ADHS

Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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ADHS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind die Hauptmerkmale. Wird die Störung nicht behandelt, beeinträchtigt sie die schulische und berufliche Leistungsfähigkeit und die sozialen Kontakte. ADHS gehört zu den häufigsten psychischen Störungen in der Kindheit. In vielen Fällen bleibt sie lebenslang bestehen. Woran Sie ADHS erkennen und wie sich die Störung behandeln lässt, lesen Sie hier.

Marian Grosser
Marian Grosser, Arzt

Von ADHS wird heute schnell gesprochen, wenn Kinder unaufmerksam und zappelig sind. Eine sichere Diagnose können aber nur spezialisierte Fachärzte und Psychologen stellen.

ADHS

ADHS: Kurzübersicht

  • Hauptsymptome: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Bei manchen auch Verträumtheit
  • Auswirkung von ADHS: Lern- oder berufliche Schwierigkeiten, Verhaltensstörungen, Probleme im Umgang mit Anderen
  • Ursachen und Risikofaktoren: wahrscheinlich überwiegend genetisch, aber auch ungünstige Umwelteinflüsse als Auslöser
  • Diagnose: Erfragen typischer Kennzeichen, Verhaltensbeobachtungen, Ausschluss anderer psychischer und körperlicher Krankheiten als Ursache
  • Therapie: Verhaltenstherapie, gegebenfalls in Kombination mit Medikamenten. Schulung der Elternfür den Umgang mit den Kindern.
  • Prognose: Bleibt als "ADS" häufig bis ins Erwachsenenalter bestehen. Hyperaktivität nimmt dann ab. Unbehandelt drohen gravierende Folgen für berufliches und privates Leben

ADHS: Symptome

Wenn Kinder oder Erwachsene zappelig, unkonzentriert, chaotisch und unkontrolliert impulsiv oder auch ständig verträumt sind, kann eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) die Ursache der Probleme sein. Im Volksmund spricht man auch vom "Zappelphilipp“.

Der ADHS-Definition zufolge geht die Störung mit folgenden Hauptsymptomen einher:

  • Aufmerksamkeitsschwäche
  • ausgeprägte Impulsivität
  • extreme Unruhe (Hyperaktivität)

Drei Untergruppen

Die Symptome von ADHS können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Es treten auch nicht immer alle Anzeichen bei einem Patienten auf. Insgesamt gibt es drei Untergruppen von ADHS

  • vorwiegend hyperaktiv-impulsiv: "Zappelphilipp"
  • vorwiegend aufmerksamkeitsgestört: "Hans-guck-in-die-Luft" oder "Träumsuse" (Aufmerksamkeits-Defizit-Typ, ADS))
  • Mischtyp: aufmerksamkeitsgestört und hyperaktiv

ADHS-Symptome nach Altersgruppen

ADHS gilt als angeborene Störung, die sich schon vor dem sechsten Lebensjahr bemerkbar macht. Die Erkrankung kann lange bestehen. Die ADHS-Symptome äußern sich allerdings bei Säuglingen, Kleinkindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedlich.

Frühe Anzeichen beim Säugling

Eine sichere Diagnose von ADHS ist im Säuglingsalter noch nicht möglich. Forscher haben in Langzeitstudien allerdings einen Zusammenhang zwischen ADHS und sogenannten Regulationsstörungen gefunden.

Babys mit Regulationsstörung schreien oft und lang, schlafen schlecht und lassen sich manchmal nur schwer füttern. Sie sind zudem sehr unruhig und wirken oft schlecht gelaunt. Manche Säuglinge, die später im Leben ADHS entwickeln, lehnen Körpere ab. Ein solches Verhalten kann allerdings auch auf ganz anderen Ursachen beruhen. Nur ein Drittel der Babys, die solche Verhaltensweisen zeigen, erhielten später die Diagnose ADHS.

ADHS-Symptome im Kleinkindalter

Auch bei Kleinkindern ist ADHS nur schwer zu erkennen. Ein ADHS-Kleinkind schreit in der Regel sehr viel, hat keine Lust zu spielen und nur eine geringe Fähigkeit zur Aufmerksamkeit. Typische ADHS-Symptome sind in diesem Alter ausgeprägte motorische Unruhe und Rastlosigkeit.

Soziale Probleme: ADHS belastet das Kind und seine Eltern oft gleichermaßen. Die Kinder finden durch ihr störendes Verhalten nur schlecht Anschluss. Sie haben Probleme, sich mit anderen Kindern anzufreunden.

Schlechte Konzentrationsfähigkeit: Kleinkinder mit ADHS haben große Schwierigkeiten, sich längere Zeit auf eine ruhige Aktivität zu konzentrieren. Nach kurzer Zeit wechseln sie von einem Spiel zum nächsten. Folge ihres unberechenbaren Verhaltens können auch häufigere Unfälle sein.

Ausgeprägte Trotzphase: Auch die Trotzphase verläuft heftiger als bei anderen Kindern. ADHS-Kinder platzen oft mitten in Gespräche hinein. Manche strapazieren die Geduld ihrer Eltern, indem sie ständig Geräusche produzieren.

Auffälliger Spracherwerb: Der Spracherwerb bei Kleinkindern mit ADHS geschieht entweder auffallend früh oder verzögert.

Mangelnde Bewegungskoordination: Der Umgang mit Bastelwerkzeugen ist für viele Kinder mit ADHS aufgrund ihrer mangelnden fein- und grobmotorischen Koordination schwierig.

