Endometriose

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Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Von einer Endometriose spricht man, wenn sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle (Cavum uteri) ansiedeln. Die Erkrankung ist zwar gutartig, aber viele Betroffene leiden unter starken Menstruationsbeschwerden, Unterleibsschmerzen zwischen den Regelblutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Unfruchtbarkeit. Lesen Sie hier alles Wichtige über Symptome, Ursachen, Diagnose, Behandlung und Prognose der Endometriose!

endometriose

Endometriose: Kurzübersicht

  • Was ist Endometriose? Eine der häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen. Die Gebärmutterschleimhaut siedelt sich hier auch außerhalb der Gebärmutterhöhle an, etwa auf den Eierstöcken oder zwischen Gebärmutter und Enddarm. Betroffen sind in der Regel geschlechtsreife Frauen. Nur selten macht sich Endometriose vor der ersten oder nach der letzten Regelblutung bemerkbar.
  • Ursachen: Unbekannt, aber es gibt verschiedene Vermutungen, etwa dass Schleimhautzellen mit rückwärts fließendem Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum gelangen oder dass eine Fehlfunktion des Immunsystems an der Krankheitsentstehung beteiligt ist.
  • Symptome und Folgen: Manche Patientinnen haben keinerlei Beschwerden. Andere berichten von starken Regelschmerzen, Unterleibsschmerzen auch unabhängig von der Menstruation, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Wasserlassen oder Stuhlgang. Die Erkrankung kann psychisch sehr belastend sein und mit Unfruchtbarkeit einhergehen.
  • Behandlungsmöglichkeiten: Medikamente (Schmerzmittel, Hormonpräparate), Operation; unterstützend oft komplementäre Methoden (wie Entspannungstechniken, Akupunktur etc.)
  • Prognose: Endometriose verläuft meist chronisch. Der Verlauf ist nicht vorhersagbar. Endometriose-Herde könenn sich sowohl spontan zurückbilden als auch weiter ausbreiten. Eine Therapie kann die Beschwerden meist lindern, oft kommt es danach aber zu Rückfällen. Mit dem Eintritt in die Wechseljahre kommt die Endometriose meist zur Ruhe.

Endometriose: Beschreibung

Bei der Endometriose (engl. Endometriosis) treten versprengte Zellverbände aus Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle auf. Diese Zellinseln werden Endometriose-Herde genannt. Je nach ihrer Lage unterscheiden Mediziner drei große Gruppen von Endometriose:

  • Endometriosis genitalis interna: Endometriose-Herde innerhalb der Muskelschicht der Gebärmutterwand (Myometrium). Mediziner sprechen hierbei von Adenomyose (Adenomyosis uteri). Darüber hinaus zählen auch Endometriose-Herde im Eileiter zur Gruppe Endometriosis genitalis interna.
  • Endometriosis genitalis externa: Häufigste Erkrankungsform. Endometriose-Herde im Genitalbereich (im kleinen Becken), aber außerhalb der Gebärmutter, also zum Beispiel in den Eierstöcken, auf den Haltebändern der Gebärmutter oder im Douglas-Raum (Vertiefung zwischen Gebärmutter und Enddarm).
  • Endometriosis extragenitalis: Endometriose-Herde außerhalb des kleinen Beckens, etwa im Darm (Endometriose-Darm), in der Blase, in den Harnleitern oder - ganz selten - in der Lunge, im Gehirn, in der Milz oder im Skelett.
Endometriose - dort tritt sie am häufigsten auf
Endometriose
Endometriose sind versprengte Absiedlungen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle. Die Endometrioseherde treten am häufigsten an den Eierstöcken und zwischen Gebärmutter und Darm auf.

Die Endometriose-Herde sind östrogenabhängig und verhalten sich wie die Schleimhaut innerhalb der Gebärmutterhöhle: Sie werden im Rahmen des Menstruationszyklus abwechselnd aufgebaut und wieder abgestoßen (mit einer kleinen Blutung). Die Zellreste und das Blut können aber nicht - wie bei der regulären Schleimhaut in der Gebärmutterhöhle - über die Scheide ausgeschieden werden. Manchmal kann der Körper sie problemlos und unbemerkt entfernen (ins umliegende Gewebe aufnehmen und abbauen).

