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Gicht

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Gicht ist eine Stoffwechselstörung, die vor allem schmerzhafte Entzündungen in den Gelenken verursacht. Ursache ist zu viel Harnsäure im Blut, die auskristallisiert und sich ablagert. Zur Vorbeugung können Patienten selbst einiges tun: Durch eine konsequente Ernährungsumstellung und weitere Lebensstilfaktoren lässt sich der Harnsäurespiegel kontrollieren. Lesen Sie hier, was Sie noch tun können, wenn Sie unter Gicht leiden, und informieren Sie sich rund ums Thema Gicht.

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Gicht: Kurzübersicht

Ernährung anpassen: Purinreiche Nahrungsmittel reduzieren (Fleisch, Innereien, bestimmte Fischsorten), fructosereiche Getränke, Alkohol, insbesondere Bier, stark einschränken

Typische Symptome: Schmerzende, mitunter auch geschwollene, gerötete Gelenke. Besonders häufig betroffen ist der Große Zeh. Später auch Bewegungseinschränkungen Verformungen.

Ursachen: Meist angeborene, mitunter auch erworbene Veranlagung zu erhöhten Harnsäurespiegeln. In Kombination mit einem ungünstigen Lebensstil treten Gichtanfälle auf.

Untersuchungen/Diagnose: erhöhter Harnsäurespiegel, in späteren Stadien Gelenkschäden, Nierenschäden

Therapie: Lebensstiländerungen, Harnsäure senkende Medikamente, Physiotherapie, Entfernen von knotigen Harnsäureablagerungen, Korrektur deformierter Gelenke

Gicht: Was Sie selbst tun können

Bei Gicht ist der Harnsäurespiegel im Blut zu hoch. Entweder, weil zu viel davon produziert oder weil zu wenig ausgeschieden wird. Es bilden sich winzige Harnsäure-Kristalle, die sich insbesondere in den Gelenken ablagern. Bei besonders hohen Werten droht ein akuter Gichtanfall mit Schmerzen, Rötungen und Schwellungen.

Ernährung bei Gicht

Zur Senkung des Harnsäurespiegels können Betroffene selbst viel beitragen. Dabei spielt die Umstellung der Ernährung eine entscheidende Rolle:

Purinreiche Lebensmittel nur in kleinen Portionen: Purine sind in unter anderem im Erbgut aller lebenden Zellen enthalten. Bei ihrem Abbau entsteht Harnsäure. Das gilt für die überalterten eigenen Zellen ebenso wie für die Nahrung. Zu den purinreichen Lebensmitteln gehören Fleisch (vor allem Innereien), Wurst, Meeresfrüchte und bestimmte Fischarten. Üppiges Essen kann bei einer Veranlagung zu Gicht in einen akuten Gichtanfall münden.

Möglichst wenig Alkohol: Übermäßiger Alkoholgenuss ist bei Gicht besonders problematisch. Seine Abbauprodukte werden über die Nieren ausgeschieden und machen dabei der Harnsäure Konkurrenz. So bremst Alkohol den Abbau von Harnsäure und lässt den Spiegel steigen. Selbst wenn Sie nur ausnahmsweise einmal mehr Alkohol konsumieren, kann das einen Gichtanfall provozieren. Besonders kritisch ist Bier. Es enthält neben Alkohol auch noch viel Purin.

Vorsicht mit Fruchtzucker: Fruktose steckt nicht nur in Früchten, sie wird auch verwendet, um Säfte Jogurt oder andere Speisen zu süßen. Der Abbau von Fruktose im Körper verstärkt die Purinbildung. Gleichzeitig hemmt der Zucker, ähnlich wie Alkohol, die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren.

Sparen Sie Fett: Auch zu viel Fett hemmt die Ausscheidung von Harnsäure. Darum sollten Sie möglichst wenig fettreiche Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Mehr als 30 Prozent Ihrer täglichen Kalorienzufuhr sollten sie möglichst nicht über Fett decken. Diese Grenze ist schnell erreicht, denn Fett hat von allen Nährstoffen die höchste Energiedichte.

