Bipolare Störung

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Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Eine Bipolare Störung ist eine schwere psychische Erkrankung. Menschen, die darunter leiden, erleben ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Zeitweise fühlen sich die Betroffenen sehr niedergeschlagen, dann wiederum sind sie euphorisch, aufgedreht, hyperaktiv und überschätzen sich. Lesen Sie hier, wie man eine Bipolare Störung erkennt und wie man sie behandelt.

Marian Grosser
Marian Grosser, Arzt

Eine bipolare Störung lässt Menschen zwischen langanhaltenden Stimmungsextremen pendeln. Mit der richtigen Therapie können Sie wieder zu einer gesunden Balance finden.

bipolare störung

Kurzübersicht

Symptome: Wechsel zwischen depressiven Symptomen und Phasen übersteigerten Hochgefühls, Risikoverhalten, Größenwahn, vereinzelt Halluzinationen

Ursachen: stark genetisch veranlagt, Störung des Botenstoffgleichgewichts im Gehirn, Stress, bestimmte Medikamente

Diagnose: Diagnose anhand der Symptome, wird oft mit der klassischen Depression oder der Schizophrenie verwechselt

Behandlung: Medikamente, Psychotherapie, Wachtherapie, Elektrokrampftherapie, Therapie oft schwierig wegen fehlender Krankheitseinsicht

Prognose: kaum heilbar, durch Medikamente stabilisierbar, hohes Suizidrisiko, daher frühe Therapie wichtig

Bipolare Störung: Beschreibung

Die Bipolare Störung gehört wie die Depression zu den sogenannten affektiven Störungen. Das bedeutet, dass sie sich auf die Gefühle der Betroffenen auswirkt. Sie erleben starke Stimmungsschwankungen, für die es meist keinen äußeren Auslöser gibt. Manische Phasen mit großer Euphorie, Energie und Selbstüberschätzung schlagen plötzlich um in depressiven Phasen, in denen die Betroffenen niedergeschlagen und antriebslos sind. Oft wird die Bipolare Störung daher heute noch umgangssprachlich als Manische Depression bezeichnet.

Bipolare Störung: Die verschiedenen Formen

Bei einer Bipolaren Störung wechseln Phasen von Manie und Depression einander ab. Bei manchen Patienten können allerdings mehrere Monate oder sogar Jahre zwischen depressiven und manischen Schüben liegen. Dazwischen ist ihre Stimmungslage ausgeglichen. Etwa 20 Prozent der Betroffenen erleben ausschließlich manische und gar keine depressiven Phasen.

Die Bipolare Störung wird in folgende Formen unterteilt:

  • Bipolar-I-Störung: abwechselnd auftretende depressive und manische Phasen
  • Bipolar-II-Störung: abwechselnd auftretende depressive und nur leicht manische (hypomane) Phasen
  • Zyklothymia: abwechselnd auftretende depressive und manische Phasen in stark abgeschwächter Form

Bipolare Störung: Symptome

Bei mehr als der Hälfte der manisch-depressiven Patienten beginnt die Erkrankung mit einer depressiven Phase. Erst im weiteren Verlauf treten dann manische oder hypomane (leicht manische) Phase auf.

Symptome in der depressiven Phase

In den depressiven Phasen gleicht das Krankheitsbild einer Depression. Zu den Hauptsymptomen der gehören dann

  • Gedrückte Stimmung
  • Verlust von Interesse und Freude
  • Antriebslosigkeit
  • Schlafstörungen, vor allem unter Durchschlafstörungen in der zweiten Nachthälfte
  • Konzentrations- und Denkstörungen
  • Schuldgefühle
  • Selbstzweifel
  • Suizidgedanken

Äußere Symptome

Die Gesichtsmimik ist während eines depressiven Schubs tendenziell starr und ausdruckslos. Die Betroffenen sprechen meist leise und ihre Antworten kommen verzögert.

Körperliche Symptome

In der depressiven Phase können auch körperliche Symptome auftreten. Der Appetit nimmt ab, und viele Betroffene verlieren deutlich an Gewicht. Manche empfinden Schmerzen an unterschiedlichen Körperstellen. Häufige Beschwerden sind Atemnot, Herzbeschwerden, Magen- und Darmprobleme sowie Schwindel, Kopfschmerzen und Erektionsstörungen.