Oft aber lösen Gewebereste und Blut der Endometriose-Herde Entzündungen und Verklebungen oder Verwachsungen aus, die mehr oder weniger starke Schmerzen verursachen können. Außerdem können sich sogenannte Schokoladenzysten (Endometriome) bilden, etwa an den Eierstöcken. Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume. Bei Endometriose-Patientinnen sind diese Hohlräume mit altem, geronnenem Blut gefüllt und erscheinen dadurch bräunlich. Deshalb der Name Schokoladenzysten.

Endometriose: Häufigkeit

Endometriose gilt als weit verbreitet. Es gibt aber keine verlässlichen Angaben zur genauen Häufigkeit - zumal die Endometriose-Herde in vielen Fällen keinerlei Beschwerden verursachen und dann oft unentdeckt bleiben. Mediziner schätzen aber, dass es in Deutschland ungefähr 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr gibt.

Meist dauert es sehr lange, bis eine Endometriose erkannt wird: Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der Diagnose vergehen hierzulande im Durchschnitt zehn Jahre.



Hinweis: Eine Endometriose bei Männern kommt extrem selten vor.

Endometriose: Symptome und Folgen

Die versprengten Inseln aus Gebärmutterschleimhaut verursachen bei betroffenen Frauen oft mehr oder weniger starke Symptome. Endometriose kann aber auch gänzlich ohne Beschwerden bleiben. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Symptome, die bei Endometriose auftreten können, sowie mögliche Folgen der Erkrankung:

Starke Regelschmerzen: Bei Endometriose können die Schmerzen und Krämpfe kurz vor und während der Menstruation besonders heftig ausfallen. Mediziner sprechen dann von Dysmenorrhoe. Vor allem Endometriose-Herde in der der Gebärmuttermuskulatur können starke Schmerzen verursachen. Bei manchen Frauen sind die Regelschmerzen so massiv, dass sie ihrer Arbeit nicht nachgehen können und starke Schmerzmittel einnehmen müssen.

Sonstige Unterleibsschmerzen: Mehr oder weniger starke Schmerzen an verschiedenen Stellen im Unterleib können bei Endometriose auch unabhängig von der Regelblutung auftreten. Manchmal strahlen diese Schmerzen in den Rücken oder in die Beine aus. Die Beschwerden können durch Verwachsungen zwischen verschiedenen Organen im Unterleib entstehen, etwa zwischen Eierstock, Darm und Gebärmutter. Manchmal lösen die verfestigten und wenig elastischen Strukturen auch anhaltende Schmerzen aus. Zudem können Endometriose-Herde Entzündungsstoffe freisetzen, die das Gewebe zusätzlich reizen und zu Schmerzen führen können.

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr: Schmerzen beim Sex (Dyspareunie) - manchmal auch erst danach - sind ebenfalls häufige Endometriose-Symptome. Sie werden von den betroffenen Frauen oft als brennend oder krampfartig beschrieben. Ursache sind oft Endometriose-Herde auf den elastischen Haltebändern, welche die Gebärmutter im kleinen Becken "verankern": Sie können Schmerzen auslösen, wenn sich die Beckenorgane beim Geschlechtsverkehr wie üblich verschieben. Die Beschwerden können so stark sein, dass betroffene Frauen ganz auf Sex verzichten. Das kann eine Partnerschaft schwer belasten.

Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang: Seltenere Endometriose-Symptome sind Schmerzen beim Wasserlassen sowie Völlegefühl und Schmerzen beim Stuhlgang. Sie werden durch Endometriose-Herde in der Blase beziehungsweise im Darm hervorgerufen. Manchmal treten zyklusabhängig auch Blutbeimenungen im Urin beziehungsweise Stuhl auf.

