Diabetische Retinopathie

aktualisiert am
Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen ansehen
4,5 / 5 49 Bewertungen – Ihre Bewertung

Die diabetische Retinopathie ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Bei den Betroffenen hat der hohe Blutzucker die Netzhaut geschädigt, sodass sich das Sehvermögen verschlechtert. Manche Patienten erblinden sogar. Diabetiker sollten regelmäßig ihre Augen untersuchen lassen, damit Netzhautschäden frühzeitig entdeckt werden. Lesen Sie mehr über die diabetische Retinopathie!

Diabetische Retinopathie

Diabetische Retinopathie: Beschreibung

Unter der diabetischen Retinopathie (diabetische Netzhauterkrankung) versteht man eine Schädigung der Netzhaut (Retina) im Auge aufgrund der hohen Blutzuckerwerte. Sie kann sowohl bei Diabetes Typ 1 als auch Diabetes Typ 2 auftreten.

Die Netzhaut besteht aus spezialisierten Nervenzellen (Photorezeptoren), welche die ins Auge fallenden Lichtstrahlen in Nervenimpulse umwandeln. Ein hoher Blutzuckerspiegel schädigt die kleinen Blutgefäße in der Netzhaut, sodass die Photorezeptoren zu wenig Sauerstoff erhalten. In fortgeschrittenen Stadien bilden sihc in der Netzhaut neue, aber instabile Blutgefäße. Die Betroffenen sehen zunehmend schlechter und können in schweren Fällen sogar erblinden. Die diabetische Retinopathie ist in Industrieländern die häufigste Ursache für Erblindung im mittleren Lebensalter.

Mediziner unterscheiden bei der Diabetes-bedingten Nezuhauterkrankung zwei verschiedene Erkrankungsstadien: Das Anfangsstadium ist die nicht-proliferative diabetische Retinopathie. Diese kann nach Jahren in die proliferative diabetische Retinopathie übergehen, bei der eine Erblindung droht. Neben diesen beiden Sstadien gibt es noch eine Sonderform der Erkrankung, bei der die Netzhaut vor allem im Bereich der Makula (Gelber Fleck, Ort des schärfsten Sehens) geschädigt wird: die diabetische Makulopathie.

Nicht-proliferative diabetische Retinopathie

Nicht-proliferativ bedeutet, dass in diesem Erkrankungsstadium noch keine Gefäßneubildung (Neoangiogenese) im Bereich der Netzhaut stattfindet. Doch auch jetzt schon wird das Gewebe im Auge mangelhaft durchblutet, sodas die Netzhautzellen zu wenig Sauerstoff erhalten.

Diese Minderdurchblutung löst typische strukturelle Veränderungen der Netzhaut aus, die der Augenarzt bei der Untersuchung des Augenhintergrundes sehen kann. Der Patient selbst bemerkt in diesem Stadium oft noch nichts von seiner Erkrankung. Nur manche Patienten berichten über Gesichtsfeldausfälle (durch Einblutungen in der Netzhaut) und eine allmählich Verschlechterung der Sehkraft.

Proliferative diabetische Retinopathie

Im fortgeschrittenen Stadium versucht der Körper, den deutlichen Sauerstoffmangel in der Netzhaut durch die Bildung neuer Blutgefäße auszugleichen (Gefäßproliferation). Diese sind allerdings sehr instabil und neigen dazu, einzureißen oder zu platzen. Die Folge sind häufige Einblutungen und Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhaut. Auch in der Regenbogenhaut (Rubeosis iridis) und um die Einmündungsstelle des Sehnervs in die Netzhaut (Sehnerven-Papille) bilden sich solche neuen Gefäße.

Die proliferative diabetische Retinopathie bedeutet eine ernste Gefahr für das Augenlicht der Patienten. Meist ist die Sehkraft ohnehin bereits stark eingeschränkt. In diesem Stadium droht aber die vollkommene Erblindung.

