Darmkrebsvorsorge

aktualisiert am
Dr. med. Mira Seidel

Dr. med. Mira Seidel ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen ansehen
4,8 / 5 37 Bewertungen – Ihre Bewertung

In Deutschland wird die Darmkrebsvorsorge ab dem 50. Lebensjahr empfohlen. Dabei wird der Stuhl auf Blut untersucht und der Enddarm abgetastet (digital-rektale Untersuchung). Ab dem 55. Lebensjahr besteht der Anspruch auf zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Genaueres über die Darmkrebsvorsorge erfahren Sie hier.

darmkrebs

Was ist die Darmkrebsvorsorge?

Die Darmkrebsvorsorge ist Bestandteil der gesetzlichen Früherkennungsprogramme. Sie hat den Zweck, Darmkrebs (bzw. Vorstufen) möglichst frühzeitig zu erkennen. Denn je kleiner der Tumor noch ist und je weniger er sich ausgebreitet hat, desto besser sind die Heilungschancen. Das ist sehr wichtig, weil Darmkrebs sehr häufig ist: Er ist in Deutschland bei Frauen die zweithäufigste und bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung.

Je nach Lebensalter bezahlen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen bestimmte Untersuchungen zur allgemeinen Darmkrebsvorsorge. Daneben gibt es ein engmaschigeres Früherkennungsprogramm für Risikopatienten. Das sind Menschen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs bekannt ist. Das ist etwa der Fall, wenn ein Verwandter 1. Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) bereits an Darmkrebs erkrankt ist. Besondere Empfehlungen zur Darmkrebsvorsorge gelten zudem bei bestimmten Erbkrankheiten, die das Auftreten von Darmkrebs begünstigen.

Zu den möglichen Untersuchungen der Darmkrebsvorsorge gehören der Test auf winzige Blutspuren (okkultes Blut) im Stuhl (Hämocculttest) sowie die Darmspiegelung (Koloskopie).

Experten empfehlen auch eine regelmäßige digital-rektale Untersuchung ab dem 50. Lebensjahr. Sie ist aber nicht Bestandteil der gesetzlichen Darmkrebsvorsorge!

Allgemeine Darmkrebsvorsorge

Das allgemeine Darmkrebsvorsorge-Programm gilt für Menschen, die kein spezielles Risiko für Darmkrebs haben.

Digital-rektale Untersuchung

Bei der digital-rektalen Untersuchung (DRU) tastet der Arzt mit einem Finger das Innere des Enddarms nach Veränderungen ab. Dazu legt sich der Patient auf die linke Körperseite auf die Untersuchungsliege. Auch eine Untersuchung im Stehen mit vorgebeugtem Oberkörper ist möglich. Der Arzt führt dann behutsam einen Finger rektal - also über den After - ein (mit Handschuhen und Gleitgel). Vorsichtig tastet er die Wand des Enddarms ab. Die Untersuchung dauert nur etwa eine Minute.

Die digital-rektale Untersuchung ist sehr wichtig: Darmkrebs entsteht nämlich oft im Enddarm (Rektumkarzinom). Er lässt sich bei der Untersuchung manchmal direkt ertasten. Deshalb empfehlen Mediziner empfehlen allen Menschen ab dem 50. Lebensjahr, sich einmal jährlich einer digital-rektalen Untersuchung zu unterziehen. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen allerdings nicht.

Hämocculttest

Beim Hämocculttest wird eine Stuhlprobe auf Blutspuren untersucht, die nicht mit freiem Auge sichtbar sind (okkultes Blut). Da ein Darmkrebs-Tumor häufig blutet, ist Blut im Stuhl ein wichtiges Symptom.

Allerdings bedeutet ein positiver Hämocculttest nicht, dass der Patient mit Sicherheit Darmkrebs hat. Denn Blut im Stuhl kann auch andere Ursachen haben: Beispielsweise können Hämorrhoiden oder Zahnfleischblutungen der Grund sein, wenn der Hämocculttest positiv ausfällt. Rohes Fleisch, bestimmte Gemüsesorten und Medikamente wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Eisentabletten können den Test ebenfalls positiv verfälschen.

Falls der Hämocculttest also positiv ausfällt, müssen die genaue Ursache abgeklärt werden. So lässt sich Darmkrebs mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) eindeutig nachweisen.

Gesetzlicher Anspruch: Im Alter von 50 bis 54 Jahren kann jeder Krankenversicherte im Rahmen der Darmkrebsvorsorge auf Kosten seiner Krankenkasse einmal jährlich einen Hämocculttest machen.Wer ab dem 55. Lebensjahr sein Recht auf eine Darmspiegelung (siehe unten) nicht in Anspruch nehmen will, kann stattdessen alle zwei Jahre einen Hämocculttest durchführen lassen.