Achten Sie besonders auf versteckt Nahrungsfette, beispielsweise in Wurstwaren oder Fertigprodukten.

Wenn Sie noch genauer wissen möchten, wie Sie sich am besten bei Gicht ernähren sollten, lesen Sie hier den Text Gicht - Ernährung.

Was Sie außerdem selbst tun können

Reduzieren Sie Übergewicht: Bei einem Body-Maß-Index von über 25 sollten Sie Körpergewicht abbauen. Wenn Sie weniger wiegen, sinkt Ihr Harnsäurespiegel automatisch. Aber aufgepasst: Die Gewichtsabnahme sollte langsam und kontrolliert erfolgen. Strenges Fasten kann einen akuten Gichtanfall auslösen!

Trinken Sie viel: Ernährungswissenschaftler empfehlen, mindestens zwei Liter täglich zu trinken, am besten Mineralwasser oder ungesüßten Tee. Die Flüssigkeit im Körper hilft dabei, die Harnsäurekonzentration niedrig halten und unterstützt die Filterfunktion der Niere. So wird zusätzlich Harnsäure ausgeschwemmt und der Harnsäurespiegel senkt.

Bewegen, aber nicht übertreiben: Bewegung wirkst sich positiv auf die Gichtgelenke aus. Die Funktion bessert sich und Entzündungssymptome klingen schneller ab. Körperlich überanstrengen sollte man sich mit Gicht aber nicht – die entstehende Milchsäure verlangsamt den Abbau von Harnsäure über die Nieren.

Gicht: Symptome

Die häufigsten Gicht-Symptome sind starke Schmerzen in den Gelenken. Sie treten zunächst anfallsartig auf. Bleibt eine Gicht unbehandelt, verschlimmern sich die Beschwerden allmählich und die Gicht wird chronisch.

Gicht-Symptome nach Stadien

Im Verlauf von Jahren oder sogar Jahrzehnten treten die ersten Symptome auf. Wie sie sich bemerkbar machen, hängt vom Stadium der Krankheit ab.

Gicht-Symptome im Stadium I: Hyperurikämie

Im ersten Stadium ist lediglich der Harnsäurespiegel erhöht. Bei einem gesunden Menschen liegt er bei drei bis sechs Milligramm pro 100 Milliliter Blutserum. Ab einem einem Wert von 6,5 Milligramm pro 100 Milliliter Blutserum sprechen Mediziner von einer Hyperurikämie.

Ein leicht erhöhter Harnsäurespiegel kann über mehrere Jahre vorliegen, ohne Beschwerden zu verursachen. Erste Anzeichen für Gicht sind dann Nierengrieß, Nierensteine oder ein akuter Gichtanfall (Stadium II). Das Risiko für einen Gichtanfall ist umso größer, je höher der Harnsäurespiegel steigt.

Gicht-Symptome im Stadium II: Akute Gicht

Übersteigt der Harnsäurespiegel einen bestimmten Wert, tritt ein akuter Gichtanfall auf. Symptome sind starke Schmerzen in einzelnen Gelenken.

Am häufigsten ist das Grundgelenk des Großen Zehs betroffen sowie andere Gelenke der Beine und Füße. Seltener trifft es Hände und Arme. Unbehandelt dauert ein Gichtanfall einige Stunden bis hin zu einigen Tagen. Danach klingen die Symptome langsam wieder ab.

Gichtanfällige Gelenke
Gichtanfällige Gelenke
Harnsäurekristalle lagern sich in den Gelenken ab und verursachen die Symptome. Besonders anfällig für Gicht ist das Grundgelenk der großen Zehe. Aber auch das Kniegelenk sowie Schulter- und Fingergelenke sind häufig betroffen.