ADHS-Symptome im Grundschulalter

Häufige ADHS-Symptome bei Grundschulkindern sind eine geringe Frustrationstoleranz und Wutanfälle, wenn Dinge nicht nach ihrem Willen laufen. Ständiges Reden und unpassende Mimik und Gestik sind weitere Symptome. ADHS äußert sich auch durch Ungeschicklichkeit und häufige Unfälle beim Spielen. Die Kinder leiden unter den Auswirkungen der Störung und haben meist ein geringes Selbstbewusstsein.

Kinder mit ADHS können sich nur schwer an Regeln halten. In der Schule gelten sie daher oft als "Nervensägen" und "Spielverderber". Sie sprechen übermäßig viel und fallen anderen ins Wort. Aufgaben lösen sie langsam und unsystematisch, zudem sind sie schnell ablenkbar und vertragen kaum Frustrationen. All das macht sie zu Außenseitern.

Für die Lehrer sind ADHS-Anzeichen wie das Stören im Unterricht und die starke Ablenkbarkeit eine Herausforderung. Nicht jedes betroffene Kind zappelt ständig, aber alle Kinder mit dem ADHS-Syndrom fallen aus dem Rahmen.

In vielen Fällen haben die Kinder eine Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche. Diese ADHS-Symptome erschweren es den Kindern, in der Schule mitzuhalten. Hinzu kommt, dass ihre Schrift oft schlecht leserlich und ihr Ordnungsverhalten chaotisch sind.

ADHS-Symptome im Jugendalter

Jugendliche mit ADHS sind weiterhin unaufmerksam und entwickeln oft eine „Null-Bock-Mentalität“. Sie verweigern erforderliche Leistungen und flüchten sich in eine aggressive Anti-Haltung. Bis zu einem gewissen Grad sind solche Verhaltensweisen in der Pubertät zwar ohnehin nicht unüblich, bei ADHS sind diese jedoch deutlich ausgeprägter.

Jugendliche mit ADHS neigen zu risikoreichem Verhalten und fühlen sich häufig zu sozialen Randgruppen hingezogen. Oft spielen dabei Alkohol und Drogen eine Rolle. Viele leiden unter einem geringen Selbstbewusstsein, manche erleben starke Ängste und auch Depressionen. Es gibt aber auch Jugendliche, bei denen sich die Symptome verbessern - Unruhe und Impulsivität nehmen ab.

ADHS im Erwachsenenalter

Bei etwa 40 Prozent der Kinder, die unter ADHS leiden, bleibt die Krankheit lebenslang bestehen. So leiden in Deutschland auch etwa zwei Millionen Erwachsene an ADHS oder ADS.

Allerdings verändert sich das Erscheinungsbild der Störung. In der Pubertät verliert sich die überschießende Motorik meist. In den Vordergrund treten dann Schusseligkeit, Vergesslichkeit oder Unorganisiertheit. Auch Symptome wie impulsives Verhalten und unüberlegte Handlungen sind weiterhin vorhanden.

Problematisch ist, dass ADHS im Erwachsenenalter häufig nicht erkannt wird. Die Symptome bestehen dann schon so lange, dass sie als Teil der Persönlichkeit wahrgenommen werden.

Wird die Störung aber nicht behandelt, kann das für die Betroffenen gravierende Auswirkungen auf soziale Kontakte, berufliche Laufbahnen und die Lebenszufriedenheit haben. Durch ihre Impulsivität und unüberlegtes Handeln gehen sie oft unnötige Risiken ein und schaden sich selbst.

Häufig treten dann zusätzliche psychische Erkrankungen auf wie zum Beispiel Depressionen, Angststörungen, Substanzmissbrauch oder Suchterkrankungen.

Gelingt es ihnen, den ADHS-typischen Ideenreichtum zu steuern und zu nutzen, können Erwachsene mit ADHS im Leben aber auch ausgesprochen erfolgreich sein.

Mehr zu ADHS im Erwachsenenalter finden Sie im Text ADHS-Erwachsene.

Positive Symptome: ADHS kann auch Vorteile mit sich bringen

ADHS kann auch positive Seiten haben. Menschen mit ADHS sind geistig oft sehr beweglich und können äußerst kreativ sein. Finden sie eine Aufgabe, die sie begeistert, sind sie hoch motiviert und ausgesprochen leistungsfähig. In dem Fall können sie ihre volle Aufmerksamkeit auf eine Sache richten und sehr erfolgreich sein.

Außerdem haben sie einen guten Zugang zu ihren Gefühlen und gelten als sehr hilfsbereit. Auch ihr Gerechtigkeitssinn ist stark ausgeprägt. Trotz der vielen Schwierigkeiten, die Menschen mit ADHS aufgrund ihrer Symptome haben, finden sie oftmals erstaunliche Wege, damit zurechtzukommen.

Unterschied ADS - ADHS

Der Begriff Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) bezeichnet Menschen, die zwar unaufmerksam sind und sich schlecht konzentrieren können, aber nicht hyperaktiv sind. Damit entsprechen sie dem "verträumten" Subtyp von ADHS. Einen grundlegenden Unterschied zwischen ADS und ADHS gibt es also nicht.

ADS-Kinder fallen weniger stark auf als ihre hyperaktiven Leidensgenossen. Die Störung wird bei ihnen darum häufig nicht erkannt. Sie haben aber ebenfalls große Schwierigkeiten in der Schule. Außerdem sind sie sehr sensibel und schnell gekränkt.

