Insulin

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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Viele Diabetiker brauchen Insuline, um ihre Blutzuckerwerte unter Kontrolle zu halten. Das gilt für alle Typ-1-Diabetiker sowie für einige Typ-2-Diabetiker. Für die Insulintherapie stehen verschiedene Insulinpräparate zur Verfügung, zum Beispiel kurzwirksame, langwirksame und intermediär wirksame Insuline. Lesen Sie hier mehr über Wirkung und Anwendung der verschiedenen Insuline bei Diabetes mellitus!

Was ist Insulin?

Das körpereigene Insulin ist ein blutzuckersenkendes Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Es spielt eine zentrale Rolle bei Diabetes mellitus: Der krankhaft erhöhte Blutzuckerspiegel der Patienten beruht entweder darauf, dass im Körper zu wenig Insulin produziert wird oder aber dass das ausreichend hergestellte Insulin seine Wirkung nicht richtig entfalten kann.

Im ersten Fall resultiert ein absoluter Insulinmangel. Er ist typisch für den Typ-1-Diabetes: Diese Form von Zuckerkrankheit lässt sich nur mit Insulinpräparaten behandeln. Das heißt: Das fehlende Hormon muss regelmäßig von außen zugeführt werden (Insulintherapie). Dafür stehen verschiedene Insulinpräparate zur Verfügung.

Selten ist eine Insulintherapie auch bei Typ-2-Diabetes nötig. Die Patienten weisen in der Regel einen relativen Insulinmangel auf, der auf einer unzureichenden Insulinwirkung beruht. Dieser lässt sich meist mit einer Ernährungsumstellung, Sport und eventuell blutzuckersenkenden Tabletten (orale Antidiabetika) behandeln. Nur wenn das nicht ausreicht, um den erhöhten Blutzucker zu senken, erhalten auch Typ-2-Diabetiker Insulin.

Wie wird das Insulin verabreicht?

Insulinpflichtige Diabetiker können sich das Insulin heute bequem injizieren - mit hauchdünnen Nadeln und einem Insulin-Pen, der optisch einem Füller ähnelt. Seltener ersetzt eine automatisch arbeitende Insulinpumpe die händisch verabreichten Spritzen.

Es gibt verschiedene Insulin-Präparate und unterschiedliche Behandlungsschemata, wie die Spritzen verabreicht werden (Konventionelle Insulintherapie, Intensivierte Insulintherapie). Welche Therapie und welches Präparat für einen bestimmten Patienten passen, hängen unter anderem von dessen Bereitschaft ab, sich mit der Diabetes-Erkrankung und den Behandlungsmethoden auseinander zu setzen.

Insuline: Wirkung

Die in der Diabetes-Therapie verabreichten Insuline müssen die notwendige Hormonwirkung im Körper der Patienten nachahmen. Nur so lassen sich erhöhte Blutzuckerspiegel senken und Folgeerkrankungen (wie Diabetscher Fuß oder Diabetische Retinopathie) vermeiden.

Basis-Bolus-Prinzip

Die gesunde Bauchspeicheldrüse schüttet gleichmäßig über den Tag verteilt niedrige Insulinmengen aus. Sie sollen den Basisbedarf an Insulin decken und so lebenswichtige Stoffwechselvorgänge aufrecht erhalten (Basalrate).

Außerdem setzt die Bauchspeicheldrüse zu jeder Mahlzeit zusätzliches Insulin frei, um den Zucker aus der Nahrung zu verwerten (Bolus). Welche Mengen Insulin die Bauchspeicheldrüse ausschüttet, hängt von den Ernährungsgewohnheiten, der körperlichen Aktivität, Tageszeit und anderen Umständen (wie akuten Erkrankungen) ab.

Wie viel sich ein Diabetiker Insulin spritzen muss, um Basalrate und Bolus abzudecken, ist individuell verschieden.