In schwereren Fällen treten zusätzliche Entzündungssymptome auf. Die betroffenen Gelenke sind dann gerötet, geschwollen und wärmer als gewöhnlich. Außerdem sind sie meist extrem berührungsempfindlich. Die Haut über dem Gelenk kann jucken oder sich schälen. Mediziner bezeichnen das als Arthritis urica.

Weitere mögliche Symptome in Stadium II:

Der erste Gichtanfall kommt in der Regel nachts. Wird er nicht behandelt, kann der Anfall über mehrere Tage und bis zu zwei Wochen anhalten. Dann klingen die Gicht-Symptome langsam wieder ab. Rechtzeitig behandelt, lässt sich die Dauer eines akuten Gichtanfalls abkürzen.

Bei wiederholten Gichtanfällen wird die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zunehmend schlechter. Das Laufen und Greifen fällt den Patienten schwerer.

Gicht-Symptome im Stadium III: Interkritische Phase

Als interkritische Phase bezeichnen Mediziner den Zeitraum zwischen zwei Gichtanfällen. Unbehandelt treten die Symptome bei Gicht immer wieder in unregelmäßigen Zeitabständen auf. Während der interkritischen Phase sind die Patienten zunächst beschwerdefrei, ihr Harnsäurespiegel ist aber weiter erhöht.

Gicht-Symptome im Stadium IV: Chronische Gicht

Schreitet die Gicht weiter voran, treten Symptome wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auch zwischen den Anfällen auf: Die Gicht wird chronisch.

Gelenk-Gicht: Bei einem chronischen Verlauf lagern sich immer mehr Harnsäurekristalle in den Gelenken ab. Sie sind dann dauerhaft gerötet und geschwollen und schmerzen auch in Ruhe. Schließlich treten Gelenkveränderungen auf, die das Gelenk deformieren und seine Beweglichkeit einschränken. Solche Veränderungen lassen sich medikamentös nicht mehr rückgängig lassen machen.

Weichteil-Gicht: Die Harnsäurekristalle lagern sich auch in anderen Körpergeweben ab. Unter der Haut, beispielswese Beispiel am Ohrknorpel, oder oberhalb der betroffenen Gelenken, bilden sich manchmal kleine harte Gewebeknötchen mit weißen Flecken, sogenannte Gelenktophi. Besonders häufig betrifft die Weichteile-Gicht Finger und Füße. Auch die in inneren Organe sind betroffen, insbesondere die Nieren.

Nieren-Gicht: Auch in den Nieren sammeln sich Harnsäurekristalle. Sie bilden zunächst winzige Steine, den sogenannten Nierengrieß. Klumpt dieser zusammen, entstehen größere Nierensteine. Sie können die Nierenfunktion stark beeinträchtigen. Verstopfen sie das Abflusssystem der Niere, staut sich der Harn in die Niere zurück. Das Organ kann sich daraufhin entzünden und schließlich versagen. In 40 Prozent der Fälle ist die Niere bei Gicht sogar schon beeinträchtigt, bevor der erste Anfall auftritt.

Gicht: Ursachen und Risikofaktoren

Unmittelbarer Auslöser von Gichtsymptomen ist zu viel Harnsäure. Sie entsteht bei der Aufspaltung von Purinen. Das sind Abbauprodukte, die entstehen, wenn der Körper kranke Zellen abbaut. Sie werden aber auch mit der Nahrung aufgenommen, insbesondere Fleisch und Innereien.

Normalerweise filtern die Nieren die Harnsäure aus dem Blut. Ist der Harnsäurespielgel aber zu hoch, bilden sich Harnsäurekristalle, die sich in Gelenken und Organen ablagern und Beschwerden verursachen.

Harnsäure als Auslöser
Harnsäureentstehung
Harnsäure entsteht durch die Spaltung von Purinen. Diese werden entweder über purinreiche Nahrungsmittel aufgenommen, oder entstehen beim Abbau von kranken Zellen.

