„Training wirkt wie Beta-Blocker“

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Früher hieß die Devise bei Herzschwäche: Schonung! Inzwischen weiß man, dass Sport unter fachlicher Anleitung die Lebensqualität stark verbessert. Herzspezialist Prof. Rainer Hambrecht erklärt, was Bewegung bewirken kann

Herr Prof. Hambrecht, ein schwaches Herz braucht keine Schonung. Warum nicht?

Weil die Skelettmuskulatur sonst sehr schwach wird. Dann wird jede Art von körperlicher Betätigung - etwa Treppen steigen oder Spazieren gehen - für den Patienten sehr viel anstrengender. Für den Körper bedeutet dies Stress. Er schüttet zusätzliche Stresshormone aus, die Katecholamine. Und genau die sind unerwünscht, weil sie einen schädigenden Einfluss am Herzen ausüben können.

Was passiert genau, wenn Menschen mit Herzschwäche Sport treiben?

Es werden vor allem die Gefäße trainiert, sie weiten sich wieder und der Blutdruck sinkt. Eng gestellte Gefäße sind für ein geschwächtes Herz besonders problematisch. Es muss praktisch mit letzter Kraft auch noch gegen zu enge Gefäße anpumpen. Sie müssen sich das vorstellen wie eine kleine Pumpe, die Sie an ein Röhrensystem anschließen. Wenn Sie den Durchmesser der Röhren verringern, dann brauchen Sie viel mehr Kraft, um Flüssigkeit hindurch zu pressen.

Man könnte also sagen, dass Sport wie ein ACE-Hemmer wirkt - das sind Medikamente, die man beispielsweise bei Bluthochdruck einsetzt. Das Training ließe sich außerdem mit der Wirkung eines Beta-Blockers vergleichen: Es schützt das Herz vor den schädlichen Einflüssen der Stresshormone.

Wie viel bringt regelmäßiges Training denn für die Patienten?

Selbst Patienten mit fortgeschrittener Herzmuskelschwäche können ihre Leistungsfähigkeit um 20 bis 25 Prozent verbessern. Das konnten wir in einer Studie zeigen. Das ist mehr, als Sie mit einem Medikament erreichen können, auch wenn Sport diese nicht ersetzen kann. Allerdings muss man beim Training dauerhaft am Ball bleiben. Nach spätestens vier Wochen ist der positive Effekt sonst wieder dahin.

Dieses "Mehr" an Leistung müsste sich im Alltag ganz schön bemerkbar machen.

Ja, das ist auf jeden Fall eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität. Drei- bis viermal wöchentlich 15 Minuten Ausdauertraining reichen anfangs aus. Das können Sie noch durch vorsichtigen Kraftsport ergänzen. Allerdings müssen die Patienten aufpassen, dass sie sich nicht zu schwere Gewichte aufladen. Denn dann steigt der Blutdruck - und das ist schlecht fürs Herz.

Einfach ins nächste Fitnessstudio zu gehen, das ist vermutlich keine Option.

Das ist sogar verboten! Vorher muss unbedingt ein Arzt überprüfen, wie stark sich der Patient belasten darf. Und auch das Training selbst müssen speziell ausgebildete Trainer anleiten - beispielsweise im Rahmen einer Herzsportgruppe. Manche Fitnessstudios haben allerdings entsprechend ausgebildetes Personal, dann ist nichts gegen einen Besuch dort einzuwenden.

Haben die Patienten nicht Angst, ihrem Körpermotor beim Sport zu viel abzuverlangen?

Nein, ganz im Gegenteil. Die meisten Patienten sind sehr motiviert und wollen ihre Situation unbedingt verbessern. Luftnot ist beispielsweise ziemlich beängstigend. Da ist man für alles dankbar, was hilft.

Herr Prof. Hambrecht, wir danken Ihnen sehr herzlich für das Gespräch.

Prof. Rainer Hambrecht ist Chefarzt für Kardiologie und Angiologie am Zentrum für Herz- und Gefäßmedizin im Bremer Klinikum Links der Weser.

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