Insuline: Anwendung

Die für die Diabetes-Therapie verwendeten Insuline lassen sich je nach ihrer Herkunft in tierische (wie Schweine-Insulin) und künstliche Insuline (Humaninsulin, Insulinanaloga) einteilen:

Früher wurden Diabetiker mit Insulin behandelt, das man aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen und Rindern isoliert hatte (Schweine-Insulin, Rinder-Insulin). Das menschliche Immunsystem reagiert auf die fremde Substanz aber oft mit der Bildung von Abwehrstoffen. Das beeinträchtigt die Wirkung des Insulins. Deshalb werden Schweine- und Rinder-Insulin hierzulande heute viel seltener verwendet als früher.

Mitte der 1980er Jahre gelang es erstmals, Insulin gentechnisch in großen Mengen herzustellen. Dieses Humaninsulin ist mit dem menschlichen Insulin identisch ist. Es ist das am häufigsten verwendete Insulin in der Diabetes-Therapie. Tierische Insuline und Humaninsuline (ohne Zusatz von wirkungsverlängernden Substanzen) werden auch als Normal-Insuline bezeichnet, weil sie die gleiche Struktur wie menschliches Insulin haben.

Seit den 1990er Jahren werden auch sogenannte Insulinanaloga zur Behandlung von Zuckerkranken eingesetzt. Sie werden wie Humaninsulin künstlich (gentechnisch) hergestellt, unterscheiden sich aber geringfügig in ihrem Aufbau. Je nachdem, wie ihre Struktur verändert wurde, wirken sie entweder schneller und kürzer als Normalinsuline oder aber langsamer und länger als NPH-Verzögerungsinsuline (Normalinsuline mit NPH-Zusatz für eine verzögerte Wirkung).

Einteilung nach Wirkeintritt und Wirkdauer

Die verschiedenen Insuline werden auch nach ihrer Wirkdauer und dem Wirkprofil eingeteilt. Von diesen beiden Eigenschaften hängt es ab, wie und wann ein Insulinpräparat angewendet wird. Im Folgenden finden Sie zuerst eine Übersicht und im Anschluss eine genauere Beschreibung der verschiedenen Insuline und ihrer Anwendung.

(Achtung: Der Wirkeintritt eines Insulins hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Ort der Injektion.)

Kurzwirksame Insuline

Insulinanaloga:

  • Wirkeintritt: ca. 5 bis 10 Min. nach Verabreichung
  • Wirkmaximum: ca. 1 bis 1,5 h nach der Verabreichung
  • Wirkdauer: ca. 2 bis 3 h

Normal-Insuline (Humaninsulin, Schweine-Insulin, Rinder-Insulin)

  • Wirkeintritt: ca. 15 bis 30 Min. nach Verabreichung
  • Wirkmaximum: ca. 1,5 bis 3 h nach der Verabreichung
  • Wirkdauer: ca. 4 bis 8 h

Intermediärwirkende Insuline

(Insulinanaloga, Humaninsulin oder Schweine-Insulin mit NPH oder Zink verzögert)

  • Wirkeintritt: ca. 2 h nach Verabreichung
  • Wirkmaximum: ca. 4 bis 6 h nach der Verabreichung
  • Wirkdauer: ca. 12 bis 14 h

Langwirksame Insuline

(Insulinanaloga, Humaninsulin, Schweine-Insulin)

  • Wirkeintritt: langsam
  • Wirkmaximum: je nach Verzögerungsprinzip
  • Wirkdauer: je nach Verzögerungsprinzip; meist bis zu 24 h

Mischinsuline

(Insulinanaloga, Humaninsulin, Schweine-Insulin)

Feste Mischung aus verschiedenen Insulinen (siehe unten).

Schnell und kurz wirksame Insuline

Sie decken den Insulinbedarf zu den Mahlzeiten (Bolus). Daher sprechen Mediziner auch von Bolus-, Ess-, Mahlzeiten- oder Korrekturinsulin.

• Normalinsulin (früher: Altinsulin)

Die Wirkung setzt nach etwa 15 bis 30 Minuten ein. Deshalb muss das Insulin eine halbe Stunde vor dem Essen gespritzt werden (Spritz-Ess-Abstand). Nach 1,5 bis 3 Stunden erreicht die Wirkung ihren Höhepunkt. Die gesamte Wirkdauer beträgt etwa 4 bis 8 Stunden.