Bipolare Störung: Symptome in der manischen Phase

In Phasen der Manie schlägt die zuvor depressive Stimmungslage komplett um. Diese Phase ist anfangs nicht immer leicht zu erkennen. Oft sind Betroffene zunächst nur aktiver und positiver gestimmt als in der depressiven Phase. Es kann auch bei dieser abgeschwächten Ausprägung der Manie bleiben. Man bezeichnet das als Hypomanie.

Überaktivität

Die gute Stimmung kann auch extreme Ausmaße annehmen. Ohne Anlass sind Manisch-Depressive überschwänglich heiter oder auch gereizt. Typische Anzeichen sind auch Überaktivität, ein vermindertes Schlafbedürfnis und ein vermehrter Rededrang.

Selbstüberschätzung und Leichtsinn

Gefährlich an der Manie ist, dass Betroffene den Bezug zur Realität verlieren. Sie tendieren zu Selbstüberschätzung und leichtsinnigem Verhalten. Sie geben bedenkenlos Geld aus und beginnen überdimensionale Projekte, die sie in finanzielle und rechtliche Probleme bringen können.

Problematisch ist auch, dass die sozialen Hemmungen verloren gehen. Betroffene sprechen dann willkürlich fremde Leute an und neigen zu einem offeneren Flirt- und Sexualverhalten.

Größenwahn

Wird das übersteigerte Selbstbewusstsein zum Größenwahn und treten Halluzinationen auf, handelt es sich um einer Manie mit psychotischen Symptomen. Betroffene glauben dann beispielsweise großartige Fähigkeiten zu haben, berühmt zu werden oder die Welt verändern zu können.

Kreatives Potenzial

Menschen mit einer Bipolaren Störung sind oft sehr kreativ. Man geht heute aus, dass unter anderem Vincent van Gogh und Georg Friedrich Händel manisch-depressiv waren.

Symptome in den beiden Phasen der Bipolaren Störung
Bipolare Störung: Symptome
Bei einer bipolaren Störung schwankt die Stimmung in den verschiedenen Krankheitsphasen stark zwischen Manie und Depression

Bipolare Störung: Symptome der gemischten Phase

Von der gemischten Phase der Bipolaren Störung spricht man, wenn gleichzeitig oder innerhalb kürzester Zeit depressive und manische Symptome auftreten. Die Stimmung wechselt dann von tieftraurig zu euphorisch und fröhlich oder umgekehrt. Dieses Wechselbad der Gefühle ist nur schwer auszuhalten.

Suizidgefahr

Diese Form der Bipolaren Störung ist mit großem Leiden verbunden. Die Gefahr eines Suizids ist groß: Negative Gedanken und Gefühle lassen die Betroffenen verzweifeln, gleichzeitig treibt die manische Energie sie an. Diese gefährliche Konstellation kann bewirken, dass sie ihre Suizidgedanken aus einem Impuls heraus in die Tat umsetzen.

Bipolare Störung: Psychische Begleiterkrankungen

Häufig treten parallel zur Bipolaren Störung weitere seelische Probleme auf. Am häufigsten leiden Manisch-Depressive außerdem an Angsterkrankungen oder einer Persönlichkeitsstörung.

Viele Patienten sind substanzabhängig. Der Konsum von Alkohol oder Drogen verschlechtert den Verlauf der Erkrankung. Die Behandlung solcher Begleiterkrankungen ist notwendig für eine erfolgreiche Therapie der Bipolaren Störung. Sonst können Symptome der Begleiterkrankungen können den Krankheitsverlauf sonst ungünstig beeinflussen.

Bipolare Störung: Ursachen und Risikofaktoren

Die Bipolare Störung ist sowohl durch biologische, als auch psychosoziale Faktoren bedingt. Bisherige Untersuchungen lassen vermuten, dass ein kompliziertes Zusammenspiel mehrerer Gene mit verschiedenen Umweltfaktoren die Krankheit begünstigt.

Bipolare Störung: Genetische Ursachen

Familien- und Zwillingsstudien haben gezeigt, dass genetische Faktoren an der Entstehung einer Bipolare Störung beteiligt sind. So werden Kinder eines erkrankten Elternteils mit zehnprozentiger Wahrscheinlichkeit ebenfalls manisch-depressiv. Liegt eine Bipolare Störung bei beiden Elternteilen vor, steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit sogar auf bis zu 50 Prozent.