Wie ADHS und ADS sich unterscheiden
ADHS und ADS - die unterschiedlichen Symptome
Zappelphilipp und Träumsuse: Kinder mit ADHS und ADS verhalten sich verschieden

ADHS: Ursachen und Risikofaktoren

Warum manche Kinder ADHS entwickeln, ist bislang nicht genau geklärt. Fest steht, dass das Erbgut einen großen Einfluss hat. Eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von ADHS spielen hirnorganische Veränderungen. Bei einer entsprechenden Veranlagung können dann Umweltfaktoren zum Auslöser von ADHS werden.

ADHS ist keine moderne Zivilisationskrankheit, wie früher oft angenommen wurde. Sie wird nicht durch falsche Erziehung, schlechte Ernährung oder exzessiven Medienkonsum verursacht. Diese Faktoren können zwar einen ungünstigen Einfluss auf die Erkrankung haben, sind jedoch nicht die eigentliche Ursache.

Genetische Ursachen

Forscher gehen davon aus, dass die Gene einen Anteil von 70 Prozent an der Entstehung von ADHS haben. In vielen Fällen leiden Eltern, Geschwister oder andere Verwandte ebenfalls an ADHS. Das Risiko, an ADHS zu erkranken, ist vor allem für Jungen deutlich erhöht, wenn ein Elternteil an der Störung leidet.

Signalstörung im Kopf

Wissenschaftler vermuten vor allem Fehlfunktionen im Gehirn als Ursache von ADHS. Bestimmte Regionen sind zu wenig aktiv - sie liegen in einer Art "Dornröschenschlaf". Dazu gehören die Frontallappen sowie bestimmte Areale von Stammganglien und Kleinhirn. Diese Gehirnabschnitte sind für Aufmerksamkeit, Ausführung und Planung, Konzentration und Wahrnehmung verantwortlich.

In ihnen ist die Konzentration spezieller Botenstoffe zu gering, die zur Kommunikation der Nervenzellen nötig sind. Dazu gehören Serotonin, das die Impulskontrolle regelt, sowie Noradrenalin und Dopamin, die wichtig für Aufmerksamkeit, Antrieb und Motivation sind.

Fehlende Filter

Jede Sekunde gelangen unzählige Informationen in unser Gehirn, doch nur einige davon werden uns bewusst. Ein Filter schützt vor Reizüberflutungen und hilft, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Bei ADHS/ADS-Kindern filtert das Gehirn unwichtige Informationen nur unzureichend heraus. Das Gehirn von ADHS-Betroffenen ist dann mit zu vielen unterschiedlichen Reizen gleichzeitig konfrontiert und überfordert.

Daher können sie sich nur schwer konzentrieren. Die ungefilterte Informationsflut macht sie unruhig und angespannt. Zeigt der Lehrer etwas an der Tafel, wird das Kind bereits durch die Geräusche seiner Mitschüler abgelenkt. Kinder mit ADS ohne Hyperaktivität verhalten sich zwar eher ruhig, haben aber ebensolche Schwierigkeiten aufmerksam zu sein wie der klassische "Zappelphilipp".

Umwelteinflüsse

Auch Umweltgifte und Nahrungsmittelallergien stehen im Verdacht, ADHS und ADS mit zu verursachen. Alkohol und Drogen während der Schwangerschaft sowie ein Sauerstoffmangel bei der Geburt erhöhen ebenfalls das Risiko des Kindes, an ADHS zu erkranken.

Die äußeren Umstände, unter denen ein Kind aufwächst, können den Verlauf der Störung beeinflussen. Beispiele für ungünstige Bedingungen sind

  • wenig emotionale Zuwendung
  • beengte Wohnverhältnisse
  • ständiges Streiten der Eltern
  • Lärm
  • fehlende oder nicht durchschaubare Strukturen
  • Bewegungsmangel
  • Zeitdruck
  • hoher Medienkonsum

ADHS: Untersuchungen und Diagnose

ADHS kann sich ganz unterschiedlich äußern. Das erschwert die Diagnose. Nicht immer sind alle Anzeichen der Störung vorhanden. Auch lassen sich die ADHS-Symptome oft nur schwer von altersgemäßen Verhaltensweisen abgrenzen. Deshalb können nur erfahrene Spezialisten, beispielsweise Kinder- und Jugendärzte oder Kinder- und Jugendpsychiater, die Diagnose ADHS stellen.

Für die Diagnose ADHS müssen bestimmte Kriterien nach dem Klassifikationssystem ICD-10 erfüllt sein. ADHS-typisch ist ein ungewöhnliches Maß an Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Bei einer ADS-Diagnose sind die Kinder lediglich unaufmerksam, aber weder hyperaktiv, noch impulsiv.

Diagnosekriterium Unaufmerksamkeit

Bei ADHS lassen sich mindestens sechs der folgenden ADHS-typischen Symptome von Unaufmerksamkeit erkennen. Sie treten seit wenigstens sechs Monaten auf und sind nicht auf eine altersgemäße Entwicklungsphase zurückzuführen. Die Betroffenen

  • beachten Einzelheiten nicht genau oder machen Flüchtigkeitsfehler
  • haben Mühe, sich längerfristig zu konzentrieren
  • scheinen oft nicht zuzuhören, wenn sie direkt angesprochen werden
  • führen oft Anweisungen nicht vollständig aus oder beenden Aufgaben nicht
  • haben Mühe, Aufgaben und Tätigkeiten planvoll abzuwickeln
  • vermeiden oder verweigern oft Aufgaben, die anhaltende Konzentration erfordern
  • verlieren häufig Dinge wie Spielzeug oder Hausaufgabenhefte
  • werden leicht durch unwesentliche Reize abgelenkt
  • sind oft vergesslich bei Alltagstätigkeiten