Primäre Gicht

Die meisten Gichtpatienten leiden unter einer angeborenen Stoffwechselstörung. Mediziner sprechen dann von einer „primäre Hyperurikämie“ oder „primäre Gicht“. In den meisten Fällen scheiden die Nieren nicht genug Harnsäure aus.

In seltenen Fällen produziert der Körper so viel Harnsäure, dass die Nieren überfordert sind. Ursache ist ein Gendefekt, das sogenannte Lesch-Nyhan-Syndrom. Es tritt überwiegend bei Jungen auf.

Sekundäre Gicht

Bei einer sogenannten sekundären Gicht verursachen andere Erkrankungen den Überschuss an Harnsäure. Bei Leukämie beispielsweise gehen körpereigene Zellen massenhaft zugrunde. Dabei werden große Mengen von Purine freigesetzt, die sich im Blut anreichern.

Weitere Erkrankungen, die eine erhöhte Produktion von Harnsäure bewirken sind

  • manche Tumorerkrankungen
  • Blutarmut (Anämie)
  • bestimmte Medikamente (Zytostatika)
  • Bestrahlungen im Rahmen einer Krebstherapie

Umgekehrt steigt der Harnsäurespiegel auch, wenn nicht genug Harnsäure ausgeschieden wird. Das ist bei Nierenerkrankungen der Fall oder bei einem unbehandelten oder ungenügend eingestellten Diabetes.

Wohlstandskrankheit Gicht

Gicht gilt als Wohlstandskrankheit. Sie in in Industriestaaten weit verbreiteter als in ärmeren Ländern. Zu den Faktoren, die Gicht begünstigen, gehören Übergewicht, eine fleisch- und alkoholreiche Ernährung sowie Bewegungsmangel.

Auslöser für einen akuten Gichtanfall

Ein akuter Gichtanfall tritt auf, wenn der Harnsäurespiegel einen bestimmten Wert überschreitet. Die wichtigsten Auslöser sind:

  • Übermäßige Verzehr purinreicher Lebensmittel wie Fleisch und Innereien.
  • Übermäßiger Genuss fructosereicher Lebensmitte wie gesüßte Obstsäfte
  • Alkohol: Alkohol erhöht ebenfalls den Harnsäurespiegel. Besonders gilt das für Bier, das außerdem besonders purinreich ist
  • Strenge Diäten: Um Energie zu gewinnen, baut der Körper bei strengen Diäten Muskulatur ab. Dabei werde reichlich Purine freigesetzt.
  • Körperliche Überanstrengung: Dabei entsteht Milchsäure im Körper, die von den Nieren ausgeschieden wird und so den Harnsäureabbau blockiert.
  • Harntreibende Mittel oder Abführmit Sie verdicken bei übermäßigem oder sehr langem Gebrauch das Blut. Dadurch steigt die Harnsäurekonzentration.

Gicht: Untersuchungen und Diagnose

Bei Verdacht auf Gicht sind der Hausarzt oder ein Arzt für innere Medizin, also ein Internist, der richtige Ansprechpartner. In einem Anamnese-Gespräch erfasst er Ihre Krankengeschichte und befragt sie zu Ihren Beschwerden. Anschließend wird er verschiedene Fragen stellen, beispielsweise:

  • Hatten Sie in der Vergangenheit schon einmal ähnliche Beschwerden?
  • Haben Sie Verwandte mit ähnlichen Beschwerden?
  • Ernähren Sie sich gesund?
  • Trinken Sie regelmäßig Alkohol?
  • Treten die Beschwerden dauerhaft oder anfallsweise auf?

Körperliche Untersuchung

Nach der Anamnese findet eine körperliche Untersuchung statt. Dabei tastet der Arzt die Gelenke, den Bauch und die Unterbauchorgane ab, um Druckempfindlichkeiten oder Schmerzen lokalisieren zu können. Unter Umständen entdeckt er dabei knotige Gewebsveränderungen über den Gelenken (sogenannte Gichttophie), die für Gicht typisch sind.