Bisher wurde allerdings kein spezifisches Gen für die manisch-depressive Erkrankung gefunden. Vermutlich sind an einer Bipolaren Störung mehrere Gene beteiligt.

Bipolare Störung: Einfluss der Neurotransmitter

Vieles deutet darauf hin, dass bei der Bipolaren Störung die Verteilung und Regulation wichtiger Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn gestört ist. Neurotransmitter sind körpereigene Stoffe, die bestimmte Reaktionen im Körper und im Gehirn hervorrufen. Beispiele sind Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin.

Bei depressiven Menschen hat man einen Mangel an Noradrenalin und Serotonin festgestellt. In manischen Phasen hingegen ist die Konzentration an Dopamin und Noradrenalin erhöht. Bei der Bipolaren Störung spielt also möglicherweise das Ungleichgewicht der verschiedenen Botenstoffe eine wichtige Rolle. Die medikamentöse Therapie der bipolaren Störung zielt deshalb darauf ab, eine kontrollierte Ausschüttung dieser Signalstoffe zu erreichen.

Bipolare Störung: Psychosoziale Ursachen

Neben den biologischen Einflüssen sind auch die individuellen Lebensumstände an einer bipolaren Störung beteiligt. Vor allem Stress scheint ein Auslöser für manisch-depressive Schübe zu sein.

Schwere Krankheiten, Mobbing oder Trennungen, aber auch manche Lebensphasen wie zum Beispiel die Pubertät, bedeuten eine längere Stressphase. Wie Stress empfunden und verarbeitet wird, hängt von der jeweiligen Person ab. Manche Menschen haben gute Strategien entwickelt, um mit Stress umzugehen, während andere schnell überfordert sind.

Stress kann hier ein schlimmes Ereignis in der Kindheit gewesen sein oder auch eine erst kürzlich erlebte Scheidung oder der Tod eines geliebten Menschen. Solche stressauslösenden Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an einer Bipolaren Störung zu erkranken.

Bipolare Störung: Medikamentöse Ursachen

Auch manche Medikamente können die Stimmungslage verändern und im Extremfall auch eine bipolare Störung auslösen. Dazu gehören kortisonhaltige Präparate, Methylphenidat, bestimmte Antiparkinson- und Epilepsie-Medikamente, aber auch Drogen wie Alkohol, LSD, Marihuana und Kokain. Es existieren auch einzelne Fallberichte, wonach Bipolare Störungen nach Hirnverletzungen aufgetreten sein sollen.

Bipolare Störung: Untersuchungen und Diagnose

Die Bipolare Störung ist nicht leicht zu diagnostizieren, weil sie mit anderen psychischen Störungen wie einer klassischen Depression oder der Schizophrenie verwechselt werden kann. Da die manische Phase von den Angehörigen und Betroffenen oft als lediglich aufgedrehte Stimmung interpretiert wird, dauert es oft Jahre, bis eine richtige Diagnose gestellt wird.

Vor allem die Bipolar-II-Störung und die Zyklothymia sind schwer zu erkennen, da die Symptome hier schwächer ausgeprägt sind als bei der Bipolar-I-Störung. Es ist daher besonders wichtig, dem Arzt oder Therapeuten Erleben, Stimmungen und Gefühle detailliert zu beschreiben.

Bei Verdacht auf eine Bipolare Störung kann zuerst der Hausarzt iert werden. Aufgrund der schwierigen Diagnose und der erhöhten Suizidgefahr ist es aber ratsam, sofort den Kontakt zu einer Klinik aufzunehmen oder einen Facharzt für Psychiatrie aufzusuchen. Häufig sehen Betroffene allerdings keine Notwendigkeit für ärztliche Hilfe - vor allem während ihrer manischen Phase.

Lassen sie sich dennoch dazu überreden einen Arzt aufzusuchen, ist es sinnvoll, die Angehörigen ebenfalls zu befragen. Sofern der Betroffene keine Krankheitseinsicht hat, sind die Beobachtungen von nahestehenden Personen sehr hilfreich für die Diagnose „Bipolare Störung“. So können Angehörige die verschiedenen Stimmungsphasen oft gut einschätzen.