Müdigkeit und Erschöpfung: Starke und/oder häufige Endometriose-Symptomen können auf Dauer körperlich sehr belastend sein. Allgemeine Erschöpfung und Müdigkeit sind mögliche Folgen.

Psychische Belastung: Neben einer körperlichen Belastung bedeutet Endometriose nicht selten auch eine psychische Belastung. Viele betroffene Frauen leiden seelisch unter den starken oder häufigen Schmerzen. Das gilt besonders dann, wenn unzählige Arztbesuche nötig sind, bevor die Ursache der Beschwerden feststeht - was leider sehr oft passiert.

Hinweis: Das Ausmaß der Beschwerden bei Endometriose hängt nicht mit dem Krankheitstadium zusammen! So können zum Beispiel Frauen mit wenigen/kleinen Endometriose-Herden stärkere Schmerzen als Patientinnen mit ausgedehnteren Herden haben.

Unfruchtbarkeit: Viele Frauen mit Endometriose können nicht schwanger werden. Der genaue Grund dafür ist unbekannt. Es gibt aber Hinweise, dass möglicherweise die Eizellentwicklung und die frühe Embryonalentwicklung bei den Patientinnen gestört sind. Mehr über Ursachen und Behandlung einer ungewollten Kinderlosigkeit bei Endometriose lesen Sie unter Endometriose & Kinderwunsch.

Krebserkrankungen: Endometriose ist eine gutartige Erkrankung und geht nicht mit einem allgemein erhöhten Krebsrisiko einher. Allerdings kann sich auf dem Boden einer Endometriose ein bösartiger Tumor entwickeln (meist Eierstockkrebs). Das passiert aber nur ganz selten.

Außerdem hat man beobachtet, dass Endometriose manchmal im Zusammenhang mit verschiedenen Krebserkrankungen auftritt. Dazu gehören zum Beispiel Nierenzellkarzinom (häufigste Form von Nierenkrebs), Hirntumoren, Schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom), Non-Hodgkin-Lymphome (Formen von Lymphdrüsenkrebs) sowie Brustkrebs (Mammakarzinom). Welche klinische Bedeutung diese Beobachtung hat, weiß man aber noch nicht.

Endometriose: Behandlung

Die Endometriose-Therapie hängt immer vom Ausmaß der Beschwerden ab. Eine zufällig festgestellte Endometriose, die keine Probleme bereitet, muss nicht unbedingt behandelt werden. Eine Behandlung ist aber ratsam bei:

  • anhaltenden Schmerzen,
  • unerfülltem Kinderwunsch und/oder
  • einer durch Endometriose-Herde bedingten Störung einer Organfunktion (Eierstock, Harnleiter, Darm etc.).

Eingesetzt werden operative und/oder medikamentöse Therapiemaßnahmen. Wie diese Endometriose-Behandlung im Einzelfall aussieht, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben dem Ausmaß der Beschwerden spielen die Lage der Endometriose-Herde und das Alter der Frau eine Rolle. Außerdem berücksichtigt der Arzt bei der Therapieplanung, ob die Patientin noch Kinder bekommen möchte oder nicht.

Zusätzlich zu Operation und/oder Medikamenten können psychosomatische Therapieverfahren bei Endometriose sehr sinnvoll sein: Emotionale Probleme und psychosoziale Belastungen können die Schmerzen bei Endometriose verstärken beziehungsweise umgekehrt durch die Erkrankung entstehen oder zumindest begünstigt werden. Daraus kann sich ein Teufelskreis entstehen, der die Lebensqualität der Patientin erheblich einschränkt. Eine frühzeitige Unterstützung und Beratung (etwa durch einen Psychologen, Schmerztherapueten, Sexualberater etc.) kann dem entgegen wirken.

Medikamentöse Endometriose-Behandlung

Man kann verschiedene Medikamente bei Endometriose einnehmen, die unterschiedliche Zwecke erfüllen: Schmerzmittel dienen dazu, Schmerzen und Krämpfe im Unterleib zu lindern. Dagegen können Hormonpräparate das Wachstum der Endometriose-Herde bremsen.

