Epilepsie

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Epilepsie (lat. Epilepsia) wird im Deutschen auch "Fallsucht" genannt und umgangssprachlich häufig als Krampfleiden bezeichnet. Die Epilepsie ist eine Fehlfunktion des Gehirns. Sie wird durch Nervenzellen ausgelöst, die plötzlich gleichzeitig Impulse abfeuern und sich elektrisch entladen.

epilepsie

Kurzübersicht

  • Beschreibung: Eine Epilepsie ist durch epileptische Anfälle gekennzeichnet. Das sind kurzzeitige Funktionsstörungen des Gehirns, bei denen sich Nervenzellen in extremer Form elektrisch entladen.
  • Formen: Es gibt verschiedene Anfallsarten und Epilepsieformen, zum Beispiel generalisierte Anfälle (wie Absencen oder "Grand mal"), fokale Anfälle, Rolando-Epilepsie, Lennox-Gastaut-Syndrom, West-Syndrom etc.
  • Ursachen: teils unbekannt, teils auf eine andere Erkrankung zurückzuführen (Hirnschädigung oder Hinhautentzündung, Gehirnerschütterung, Schlaganfall, Diabetes etc.). Sehr oft führt erst die Kombination aus genetischer Veranlagung und einer anderen Erkrankung zur Entstehung der Epilepsie, glauben Experten.
  • Behandlung: meist mit Medikamenten (Antiepileptika). Wenn diese nicht ausreichend wirken, kommt manchmal eine Operation oder eine elektrische Stimulation des Nervensystems (wie Vagusnervstimulation) als Behandlung in Frage.

Was ist Epilepsie?

Die Epilepsie ("Fallsucht") gehört zu den häufigsten vorübergehenden Funktionsstörungen des Gehirns. Sie ist durch epileptische Anfälle gekennzeichnet: Dabei feuern Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn plötzlich für kurze Zeit synchron und unkontrolliert Impulse ab.

Ein solcher Anfall kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Dementsprechend variabel sind auch die Auswirkungen. Manche Patienten verspüren zum Beispiel nur ein leichtes Zucken oder Kribbeln einzelner Muskeln. Andere sind kurzzeitig "wie weggetreten" (abwesend). Im schlimmsten Fall kommt es zu einem unkontrollierten Krampfanfall des ganzen Körpers und zu kurzer Bewusstlosigkeit.

Epilepsie: Definition

Laut der Internationalen Liga gegen Epilepsie (International League Against Epilepsy, ILAE) wird in folgenden Fällen eine Epilepsie diagnostiziert:

  • Es treten mindestens zwei epileptische Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden auf. Meist kommen diese Anfälle "aus dem Nichts" (nicht provozierte Anfälle). Hingegen lassen sich bei selteneren Formen von Epilepsie Auslöser für die Anfälle festmachen, beispielsweise Lichtreize, Geräusche oder warmes Wasser (Reflexanfälle).
  • Es tritt zwar nur ein einziger nicht-provozierter Anfall oder Reflexanfall auf, aber die Wahrscheinlichkeit für weitere Anfälle in den nächsten zehn Jahren liegt bei mindestens 60 Prozent. Sie ist damit ebenso groß wie ist das allgemeine Rückfallrisiko nach zwei nicht provozierten Anfällen.
  • Es liegt ein sogenanntes Epilepsie-Syndrom vor, zum Beispiel das Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS). Epilepsie-Syndrome werden anhand bestimmter Befunde diagnostiziert, die etwa die Anfallsart, die elektrische Hirnaktivität (EEG), das Ergebnis bildgebender Untersuchungen und das Erkrankungsalter einbeziehen.

Von dieser "echten" Epilepsie muss man sogenannte Gelegenheitsanfälle unterscheiden. Das sind einzelne epileptische Anfälle, die im Verlauf verschiedener Krankheiten auftreten können. Sobald die akute Erkrankung abklingt, bleiben auch diese Gelegenheitskrämpfe aus. Ein Beispiel dafür sind Fieberkrämpfe: Diese epileptischen Anfälle treten im Zusammenhang mit Fieber besonders bei kleinen Kindern auf. Dabei gibt es aber keine Hinweise auf eine Infektion des Gehirns oder eine andere konkrete Ursache.

Außerdem können Gelegenheitskrämpfe zum Beispiel bei schweren Durchblutungsstörungen, Vergiftungen (mit Medikamenten, Schwermetallen), Entzündungen (wie Hirnhautentzündung = Meningitis), Gehirnerschütterung oder Stoffwechselstörungen auftreten.