Darmspiegelung (Koloskopie)

Die sicherste Methode der Darmkrebsvorsorge ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Dabei wird dem Patienten unter leichter Narkose ein flexibler Schlauch (Endoskop) über den After in den Darm eingeführt. Am vorderen Ende des Endoskops befinden sich eine Lichtquelle und eine kleine Kamera. Vorsichtig schiebt der Arzt das Endoskop durch den gesamten Dickdarm. Auf diesem Weg kann er laufend auf einem Monitor die Bilder begutachten, welche die Kamera vom Darminneren aufnimmt.

Über das Endoskop lassen sich bei Bedarf auch feine Instrumente einführen. Mit ihrer Hilfe kann der Arzt Gewebeproben entnehmen und Darmpolypen für einen genaue Laboranalyse herausschneiden. In fast allen Fällen bilden nämlich anfangs harmlose Darmpolypen den Ausgangspunkt von Darmkrebs. Vorsorge besteht deshalb auch in der Entfernung verdächtiger Polypen.

Die Darmspiegelung ist prinzipiell sehr risikoarm. Manchmal verletzt das Endoskop allerdings die Darmwand. Gravierende Komplikationen sind bei dieser Untersuchung jedoch selten. Der große Nutzen der Darmspiegelung in der Darmkrebsvorsorge überwiegt etwaige Risiken deutlich.

Gesetzlicher Anspruch: Ab 55 Jahre haben Krankenversicherte Anspruch auf mindestens zwei Darmspiegelungen. Bleibt die erste Koloskopie unauffällig wird frühestens nach zehn Jahren die zweite Darmspiegelung von den Krankenkassen bezahlt (Darmkrebs entwickelt sich nämlich nur langsam). Wer keine Darmspiegelung machen lassen möchte, hat als Alternative einen Anspruch auf einen Hämocculttest alle zwei Jahre.

Darmkrebsvorsorge bei Risikopatienten

Haben Sie Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder), die schon an Darmkrebs erkrankt sind, gelten Sie als Risikopatient. Dann sollten Sie in einem Alter die Darmspiegelung durchführen lassen, das zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter Ihres Verwandten liegt (und spätestens mit 50 Jahren). Wenn etwa bei Ihrem Vater im Alter von 55 Jahren Darmkrebs festgestellt wurde, wird bei Ihnen eine Darmspiegelung mit 45 Jahren empfohlen. War Ihr Vater bei der Diagnose bereits 75, sollten Sie spätestens mit 50 zur Koloskopie gehen.

Bei Menschen mit bestimmten Erbkrankheiten, die das Darmkrebs-Risiko erhöhen, wird eine individuelle Darmkrebsvorsorge empfohlen. Der behandelnde Arzt orientiert sich dabei an den Richtlinien zur Diagnostik der genetischen Disposition für Krebserkrankungen der Bundesärztekammer in Deutschland. Auch bei der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa ist ein individualisierter Darmkrebsvorsorge-Plan ratsam.

Die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen sollte man am besten vor der Untersuchung abklären.

Darmkrebsvorsorge: Was kann ich selber tun?

Zu einer effektiven Darmkrebsvorsorge gehört nicht nur die Teilnahme an den empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen. Jeder Mensch kann mit einem gesunden Lebensstil auch selbst gegen Darmkrebs vorsorgen:

  • Verzichten Sie auf Nikotin und Alkohol. Beide Genussmittel erhöhen das Risiko für Darmkrebs und andere Krebserkrankungen.
  • Ernähren Sie sich fleischarm und ballaststoffreich mit reichlich Obst und Gemüse. Eine fleisch- und fettreiche Kost mit wenig Ballaststoffen begünstigt die Entstehung von Darmkrebs.
  • Bewegungsmangel ist ein weiterer Risikofaktor für Darmkrebs. Seien Sie also regelmäßig körperlich aktiv!

Der schlechte Einfluss von ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel beruht darauf, dass sie den Transport der Nahrungsreste durch den Darm verlangsamen. Eventuelle Schad- und Giftstoffe im Stuhl bleiben dann länger in Kontakt mit der Darmschleimhaut und können diese leichter schädigen.

Auch Übergewicht und die Zuckerkrankheit vom Typ 2 (Diabetes Typ 2) fördern aufgrund erhöhter Insulinspiegel die Entstehung von Darmkrebs (Insulin regt generell das Zellwachstum an). Übergewichtige Menschen und Diabetiker sollten die Darmkrebsvorsorge deshalb besonders ernst nehmen. 

Купить Левитра софт

у нас

Vardénafil en ligne