Schmerzmit Viele Endometriose-Patientinnen nehmen sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac ein. Diese Wirkstoffe können nachweislich bei starken Regelschmerzen helfen. Ob sie auch bei sonstigen Endometriose-Schmerzen wirksam sind, ist bislang nicht wissenschaftlich belegt. Mögliche Nebenwirkungen von NSAR sind zum Beispiel Magenbeschwerden, Übelkeit, Kopfschmerzen und eine Störung der Blutgerinnung. Die Präparate sollten deshalb ohne ärztliche Aufsicht nicht öfters oder über längere Zeit eingenommen werden.

Bei sehr starken Endometriose-Schmerzen verschreibt der Arzt manchmal sogenannte Opioide. Das sind prinzipiell sehr potente Schmerzmittel. Allerdings ist ihre Wirksamkeit bei Endometriose-Schmerzen nicht eindeutig erwiesen. Darüber hinaus können Opioide Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung und Blutdruckschwankungen auslösen. Bei längerer Anwendung besteht zudem die Gefahr, dass sich eine Abhängigkeit entwickelt.

Hormonpräparate: Eine hormonelle Endometriose-Behandlung eignet sich für Patientinnen, die keinen Kinderwunsch haben. Die verabreichten Hormone unterdrücken nämlich die Hormonproduktion in den Eierstöcken und damit auch den Eisprung und die Regelblutung. Vor allem die Produktion von Östrogenen wird gehemmt. Weil die Endometriose-Herde östrogenabhängig sind, werden sie während der Hormontherapie "ruhiggestellt". Die Beschwerden lassen nach. Bislang unklar ist, ob die Hormonbehandlung auch bewirken kann, dass sich die Endometriose-Herde zurückbilden und die Endometriose ganz verschwindet. Zur Anwendung kommen verschiedene Hormonpräparate:

Manchmal empfiehlt der Arzt Endomtriose-Patientinnen bestimmte hormonelle Verhütungsmittel wie die Anti-Baby-Pille oder das Verhütungspflaster. Einige Präparate der Anti-Baby-Pille können durchgehend (ohne Pause) eingenommen werden. Das kann bei Endometriose von Vorteil sein, weil auch die Entzugsblutung (Blutung nach Beendigung eines Einnahmezyklus = einer Pillenpackung) für die Patientinnen sehr schmerzhaft sein kann. Dieser Langzyklus ist in Deutschland aber nicht offiziell zugelassen, erfolgt also "off label".

Weitere Hormonpräparate, die zur Endometriose-Therapie angewendet werden können, sind sogenannte GnRH-Analoga. Sie können ebenso wie hormonelle Verhütungsmittel die Endometriose-Symptome lindern. Allerdings haben sie stärkere Nebenwirkungen: Es kommt zu Beschwerden, wie sie oft in den Wechseljahren auftreten (Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Scheide). Außerdem können GnRH-Analoga bei längerer Anwendung die Knochendichte verringern.

Gestagen-Präparate (Gelbkörperhormone) wie Dienogest oder Dydrogesteron können die Endometriose-Schmerzen ebenfalls lindern. In Tablettenform werden sie kontinuierlich eingenommen. Wenn die Schmerzen auch nach einer Endometriose-Operation anhalten, kann eventuell eine Gestagen-haltige Spirale (Hormonspirale mit Levonorgestrel) in die Gebärmutter eingesetzt werden. Manchmal hilft das besser gegen die Beschwerden als die Operation allein. Mögliche Nebenwirkungen von Gestagenen sind zum Beispiel Zwischenblutungen, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und ein vermindertes sexuelles Interesse (Libidoverlust).

Operative Endometriose-Behandlung

Eine Operation kann angezeigt sein, wenn die Endometriose schwere Beschwerden und/oder Unfruchtbarkeit verursacht. Auch bei "Schokoladenzysten" der Eierstöcke lässt sich ein Eingriff meist nicht vermeiden (eine alleinige Hormonbehandlung reicht hier nicht aus). Das Gleiche gilt, wenn die Endometriose den Darm oder die Blase befallen hat und die Funktion dieser Organe stört.