Diabetische Makulopathie

Die diabetische Makulopathie ist eine spezielle diabetische Retinopathie. Hier wird vor allem der Ort des schärfsten Sehens (Makula) im Bereich der Netzhaut durch die dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel in Mitleidenschaft gezogen. Patienten haben daher große Schwierigkeiten im Alltag, beispielsweise beim Autofahren oder beim Lesen.

Diabetische Retinopathie: Symptome

Durch die Schädigung der Nervenzellen der Netzhaut wird die Sehkraft zunehmend schlechter. Das zieht sich über wenige Jahre hin. Die Schädigung schreitet insbesondere in den ersten Erkrankungsjahren häufig nur langsam voran, kann sich später aber beschleunigen. Sie wird von den Betroffenen meist erst spät bemerkt.

Die diabetische Retinopathie kann aber auch akute Symptome zeigen: Wenn ein Netzhautgefäß reißt und es zu Einblutungen in der Netzhaut kommt, können plötzlich dunkle Flecken im Gesichtsfeld erscheinen. Bei einer stärkeren Einblutung kann das Blut auch in den Glaskörper des Auges gelangen und eine sogenannte Glaskörperblutung verursachen. Betroffene sehen hierbei vorbeifließende schwarze Pünktchen („Rußregen“). Außerdem kann die Diabetische Retinopathie in einem fortgeschrittenen Stadium eine Netzhautablösung(Ablatio retinae) verursachen. Sie macht sich beispielsweise durch Lichtblitze und plötzliche Gesichtsfeldausfälle bemerkbar.

Diabetische Retinopathie: Ursachen und Risikofaktoren

Die diabetische Retinopathie wird durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel verursacht. Je schlechter der Blutzucker eingestellt ist, desto wahrscheinlicher entwickelt sich eine diabetische Retinopathie.

Bei den Betroffenen schädigen die vielen Zuckermoleküle im Blut die Innenwände der kleinsten Blutgefäße (Kapillaren). Diese Schädigung wird auch Mikroangiopathie genannt. Sie betrifft alle winzigen Gefäße im Körper, vor allem aber die Netzhautgefäße und die Nierengefäße.

Werden die Nervenzellen der Netzhaut aufgrund der Gefäßschädigung nicht mehr ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt, sterben sie ab. Außerdem können die geschädigten Kapillaren undicht werden. Der resultierende Blutaustritt schädigt ebenfalls die Nervenzellen der Netzhaut.

Neben einem erhöhten Blutzucker tragen auch weitere Risikofaktoren zu einer Schädigung der kleinen Gefäße im Auge bei. Dazu gehören:

  • hoher Blutdruck (arterielle Hypertonie)
  • Rauchen
  • erhöhte Cholesterinwerte (und andere Blutfettwerte)
  • hormonelle Umstellungen, zum Beispiel in der Pubertät oder Schwangerschaft

Diabetische Retinopathie: Untersuchungen und Diagnose

Die Diagnose „diabetische Retinopathie“ wird in der Regel durch den Augenarzt gestellt. Dieser führt zuerst meist ein ausführliches Gespräch mit Ihnen als Patient, um Ihre Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Schildern Sie dem Augenarzt dabei detailliert Ihre Symptome. Oft stellt der Arzt auch Fragen wie zum Beispiel:

  • Wie lange leiden Sie bereits an einem Diabetes?
  • Sehen Sie in letzter Zeit häufig verschwommen?
  • Sehen Sie manchmal schwarze Pünktchen, die vorbeizufliegen scheinen?
  • Leiden Sie unter Bluthochdruck?
  • Rauchen Sie?
  • Sind bei Ihnen erhöhte Blutfette oder erhöhte Cholesterinwerte bekannt?

Um eine diabetische Retinopathie festzustellen, ist die Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) die wichtigste Untersuchung. Dabei sieht sich der Arzt den Augenhintergrund (Fundus) an. Die Untersuchung ist vollkommen schmerzfrei.

Bei der diabetischen Retinopathie können im Augenhintergrund je nach Erkrankungsstadium die geschädigten Blutgefäße sichtbar sein. Außerdem sind manchmal Gefäßaussackungen (Aneurysmen), Netzhauteinblutungen, Netzhautinfarkte („Cotton-Wool-Herde“) und Ablagerungen von Fetten in der Netzhaut („Harte Exsudate“) erkennbar.