Diagnosekriterium Hyperaktivität - Impulsivität

Außerdem äußert sich ADHS in mindestens sechs der folgenden ADHS-typischen Hyperaktivitäts-Impulsivitäts-Symptome. Auch diese treten seit mindestens sechs Monaten auf und sind nicht auf eine altersgemäße Entwicklungsphase zurückzuführen. Die Betroffenen

  • zappeln oder winden sich auf dem Stuhl
  • sitzen ungern und verlassen oft den Sitzplatz, auch dann, wenn Sitzen erwartet wird
  • rennen oft herum oder klettern überall hoch, auch in unpassenden Situationen
  • sind ruhelos, umtriebig oder benehmen sich oft wie von einem Motor angetrieben
  • sind beim Spielen meist sehr laut
  • reden oft übermäßig viel
  • platzen häufig mit der Antwort heraus, bevor Fragen komplett gestellt sind
  • haben oft Mühe zu warten, bis sie an der Reihe sind
  • unterbrechen oder stören häufig andere bei Unterhaltungen oder Spielen

Bei Kindern mit ADHS beobachtet man diese Symptome typischerweise bereits vor dem siebten Lebensjahr. Sie treten nicht nur daheim oder nur in der Schule auf, sondern in mindestens zwei verschiedenen Umfeldern. Für die Diagnose ADHS müssen zudem deutliches Leiden oder Schwierigkeiten bei sozialen Kontakten, beim Lernen oder im beruflichen Bereich bestehen.

Untersuchungen für die Diagnose ADHS

Um ADHS festzustellen, verwendet der Spezialist spezielle Fragebögen, mit denen sich bestimmte ADHS-typische Verhaltensweisen erfassen lassen.

Wichtig sind dabei Verhaltensauffälligkeiten und Besonderheiten, die Lernen, Leistung oder später den Beruf betreffen. Weitere Themen sind die Familiensituation und Erkrankungen in der Familie. Auch fragt er nach Besonderheiten während der Schwangerschaft, der Geburt und in der Entwicklung sowie nach Vorerkrankungen und derzeitigen sonstigen Beschwerden.

Bei erwachsenen Patienten wird er überdies Fragen zu Nikotin-, Alkohol-, Drogenkonsum und psychiatrischen Erkrankungen stellen.

Wie Eltern den Arztbesuch vorbereiten können

  • Beobachten und beschreiben Sie das Verhalten Ihres Kindes: Gibt es aktuelle kritische Ereignisse, die Ursache des ruhelosen Verhaltens sein könnten? Wann treten die Aufmerksamkeitsstörungen auf, zu welcher Tageszeit, an welchen Wochentagen (Schultage, Wochenende)?
  • Sprechen Sie mit den Betreuern Ihres Kindes: Kindergarten, Schule, Hort, Großeltern.

Befragung der Eltern, Bezugspersonen und Lehrer

Für eine ADHS-Diagnostik bei Kindern befragt der Spezialist Eltern und andere Bezugspersonen zu Sozial-, Lern-, Leistungsverhalten und der Persönlichkeitsstruktur des Kindes. Folgende Fragen könnte der Arzt in einem Erstgespräch stellen:

  • Kann sich Ihr Kind längere Zeit auf eine Tätigkeit konzentrieren?
  • Ist Ihr Kind zappelig, wenn es still sitzen soll?
  • Redet Ihr Kind häufig dazwischen oder auch besonders viel?
  • Ist Ihr Kind leicht ablenkbar?

Die Lehrer können wertvolle Auskunft zur intellektuellen Leistungsfähigkeit und zum Aufmerksamkeitsverhalten des kleinen Patienten geben. Schulhefte geben anhand von Ordnung, Führung, Schrift und Einteilung ebenfalls Hinweise auf eine mögliche Störung. Zeugnisse dokumentieren die schulischen Leistungen.

Körperliche Untersuchungen bei Verdacht auf ADHS

Der Arzt untersucht die motorische Koordinationsfähigkeit des Kindes und beurteilt sein Verhalten bei der Untersuchung. Dazu beobachtet er die Kooperationsfähigkeit, Gestik, Mimik, Sprache, Lautäußerungen des Kindes. Eine Messung der Hinströme im EEG ist nur erforderlich, wenn zum Beispiel der Verdacht auf Epilepsie besteht.

Verhaltensbeobachtung bei Verdacht auf ADHS

Während der Untersuchungen und der Anamnese beobachtet der Arzt/ADHS-Spezialist das Kind und achtet auf Verhaltensauffälligkeiten.

Manchmal helfen Videoaufnahmen, die Diagnose eines ADHS zu sichern. Mit Videos kann der Spezialist auch den Eltern die Auffälligkeit ihres Kindes in Mimik, Gestik und Körpersprache oder die Aufmerksamkeitsabbrüche demonstrieren. Die Aufzeichnungen zeigen ebenso die Reaktion der Eltern und dokumentieren später den Therapieverlauf.

Abgrenzung von anderen Störungen

Wichtig ist es, ADHS von anderen Problemen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen. Psychologisch können das beispielsweise eine verringerte Intelligenz oder eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) sein. Nach Möglichkeit vergleicht der Spezialist die Ergebnisse mit Vorbefunden, zum Beispiel der Einschulungsuntersuchung. Auch eine Zwangsstörung kann ADHS-ähnliche Hyperaktivität verursachen.

