Sprachentwicklungsstörung bei Kindern

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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) wird oft nicht rechtzeitig erkannt. Beginnt ein Kind deutlich später mit dem Sprechen als Gleichaltrige, kann dies ein Hinweis sein. Doch es gibt noch weitere Anzeichen, die auf Probleme bei der Sprachentwicklung hindeuten. Welche das sind, was die Ursachen sein könnten und wie sich Sprachstörungen diagnostizieren und behandelt lassen, lesen Sie hier!

Kind mit Buchstaben

Sprachentwicklungsstörung: Beschreibung

Von einer gestörten Sprachentwicklung bei Kindern ist auszugehen, wenn die normalen Meilensteine der Sprachentwicklung nicht erreicht werden und die altersgemäße Sprachfähigkeiten um wenigstens sechs Monate verzögert sind.

Die Angaben zur Häufigkeit von Sprachentwicklungsstörungen sind unterschiedlich. Studien gehen davon aus, dass von den 5-Jährigen in Deutschland etwa 7 Prozent unter einer Sprachentwicklungsstörung leiden. Jungen sind dreimal so häufig betroffen wie Mädchen. Ebenfalls häufiger trifft es Kinder bildungsferner Schichten.

Sprachentwicklungsstörung: Merkmale

Merkmale für eine Sprachentwicklungsstörung bei Kindern sind je nach Alter unterschiedlich.

Babyalter

Im Babyalter fällt eine Sprachentwicklungsstörung kaum auf. Nur manchmal zeigen sich auch schon in dieser präverbalen Entwicklungsphase Beeinträchtigungen. Die meisten Babys können sich aber ganz gut ohne Worte verständigen, die sogenannte nonverbale Intelligenz ist also oft unauffällig.

Kleinkinder

Erst wenn ein Kleinkind deutlich später mit dem Sprechen beginnt als Gleichaltrige, kann dies als erstes offensichtliches Merkmal für eine Sprachentwicklungsstörung gedeutet werden. Bis zum 3. Geburtstag sprechen Ärzte auch von einer Sprachentwicklungsverzögerung. Im Kindergartenalter lassen diese Kinder meist wichtige Satzteile weg oder bauen Sätze in der falschen Reihenfolge. Das Verb landet oft am Satzende.

Schulkinder

Bleibt eine Sprachentwicklungsstörung bei Kindern bis zum Schulbeginn unentdeckt, so scheint im Schulalltag mit der Sprache auf den ersten Blick oft alles okay zu sein. Die Kinder haben gelernt, das Problem geschickt zu umgehen, indem sie kurze, meist grammatikalisch richtige Sätze bilden. Doch schon bei etwas komplizierteren schriftlichen Aufgaben offenbart sich dann die Sprachentwicklungsstörung: Verständnis für Sprache und Grammatik (Dysgrammatismus), Wortfindung und Wortschatz sind stark eingeschränkt.

Anzeichen Sprachentwicklungsstörung

Anzeichen für eine Sprachentwicklungsstörung sind:

  • Später Sprachbeginn, langsamer Spracherwerb: vermindertes Lallen (Dyslalie), erste Worte erst mit zwei und Zwei-Wort-Konstruktionen erst ab drei
    Jahren
  • Geringer Wortschatz: Mit zwei Jahren deutlich unter 50 Wörtern
  • Eingeschränktes Sprachverständnis: In der Regel verstehen die betroffenen Kinder besser als sie selbst sprechen können
  • Begrenzte kommunikative Fähigkeiten

Oftmals haben Kinder mit Sprachproblemen auch Defizite in den motorischen Fähigkeiten (Fein- und Grob-Motorik). Mitunter entwickeln sich infolge der Sprachentwicklungsstörung zusätzlich noch weitere Probleme, wie motorische Koordinationsstörung, Aufmerksamkeits- oder Verhaltensstörung.

Sprachentwicklungsstörung: Ursachen

Auch körperliche Erkrankungen können eine Sprachentwicklungsstörung zur Folge haben. Ist dies nicht der Fall, spielen genetische Faktoren beim Spracherwerb eine große Rolle. Aufgrund familiärer Häufung gilt die Genetik als Hauptkomponente für Sprachentwicklungsstörungen. Geringeren Einfluss haben offenbar Umweltfaktoren, soziale Isolation (Kasper-Hauser-Syndrom) oder frühkindliche Hirnschädigungen.

Nicht immer sind die Ursachen für eine Sprachentwicklungsstörung sofort offensichtlich. Neben körperlichen Beeinträchtigungen, wie beispielsweise eingeschränktem Hörvermögen, kann eine anfängliche Sprachentwicklungsverzögerung auch ganz andere Gründe haben. Manchmal reichen dem Kind Gesten, um sich verständlich zu machen, weil ältere Geschwister oder Eltern sofort darauf reagieren. Es besteht schlicht nicht die Notwendigkeit zu sprechen.