Hinweis: Wenn die Endometriose tief in das Gewebe anderer Organe (wie Scheide, Blase, Darm) eingewachsen ist, sollte die Operation in Kliniken durchgeführt werden, wo man viel Erfahrung mit solchen Eingriffen hat.

Ziel einer Operation bei Endometriose ist es, die versprengten Gebärmutterschleimhaut-Inseln möglichst komplett zu entfernen - mittels Laser, elektrischem Strom oder Skalpell. Manchmal ist es dabei auch nötig, einen Teil der befallenen Organe zu entfernen (Eileiter etc.). Der Eingriff erfolgt meist im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Seltener ist ein großer Bauchschnitt (Laparotomie) notwendig.

Wenn die Endometriose sehr schwere Beschwerden verursacht, andere Behandlungen ncht helfen und kein Kinderwunsch besteht, entscheiden sich manche Frauen für eine komplette Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie). Manchmal hören die Beschwerden dann auf, allerdings nicht immer. Dann werden eventuell auch die Eierstöcke entfernt. Das entzieht allen Endometriose-Herden die zum Wachstum notwendigen Östrogene (Eierstöcke sind die Hauptproduktionsstätten dieser Hormone).

Das Entfernen der Eierstöcke versetzt die Patientin aber schlagartig in die Wechseljahre. Deshalb sollte dieser radikale Eingriff sehr sorgfältig überlegt werden. Falls nach der Operation sehr heftige Wechseljahresbeschwerden auftreten, kann die Frau zwar Östrogenpräparate dagegen einnehmen. Diese können dann aber auch bewirken, dass die Endometriose-Symptome zurückkehren.

Medikamente plus Operation

Manchmal werden medikamentöse und operative Endometriose-Behandlung kombiniert: Die Patientinnen erhalten vor und/oder nach eienr Bauchspiegelung Hormonpräparate (meist GnRH-Analoga). Die Vorbehandlung mit Hormonen soll die Endometriose-Herde möglichst verkleinern. Eine Hormonbehandlung nach der Operation soll verbliebene Endometriose-Herde ruhigstellen und die Bildung neuer Herde verhindern.

Bisher konnte in Studien aber nicht belegt werden, dass eine Kombination aus Hormonbehandlung und Bauchspiegelung tatsächlich erfolgversprechender ist als eine alleinige Operation - weder was die Schmerzen betrifft noch die Chancen auf eine Schwangerschaft. Noch dazu löste die Hormonbehandlung bei einigen Patientinnen Nebenwirkungen aus.

Endometriose: Komplementäre Therapien

Manche Frauen mit Endometriose nutzen alternative/komplementäre Heilmethoden gegen ihre Beschwerden. Die Palette reicht von Heilpflanzen und Homöopathie über Akupunktur, Entspannungs- und Bewegungstechniken (wie Yoga oder Tai-Chi) sowie psychologischem Schmerzbewältigungstraining bis hin zu chiropraktischen Behandlungen und TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation). Auch eine Lebensstiländerung (mehr Bewegung, Stressabbau etc.) soll hilfreich sein.

Solche alternativen/komplementären Heilmethoden können das Beschwerdebild und die Lebensqualität mancher Patientinnen tatsächlich verbessern, auch wenn der wissenschaftliche Nachweis einer Wirksamkeit bislang fehlt. Wer sich für solche Verfahren interessiert, sollte ihre Anwendung und mögliche Nebenwirkungen mit einem erfahrenen Arzt oder Therapeuten besprechen.

Tipp: Endometriose-Schmerzen lassen sich manchmal mit Wärmeanwendungen lindern, etwa in Form einer Wärmflasche, einer Wärmepackung oder als warmes Bad. Wärme wirkt beruhigend, entspannend und krampflösend.