In manchen Fällen gründet die Hyperaktivität aber auch auf körperlichen Ursachen wie Stoffwechselstörungen, Epilepsie, Ticstörungen, dem Tourette-Syndrom oder krankhaftem Juckreiz, Seh- oder Hörproblemen, die entsprechend behandelt werden müssen.

Viele Fehldiagnosen

Experten gehen davon aus, dass ADHS bei Kindern oft vorschnell diagnostiziert wird. Nicht jedes besonders aktive oder quirlige Kind hat ADHS. Manche Kinder bekommen vielleicht einfach nicht genug Bewegung, um ihre Energie auszuleben.

Andere brauchen mehr Rückzugs- und Erholungsmomente als andere Kinder und sind deshalb überdreht. Dann reichen Änderungen im Lebensstil oft schon aus, um die Lage zu entspannen. Wichtig ist deshalb eine genaue Diagnostik von einem erfahrenen Kinderarzt beziehungsweise Kinder- und Jugendpsychiater.

ADHS: Hochbegabung ist selten

Wenn Kinder in der Schule scheitern, liegt das nicht zwangsläufig an mangelnder Intelligenz. Einige Kinder mit ADHS sind überdurchschnittlich intelligent und haben dennoch große Schwierigkeiten im Unterricht. Die Kombination ADHS+Hochbegabung ist jedoch eher selten.

Hochbegabte Kinder sind jedoch häufig in der Schule unterfordert und sind darum unruhig und stören. Bei ihnen wird dann mitunter fälschlicherweise ADHS diagnostiziert.

Als hochbegabt gelten Kinder, wenn Sie in einem Intelligenztest einen Wert von über 130 Punkten erreichen. Solche Kinder zeichnen sich in der Regel durch eine besonders gute Konzentrationsfähigkeit aus, die bei ADHS nicht besteht.

Wichtig ist herauszufinden, welche Behandlung im Einzelfall optimal ist. Die Spezialisten arbeiten dafür mit Eltern, Lehrern, Erziehern und anderen Betreuern zusammen. Oftmals lässt sich keine eindeutige Ursache des ADHS finden.

Ziel der ADHS-Therapie ist es, den Patienten eine normale Entwicklung und ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung gibt sich nicht von alleine. Doch mit einer individuell zugeschnittenen Therapie und viel Geduld lässt sich einiges erreichen. Die gut abgestimmte Zusammenarbeit aller Beteiligten ist für den Erfolg entscheidend.

Therapie

Therapiebausteine

Folgende Bausteine sind für die erfolgreiche ADHS-Behandlung von Kindern wichtig:

  • Aufklärung und Beratung der Eltern, des Kindes/Jugendlichen und des Erziehers beziehungsweise des Klassenlehrers
  • Elterntraining, Miteinbeziehen der Familie (einschließlich Familientherapie), um die Symptomatik im familiären Umfeld zu vermindern
  • Kindergarten/Schule: Zusammenarbeit mit Erziehern und Lehrern
  • Kognitive Verhaltenstherapie des Kindes/Jugendlichen (ab dem Schulalter): Impulsives und unorganisiertes Verhalten kontrollieren lernen
  • Therapie mit entsprechenden Medikamenten (meist Amphetamine wie Methylphenidat), um Symptome in der Schule, im Kindergarten, im Familienkreis oder in anderen Umgebungen zu vermindern

Sehr bewährt hat sich die Kombination aus Medikamenten, Verhaltenstherapie und Elterntraining. Welche Bausteine eingesetzt oder kombiniert werden, hängt vom Alter des Kindes und der Ausprägung des ADHS ab.

Therapie im Vorschulalter

Im Vorschulalter stehen vor allem das Elterntraining sowie die Aufklärung des Umfeldes über die Störung im Vordergrund. Eine kognitive Therapie ist in diesem Alter noch nicht möglich. Haben die Kinder Schwierigkeiten, längere Zeit bei einer Sache zu bleiben, kann ein Spieltraining diese Fähigkeit fördern. Einige Kliniken bieten eine spezielle Mutter-Kind-Kur an. ADHS wird in diesen Kliniken unter anderem mit einer Kombination aus Lerntraining und Beziehungsarbeit behandelt.

Experten warnen davor, bereits Vorschulkinder mit Medikamenten gegen ADHS zu behandeln. Es ist unklar, wie sich die Medikamente auf die Entwicklung der Kinder auswirken. Für den Einsatz von Methylphenidat bei Kindern unter sechs Jahren liegen bisher nur wenige Erfahrungen vor. Manche Fachleute befürchten, dass ADHS-Medikamente die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen.

Therapie im Schulalter

Für Schulkinder und Jugendliche sind die Aufklärung und Beratung der Kinder und Eltern sowie das Elterntraining die Grundlage der Therapie. Eine wichtige erste Maßnahme ist das sogenannte Selbstinstruktionstraining. In einer sprachlichen Selbstanweisung geben sich die Kinder ihre nächsten Handlungsschritte vor.

Das Motto „Erst Handeln, dann Denken" wird so umgekehrt zu „Erst denken, dann Handeln“. Die Fähigkeit, sich selbst konkrete Anweisungen zu geben, stärkt die Selbstkontrolle hilf, das eigene Verhaltens zu überdenken.