Epilepsie: Häufigkeit

In Industrieländern wie Deutschland sind zwischen fünf und neun von 1.000 Menschen von einer Epilepsie betroffen. Jährlich erkranken etwa 40 bis 70 von 100.000 Menschen neu daran. Am höchsten ist das Erkrankungsrisiko im Kindesalter sowie jenseits des 50. bis 60. Lebensjahres. Eine Epilepsie kann aber grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten.

Generell gilt: Das Risiko, im Laufe des Lebens eine Epilepsie zu entwickeln, liegt derzeit bei drei bis vier Prozent - Tendenz steigend, weil der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung zunimmt.

Epilepsie-Formen

Es gibt unterschiedlichste Formen und Ausprägungen von Epilepsie. Die Einteilungen in der Fachliteratur variieren allerdings. Eine häufig verwendete (grobe) Klassifikation sieht wie folgt aus:

  • generalisierte Epilepsien und Epilepsie-Syndrome: Hier erfassen die Anfälle das gesamte Gehirn. Je nach Art des Anfalls unterteilt man generalisierte Anfälle noch weiter, zum Beispiel in tonischen Anfall (Gliedmaßen verkrampfen und versteifen), klonischen Anfall (langsame Zuckungen großer Muskelgruppen) oder tonisch-klonischen Anfall ("Grand mal").
  • fokale Epilepsien und Epilepsie-Syndrome: Hier beschränken sich die Anfälle auf ein begrenztes Hirnareal. Von dessen Funktion hängen die Symptome des Anfalls ab. Möglich sind zum Beispiel Zuckungen des Arms (motorischer Anfall) oder Sehveränderungen (visueller Anfall). Außerdem kann eine Epilepsie fokal beginnen, dann aber auf das gesamte Gehirn übergreifen. So entwickelt sich daraus ein generalisierter Anfall.
Hirnregionen und ihre Funktionen
Aufbau des Gehirns
Die verschiedenen Anteile der Großhirnrinde übernehmen ganz unterschiedliche Funktionen

Neben diesen beiden großen Gruppen von Epilepsien gibt es auch Anfälle mit unklarem Beginn sowie nicht klassifizierbare epileptische Anfälle. Mehr über die verschiedenen Epilepsie-Anfallsformen lesen Sie im Beitrag Epileptischer Anfall.

Epileptischer Anfall

Bei einem epileptischen Anfall ist entweder das ganze Gehirn (generalisierter Anfall) oder ein begrenzter Hirnbereich (fokaler Anfall) plötzlich übermäßig aktiv. Das Ganze dauert oft nur wenige Sekunden, manchmal auch etwas länger. In der Regel ist ein epileptischer Anfall aber spätestens nach zwei Minuten vorbei.

Auf einen epileptischen Anfall folgt sehr oft eine Nachphase: Obwohl sich die Gehirnzellen nun nicht mehr krankhaft elektrisch entladen, können sich noch bis zu mehreren Stunden Auffälligkeiten zeigen. Dazu zählen zum Beispiel eine Störung der Aufmerksamkeit, Sprachstörungen, Gedächtnisstörungen oder aggressive Zustände.

Manchmal sind Menschen nach einem epileptischen Anfall aber auch schon nach wenigen Minuten vollständig wiederhergestellt.

Mehr über Ablauf und Ausprägungen von Epilepsie-Anfällen erfahren Sie im Beitrag Epileptischer Anfall.

Epilepsie bei Kindern

Eine Epilepsie tritt sehr oft schon im Kindes- oder Jugendalter auf. Sie zählt in dieser Altersgruppe zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. In Deutschland und anderen Industrieländern erkranken pro Jahr etwa 50 von 100.000 Kindern neu an Epilepsie.

Mit der regelmäßigen Einnahme von Medikamente lassen sich meist weitere epileptische Anfälle bei den jungen Patienten verhindern. Wichtig ist auch eine gesunde Lebensführung: Falls die epileptischen Anfälle durch bestimmte Auslöser "getriggert" werden (wie Schlafmangel, flackerndes Licht, bestimmte Geräusche etc.), sollten diese möglichst gemieden werden.

Insgesamt ist Epilepsie bei Kindern in vielen Fällen gut behandelbar. Und die Sorge vieler Eltern, die Epilepsie könnte die Entwicklung ihres Kindes beeinträchtigen, ist meist unbegründet.

Alles Wichtige zum Thema lesen Sie im Beitrag Epilepsie bei Kindern.