Mit Bewegungstests kann der Arzt Bewegungseinschränkungen der Gelenke feststellen. Vor allem ein Gichtanfall im Fuß muss außerdem von anderen Verletzungen wie Sportverletzungen oder Umknicken abgegrenzt werden.

Harnsäurespiegel

Mit einer Blutuntersuchung lässt sich unter anderem ein erhöhter Harnsäurespiegel feststellen. Bei einem gesunden Menschen liegen die Harnsäurewerte zwischen drei und sechs Milligramm pro 100 Milliliter Blutserum. Ab Werten von über 6,5 Milligramm pro 100 Milliliter Blutserum spricht man von einer Hyperurikämie.

Nach einem akuten Gichtanfall sinkt die Konzentration der Harnsäure wieder auf normale Wert ab. Daher lässt sich Gicht nicht sicher ausschließen, selbst wenn die Werte normal sind.

Entzündungsmarker im Blut

Bestimmte Entzündungsmarker im Blut liefern weitere Hinweise auf Gicht. Dazu gehören

  • erhöhter Wert des C-reaktiven Proteins
  • erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen
  • erhöhte Blutkörperchensenkgeschwindigkeit (BSG)

Um die Gicht-Diagnose abzusichern wird zusätzlich eine Probe der Gelenkflüssigkeit untersucht. Lassen sich hier Harnsäurekristalle nachweisen, handelt es sich sehr wahrscheinlich um Gicht.

Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen

Anhand von Röntgenbildern kann der Arzt festgestellt werden, welche Schäden die Gicht an den Gelenken verursacht hat. Ergänzend wird manchmal auch ein Ultraschall durchgeführt. Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmitteln kann klären, ob die Nieren durch die Erkrankung geschädigt wurden.

Nierenfunktionstest

Mit einem Nierenfunktionstest lässt sich feststellen, ob und wenn ja wie stark die Leistung der Nieren beeinträchtigt ist.

Gicht: Behandlung

Eine Gicht-Behandlung soll den Überschuss von Harnsäure im Blut auf ein gesundes Niveau zu senken. Mediziner empfehlen maximal 5,5 bis 6,4 Milligramm pro 100 Milliliter.

Viel lässt sich schon durch einen veränderten Lebensstil erreichen, insbesondere durch eine angepasste Ernährung. Reicht das nicht aus, können Medikamente den Harnsäurespiegel zusätzlich senken.

Gicht heilen lässt sich allerdings auch mit Medikamenten nicht. Sobald die Arzneien abgesetzt werden, geht ihr Einfluss auf den Harnsäurespiegel verloren und dieser steigt wieder an.

Empfohlen wird die Einnahme von Harnsäuresenkern beispielsweise in folgenden Fällen:

  • Harnsäure-Werten über neun Milligramm pro Deziliter Blutserum
  • Familiärer Vorbelastung für Gicht und erhöhtem Harnsäurespiegel
  • Gelenk-Gicht
  • Vorliegen von Nierensteinen
  • Chronische Gicht

Medikamente zu Harnsäurereduktion

Harnsäure lässt sich auf zwei Wegen reduzieren: Entweder, indem sie vermehrt ausgeschieden wird oder indem die Produktion reduziert wird. Zu Beginn einer Gicht-Behandlung werden meist beide Klassen von Harnsäuresenkern verschrieben. Zur langfristigen Gicht-Behandlung setzt man vor allem Wirkstoffe ein, die die Produktion blockieren.

Urikosurika – verstärkte Harnsäureausscheidung

Urikosurika bewirken, dass vermehrt Harnsäure ausgeschieden wird. In diese Gruppe gehört zum Beispiel Benzbromaron. Die Gicht-Behandlung mit Urikosurika beginnt in kleinen Dosen, da größere Dosen einen Gichtanfall provozieren könnten. Wichtig ist, dass die Patienten mehr als zwei Liter pro Tag trinken.