Zuerst muss deshalb geklärt werden, ob der Sprachentwicklungsstörung eine andere Krankheit zugrunde liegt (sekundäre Sprachentwicklungsstörung) oder ob sie alleine, also isoliert auftritt (spezifische Sprachentwicklungsstörung).

Sekundäre Sprachentwicklungsstörungen

Bei Kindern kann sich infolge folgender Krankheiten eine Sprachentwicklungsstörung entwickeln:

  • Blindheit oder Sehstörung
  • Hörstörung
  • Motorikstörungen im Bereich Mund und Gesicht (orofazial)
  • Schädigung der Sprachorgane (Dysglossien)
  • Intelligenzminderung, geistige Behinderung (Down- oder Williams-Beuren-Syndrom)
  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung
  • Tiefgreifende Entwicklungsstörung (Autismus)
  • Neurologische Schädigung (Aphasie) durch Epilepsie oder Schädel-Hirn-Trauma

Spezifische Sprachentwicklungsstörungen

Ihr Kind hört super, ist intelligent und körperlich/neurologisch ist alles in Ordnung – doch es spricht dennoch nicht seinem Alter entsprechend? Dann handelt es sich wahrscheinlich um eine spezifische Sprachentwicklungsstörung:

  • Artikulationsstörung: Laute werden falsch ausgesprochen oder falsch verbunden, Zischlaute, eingeschränkte Kommunikation aufgrund schlechter
    Verständlichkeit
  • Expressive Sprachstörung: aktiver Wortschatz ist reduziert, schlechter sprachlicher Ausdruck, Sprachverständnis ist aber normal
  • Rezeptive Sprachstörung: eingeschränktes Sprachverständnis, Wortbedeutungen sind unbekannt

Gerade bei der rezeptiven Sprachstörung liegt nicht selten eine Mischform vor, bei der auch der Ausdruck (expressive Sprache) als auch die Artikulation beeinträchtigt sind.

Sprachentwicklungsstörung: Diagnose

Zuerst muss mit gezielten Untersuchungsmethoden erst einmal bestätigt werden, dass keine Hör- oder Sehstörung, keine geistige Behinderung oder Intelligenzminderung, keine neurologische Schädigung oder ungünstige Umweltbedingungen vorliegen (Ausschlussdiagnostik).

Danach lässt sich mit einer Sprachdiagnostik die spezifische Sprachentwicklungsstörung beurteilen. Hierfür stehen je nach Alter verschiedene Test zur Verfügung, die bis zu einer Stunde dauern können. Einige dieser Tests kommen auch bei den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen U6 bis U9 zum Einsatz. Gibt es hier Auffälligkeiten, kann der Arzt anhand der bestehenden Defizite den Schwerpunkt der Therapie festlegen.

Sprachentwicklungsstörung: Therapie

Hat eine fachspezifische Untersuchung ergeben, dass die Sprachentwicklung gestört oder verzögert ist, muss unbedingt mit einer Behandlung begonnen werden. Nur so lassen sich folgenschwere Auswirkungen auf die weitere Entwicklung vermeiden.

Die Logopädie ist die Hauptsäule in der Therapie von Sprachentwicklungsstörungen. Bei Kindern tragen die Eltern maßgeblich zum Therapieerfolg bei. Daher sollten bei einer Logopädie auch die Eltern eine Anleitung erhalten und in die Therapie einbezogen werden. Geschult werden Wahrnehmung, Sprachverständnis, Aussprache, aber auch Lesen und Schreiben oder Kommunikationsfähigkeiten.

In den ein- bis dreimal wöchentlich stattfindenden Sitzungen erlernen Kinder spezielle und auf ihre persönlichen Gegebenheiten angepasste Übungen. Diese sollte das Kind dann im Beisein der Eltern auch außerhalb der Sitzungen täglich üben.

Je nachdem, welche begleitenden Probleme vorhanden sind, ist es hilfreich, bei einer Sprachentwicklungsstörung bei Kindern zusätzlich folgende Therapien einzusetzen:

  • Physiomotorische Therapie bei motorischer Koordinationsstörung
  • Ergotherapie bei Aufmerksamkeitsstörung
  • Psychotherapie bei emotionaler Verhaltensstörung

Sprachentwicklungsstörung: Bilingual ist kein Problem!

Gesunde Kinder können ohne Weiteres mehrere Sprachen gleichzeitig erlernen. Vorausgesetzt in beiden Sprachen findet eine intensive Kommunikation mit dem Kind satt. Liegt allerdings eine Sprachentwicklungsstörung vor, wird sich ein Kind in beiden Sprachen gleichermaßen schwertun (Halbsprachigkeit, Semilingualismus). Die Aussage, dass Kinder, die zweisprachig aufwachsen, später sprechen oder häufiger Sprachentwicklungsstörungen entwickeln, stimmt nicht.

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