Epilepsie: Symptome

Die genauen Symptome bei Epilepsie hängen von der Form der Erkrankung und der Ausprägung der epileptischen Anfälle ab. So besteht zum Beispiel die mildeste Variante eines generalisierten Anfalls nur in einer kurzzeitigen geistigen "Abwesenheit" (Absence): Der Patient ist kurz "weggetreten".

Am anderen Ende der Skala findet sich etwa der "große Anfall" (Grand mal): Zuerst verkrampft und versteift sich der ganze Körper (tonische Phase). Dann beginnt er unkontrolliert zu zucken (klonische Phase). Während eines solchen tonisch-klonischen Anfalls sind die Patienten bewusstlos.

Eine weitere schwere Ausprägung der Epilepsie ist der sogenannte "Status epilepticus": Dabei handelt es sich um einen epileptischen Anfall, der länger als fünf Minuten anhält. Manchmal kommt es auch zu einer Serie mehrerer Anfälle kurz hintereinander, ohne dass der Patient dazwischen das volle Bewusstsein wiedererlangt. Solche Situationen sind Notfälle, die schnellstmöglich durch den Notarzt behandelt werden müssen!

Mehr über die verschiedenen Symptome und Ausprägungen von Epilepsie lesen Sie im Beitrag Epileptischer Anfall.

Epilepsie: Ursache und Risikofaktoren

Die Entstehung von Epilepsie ist vielfältig und komplex. Oftmals bleibt die genaue Krankheitsentwicklung auch im Dunklen. So lässt sich in einigen Fällen trotz moderner Untersuchungsmethoden keine konkrete Ursache für epileptische Anfälle identifizieren, obwohl es deutliche Hinweise auf eine Ursache im Gehirn gibt. Dann spricht man von ungeklärter (kryptogener) Epilepsie.

Manchmal kann man sich auch überhaupt nicht erklären, warum es bei einem Patienten zu epileptischen Anfällen kommt. Es gibt keinerlei Hinweise auf die Ursache, wie etwa krankhafte Veränderungen im Gehirn oder Stoffwechselstörungen. Das nennen Mediziner eine idiopathische Epilepsie.

Neuerdings wird dieser Begriff aber (zumindest teilweise) durch "genetische Epilepsie" ersetzt: Bei vielen Betroffenen bestehen nämlich vermutlich oder nachweislich genetische Veränderungen, etwa an Bindungsstellen (Rezeptoren) für Nervenbotenstoffe. Solche genetischen Veränderungen können nach Meinung von Experten einen Beitrag leisten zur Entstehung der Epilepsie. Vererbbar ist sie deswegen meist trotzdem nicht. Die Eltern geben meist nur die Anfälligkeit für Krampfanfälle an ihre Kinder weiter. Zur Erkrankung kommt es dann erst, wenn äußere Faktoren hinzukommen (wie Schlafentzug oder hormonelle Umstellungen).

Schließlich gibt es im Hinblick auf die Ursachen noch eine weitere Gruppen von Epilepsien: So lassen sich bei vielen Patienten strukturelle Veränderungen des Gehirns oder Grunderkrankungen als Ursache der epileptischen Anfälle identifizieren. Das bezeichnen Mediziner als symptomatische Epilepsie oder - nach neueren Vorschlägen - als strukturell/metabolische Epilepsie. Darunter fallen zum Beispiel epileptische Anfälle, die auf angeborenen Fehlbildungen des Gehirn oder bei der Geburt erworbenen Hirnschäden beruhen. Auch Schädel-Hirn-Traumata, Hirntumoren, Schlaganfall, Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis) oder der Hirnhäute (Meningitis) sowie Stoffwechselstörungen (Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen etc.) defekte zählen hier zu den möglichen Epilepsie-Ursachen.

Hinweis: Manchmal ist eine Epilepsie sowohl genetisch als auch strukturell/metabolisch bedingt. So wird bei manchen Menschen mit genetischer Anfälligkeit für epileptische Anfälle erst durch einen Schlaganfall, eine Hirnhautentzündung, eine Vergiftung oder eine andere konkrete Erkrankung die Epilepsie-Erkrankung ausgelöst.

Epilepsie: Untersuchungen und Diagnose

Wer erstmals einen epileptischen Anfall erleidet, sollte sich von einem Arzt untersuchen lassen. Dieser kann feststellen, ob es sich tatsächlich um Epilepsie handelt oder ob der Anfall andere Gründe hat. Der erste Ansprechpartner ist meist der Hausarzt. Er wird den Patienten bei Bedarf an einen Facharzt für Nervenerkrankungen (Neurologen) überweisen.