Weitere Untersuchungen

Manchmal sind weitere Untersuchungen notwendig, um eine Diabetische Retinopathie genauer abzuklären. Dazu gehört zum Beispiel die Fluoreszenzangiografie, mit der die Gefäße der Netzhaut dargestellt werden können. Mit der Optischen Kohärenztomografie (OCT) kann außerdem der Ort des schärfsten Sehens (Makula) genauer untersucht werden.

Diabetische Retinopathie: Behandlung

Die diabetische Retinopathie entsteht durch einen zu hohen Blutzuckerspiegel. Die beste Therapie ist deshalb eine möglichst optimale Blutzuckereinstellung. Eventuell bestehende weitere Risikofaktoren sollten ebenfalls behandelt werden. Außerdem können spezielle augenärztliche Behandlungsmethoden möglicherweise das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Blutzuckereinstellung

In der Diabetes-Therapie wird im Allgemeinen ein Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) zwischen 6,5 und 7,5 Prozent angestrebt. Individuell kann der behandelnde Azt ein anderes Therapieziel vorgeben. Haben zum Beispiel die hohe Blutzuckerwerte bereits mittlere und große Gefäße geschädigt (wie Beingefäße oder Herzkranzgefäße), sollte der HbA1c-Wert zwischen 7,0 und 7,5 Prozent liegen. Besteht bereits eine Nierenschädigung (diabetische Nephropathie), werden oft Werte unter 7,0 Prozent angestrebt.

Risikofaktoren

Eventuell vorhandene Risikofaktoren für Gefäßschäden müssen ebenfalls therapiert werden, um die zunehmende Schädigung der Netzhaut zu verhindern. Zu den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen zählt dabei vor allem die medikamentöse Einstellung eines erhöhten Blutdruckwerts. Zudem sollten erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyzeride) durch diätetische Maßnahmen gesenkt werden. Außerdem sollten Patienten auf Alkohol und Nikotin verzichten, weil diese Genussmittel ebenfalls schlecht für die Gefäße sind.

Augenärztliche Behandlungsmöglichkeiten

Eine fortgeschrittene diabetische Retinopathie kann mittels einer Laser-Therapie und die Injektion von Medikamenten in das Auge behandelt werden. Bei Einblutungen in den Glaskörper kann der Glaskörper entnommen und durch eine klare Flüssigkeit ersetzt werden.

Laser-Therapie: Der Patient erhält dazu eine lokale Betäubung. In mehreren Sitzungen im Verlauf einiger Wochen werden mit einem Laser gezielt Narben an der Netzhaut verursacht (Laserkoagulation). Dabei werden nur bereits krankhaft veränderte Netzhautareale vernarbt, die Nervenzellen jedoch möglichst geschont. Durch die Ausschaltung der krankhaft veränderten Netzhautareale wird der Gesamtsauerstoffbedarf der Netzhaut reduziert. Die gesunden Netzhautanteile haben dadurch mehr Sauerstoff zur Verfügung.

Die Laser-Therapie kann eine drohende Erblindung verhindern. Sie birgt aber Nebenwirkungen. Nur bei etwa der Hälfte der Patienten bleibt die vorher bestehende Sehschärfe erhalten. Nach der Behandlung können Sehstörungen in der Dunkelheit (Nachtblindheit) sowie eine Einschränkung des Gesichtsfeldes auftreten. Als Folge des Eingriffs kann sich zudem Wasser in der Netzhaut einlagern (Netzhautödem).

Injektion von Medikamenten in den Glaskörper: Diese intravitreale Injektion kommt in Fragen, wenn der Diabetes zu einer Schwellung am Ort des schärfsten Sehens (Makulaödem) mit Beteiligung der Sehgrube (Fovea) geführt hat. Meist werden dann sogenannte VEGF-Inhibitoren injiziert. Diese Wirkstoffe können das krankhafte Gefäßwachstum im Auge hemmen. Wenn diese Therapie nicht wirkt, kann eventuell ein Kortison in den Glaskörper gespritzt werden. Es wirkt gefäßabdichtend und hilft damit gegen die Schwellung. Kortison-Injektionen erhöhen aber das Risiko für Grauen und Grünen Star (Katarakt und Glaukom).