Die Diagnose Bipolare Störung wird mit Hilfe spezieller klinischer Fragebögen gestellt. Folgende Fragen könnte der Arzt oder Therapeut in einem Erstgespräch stellen:

  • Haben Sie sich in den letzten Wochen niedergeschlagen oder antriebslos gefühlt?
  • Hatten Sie Schwierigkeiten morgens aufzustehen?
  • Hatten Sie Schwierigkeiten nachts durchzuschlafen?
  • Hatten Sie einen guten Appetit?
  • Welche Gedanken haben Sie momentan? Was beschäftigt Sie?
  • Haben Sie manchmal Gedanken an den Tod oder daran, sich das Leben zu nehmen?
  • Waren Sie in den letzten Wochen ungewöhnlich aufgedreht?
  • Hatten Sie das Gefühl, Sie stehen unter Strom?
  • Hatten Sie den Eindruck, dass Sie mehr und schneller geredet haben als sonst?
  • War Ihr Schlafbedürfnis verringert?
  • Waren Sie sehr aktiv und haben viele Dinge innerhalb kürzester Zeit erledigt?
  • War Ihre Stimmung in letzter Zeit wechselhaft?

Aufgrund des großen genetischen Einflusses ist bei der manisch-depressiven Erkrankung eine Familienanamnese sehr sinnvoll. Dadurch kann der Therapeut herausfinden, ob weitere Mitglieder der Familie an einer Bipolaren Störung leiden.

Bipolare Störung: Behandlung

Die Diagnose „Bipolare Störung“ erfordert dringend die Einnahme von Medikamenten. Die Medikamente reduzieren nicht nur die depressiven und manischen Phasen, sie senken auch das Suizidrisiko.

Eine psychotherapeutische Behandlung ist ebenso wichtig wie die medikamentöse Therapie. Sie kann den Verlauf der Bipolaren Störung positiv beeinflussen. Vor allem aber ist sie entscheidend für die Krankheitseinsicht und den Willen, sich behandeln zu lassen. Diese sogenannte Compliance fehlt Menschen mit Bipolarer Störung oft, da sie sich in den manischen Phasen besonders gut fühlen und auf diese ungern verzichten. Manisch-Depressive müssen meist ein Leben lang behandelt werden, da nur so die Stimmung stabil gehalten werden kann. Brechen Patienten die Behandlung ab, besteht ein hohes Rückfallrisiko.

Bipolare Störung: Phasen der Behandlung

Die Behandlung selbst besteht aus einer Akutbehandlung, der Stabilisierungsphase und der Rückfallprophylaxe.

Akute Phase

In der akuten Phase werden vor allem Medikamente eingesetzt, um die aufgetretene Manie oder Depression zu behandeln.

Zur psychologischen Unterstützung werden therapeutische Gespräche in der Einzel- oder Gruppentherapie angeboten. Manche Kliniken setzen zur Normalisierung der Stimmung auch Wach- und Elektrokrampftherapien ein.

Stabilisierungsphase

Es kann einige Wochen oder sogar Monate dauern, bis eine deutliche Besserung der Symptome eintritt. Dann beginnt die Stabilisierungsphase. Die Medikamente werden in dieser Phase angepasst, bis der Patient die für ihn optimale Dosierung erhält.

Rückfallprophylaxe

Ist der Betroffene daraufhin weitgehend symptomfrei, versucht man diesen Zustand langfristig zu erhalten. Dazu ist es notwendig, dass der Patient weiterhin Medikamente einnimmt. Zudem lernt er in der Therapie, die Warnzeichen einer Manie oder Depression frühzeitig zu erkennen, und kann so gegensteuern.

Bipolare Störung: Medikamentöse Behandlung

Die Therapie einer Bipolaren Störung basiert hauptsächlich auf stimmungsstabilisierenden Medikamenten wie Lithium, Antiepileptika und atypischen Neuroleptika. Da sowohl die manischen, als auch die depressiven Phasen behandelt werden müssen, setzen Ärzte oft verschiedene Wirkstoffe ein.