Erstgespräch

Der erste Schritt auf dem Weg zur Diagnose "Epilepsie" ist die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese): Dazu unterhält sich der Arzt ausführlich mit dem Patienten (falls alt genug) und Begleitpersonen (wie Eltern, Partner). Dabei lässt er sich den epileptischen Anfall genau schildern. Hierbei ist es von Vorteil, wenn Menschen beim Gespräch dabei sind, die den Krampfanfall beobachtet haben. Der Betroffene selbst kann sich nämlich oft nicht gut daran erinnern. Anhand der Schilderungen kann der Arzt das Anfallsbild beurteilen (Anfallsanamnese).

Hinweis: Manchmal gibt es Fotos oder Videoaufzeichnungen des epileptischen Anfalls. Sie können für den Arzt sehr hilfreich sein, besonders wenn dabei auf das Gesicht des Patienten fokussiert wird. Die Augen sind nämlich wichtige Anfallssymptome und helfen, einen epileptischen Anfall von anderen Anfällen zu unterscheiden.

Im Rahmen des Gesprächs fragt der Arzt unter anderem auch nach möglichen Auslösern des Anfalls (wie flackerndes Licht), eventuellen Grunderkrankungen und bekannten Fällen von Epilepsie in der Verwandtschaft.

Untersuchungen

Nach dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Auch der Zustand des Nervensystems wird anhand verschiedener Tests und Untersuchungen geprüft (neurologische Untersuchung). Dazu gehört eine Messung der Hirnströme (Elektroenzephalografie, EEG): Manchmal lässt sich eine Epilepsie anhand typischer Kurvenveränderungen im EEG erkennen. Allerdings kann das EEG bei Epilepsie aber auch unauffällig sein.

Sehr wichtig bei der Abklärung eines epileptischen Anfalls ist die Magnetresonanztomografie (MRT oder Kernspintomografie). Dabei werden detaillierte Schnittbilder des Gehirns erstellt. Darauf kann der Arzt eventuelle Schäden oder Fehlbildungen des Gehirns als mögliche Ursache des Anfalls erkennen.

Ergänzend zum MRT wird manchmal auch ein Computertomogramm des Schädels (CCT) angefertigt. Vor allem in der Akutphase (kurz nach dem Anfall) kann die Computertomografie helfen, um beispielsweise Hirnblutungen als Auslöser des Anfalls zu entdecken.

Bei Verdacht auf eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder eine andere Grunderkrankung als Ursache des epileptischen Anfalls können Laboruntersuchungen Klarheit bringen. So kann eine Blutuntersuchung Hinweise auf Entzündungen oder Stoffwechselveränderungen geben. Wenn der Arzt Drogenkonsum als Auslöser des Anfalls vermutet, werden entsprechende Bluttests gemacht.

Außerdem kann der Arzt mithilfe einer feinen Hohlnadel aus dem Wirbelkanal eine Probe der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit entnehmen (Liquor- oder Lumbalpunktion). Die Analyse im Labor hilft zum Beispiel, Hirn- oder Hirnhautentzündung (Enzephalitis, Meningitis) oder aber einen Hirntumor nachzuweisen beziehungsweise auszuschließen.

Im Einzelfall können noch weitere Untersuchungen notwendig sein, etwa um andere Arten von Anfällen auszuschließen oder den Verdacht auf bestimmte Grunderkrankungen abzuklären.

Epilepsie: Behandlung

Die langfristige Behandlung von Epilepsie-Patienten übernimmt meist ein niedergelassener Neurologe beziehungsweise Kinder- und Jugendneurologe. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, sich an eine ambulante Einrichtung oder Klinik zu wenden, die auf die Epilepsie-Behandlung spezialisiert ist (Schwerpunktpraxis für Epilepsie, Epilepsieambulanz, Epilepsiezentrum). Das gilt zum Beispiel, wenn die Diagnose unklar ist, es trotz Behandlung zu epileptischen Anfällen kommt oder spezielle Probleme mit der Epilepsie zusammenhängen.

Epilepsie: Therapie nicht immer nötig

Hatte jemand (bislang) nur einen epileptischen Anfall, kann mit der Behandlung oftmals abgewartet werden. In manchen Fällen genügt es, wenn die Patienten bekannte Auslöser (wie laute Musik, Flackerlicht, Computerspiele) meiden und sich einen gesunden Lebensstil aneignen. Dazu gehören unter anderem eine regelmäßige Lebensführung, ein geregelter und ausreichender Schlaf sowie der Verzicht auf Alkohol.

