigt, dass es seine Funktion nicht mehr erhalten kann. Dann braucht der Patient ein Spenderherz (Herztransplantation).

Herzmuskelentzündung: Krankheitsverlauf und Prognose

Eine Myokarditis kann in jedem Alter auftreten und auch junge, herzgesunde Menschen betreffen. Wenn sich die Patienten konsequent körperlich schonen, sind Krankheitsverlauf und Prognose in der Regel gut. Insgesamt heilt eine Herzmuskelentzündung in mehr als 80 Prozent der Fälle aus, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Dies gilt vor allem bei einer Virus-Myokarditis. Bei einigen Patienten lassen sich anschließend harmlose Extraschläge des Herzens im EKG (Elektrokardiogramm) finden.

Problematisch an einer Myokarditis ist, dass sie manchmal kaum Beschwerden bereitet. Viele Patienten schonen sich deshalb nicht ausreichend. Das beobachtet man vor allem bei jungen Menschen, die trotz Herzmuskelentzündung Sport treiben. Die mögliche Folge sind etwa schwere Herzrhythmusstörungen, die zum plötzlichen Herztod führen können. Allerdings passiert das nur selten.

Herzmuskelentzündung: Dauer

Eine akute Herzmuskelentzündung dauert im Schnitt etwa sechs Wochen. Im Einzelfall hängt die Krankheitsdauer vom Ausmaß der Entzündung und dem gesundheitlichen Allgemeinzustand des Patienten ab.

Es ist zudem sehr schwer zu sagen, wann eine Herzmuskelentzündung wirklich vollkommen abgeheilt ist. Selbst wenn sich ein Betroffener nach überstandener Myokarditis wieder ganz gesund fühlt, sollte er sich noch einige Wochen schonen und körperliche Anstrengungen vermeiden. Nur so lassen sich schwerwiegende Spätfolgen (wie Herzschwäche) vermeiden.

Chronische Herzmuskelentzündung

Bei einigen Patienten verläuft die Herzmuskelentzündung chronisch. Dabei ist der Herzmuskel beziehungsweise die Herzkammer (vor allem linksseitig) erweitert (dilatative Kardiomyopathie). Die Kammerwände sind auffallend dünn und können nicht mehr die nötige Pumpkraft aufbringen. Folglich ist das Herz in seiner Funktion eingeschränkt - es hat sich eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickelt. Schon geringfügige Anstrengungen (wie Treppensteigen) bereitet den Betroffenen Atemnot (Dyspnoe). Die Herzschwäche muss in der Regel mit Medikamenten behandelt werden.

Herzmuskelentzündung: Vorbeugen

Einer Herzmuskelentzündung kann man vorbeugen, indem man sich gegen auslösende Infektionskrankheiten impfen und diese Impfungen wie vorgesehen auffrischen lässt. Dabei sollte man sich an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut halten. Ratsam ist zum Beispiel die Impfung gegen Diphtherie. Diese bakterielle Infektionskrankheit birgt neben dem Risiko einer Herzmuskelentzündung noch andere Gefahren wie die einer schweren Lungenentzündung. Die Impfung wird im Kindesalter in der Regel zusammen mit jenen gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) und Kinderlähmung (Polio) verabreicht.

Sehr wichtig ist es auch, grippale Infekte richtig auszukurieren. Bei jedem Fieber sollte körperliche Anstrengung konsequent vermieden werden. Gleiches gilt selbst bei einer harmlos erscheinenden Erkältung. Wenn man einen solchen Infekt "verschleppt", können die Erreger (Viren oder Bakterien)leicht auf das Herz übergreifen und eine Herzmuskelentzündung auslösen.

Menschen, die schon einmal eine Myokarditis hatten, sind gesonders gefährdet, noch einmal daran zu erkranken (Rezidiv). Sie sollten deshalb besonders vorsichtig sein. Vor allem sollte die Kombination aus körperlicher Belastung, Stress und Alkohol vermieden werden. Außerdem sollten bakterielle Haut- und Schleimhautentzündungen frühzeitig mit Antibiotika behandelt werden. Solche Erkrankungen sind oft der Auslöser für eine erneute Herzmuskelentzündung.

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