Urikostatika – reduzierte Harnsäurebildung

Urikostatika enthalten den Wirkstoff Allopurinol. Er hemmt ein Enzym, das für den letzten Schritt der Harnsäurebildung notwendig ist. Dadurch befinden sich Blut zwar vermehrt die Vorstufen der Harnsäure. Diese sind jedoch besser wasserlöslich und werden daher leichter ausgeschieden als die Harnsäure selbst. Durch eine Behandlung mit Urikostatika können sich sogar bereits entstandene Ablagerungen von Harnsäurekristallen auflösen. Sogenannte Gichttophi und Nierensteine bilden sich so im Idealfall zurück.

Gicht-Behandlung: Was tun bei einem Gichtanfall?

Medikamente zur langfristigen Gichttherapie sind bei einem akuten Gichtanfall ungeeignet. Hier geht es vor allem darum, Beschwerden wie Schmerzen möglichst schnell zu lindern. Besonders gut helfen entzündungshemmende Schmerzmittel.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind das erste Mittel der Wahl in der akuten Gicht-Behandlung. Sie enthalten kein Kortison. Gichtpatienten werden vor allem Indometacin und Diclofenac verschrieben. In der Regel bessern sich die Beschwerden schon innerhalb weniger Stunden.

Kortisontherapie: Reichen NSAR nicht aus, setzt man kortisolhaltige Glukokortikoide ein, zum Beispiel Prednisolon. Sind größere Gelenke wie das Kniegelenk von Gicht betroffen, kann der Arzt Kortison direkt hineinspritzen. Bei kleineren Gelenken wird Kortison in Tablettenform verabreicht. Die Kortison-Präparate dürfen nicht länger als einige Tage lang eingenommen werden.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird sofort mit Kortison behandelt. Eine Gichtanfall-Therapie mit Nichtsteroidalen Antirheumatika ist dann nicht möglich.

Colchizin: Früher hat man Gicht häufig mit Colchizin behandelt. Heute wird es wegen seiner Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen kaum noch verordnet. In der Schwangerschaft darf es nicht eingenommen werden. Auch Männer, die in nächster Zeit ein Kind zeugen möchten, sollten darauf verzichten.

Keine Selbstbehandlung mit Schmerzmitteln!

Die Eigenbehandlung mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln ist riskant. Acetylsalicylsäure beispielsweise kann den Harnsäurespiegel erheblich erhöhen. Sogar bei einem beschwerdefreien Gichtpatienten kann sie einen akuten Anfall auslösen. Eine Gicht-Behandlung sollte grundsätzlich nie in Eigenregie, sondern immer zusammen mit einem Arzt erfolgen.

Therapie auch bei Beschwerdefreiheit

Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist eine konsequente Therapie bei Gicht entscheidend. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt eine harnsäuresenkende Therapie über mindestens fünf Jahre. Wenn sich bereits Tophi gebildet haben, dann sollte noch fünf Jahre nach deren Auflösung weiterbehandelt werden.

Gicht-Behandlung: Operationen

Sind einzelne Gelenke bereits stark geschädigt, besteht die Option, sie durch künstliche Gelenke zu ersetzen. Ein solcher Eingriff erfolgt stationär. Nach der Operation ist ein Aufenthalt von einigen Tagen im Krankenhaus notwendig.

Daran an schließt sich eine Bewegungs- und Ergotherapie, damit die Patienten lernen, mit dem neuen Gelenk umzugehen. Ein neues Gelenk kann zu Beginn starke Schmerzen verursachen. In der Regel ist dieser Eingriff aber schmerzloser als weiterhin mit dem kaputten Gelenk zu leben.