Zudem sollten die Patienten besonders vorsichtig sein in Situationen, in denen ein plötzlicher Anfall schlimme Folgen haben kann. Das gilt zum Beispiel bei Extremsportarten, Gerüstarbeiten sowie beim Hantieren mit schweren Maschinen. Falls möglich, sollten Epileptiker solche Situationen meiden.

Bei einer strukturell/metabolischen Epilepsie behandelt der Arzt zunächst die Grunderkrankung (Meningitis, Diabetes, Lebererkrankung etc.). Auch hier sollten Patienten möglichst alle Faktoren meiden, die einen epileptischen Anfall auslösen können.

Manchmal ist aber auch schon nach einem einzigen Anfall eine Behandlung mit Epilepsie-Medikamenten ratsam. Das kann etwa der Fall sein, wenn der Patient ein hohes Risiko für weitere Anfälle hat. Auch bei ganz bestimmten Epilepsieformen (wie Lennox-Gastaut-Syndrom, Temporallappenepilepsie etc.) sollte die medikamentöse Therapie umgehend beginnen.

Im Allgemeinen raten Mediziner spätestens nach dem zweiten Anfall zu einer Epilepsie-Behandlung.

Generell hängt es aber immer auch von der Situationen des einzelnen Patienten ab, wann und wie eine Epilepsie behandelt wird. Manche Patienten haben zum Beispiel nur alle paar Jahre einen epileptischen Anfall. Andere haben häufigere Anfälle, die sie aber als wenig belastend empfinden (zum Beispiel nur kurze "Aussetzer" = Absencen). Dann wird der Arzt Nutzen und Risiken einer Epilepsie-Behandlung besonders sorgfältig gegeneinander abwägen. Dabei berücksichtigt er auch, wie groß die Bereitschaft des Patienten ist, sich an ärztliche Empfehlungen zu halten (Therapietreue = Adhärenz). Das Verschreiben von Medikamenten hat nämlich wenig Sinn, wenn der Patient diese dann doch nicht (regelmäßig) einnimmt.

Medikamentöse Behandlung

Den meisten Epilepsie-Patienten hilft eine medikamentöse Behandlung, ein anfallsfreies Leben zu führen. Eingesetzt werden sogenannte Antiepileptika. Sie hemmen die übermäßige Aktivität von Nervenzellen im Gehirn. Damit können sie das Risiko für einen Krampfanfall senken. Deshalb spricht man auch von Antikonvulsiva (= krampfhemmenden Mitteln). Gegen die Ursache der Epilepsie können die Medikamente aber nichts ausrichten. Das bedeutet: Antiepileptika wirken nur symptomatisch, können Epilepsie aber nicht heilen.

Als Antiepileptika werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt, zum Beispiel Levetiracetam oder Valproinsäure. Der Arzt wird für jeden Patienten einen Wirkstoff auswählen, der im konkreten Fall vermutlich am besten wirkt. Dabei spielt die Art der Anfälle beziehungsweise die Form der Epilepsie eine wichtige Rolle. Außerdem berücksichtigt der Arzt bei der Wahl des Antiepileptikums sowie dessen Dosierung mögliche Nebenwirkungen. Das Ziel ist, dass die Behandlung weitere Anfälle verhindert (oder der Zahl zumindest reduziert). Gleichzeitig soll das Medikament keine oder nur erträgliche Nebenwirkungen verursachen.

In der Regel verschreibt der Arzt bei Epilepsie nur ein einziges Antiepileptikum (Monotherapie). Wenn dieses Medikament nicht die gewünschte Wirkung zeigt oder starke Nebenwirkungen verursacht, kann der Arzt den Patienten versuchsweise auf ein anderes Präparat umstellen. Manchmal müssen auch mehrere Präparate ausprobiert werden, bis das individuell "beste" Antiepileptikum gefunden wird.

Bei manchen Patienten lässt sich die Epilepsie mit einer Monotherapie nicht ausreichend in den Griff bekommen. Dann kann der Arzt zwei (oder mehr) Antiepileptika verschreiben. Eine solche Kombinationstherapie wird sorgfältig geplant und überwacht. Denn allgemein gilt: Je mehr verschiedene Medikamente jemand einnimmt, desto eher kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen. Auch das Risiko für Nebenwirkungen kann ansteigen.

Die Epilepsie-Medikamente werden oft als Tablette, Kapsel oder Saft eingenommen. Manche können auch als Spritze, Infusion oder Zäpfchen verabreicht werden.