Manche der verwendeten Wirkstoffe sind für eine intravitreale Injektion bei Makulaödem nicht offiziell zugelassen. Ihr Einsatz findet also „off-label“ statt. Sie dürfen nur verwendet werden, wenn der Patient zuerst ausführlich über Wirkung und Nebenwirkung des Medikaments aufgeklärt wird und schriftlich seine Zustimmung gibt.

Glaskörperentfernung (Vitrektomie): Die diabetische Retinopathie geht in einigen Fällen mit Einblutungen in den Glaskörper des Auges oder mit einer Netzhautablösung einher. Einblutungen im Glaskörper beeinträchtigen die Sehkraft. Außerdem kann der Glaskörper vor allem bei einer bestehenden diabetischen Retinopathie krankhaft verändert sein und damit eine Netzhautablösung verursachen. In diesen Situationen ist es sinnvoll, den fast vollständig aus Wasser bestehenden Glaskörper zu entfernen (Vitrektomie). Dies geschieht unter lokaler Betäubung. Nach der Entfernung des Glaskörpers wird der zurückbleibende Hohlraum mit einer Flüssigkeit oder einem Gas aufgefüllt. Nach dem Eingriff kann das Risiko für Grauen Star (Katarakt) erhöht sein.

Diabetische Retinopathie: Krankheitsverlauf und Prognose

Die Diabetische Retinopathie ist eine chronische Erkrankung, die im Laufe von wenigen Jahren von einer Beschwerdefreiheit zur völligen Erblindung führen kann. Durch den Sauerstoffmangel sterben immer mehr Nervenzellen in der Netzhaut irreversibel ab. Dadurch verschlechtert sich die Sehkraft zunehmend. Außerdem drohen zahlreiche Komplikationen wie erhöhter Augeninnendruck (Grüner Star) und Netzhautablösung. Bei einigen Diabetes-Patienten (weniger als ein Prozent) führt die Diabetische Retinopathie zur völligen Erblindung.

Bislang lässt sich die Erkrankung nicht heilen. Mit der richtigen Behandlung kann aber ihr Fortschreiten oftmals verlangsamt werden. Entscheidend für die Prognose ist aber vor allem, wie gut es dem Betroffenen gelingt, den Blutzucker einzustellen und weitere Risikofaktoren für die diabetische Retinopathie (Bluthochdruck, Rauchen etc.) auszuschalten.

Wann Sie zum Augenarzt gehen sollten!

Damit eine diabetische Retinopathie rechtzeitig erkannt wird, sollten Diabetiker unbedingt in regelmäßigen Abständen einen Augenarzt aufsuchen:

  • Wenn noch keine Netzhautveränderungen und kein besonderes Risiko dafür bestehen, wird eine Augenuntersuchung alle zwei Jahre empfohlen.
  • Wenn noch keine Netzhautveränderungen bestehen, aber neben dem hohen Blutzucker weitere Risikofaktoren (wie Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte etc.) vorliegen, sollte die augenärztliche Untersuchung einmal jährlich erfolgen. Das gilt auch, wenn nicht klar ist, ob ein Patient solche weiteren Risikofaktoren aufweist.
  • Liegen bereits Diabetes-bedingte Netzhautveränderungen vor, sollten Patienten mindestens einmal jährlich den Augenarzt aufsuchen. Dieser wird entscheiden, in welchen Zeitabständen eine Kontrolluntersuchung im Einzelfall nötig ist.

Wenn neue Symptome im Augenbereich auftreten wie eine neue Sehverschlechterung, Verschwommensehen oder "Rußregen" vor den Augen, sollte, Diabetiker sofort zum Augenarzt gehen. So lässt sich eine Diabetische Retinopathie beziehungsweise ihre Verschlechterung rechtzeitig erkennen.

learn more medicaments-24.com

also medicaments-24.com

подробно steroid.in.ua