Reichen die stimmungsstabilisirenden Wirkstoffe für die Akutbehandlung nicht aus, verschreibt der Arzt oder Therapeut zusätzlich Beruhigungsmittel (Sedativa) und Antidepressiva. Häufig eingesetzte Medikamente sind folgende:

Wirkstoff

Anwendung

Häufige Nebenwirkungen

Lithium

(z.B. Quilonum)

  • natürliches Salz
  • häufig eingesetzt
  • wirkt sowohl gegen manische, als auch depressive Phasen
  • reduziert Selbsttötungsgedanken
  • Zittern
  • Magenbeschwerden
  • starker Durst
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Muskelschwäche
  • Gewichtszunahme
  • Schilddrüsenprobleme
  • Nierenprobleme
  • Hautprobleme

Carbamazepin

(z.B. Tegretal, Timonil)

  • Antiepileptikum
  • Wirkung ähnlich dem Lithium
  • v.a. bei der gemischten Form sehr wirksam
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Hautprobleme
  • reduziert die Wirkung der Anti-Baby-Pille

Valproinsäure (z.B. Ergenyl, Orfiril)

  • Fettsäure
  • zur Behandlung der manischen Phase und der gemischten Form
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Zittern

Trizyklische Antidepressiva (z.b. Saroten)

  • zur Behandlung der akuten depressiven Phase
  • nur kurzfristig
  • Mundtrockenheit
  • Störungen beim Wasserlassen
  • können manische Phase auslösen

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (z.B. Cipramil)

  • Antidepressiva
  • zur Behandlung der akuten depressiven Phase
  • antriebssteigernd
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Unruhe

Die Wirkung der genannten Medikamente setzt oft erst nach einigen Wochen ein. Betroffene müssen sich anfangs gedulden, bis die Verbesserung spürbar wird.

Es ist wichtig, sich bei der Einnahme der Medikamente an die genauen Vorschriften des Arztes halten. Eine selbstständige Erhöhung der Dosis ist sehr gefährlich und kann schwere Nebenwirkungen verursachen. Auf keinen Fall sollten die Medikamente plötzlich und ohne Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Dies erzeugt meist einen erneuten Schub der manisch-depressiven Erkrankung.

Bipolare Störung: Wachtherapie

Auch eine sogenannte Wachtherapie kann die depressiven Symptome bessern. Der Patient verzichtet dazu eine Nacht auf seinen Schlaf. Erstaunlicherweise stabilisiert sich dadurch der Gemütszustand. Zeigt diese Methode eine gute Wirkung, so kann der Schlafentzug wiederholt werden.

Diese Therapieform muss unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden, da der Schlafentzug auch eine manische Phase auslösen kann. Durch die Kombination mit Medikamenten lässt sich dieses Risiko jedoch senken.

Bipolare Störung: Elektrokrampftherapie

Die Elektrokrampftherapie wirkt sowohl bei depressiven als auch bei manischen Symptomen. Bei dieser Therapie werden dem Patienten Elektroden angelegt, die unter Vollnarkose einen kurzzeitigen Krampfanfall erzeugen. Das klingt zwar erschreckend, ist tatsächlich aber harmlos.

Zum einen bekommen die Patienten in der Vollnarkose nichts davon mit. Zum anderen hat dieses Verfahren deutlich geringere Nebenwirkungen als die meisten Medikamente. Es wird vor allem dann eingesetzt, wenn Betroffene stark unter der Bipolaren Störung leiden oder ein hohes Suizidrisiko besteht.

Während die Wirkung der Medikamente erst nach einigen Wochen einsetzt, wirkt die Elektrokrampftherapie sofort. Vor der Durchführung überprüft der Arzt bestehende Risiken, wie zum Beispiel eine Herzerkrankung. Bei Schwangerschaft oder in höherem Alter kann die Elektrokrampftherapie nicht angewendet werden.

Bipolare Störung: Psychotherapeutische Behandlung

Als besonders effektive therapeutische Behandlung der Bipolaren Störung haben sich die Interpersonelle und Soziale Rhythmus-Therapie (IPSRT) sowie die Familien-Fokussierte Therapie (FFT) erwiesen. Häufig bieten Kliniken auch eine Kognitive Verhaltenstherapie an.

Kognitive Verhaltenstherapie

Bei der IPSRT geht es neben der Reduktion von persönlichen Schwierigkeiten um die Stabilisierung des Lebensrhythmus. Regelmäßiger und ausreichender Schlaf verringert die Gefahr einer manischen oder depressiven Phase. In den therapeutischen Sitzungen werden die Patienten über die Bipolare Störung aufgeklärt und lernen, wie sie ihren Alltag besser strukturieren können.