Achtung: Antiepileptika können nur helfen, wenn sie regelmäßig angewendet werden. Es ist also sehr wichtig, sich genau an die entsprechenden Anweisungen des Arztes zu halten!

Wie lange muss man Antiepileptika anwenden?

Antiepileptika werden meist über mehrere Jahre eingenommen. Wenn dank Behandlung längere Zeit keine epileptischen Anfälle mehr aufgetreten sind, können Patienten in manchen Fällen in Ansprache mit dem Arzt versuchen, das Medikament abzusetzen. Das darf aber nicht abrupt geschehen. Stattdessen sollte die Dosierung, wie vom Arzt empfohlen, schrittweise verringert werden.

Bei manchen Patienten kehren die epileptischen Anfälle dann zurück (teilweise auch erst nach Monaten oder Jahren). Dann müssen die Epilepsie-Medikamente wieder eingenommen werden. Andere Patienten bleiben auch nach dem Absetzen der Antiepileptika dauerhaft anfallsfrei. Das kann etwa passieren, wenn die Ursache der Anfälle (wie eine Hirnhautentzündung = Meningitis) mittlerweile abgeheilt ist.

Vorhersagen lässt sich das im Einzelfall nicht. Der behandelnde Arzt kann nur anhand der individuellen Situation des Patienten einschätzen, wie hoch das Anfallsrisiko ohne Medikamente ist. In manchen Fällen müssen sich Epileptiker von Anfang an darauf einstellen, dass sie die Medikamente wohl lebenslang brauchen - etwa wenn ein bleibender Hirnschaden die Epilepsie-Ursache ist.

Achtung: Setzen Sie Ihre Epilepsie-Medikamente niemals auf eigene Faust ab - das kann lebensgefährlich sein!

Operation (Epilepsiechirurgie)

Bei manchen Patienten ist die Epilepsie mit Medikamenten nicht ausreichend behandelbar. Gehen die Anfälle immer von einer begrenzten Hirnregion aus (fokale Anfälle), kann eventuell dieser Teil des Gehirn operativ entfernt werden (Resektion, resektive Operation). Das kann in vielen Fällen zukünftige epileptische Anfälle verhindern.

Eine resektive Operation kommt aber nur unter bestimmten Voraussetzungen in Frage. So muss das Herausschneiden der betreffenden Hirnregion relativ gefahrlos möglich sein. Außerdem darf es keine inakzeptablen Nachteile für den Patienten nach sich ziehen, etwa eine ernste Beeinträchtigung bestimmter Hirnfunktionen.

Hinweis: Eine resektive Hirnoperation wird vor allem bei Patienten durchgeführt, bei denen die epileptischen Anfälle im Schläfenlappen (Temporallappen) des Gehirns entstehen.

Seltener werden bei schwerer Epilepsie noch andere chirurgische Eingriffe durchgeführt. Das kann zum Beispiel bei Patienten der Fall sein, die häufig schwere Sturzanfälle erleben - also epileptische Anfälle, bei denen sie blitzartig stürzen und sich dabei unter Umständen schwer verletzen. Hier kann eine sogenannte Balkendurchtrennung (Kallosotomie) erwogen werden: Der Chirurg durchtrennt dabei ganz oder teilweise den sogenannten Balken (Corpus callosum) im Gehirn. Das ist das Verbindungsstück zwischen der rechten und linken Hirnhälfte. Dieser Eingriff kann die Zahl der Sturzanfälle deutlich verringern. Als Nebenwirkung drohen aber kognitive Beeinträchtigungen. Deshalb müssen Nutzen und Risiken der Kallosotomie sehr sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Stimulationsverfahren

Neben einer Operation kommen auch sogenannte Stimulationsverfahren in Frage, wenn Medikamente bei Epilepsie nicht ausreichend wirken. Dabei werden bestimmte Strukturen im Gehirn oder solche, die dorthin führen (Vagusnerv), mit niedriger Stromstärke stimuliert. Das kann gegen epileptische Anfälle helfen.

Zur Anwendung bei Epilepsie kommen verschiedene Verfahren. Am weitesten verbreitet ist die Vagusnervstimulation (VNS): Dabei wird dem Patienten ein kleines, batteriebetriebenes Gerät unterhalb des linken Schlüsselbeins unter die Haut eingepflanzt. Es handelt sich um eine Art Schrittmacher, der über ein Kabel, das ebenfalls unter der Haut verläuft, mit dem linken Vagusnerv am Hals verbunden wird. In Intervallen (zum Beispiel alle fünf Minuten für 30 Sekunden) gibt es leichte Stromstöße an den Nerv ab. Das kann die Häufigkeit epileptischer Anfälle deutlich reduzieren. Bei manchen Patienten dauert es allerdings einige Monate, bis dieser Effekt einsetzt.