• Insulinanaloga

Die Wirkung kann hier schon nach etwa 5 bis 10 Minuten eintreten. Im Gegensatz zum Normalinsulin muss also kein Zeitintervall zwischen Spritzen und Essen eingehalten werden. Die maximale Wirkung wird nach 1 bis 1,5 Stunden erreicht. Insgesamt wirken diese Insulinanaloga kürzer als Normalinsulin: Ihre Wirkdauer liegt bei etwa 2 bis 3 Stunden.

Langsam und langwirkende Insuline

Sie decken den nahrungsunabhängigen Grundbedarf an Insulin (Basis) und werden daher auch Basalinsuline genannt.

• Intermediärinsuline

Durch den Zusatz verschiedener Substanzen (Protamin, Zink, Surfen) lassen sich Wirkungseintritt und -dauer von Humaninsulin verzögern. Von Bedeutung sind heute hauptsächlich noch Verzögerungsinsuline mit Protamin-Zusatz, sogenannte NPH-Insuline (NPH = Neutrales Protamin Hagedorn). Ihre Wirkung setzt etwa zwei Stunden nach dem Spritzen ein und erreicht nach etwa vier bis sechs Stunden ihr Maximum. Danach flacht die Wirkung wieder ab. Die gesamte Wirkdauer von NPH-Insulinen beträgt etwa 12 bis 14 Stunden.

NPH-Insulin kann mit Normalinsulin in jedem Verhältnis stabil gemischt werden. Es gibt daher auf dem Markt zahlreiche Insulinpräparate mit konstanten NPH-/Normalinsulin-Mischungen. Häufig werden beide Komponenten aber auch erst unmittelbar vor der Injektion in der Spritze miteinander vermischt.

Die Wirkung der Intermediärinsuline verläuft nicht gleichmäßig. Dadurch kann es zu nächtlichen Unterzuckerungen kommen, wenn das Insulin sein Wirkungsmaximum erreicht. Morgens, wenn die Wirkung nachlässt, sind dagegen erhöhte Zuckerwerte möglich.

• Langwirkende Insulinanaloga

Die Wirkdauer der langwirksamen Insulinanaloga beträgt in der Regel bis zu 24 Stunden. Deshalb müssen sie nur einmal am Tag gespritzt werden. Im Gegensatz zu den Intermediärinsulinen wirken diese Insulinanaloga über den gesamten Zeitraum relativ gleichmäßig und weisen kein Wirkungsmaximum auf. Daher ist die Gefahr von nächtlichen Unterzuckerungen geringer, und auch morgens bleiben die Zuckerwerte gesenkt.

Insulinanaloga sind einfacher in der Anwendung als verzögerte Humanisuline. Sie liegen als klare, gelöste Flüssigkeit vor, sind dadurch gut dosierbar und stellen den Blutzucker sehr gleichmäßig ein. Humaninsuline dagegen setzen sich als Kristalle in der Ampulle ab (Suspension). Daher müssen sie vor jedem Spritzen sorgfältig gemischt werden, um Dosisschwankungen zu vermeiden.

Mischinsuline

Mischinsuline sind fertige Mischungen aus einem kurzwirksamen und einem intermediär- oder langwirksamen Insulin. Es gibt sie in verschiedenen Mischungsverhältnissen. Für manche Menschen mit Diabetes mellitus sind solche festen Mischungen bequemer. Aber dadurch ist der Diabetiker auch in ein starreres Konzept gebunden als bei individuellen Kombinationen.

Inhalatives Humaninsulin

Das erste inhalative Insulin wurde in Deutschland 2006 zugelassen. Der Hersteller hat das Präparat jedoch schon ein Jahr später vom Markt genommen, weil das Inhaliergerät sehr groß und die Behandlung viel teurer ist als mit Insulinspritzen. Bislang wurden keine neuen Insuline zum Inhalieren auf den deutschen Markt gebracht.

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