Endometriose: Ursachen und Risikofaktoren

Wie die Endometriose genau entsteht, ist trotz intensiver Forschung immer noch unklar. Es gibt aber verschiedene Theorien dazu. Eine davon ist die sogenannte Verschleppungs- oder Transplantationstheorie:

Sie geht davon aus, dass Zellen der Gebärmutterschleimhaut von der Gebärmutterhöhle an andere Stellen des Körpers verschleppt werden. Das soll entweder über das Blutkreislaufsystem geschehen oder über eine "umgekehrte "(retrograde) Menstruation - also über einen Rückfluss von Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum. Tatsächlich weiß man, dass bei neuen von zehn Frauen eine solche retrograde Menstruation auftritt. Es wäre also theoretisch durchaus denkbar, dass auf diesem Wege Schleimhautzellen der Gebärmutter in den Bauchraum gelangen.

Einen Gegensatz zur Transplantationstheorie bildet die Metaplasie-Theorie: Ihr zufolge entstehen die Schleimhautzellen der Endometriose-Herde direkt an Ort und Stelle (etwa in den Eierstöcken), werden also nicht aus der Gebärmutter dorthin verschleppt. Stattdessen sollen sie sich aus unbekannten Gründen aus Zellen vor Ort entwickeln, die während der Entwicklung im Mutterleib aus der gleichen embryonalen Zelllinie hervorgegangen sind wie die Gebärmutterschleimhautzellen. Das könnte erklären, warum Endometriose auch bei Männern vorkommen kann (allerdings extrem selten) - das ursprüngliche embryonale Gewebe findet sich auch bei ihnen.

Zur Entstehung der Endometriose könnten noch weitere Faktoren beitragen, zum Beispiel ein gestörtes Zusammenspiel der Hormone. Auch eine Fehlfunktion des Immunsystems wird diskutiert: Normalerweise sorgt das Immunsystem nämlich dafür, dass Zellen aus einem bestimmten Organ nicht an anderen Körperstellen ansiedeln können. Außerdem lassen sich im Blut mancher Patientinnen Antikörper gegen Gebärmutterschleimhaut nachweisen. Diese Antikörper lösen im Bereich der Endometriose-Herde Entzündungen aus. Noch weiß man aber nicht, ob diese Antikörper die Ursache oder die Folge der Endometriose sind.

Genetische Faktoren könnten bei der Entstehung von Endometriose ebenfalls eine Rolle spielen. Manchmal tritt die Erkrankung nämlich bei mehreren Frauen innerhalb einer Familie auf. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass Endometriose direkt vererbbar ist.

Endometriose & Kinderwunsch

Viele Frauen mit Endometriose versuchen vergeblich, schwanger zu werden. In solchen Fällen empfehlen Experten im Allgemeinen eine Operation: Wenn man die versprengte Gebärmutterschleimhaut operativ entfernt, kann dies die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen.

Mit einer medikamentösen Endometriose-Behandlung allein gelingt dies dagegen nicht. Auch eine Hormonbehandlung mit GnRH-Analoga nach einer Operation kann die Fruchtbarkeit der Patientinnen nicht weiter verbessern.

Bei manchen Frauen bilden sich nach einer Operation neue Endometriose-Herde, sodass weiterhin eine Schwangerschaft ausbleibt. Dann sollte nicht nochmals operiert werden. Stattdessen raten Experten betroffenen Frauen, es mit einer künstlichen Befruchtung zu versuchen.

Mehr über Unfruchtbarkeit bei Endometriose und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten lesen Sie im Beitrag Endometriose & Kinderwunsch.

Endometriose: Untersuchungen und Diagnose

Bei Verdacht auf eine Endometriose sollten Frauen zum Frauenarzt (Gynäkologen) gehen. Dieser wird zuerst in einem ausführlichen Gespräch die Krankengeschichte erheben (Anamnese): Er lässt sich unter anderem die auftretenden Symptome (starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr etc.) genau schildern. Dabei fragt er auch, wie lange diese schon bestehen und wie sehr sie das Alltagsleben und eine eventuelle Partnerschaft beeinträchtigen. Außerdem erkundigt sich der Arzt, ob bereits eine Endometriose in der Familie festgestellt wurde (etwa bei der Mutter oder Schwester).