Während der Stromimpulse verspüren einige Patienten Heiserkeitsgefühle, Hustenreiz oder Missempfindungen ("Summen" im Körper).

Hinweis: Die Vagusnervstimulation kann auch eine gleichzeitig bestehende Depression positiv beeinflussen.

Ein anderes Stimulationsverfahren ist die Tiefe Hirnstimulation: Dabei werden dem Patienten kleine Elektroden an bestimmten Stellen im Gehirn implantiert. Sie stimulieren das Nervengewebe mit elektrischen Impulsen. In der Folge sinkt bei vielen Patienten die Zahl der Anfälle. Mögliche Nebenwirkungen sind Depressionen und Gedächtnisstörungen. Die Tiefe Hirnstimulation sollte nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. In Deutschland ist sie als Methode der Epilepsie-Behandlung noch nicht sehr weit verbreitet. Wesentlich häufiger wird das Verfahren bei Parkinson-Patienten angewendet.

Behandlung bei Status epilepticus

Wenn jemand einen Status epilepticus erleidet, sollten Umstehende sofort den Notarzt (Tel. 112) rufen - es besteht Lebensgefahr! Der Patient erhält als erstes ein Beruhigungsmittel (Benzodiazepin). Es kann auch von Laien verabreicht werden, wenn der Epileptiker das Notfallmedikament bei sich trägt: Es wird entweder in eine Wange gelegt (Buccaltablette) oder als Creme über eine kleine Tube in den After des Patienten eingeführt. Der eingetroffene Notarzt kann das Beruhigungsmittel auch als Spritze in eine Vene verabreichen. Dann bringt er den Patienten rasch in ein Krankenhaus. Dort wird die Behandlung fortgesetzt.

Hinweis: Konnte der Status epilepticus nach 30 bis 60 Minuten immer noch nicht beendet werden, bekommen viele Patienten eine Narkose und werden künstlich beatmet.

Epilepsie: Verlauf und Prognose

Verlauf und Prognose einer Epilepsie hängen von der Anfallsart und der Epilepsieform ab. Außerdem gibt es auch Unterschiede von Patient zu Patient. Im Allgemeinen gilt: Bei ungefähr der Hälfte der Patienten bleibt es bei einem einmaligen epileptischen Anfall. Bei der anderen Hälfte tritt früher oder später ein weiterer Anfall auf. Danach steigt das Anfallsrisiko weiter an: Etwa sieben von zehn Patienten, die schon zwei Attacken hatten, bekommen innerhalb eines Jahres einen weiteren epileptischen Anfall.

Besonders gefährdet sind dabei Menschen, bei denen die Epilepsie durch eine Grunderkrankung wie einer Gehirnerkrankung verursacht wird: Das Risiko für weitere Anfälle ist bei ihnen etwa doppelt so hoch wie bei Patienten, deren Epilepsie auf einer genetischen Veranlagung beruht oder keine bekannte Ursache hat.

Anfälle vermeiden

Mit der richtigen und konsequenten Behandlung lassen sich in den meisten Fällen weitere epileptische Anfälle vermeiden. Patienten können aber noch mehr tun, um Anfällen vorzubeugen. So profitieren viele Betroffene von ausreichendem Schlaf mit regelmäßigen Einschlafzeiten (Schlafhygiene).

Manchmal werden epileptische Anfälle durch bestimmte Auslöser provoziert. Dann sollten Patienten diese möglichst meiden. Das geht aber nur, wenn man die Auslöser auch kennt. Dabei kann ein Anfallskalender weiterhelfen: Darin notiert der Patient Tag, Uhrzeit und Art jedes einzelnen Anfalls zusammen mit der aktuellen Medikamenteneinnahme. Außerdem werden auch Begleitumstände und mögliche Auslöser festgehalten, zum Beispiel Computerarbeit, laute Musik, Alkoholkonsum, Schlafentzug, emotionaler Stress oder der Anblick bestimmter optischer Muster (wie Schachbrettmuster). Das hilft Arzt und Patient, die Triggerfaktoren zu identifizieren.