In fünf Schritten lässt sich die Selbstinstruktion zur Behandlung von ADHS erlernen:

  • Der Therapeut oder Erzieher spricht die "Selbstanweisungen" modellhaft vor und handelt auch entsprechend.
  • Das Kind handelt nach den gerade gehörten Anweisungen des Lehrers (externe Verhaltenssteuerung).
  • Das Kind lenkt sein Verhalten durch eigene Selbstanweisungen (offene Selbstinstruktion) mit lautem Sprechen.
  • Das Kind flüstert die Selbstanweisung (ausgeblendete Selbstinstruktion).
  • Das Kind soll lernen, sich durch das Einüben verinnerlichte Selbstinstruktion selbst zu steuern (verdeckte Selbstinstruktion).

Ist das Kind trotz Therapien und Training extrem unruhig oder aggressiv, können zusätzlich Medikamente sinnvoll sein.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie umfasst die Zusammenarbeit mit den Kindern, deren Eltern und auch der Schule. Die Kinder lernen, ihren Alltag zu strukturieren und ihr Verhalten besser zu kontrollieren. In vielen Fällen ist es sinnvoll, dass ein professioneller Helfer die Kinder einige Zeit auch in der Schule unterstützt.

Auch das Üben in Modellsituationen kann hilfreich sein. Im Rahmen von Rollenspielen, zum Beispiel unter Gleichaltrigen, üben die ADHS-Kinder in einer praxisnahen Situation ein Verhalten, das sie später auch zu Hause oder in der Schule anwenden können. Erleben sie Anerkennung, werden sie das neue Verhaltensmuster schnell in ihr Repertoire aufnehmen.

Elterntraining

Ein wichtiger Bestandteil der ADHS-Therapie ist das Elterntraining. Um ihre Sprösslinge besser zu unterstützen, lernen die Eltern einen konsequenten, aber liebevollen Erziehungsstil. Dazu gehören unter anderem:

  • klare Strukturen vorgeben, sich unmissverständlich ausdrücken
  • eigenes Verhalten mit den Anweisungen in Übereinstimmung bringen
  • Ablenkungen von einer gerade anstehenden Aufgabe vermeiden
  • Rückmeldung geben, ob sie das Verhalten positiv oder negativ finden
  • Erwünschtes Verhalten deutlich erkennbar belohnen

Viele Eltern suchen auch Hilfe bei Elterninitiativen. Der Austausch mit anderen hilft ihnen aus der Isolation und kann mögliche Schuldgefühle reduzieren. Oft schaffen Eltern von ADHS-Kindern es erst dank des Rückhalts durch die Gruppen, ihr hyperaktives Kind so zu akzeptieren, wie es ist.

Medikamente in der ADHS-Behandlung

Medikamente zur Behandlung von ADHS können bei stark ausgeprägten ADHS-Symptome helfen, die sonst erhebliche Schwierigkeiten im Alltag verursachen. Sie wirken meist schnell und gut. Bei starken Verhaltensproblemen schaffen sie oft erst die Voraussetzung für eine Verhaltenstherapie. In weniger ausgeprägten Fällen sollten die Kinder erst dann Medikamente erhalten, wenn eine verhaltenstherapeutische Behandlung nicht ausreicht.

Medikamente können die Störung nicht heilen. Daher müssen die Patienten sie oft über Jahre, manchmal auch bis ins Erwachsenenalter einnehmen. Um ADHS dauerhaft zu stabilisieren, müssen sie regelmäßig eingenommen werden. Die Behandlung sollte nicht auf eigene Faust unterbrochen werden.

Außerdem sollte der Arzt mindestens einmal im Jahr den Verlauf der Krankheit überprüfen und feststellen, ob Wirkstoff und Dosis noch optimal sind. Haben sich die ADHS-Symptome über einen längeren Zeitraum deutlich gebessert, können die Medikamente möglicherweise abgesetzt werden.

Methylphenidat

Das am häufigsten eingesetzte Medikament zur Behandlung von ADHS ist Methylphenidat. Methylphenidat ist kein Beruhigungsmittel, sondern fördert die Aktivität. Dies scheint zunächst widersprüchlich, da Kinder mit ADHS ohnehin hyperaktiv sind.

Es ist vor allem unter dem Handelsnamen Ritalin bekannt. Der Wirkstoff ist ein Psychostimulans aus der Gruppe der Amphetamine. Er erhöht die Konzentration des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Dopamin leitet Signale zwischen den Nervenzellen weiter. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen, ist aber auch entscheidend für psychischen Antrieb und Konzentrationsfähigkeit.

Bei den meisten betroffenen Kinder mindert Methylphenidat Unaufmerksamkeit und Ruhelosigkeit und verbessert ihre Konzentration. Manchen Kindern ermöglicht Methylphenidat überhaupt erst die Teilnahme am Unterricht und erleichtert erheblich die sozialen Kontakte.

So wirkt Methylphenidat
Methylphenidat-Mechanismus
Methylphenidat blockiert die Wiederaufnahme von den Botenstoffen Dopamin und Noradrenalin in die Nervenzelle. Die freien Botenstoffe können so vermehrt an passende Rezeptoren binden und so die Konzentrationsfähigkeit verbessern.

Methylphenidat wirkt schnell. Schon nach einer Stunde spüren die Patienten eine deutliche Wirkung.

Zu Beginn der Therapie ermittelt der Arzt die niedrigste wirksame Dosis. Dazu steigert er die Wirkstoffmenge langsam. Diese Dosis ist bei jedem Patienten verschieden: Sie kann von einer niedrig dosierten Tablette bis hin zu drei hoch dosierten Tabletten am Tag reichen.

