oGTT

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Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Ein oGTT (oraler Glukosetoleranztest, Zuckerbelastungstest) weist einen gestörten Glukosestoffwechsel nach (Glukosetoleranzstörung). Er unterstützt damit die Diagnose von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Lesen Sie alles Wichtige über den oGTT - wie er durchgeführt wird, was die oGTT-Werte bedeuten und welche Risiken die Untersuchung birgt.

oGTT

Was ist ein oGTT?

Bei einem oGTT wird überprüft, wie gut der Körper zugeführten Zucker (Glukose) verarbeiten kann.

Nimmt man Zucker zu sich, gelangt dieser vom Dünndarm ins Blut und sorgt für einen Anstieg der Blutglukosekonzentration. Durch die Ausschüttung des Hormons Insulin aus der Bauchspeicheldrüse wird die Glukose in Leber-, Muskel- und Fettzellen geschleust. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel wieder. Dies wird auch als Glukosetoleranz bezeichnet.

Kann die Glukose aber nur noch unzureichend in die Zellen eingeschleust werden, spricht man von einer gestörten Glukosetoleranz beziehungsweise einer Glukoseintoleranz. Der Blutglukosespiegel bleibt erhöht, was durch eine Blutzuckermessung ermittelt werden kann.

Wann macht man einen oGTT?

Der oGTT wird bei Verdacht auf eine gestörte Glukosetoleranz durchgeführt, wenn eine Messung der sogenannten Nüchternglukose (Nüchtern-Blutzucker) jedoch keine eindeutig krankheitsrelevanten Ergebnisse liefert oder aber bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen:

  • Diabetes mellitus Typ 2 bei erstgradigen Verwandten (wie Eltern)
  • Übergewicht oder körperliche Inaktivität
  • arterieller Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Gefäßerkrankungen
  • Proteine im Urin (Albuminurie)
  • zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche zum Ausschluss eines Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)

Je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto eher sollte mit einem oGTT eine mögliche Glukoseintoleranz abgeklärt werden.

Was macht man bei einem oGTT?

Mindestens drei Tage vor dem Test sollten Sie sich kohlenhydratreich ernähren (150 bis 250 Gramm Kohlenhydrate pro Tag, damit die oGTT-Werte nicht verfälscht werden. Dies entspricht einer normalen Mischkost. Acht bis zwölf Stunden vor dem oGTT dürfen Sie weder essen noch Alkohol oder gezuckerte Getränke konsumieren und auch nicht rauchen.

Zur Bestimmung der Nüchternglukose wird zuerst eine Blutprobe abgenommen. Anschließend trinken Sie eine süße Testlösung (75 Gramm Traubenzucker, der in 250 bis 300 Millilitern Wasser gelöst wurde). Nach zwei Stunden wird erneut Blut abgenommen, um den Blutzucker zu messen. Während dieser Zeit sollten Sie sich weder körperlich belasten noch rauchen. Dieses Testverfahren wird auch mit 75-g-oGTT bezeichnet.

Liegt der Blutglukosewert nach zwei Stunden bei über 140  Milligramm pro Deziliter(und der Nüchtern-Blutzucker unter 126 mg/dl), besteht eine gestörte Glukosetoleranz (Vorstufe von Diabetes). Beträgt der Messwert 200 Milligramm pro Deziliter oder mehr, spricht das für einen Diabetes mellitus. Der Nüchtern-Blutzucker liegt dann bei mindestens 126 mg/dl.

Unter bestimmten Bedingungen ist ein oGTT nicht aussagekräftig:

  • akute Infekte und schwere Krankheiten
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
  • Funktionsstörungen der Leber
  • akuter Kalium- und Magnesiummangel
  • drei Tage vor, während und drei Tage nach der Menstruation
  • nach Magenoperationen

Außerdem können kortisonhaltige Medikamente, Blutdrucksenker (Betablocker) und Entwässerungsmittel (Diuretika) die Glukosetoleranz stören. Ihr Arzt sagt Ihnen, welche Medikamente Sie vor der Untersuchung weiterhin nehmen dürfen.

oGTT – Schwangerschaft

Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche wird bei jeder Frau zum Ausschluss eines Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) ein oGTT durchgeführt. Zuerst steht ein Vortest an: Die Schwangere trinkt eine Zuckerlösung mit 50 Gramm Zucker (50-g-oGTT). Sie muss dafür nicht nüchtern sein! Liegt eine Stunden danach der venöse Blutzuckerspiegel unter 135 mg/dl, ist alles in Ordnung und der Test beendet.

Bei einem Messwert von 135 mg/dl oder mehr, folgt dagegen der oben beschriebene 75-g-oGTT unter nüchternen Bedingungen. Ein Schwangerschaftsdiabetes liegt demnach vor, wenn:

  • der Nüchtern-Blutzucker (Venenblut) bei92 mg/dl oder höher liegt
  • und/oder der Blutzucker eine Stunde nach Trinken der Zuckerlösung bei180 mg/dl oder höher liegt
  • und/oder der Blutzucker zwei Stunden nach Trinken der Zuckerlösung bei153 mg/dl oder höher liegt

Für die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes genügt es, wenn einer dieser Grenzwerte überschritten ist.

Welche Risiken birgt ein oGTT?

Ein oGTT verläuft in aller Regel komplikationslos. Bei der Blutabnahme kann es zu Blutergüssen oder kleineren Blutungen kommen. Bei bekannten Störungen der Glukoseverwertung sollte der Zuckerbelastungstest nicht durchgeführt werden. Dazu gehören ein diagnostizierter Diabetes mellitus, Magen-Darm- oder Lebererkrankungen.

Was muss ich nach einem oGTT beachten?

Ihr Arzt wird mit Ihnen das Ergebnis des oGTT besprechen. Belegen die oGTT-Werte eine gestörte Glukosetoleranz, sollten Sie Ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren und die Risikofaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen prüfen lassen (wie Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck etc.).

Passen Sie darüber hinaus Ihre Ernährung an Ihren Kalorienbedarf an und essen Sie nach Möglichkeit ballaststoffreich und viel frisches Obst und Gemüse. Wenn Sie Übergewicht haben, sollten Sie versuchen, abzunehmen. Verzichten Sie auf Fertigprodukte und Alkohol. Auch regelmäßige Bewegung hilft, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten, da die Muskulatur dann vermehrt Glukose verwertet. Außerdem hilft körperliche Aktivität, ein gesundes Körpergewicht zu halten oder zu erreichen. Sehr empfehlenswert ist auch ein Rauchstopp (Tabakentwöhnung). Er hat einen langfristig positiven Effekt auf die Entwicklung eines Diabetes mellitus und ist auch zur Vorbeugung sinnvoll.

In der Regel wird nach drei bis sechs Monaten ein weiterer oGTT durchgeführt. 

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