Auch Gichttophi lassen sich operativ entfernen. Die kleine knötchenartige Verdickungen der Haut bilden sich allem oberhalb der Gelenke und am Ohrknorpel. Sie sind zwar harmlos, Patienten empfinden sie allerdings häufig als kosmetisches Problem. Zur operativen Entfernung ist nur eine lokale Betäubung notwendig. In Einzelfällen können sich an den Stellen, an denen die Tophi entfernt wurden, kleine Narben bilden. In der Regel lassen sie sich aber restlos entfernen.

Physikalische Gicht-Behandlung

Eine physikalische Gicht-Therapie zielt darauf ab, bestehende Beschwerden zu verringern und Schmerzen zu reduzieren. Außerdem soll sie bei einer länger bestehenden Gicht Gelenkschäden und -fehlstellungen vorbeugen.

  • Wärme und Kältebehandlungen können Gichtschmerzen in den Gelenken reduzieren.
  • Verfahren zur Muskelentspannung reduzieren Schmerzen.
  • Krankengymnastik kräftigt die Muskeln und entlastet so die Gelenke.
  • Durch Krankengymnastik und Ergotherapie beugen Bewegungseinschränkungen und Fehlstellungen der gelenke vor oder können sie korrigieren.

Gicht: Homöopathie

Viele Betroffene schwören bei der Frage „Was hilft gegen Gicht?“ auf homöopathische Arzneien. Allerdings ist die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel bislang nicht nachgewiesen worden. Wer von Ihnen überzeugt ist, kann sie aber Therapie begleitend anwenden. Auf eine Lebensstiländerung, oder wenn nötig, schulmedizinische Medikamente sollten Sie aber nicht verzichten. Homöopathische Gichtmittel sind:

  • Bryonia wird vor allem bei akuten Schmerzen und zur allgemeinen Entspannung des Gemütszustandes empfohlen.
  • Colchicum wird eingesetzt bei Übelkeit und einem allgemeinen Unwohlsein.
  • Ledum findet Anwendung, wenn Kälteanwendungen den Schmerz bessern.
  • Lycopodium wird ebenfalls bei akuten Schmerzen und einem unruhigen Allgemeinzustand verwendet.
  • Belladonna soll gegen starke Schmerzen und Fieber wirken.

Gicht: Hausmittel

Bei einem Gichtanfall können folgende Hausmittel eine sinnvolle Ergänzung sein:

Gelenke schonen: Stellen Sie das betroffenen Gelenk ruhig Belasten Sie es erst dann wieder, wenn Sie keine Beschwerden mehr haben. Eventuell ist sogar Bettruhe erforderlich.

Gelenke kühlen: Ergänzend können Schmerzen in den betroffenen Gelenken mit kühlenden Umschlägen gelindert werden. Dazu reicht schon ein Handtuch, das in kaltes Wasser getränkt wurde. Alternativ können Sie schmerzende Gelenke mit Quark-Wickeln kühlen. Quark hält die Kälte länger als ein nasses Tuch.

Eispäckchen hingegen sind zu kalt und können schnell Hautschäden verursachen. Eine Kühlung sollte nicht länger als zehn Minuten am Stück, dafür aber mehrmals täglich erfolgen.

Gelenke wärmen: Umgekehrt kann auch Wärme die Schmerzen lindern, beispielsweise durch Bäder in warmem Wasser. Dadurch werden Muskeln und Gelenke entspannt und die Schmerzen reduziert. Als Badezusatz werden Heublumen oder Kamillenblüten empfohlen.

Tee trinken: Gut gegen Gicht ist das Trinken von Tee. Er schwemmt die Harnsäure aus dem Körper Häufig werden spezielle Tees wie Tee aus Leinsamen, Birkenblättern oder als Aufguss mit einer Knoblauchzehe empfohlen. Grundlage der Wirkung von Tee ist jedoch, dass er harntreibend ist.

Gicht: Krankheitsverlauf und Prognose

Die meisten Fälle von Gicht treten zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr das erste Mal auf. Etwa zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den Industriestaaten leiden an Gicht. Männer sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen.