Für ADHS-Kinder, die eine ganztägige Stabilisierung brauchen, eignen sich Tabletten, die einmalig morgens eingenommen werden. Sie setzen den Wirkstoff kontinuierlich über den ganzen Tag frei. Die regelmäßige Tabletteneinnahme wird nicht so leicht vergessen. Auch Schlafstörungen treten seltener auf.

Methylphenidat fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Um Missbrauch zu verhindern, dürfen Ärzte solche Medikamente nur für einen begrenzten Zeitraum und nur auf einem speziellen Rezeptformular (Betäubungsmittelrezept) verschreiben. Eine körperlich süchtigmachende Wirkung hat Methylphenidat aber nicht.

Bei sachgemäßer Anwendung sind die Risiken von Betäubungsmitteln gering. Bei missbräuchlicher Anwendung, zum Beispiel zum "Gehirndoping", können sie jedoch die Gesundheit gefährden.

Atomoxetin

Ein neuerer Wirkstoff zur Behandlung von ADHS ist Atomoxetin. Es stammt aus der Antidepressiva-Forschung, wirkt aber nicht antidepressiv. Der Wirkstoff wirkt tendenziell etwas weniger gut als Methylphenidat, bietet aber eine Alternative. Er steigert vor allem die Konzentration von Noradrenalin im Gehirn, indem er dessen Abbau verlangsamt. Der Botenstoff bleibt so länger aktiv und sorgt dafür, dass die Signalübertragung im Gehirn wieder besser funktioniert.

Anders als Methylphenidat fällt Atomoxetin nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Es kann ab einem Alter von sechs Jahren für die Behandlung von ADHS bei Kindern angewandt werden.

Weitere Medikamente

Wenn Methylphenidat und Atomoxetin nicht ausreichend wirken, können auch verschiedene Neuroleptika, Antidepressiva, Beruhigungsmittel und weitere Amphetamine sowie Fenetyllin und Pemolin verordnet werden.

SubstanzStimulanzium, zum Beispiel MethylphenidatNoradrenalin (NA)-Wiederaufnahmhemmer, zum Beispiel Atomoxetin
WirkungsweiseWirkt auf den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn, erhöht DopaminkonzentrationBeeinflusst Noradrenalin(NA)-Stoffwechsel, NA wird langsamer in die Zelle wiederaufgenommen und wirkt so länger
WirksamkeitHilft in der Mehrheit der FälleEffektivität eher geringer als die von Methylphenidat, kann bei Patienten wirksam sein, die nicht auf Methylphenidat ansprechen
Wirkdauer1 bis 3 Gaben pro Tag, neuere Retardpräparate gewährleisten Wirkdauer von 6 bzw. 12 StundenKontinuierliche Wirkung über den gesamten Tag
ErfahrungSeit mehr als 50 JahrenSeit März 2005 in Deutschland auf dem Markt, Studienerfahrung seit 1998

Nebenwirkungen

In der Anfangsphase für 2-3 Wochen:

- Kopfschmerzen
- Magenbeschwerden
- verstärkte Reizbarkeit
- Übelkeit und Erbrechen

Häufig:
- Appetitlosigkeit
- Gewichtsabnahme
- Benommenheit
- Muskelzucken/Tics
- Allergische Hautreaktionen

Selten:
- Anstieg von Blutdruck und Puls
- Seltene Berichte über ein Ansteigen der Leberwerte oder Leberentzündungen (Hepatitis)
- Bremst das Längenwachstum und die Gewichtszunahme der Kinder

Vor allem in der Anfangsphase:

- Kopfschmerzen
- Mundtrockenheit (Erwachsene)
- Bauchschmerzen
- verminderter Appetit
- Übelkeit und Erbrechen
- Verstopfungen
- Müdigkeit
- Stimmungsschwankungen

Häufig:

- verminderter Appetit
- Gewichtsabnahme
- leichter Anstieg von Blutdruck und Puls

Gelegentlich:
- allergische Reaktionen

Selten:
- zusätzliche Verhaltensstörungen mit aggressiver Komponente
- Sehr seltene Berichte über ein Ansteigen der Leberwerte, Gelbsucht oder Leberentzündungen (Hepatitis)
- Bremst das Längenwachstum und die Gewichtszunahme der Kinder wohl nur vorübergehend

SpätfolgenKeine erhöhte Rate von Spätfolgen, Befürchtungen wegen Parkinson-Erkrankung oder Hirnschäden nicht belegbar.Spätfolgen noch nicht absehbar
SuchtgefahrRichtig angewendet keine erhöhte Suchtgefahr; wird bei ADHS sogar reduziert (Verlaufsstudien).Keine Suchtgefahr
Gegenanzeigen- epileptische Anfallsleiden
- Angst und Anspannung
- erhöhter Augeninnendruck
- Tourette-Syndrom
- gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten aus der Arzneimittelgruppe der MAO-Hemmer zur Behandlung von Depressionen
- Schilddrüsenüberfunktion
- schwere Angina pectoris
- Herzrhythmusstörungen
- Schwerer Bluthochdruck
- schwere Depressionen
- Magersucht
- Psychosen
- Tic-Störungen
- Medikamentenmissbrauch
- Alkohol- oder Drogenmissbrauch
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Prostatavergrößerung
- kürzlich aufgetretener Schlaganfall
- gleichzeitige Einnahme von Medikamenten aus der Arzneimittelgruppe der MAO-Hemmer zur Behandlung von Depressionen
- erhöhter Augeninnendruck (Engwinkelglaukom)
VerordnungBetäubungsmittel-(BTM)-Rezept, für Reisen ins Ausland Bestätigung des behandelnden Arztes erforderlich.Normales Rezept
ZulassungFür Kinder und Jugendliche ab 6 JahrenFür Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren, auch zur Weiterbehandlung ins Erwachsenenalter

Neurofeedback - ADHS-Therapie am Computer

Das Neurofeedback ist ein Verfahren, bei dem der Patient lernt, seine Hirnaktivitäten positiv zu beeinflussen. Dazu werden Elektroden auf die Kopfhaut geklebt, die die Gehirnströme ablesen, sodass sie auf einem Monitor sichtbar werden.

