„Die Seele kann Schmerzen kontrollieren“

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Als wie quälend ein Schmerz empfunden wird, hängt entscheidend von der psychischen Haltung ab. Wie sich mit geistigen Techniken auch starke Schmerzen bewältigen lassen, erklärt Dr. Gerhard Müller-Schwefe* im e-happiness-Interview.

Dr. Gerhard Müller-Schwefe

Dr. Gerhard Müller-Schwefe ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. und arbeitet als Leitender Arzt im Schmerz- und Palliativzentrum Göppingen.

Herr Dr. Müller-Schwefe, unser Gemüt beeinflusst, wie stark wir Schmerzen wahrnehmen. Was uns an einem Tag heftig wehtut, stecken wir an einem anderen locker weg. Woran liegt das?

Das Schmerzkontrollsystem im Gehirn wird stark von unseren Gefühlen beeinflusst. Wenn es uns gut geht, wir sozial gut eingebunden sind und wenn wir genügend Anerkennung bekommen, registrieren wir Schmerzen weniger stark. Wenn wir aber ausgegrenzt oder gemobbt werden, oder wenn wir deprimiert sind, dann wird die Schmerzkontrolle abgeschaltet. Und damit wird das Schmerzsignal ungebremst weitergeleitet und stärker wahrgenommen.

Schmerzen beeinflussen aber umgekehrt auch die Psyche – wer Schmerzen leidet, wird eher depressiv.

Menschen mit Schmerzen ziehen sich zurück, verlieren ihre sozialen Kontakte, werden einsam. Und sie verlieren die Hoffnung, weil sie immer wieder die Erfahrung machen, dass das Leben sie ausbremst. Das alles führt in die Depression. Diese Menschen brauchen dann nicht vornehmlich eine Psychotherapie, sondern eine Schmerztherapie. Umgekehrt gibt es aber auch Depressionen, die sich in Form von Schmerzen ausdrücken – da muss man genau hinschauen, was die Henne ist und was das Ei.

Wenn Schmerzempfinden und Psyche so eng zusammenhängen - lässt sich Schmerz auch mental kontrollieren?

Die psychologische Schmerztherapie ist sogar Standard. Dabei lernen die Patienten, über die Seele den Schmerz zu kontrollieren. Solche Techniken nennen wir Fakirtechniken. Wie bei einem Fakir auf einem Nadelkissen ist der Schmerzreiz zwar da, aber er wird nicht gespürt.

Wie kann man sich das vorstellen?

Eine Möglichkeit ist das Achtsamkeitstraining. Dabei erspürt man, was im Körper passiert und lenkt und steuert dann die Schmerzwahrnehmung. Auf diese Weise lässt sich auch die Bedeutung des Schmerzes im Leben verändern. Er ist noch existent, aber er steht nicht mehr im Mittelpunkt. Eine andere Möglichkeit sind Imaginationstechniken. Da lernen die Patienten, über ihre Vorstellungskraft ihre Körperfunktionen zu verändern.

Und wer dafür nicht die nötige Fantasie hat?

Dem kann Biofeedback helfen. Dabei werden körperliche Vorgänge gemessen und per Computer sichtbar und hörbar gemacht. Über diese Rückkopplung lernt der Patient, wie er die Prozesse im Körper verändern und einstellen kann. Bei Spannungskopfschmerz ist Biofeedback zum Beispiel eine sehr gute Methode. Dabei messen Elektroden die Muskelspannung, die in ein elektrisches Signal übersetzt wird. Beispielsweise einen Pfeifton. Manche Patienten nehmen erst in einer solchen Situation wahr, wie verspannt sie sind. Entspannt sich der Patient, wird der Ton leiser. So lernt er, seine Muskelspannung bewusst zu verringern.

Und bei Patienten mit Migräne?

Auch Migränepatienten profitieren von Biofeedback erheblich. Über die Rückkopplung lernen sie, ihre Blutgefäße im Kopf eng zu stellen und so einen Migräneanfall zu unterbrechen. Das muss man ein bisschen ausprobieren, aber dann weiß man, wie das funktioniert.

Und damit wird man auch schwere Kopfschmerzen los?

Viel besser funktioniert es, wenn man schon viel früher eingreift, sobald man merkt, dass sich etwas zusammenbraut. Es geht darum, die Muskelspannung rechtzeitig so zu reduzieren, dass der Körper keine heftigen Warnsignale aussenden muss, Kopfschmerz also gar nicht erst entstehen. Solche Frühwarnzeichen kann man erkennen lernen. Noch wichtiger ist das bei Migräne. Wenn man rechtzeitig gegensteuert, kann man so eine Migräneattacke auch ohne Medikamente unterbrechen.

* Dr. Gerhard Müller-Schwefe ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V. und arbeitet als Leitender Arzt im Schmerz- und Palliativzentrum Göppingen.

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