Die Familien-fokussierte-Therapie wird vor allem bei jüngeren Patienten bevorzugt. Wichtige Bezugspersonen wie die Eltern oder der Partner werden in die Therapie miteinbezogen.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass auch die Bezugspersonen ausführlich über die Bipolare Störung informiert werden. Zudem werden gemeinsam Möglichkeiten erarbeitet, wie trotz der Erkrankung ein normaler Alltag ablaufen kann. Ein Kommunikations- und Problemlösungstraining soll bestehende Konflikte abbauen.

Eine Verhaltenstherapie hilft dem Patienten, die Frühwarnzeichen der Bipolaren Störung zu erkennen. Auch die Stressreduktion ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie, da Stress beim Aufflammen krankhafter Phasen eine entscheidende Rolle spielt. Der Patient lernt außerdem einen gewissenhaften Umgang mit den Medikamenten und erlernt Strategien zum Umgang mit manischen und depressiven Symptomen.

Leben mit der Krankheit

Eine bipolare Störung begleitet die Patienten oft ein Leben lang. Es ist für sie darum wichtig zu lernen, mit dieser Erkrankung umzugehen, um eine gute Lebensqualität zu erlangen. Die psychotherapeutische Behandlung unterstützt die Betroffenen auch dabei, sich in ihrem sozialen und beruflichen Umfeld zu integrieren.

Bipolare Störung: Krankheitsverlauf und Prognose

Ist eine Bipolare Störung heilbar? Diese Frage stellen sich Betroffene wie auch Angehörige. Tatsächlich verschwinden die Gefühlsschwankungen bei einem guten Drittel der Patienten dauerhaft. Den größeren Teil der Betroffenen begleitet eine Bipolare Störung jedoch ein Leben lang.

Verlauf

Eine Bipolare Störung verläuft individuell sehr unterschiedlich. Der Krankheitsverlauf hängt auch von der Art der Bipolaren Störung ab. Bei der klassischen Form, der Bipolar-I-Störung, wechseln sich manische und depressive Phasen ab - mitunter in engen Intervallen.

Bei der Bipolar-II-Störung überwiegen die depressiven Phasen und es treten nur sogenannte hypomane Phasen auf. Bei der Zyklothymia sind sowohl die manischen als auch die depressiven Phasen nur schwach ausgeprägt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Betroffene mit einer Bipolar-II-Störung oder der Zyklothymia einen geringeren Leidensdruck haben. Denn bei diesen Formen der Bipolaren Störung treten die manischen oder depressiven Episoden oft häufiger auf als bei der Bipolar-I-Störung.

Stimmungsschwankungen in Intervallen

Die depressiven und manischen Phasen dauern in der Regel zwischen acht und zwölf Wochen. Zwischen diesen Episoden können Betroffene auch lange Zeit symptomfrei sein. Bei der Sonderform, die sich „rapid cycling“ nennt, treten über das Jahr verteilt mindestens vier Phasen einer Manie oder Depression auf.

Frühe Erkrankung, ungünstiger Verlauf

Die Bipolare Störung tritt meist erstmals im Alter zwischen 15 und 25 Jahren auf. Je früher die Bipolare Störung auftritt, desto ungünstiger ist meist der Verlauf.

Laut Studien besteht bei jungen Patienten eine höhere Suizidalität und es treten oft weitere psychische Störungen auf. Experten schätzen die Rate an Suiziden bei bipolaren Patienten auf circa 15 Prozent.

Frühe Diagnose wichtig

Wichtig ist, dass eine Bipolare Störung möglichst schnell diagnostiziert wird. Unbehandelt treten die manischen und depressiven Phasen immer öfter auf. Je mehr manische oder depressive Episoden ein Patient durchgemacht hat, desto schlechter wirkt in der Regel die Behandlung. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass eine rechtzeitige medikamentöse Therapie den Verlauf deutlich verbessern kann.

Leider können auch dann Rückfälle nicht ausgeschlossen werden. Die Symptome der Bipolaren Störung und damit der Leidensdruck lassen sich durch die Medikamente aber deutlich abschwächen.

Weiterführende Informationen

Bücher:

  • Der Bipolare Spagat: Manisch-depressive Menschen verstehen (Donna Reynolds, TRIAS, 2011)
  • Ratgeber Bipolare Störungen: Hilfe für den Alltag (Daniel Illy, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2016)

Leitlinie:

  • S3-Leitlinie "" der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V.

Selbsthilfegruppe:

  • - Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V.
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