Diese Messung nennt sich auch Elektroenzephalografie (EEG). Durch Konzentration gelingt es dem Patienten, seine Gehirnaktivität auf einem bestimmten Level zu halten. Durch längeres Training können sie die erlernten Fähigkeiten auch im Alltag, in der Schule oder im Beruf anwenden. Für viele Kinder ist das Neurofeedback eine effektive Methode zur Konzentrationssteigerung.

Homöopathie in der ADHS-Therapie

Es gibt auch alternative Versuche zur Behandlung von ADHS. Sie können die schulmedizinische Therapie ergänzen. Eine davon ist die Homöopathie. Manche Eltern und Patienten berichten von einer Verbesserung der Symptome. Die Auswahl an homöopathischen Mitteln ist groß. Abhängig von den Symptomen stehen Globuli auf Basis von Kalium phosphoricum, das die Konzentrationsfähigkeit fördern soll, bis hin zu Sulfur, das bei Impulsivität und Energieüberschuss gegeben wird.

Ernährung bei ADHS

Manche Eltern berichten, dass Fast Food und eine zuckerhaltige Ernährung die Hyperaktivität ihrer Kinder zusätzlich steigert. Wissenschaftlich sind die Zusammenhänge zwischen einer solchen Ernährung und ADHS nicht eindeutig belegt.

Anders ist es bei Kindern, die sowohl unter ADHS, als auch einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder -allergie leiden. In diesen Fällen bessert eine allergenarme Ernährung bei vielen Kindern die Symptome von ADHS. Ernährung kann dann einen positiven Beitrag leisten. Zusätzlich zur Standardbehandlung empfehlen Ärzte daher oft eine Ernährungsumstellung. Einige Nahrungsmittel, die häufig Allergien auslösen, sind zum Beispiel Milchprodukte, Eier, Nüsse sowie Farb- und Konservierungsstoffe.

ADHS: Krankheitsverlauf und Prognose

Die Aufmerksamkeitsstörung, auch hyperkinetische Störung, genannt, ist teilweise schwer von anderen Verhaltensauffälligkeiten abzugrenzen. Darum gibt es keine genauen Zahlen zur Häufigkeit von ADHS. Schätzungsweise leiden über 500.000 Schulkinder in Deutschland unter ADHS. Jungen sind vier Mal häufiger betroffen als Mädchen. Mit zunehmendem Alter gleicht sich der Geschlechterunterschied wieder aus.

ADHS ist keine Erkrankung, die sich einfach "auswächst". Bei einem Teil der Kinder verschwinden die Symptome mit den Jahren, etwa 60 Prozent begleiten sie jedoch ein Leben lang.

ADHS unbehandelt - die Folgen

Für Menschen mit ADHS sind die richtige Diagnose und eine passende Behandlung essenziell, da sie sonst schwerwiegende Probleme in der Schule oder im Beruf sowie im sozialen Kontakt haben.

  • Manche schaffen die Schule nicht oder erlernen einen Beruf, der nicht ihren geistigen Fähigkeiten entspricht.
  • Es fällt einigen schwerer, soziale Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
  • Das Risiko, in der Jugend straffällig zu werden, ist höher.
  • Sie erleiden häufiger Unfälle, darunter auch schwere.

Für Menschen mit ADHS besteht zudem ein hohes Risiko, weitere psychischen Störungen zu entwickeln. Dazu gehören

  • Entwicklungsstörungen
  • Lernstörungen
  • Störungen des Sozialverhaltens,
  • Tic-Störungen und das Tourettesyndrom
  • Angststörungen
  • Depressionen

Im Verlauf einer ADHS-Erkrankung ändern sich die Symptome. Während Kinder mit ADHS vor allem durch ihre Hyperaktivität und Impulsivität auffallen, zeigen sich Jugendliche mit ADHS oft eher verträumt und unaufmerksam. Im Erwachsenenalter nimmt die Hyperaktivität meist weiter ab.

Bisher gibt es noch keine umfassenden Studien zur Prognose von ADHS. Wichtig ist, dass ADHS rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Eine professionelle Unterstützung ermöglicht den Kindern, die Grundlagen für ihre berufliche Laufbahn zu legen.

Weiterführende Informationen

Bücher

  • Matthias Gelb, Dina Völkel-Halbrock: ADS /ADHS: Ein Ratgeber für Eltern, Pädagogen und Therapeuten (Ratgeber für Angehörige, Betroffene und Fachleute) Schulz-Kirchner; Auflage: 3, Januar 2014
  • Wolfdieter Jenett: ADHS: 100 Tipps für Eltern und Erzieher (HELP - Hilfe für Eltern, Lehrer, Pädagogen) Verlag Ferdinand Schöning, 15. Juni 2011
  • Mina Teichert Neben der Spur, aber auf dem Weg: Warum ADS und ADHS nicht das Ende der Welt sind, Eden Books 6. April 2017

Selbsthilfegruppen und Vereine

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