Hinweis: Oft verursacht eine Endometriose gar keine Beschwerden. Sie wird dann (wenn überhaupt) nur zufällig entdeckt, etwa wenn sich eine Frau wegen ungewollter Kinderlosigkeit genauer untersuchen lässt.

Der nächste Schritt ist eine gynäkologische Untersuchung. Dazu gehört, dass der Arzt die Bauchdecke, die Scheide, den Muttermund und Enddarm abtastet. Das kann ihm Hinweise auf eventuelle Schmerzen, Verhärtungen oder Verwachsungen in diesen Bereichen geben.

Wertvolle Informationen kann der Arzt auch aus Ultraschall-Untersuchungen über die Bauchdecke sowie über die Scheide (transvaginale Sonografie) gewinnen. Es lassen sich damit oftmals größere Endometriose-Herde sowie Zysten und Verwachsungen erkennen. Der Ultraschall über die Scheide ist besonders geeignet, um Zysten der Eierstöcke nachzuweisen. Auch bei Verdacht auf Endometriose-Herde in der muskulären Gebärmutterwand (Adenomyose) ist der transvaginale Ultraschall notwendig.

Vermutet der Arzt einen Endometriose-Befall der Harnwege, wird er auch die Nieren mittels Ultraschall untersuchen: Falls die Endometriose-Herde die Harnleiter verengen, kann sich der Urin in die Niere zurückstauen und das Organ schädigen.

Bei Verdacht auf eine Endometriose entnimmt der Arzt auch oft eine Gewebeprobe verdächtiger Stellen und lässt sie im Labor feingeweblich (histologisch) untersuchen. Die Probenentnahme erfolgt meist über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Die Gewebeuntersuchung kann zeigen, ob es sich tatsächlich um eine Endometriose handelt oder vielleicht um eine andere (eventuell bösartige) Erkrankung.

In einzelnen Fällen können bei Endometriose weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Beispielsweise kann bei einem vermuteten Befall der Blase oder des Enddarms eine Blasenspiegelung beziehungsweise eine Enddarmspiegelung Klarheit bringen. Ganz selten kommen neben dem Ultraschall andere bildgebende Verfahren (Kernspintomografie, Computertomografie) zur Anwendung.

Endometriose: Verlauf und Prognose

Die Endometriose verläuft in der Regel chronisch. Wie sie sich im Einzelfall entwickelt, lässt sich nicht vorhersagen. Bei manchen Frauen bilden sich die Endometriose-Herde ohne Behandlung spontan zurück. Bei anderen schreitet die Erkrankung fort: Die versprengten Schleimhaut-Inseln wachsen stetig, breiten sich aus und können verschiedene Organe in Mitleidenschaft ziehen. Das kann wiederholte Operationen notwendig machen.

Mit der richtigen Therapie lassen sich die Beschwerden einer Endometriose in den meisten Fällen lindern. Die beschwerdefreiheit ist aber nicht immer von Dauer: Wurde eine Endometriose mit Hormonen erfolgreich behandelt, kehren die Beschwerden nach dem Absetzen der Medikamenten oft zurück. Eine Operation ist ebenfalls keine Garantie auf anhaltende Beschwerdefreiheit: Bei fast vier von fünf Frauen bilden sich innerhalb von fünf Jahren nach dem Eingriff neue Endometriose-Herde.

Mit dem Beginn der Wechseljahre kommt die Endometriose aber bei den meisten Frauen zur Ruhe.

Weiterführende Informationen

Bücher:

  • Endometriose: Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige (Rat & Hilfe), Ewald Becher und Adolf Schindler, Kohlhammer W., GmbH, 2010
  • So leben wir mit Endometriose - Der Alltag mit der chronischen Unterleibserkrankung: Begleitbuch für betroffene Frauen, ihre Familien und medizinische Ansprechpartner, von Kathrin Steinberger, edition riedenburg, 2013

Leitlinie:

  • S2k-Leitlinie für die "" der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2013)

Selbsthilfe:

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