Leben mit Epilepsie

Ist die Epilepsie mittels Behandlung gut unter Kontrolle, können Sie als Patient ein weitgehend normales Leben führen. Sie sollten aber einige Vorsichtsmaßnahmen beherzigen, um Gefahrensituationen zu vermeiden:

  • Verwenden Sie keine elektrischen Messer oder Schneidemaschinen.
  • Verzichten Sie aufs Baden und duschen Sie lieber. Gehen Sie auch nie ohne Begleitung schwimmen. Bei Epileptikern kommt Tod durch Ertrinken etwa 20-mal häufiger vor als in der Normalbevölkerung!
  • Fahren Sie grundsätzlich nur mit einem Helm Fahrrad und bevorzugen Sie wenig befahrene Strecken.
  • Wählen Sie ein niedriges Bett (Sturzgefahr).
  • Sichern Sie scharfe Kanten in der Wohnung.
  • Halten Sie einen Sicherheitsabstand zu Straßen und Gewässern.
  • Schließen Sie sich nicht ein. Verwenden Sie auf der Toilette stattdessen ein „Besetzt"-Schild.
  • Rauchen Sie nicht im Bett!

Ob Sie als Epilepsie-Patient den Führerschein machen beziehungsweise behalten dürfen, hängt davon ab, ob Sie fahrtauglich sind. Fragen Sie dazu Ihren Neurologen um Rat. Er kann am besten einschätzen, wie hoch das Anfallsrisiko bei Ihnen ist.

Achtung: Epilepsie-Patienten, die sich hinters Lenkrad setzen, obwohl sie fahruntauglich sind, gefährden sich selbst und andere! Außerdem riskieren sie ihren Versicherungsschutz.

Die meisten Berufe und Sportarten sind im Allgemeinen auch für Epileptiker möglich - besonders, wenn dank Therapie keine epileptischen Anfälle mehr auftreten. Im Einzelfall kann der behandelnde Arzt am besten einschätzen, ob der Patient auf eine bestimmte Tätigkeit oder Sportart besser verzichten sollte. Eventuell kann er auch besondere Vorsichtsmaßnahmen empfehlen.

Epilepsie: Verhütung & Kinderwunsch

Manche Epilepsie-Medikamente schwächen die Wirkung der Antibabypille ab. Umgekehrt kann auch die Pille die Wirksamkeit einiger Antiepileptika beeinträchtigen. Mädchen und Frauen mit Epilepsie sollten sich solche Wechselwirkungen mit dem behandelnden Arzt besprechen. Eventuell wird er ein anderes Verhütungsmittel empfehlen.

Wenn Frauen mit Epilepsie sich Nachwuchs wünschen, sollten sie dies unbedingt mit ihrem Neurologen besprechen - am besten, noch bevor sie schwanger werden. Eventuell muss in der Schwangerschaft die medikamentöse Epilepsie-Behandlung angepasst werden. Antiepileptika können nämlich in höherer Dosierung die Entwicklung des Kindes stören oder Missbildungen verursachen (bis zur 12. Schwangerschaftswoche). Diese Gefahr ist zudem bei einer Kombinationstherapie (mehrere Antiepileptika) höher als bei einer Monotherapie (Behandlung mit einem einzigen Antiepileptikum). Das wird der Arzt bei der Therapieplanung berücksichtigen.

Eine Besonderheit gilt zudem bei Folsäure-Präparaten, die allen Frauen in der Schwangerschaft empfohlen werden: Manche Antiepileptika senken den Folsäurespiegel im Körper ab. Deshalb sollten Epileptikerinnen unter Umständen die Folsäure in höherer Dosierung einnehmen.

Kommt es in der Schwangerschaft zu einem epileptischen Anfall, besteht meist kein besonderer Grund zur Sorge: Dem Ungeborenen schadet der Anfall in der Regel nicht - außer es handelt sich um einen lang anhaltenden, generalisierten Anfall, oder die werdende Mutter verletzt sich dabei schwer. Das passiert aber nur ganz selten. Überhaupt sind Anfälle in der Schwangerschaft nicht sehr häufig: Ungefähr zwei Drittel aller Epileptikerinnen bleiben die ganzen neun Monate über anfallsfrei. Außerdem bringen die meisten Frauen mit Epilepsie gesunde Kinder zur Welt.

Weiterführende Informationen

Bücher

  • Epilepsie. 100 Fragen, die Sie nie zu stellen wagten (Günter Krämer und Anja Daniel-Zeipelt, 2012, Hippocampus)
  • Epilepsie: Die Krankheit erkennen, verstehen und gut damit leben (Günter Krämer, 2013, Trias)
  • Mein schönes Leben mit Epilepsie: Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige (Silke Meinhardt, 2016, ersa Verlag)

Leitlinien

  • Leitlinie "" der Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (Stand: 2017)

Selbsthilfe

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