Die Veranlagung für erhöhte Harnsäurespiegel ist meist angeboren und daher nicht heilbar. Durch eine konsequente Therapie lässt sich der Harnsäurespiegel aber oft dauerhaft senken. Die Gefahr eines akuten Gichtanfalls ist dadurch nicht gebannt, aber deutlich reduziert.

Prognose beim akuter Gichtanfall

Übersteigt der Harnsäurespiegel einen bestimmten Wert, tritt ein akuter Gichtanfall auf. Er hält unbehandelt einige Stunden bis hin zu einigen Tagen an. Danach klingen die Symptome langsam wieder ab. Nach einem Gichtanfall kann einige Zeit (sogar Monate bis Jahre) vergehen, bis der nächste Gichtanfall auftritt. Dauer der Gichtanfälle sowie die Zeiträume, die dazwischenliegen, variieren individuell stark.

Gicht: Langfristige Prognose

Krankheitsverlauf und Prognose hängen also davon ab, wie ausgeprägt die Veranlagung für einen höhen Harnsäurespiegel ist und wie konsequent ein Patient seine harnsäuresenkenden Medikamente einnimmt, beziehungsweise wie gut er einen harnsäuresenkenden Lebensstil umsetzt. Dazu gehört vor allem eine purin-, fruktose- und alkoholarme Ernährung.

Keine Therapiepause

Zwischen zwei Gichtanfällen können lange Zeiträume liegen, in denen die Patienten keine Beschwerden haben. Auch in diesen „interkritischen Phasen“ ist es wichtig, die Therapie weiterzuführen. Wird sie unterbrochen, verkürzen sich die symptomfreien Abschnitte. Zunehmend treten dann auch in den Zeiträumen zwischen zwei Gichtanfällen Symptome wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auf.

Dauerhafte Gelenksveränderungen

Einmal entstandene Schäden an den Gelenken bilden sich nicht wieder zurück. Sie können dauerhafte Schmerzen oder Bewegungseinbußen verursachen. In schweren Fällen können sich die Gelenke auch verformen. Ausgeprägte Gelenkschäden, die durch Gicht verursacht werden, werden als Arthritis urica bezeichnet.

Nierenschäden und Nierensteine

Eine lange Zeit unbehandelte Gicht kann zudem diverse Folgeerkrankungen, insbesondere der Niere, verursachen. Häufige Komplikation der Gicht sind Nierensteine. Sie verschließen die Abflusskanäle der Niere und der Harn staut sich. Darauf folgt meist eine Entzündungsreaktion. Dadurch und durch die fortschreitende Anlagerung von Harnsäuren können die Nieren irgendwann versagen. Mediziner sprechen von einer Gicht-Niere. Um solchen Schäden vorzubeugen, sollte die Therapie der Gicht so früh wie möglich und auch langfristig konsequent erfolgen.

Chronische Gicht

Eine chronische Gicht entwickelt sich heute relativ selten. Die Patienten leiden dauerhafte unter Schmerzen. Anders als bei einem akuten Gichtanfall klingen sie nicht mehr ab. Chronische Gicht entwickelt sich primär dann, wenn über einen langen Zeitraum eine Hyperurikämie besteht, die nicht behandelt wird. In der Regel betrifft chronische Gicht eher ältere als jüngere Menschen.

Weiterführende Informationen

Bücher

Sven-David Müller: Gicht-Ampel, Trias, 27. April 2016

Edeltraut Hund-Wissner: Köstlich essen bei Gicht: Über 130 Rezepte: Endlich niedrige Harnsäurewerte Trias, 21. Oktober 2015

Leitlinien

DGRh Leitlinie: Langfassung zur S2e-Leitlinie Gichtarthritis (fachärztlich), Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), 08/2016

DEGAM-Leitlinie: Häufige Gichtanfälle und Chronische Gicht in der hausärztlichen Versorgung, 09/2013

Verein

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