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Thymus

Der Thymus (Thymusdrüse, Bries) ist ein wichtiger Teil des Immunsystems. Im Thymus bekommen bestimmte weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) ihre immunologische Prägung, gleichzeitig wird auch die Reifung krankheitsbekämpfender T-Zellen durch Thymushormone stimuliert. Die Thymusdrüse ist nur in der Kindheit und Jugendzeit aktiv. Lesen Sie hier alles über den Thymus und seine Funktion als „Schule der Körperpolizei“.

Was ist der Thymus?

Der Thymus spielt für das menschliche Immunsystem eine bedeutende Rolle. In diesem kleinen Organ lernt ein Teil der weißen Blutkörperchen (T-Lymphozyten oder T-Zellen) fremde Zellen zu erkennen und anzugreifen. Dafür werden die Immunzellen hier so geprägt, dass sie körpereigene Oberflächenstrukturen (Antigene) von zum Beispiel Bakterien oder Viren von körperfremden Antigenen unterscheiden können. Dies ist wichtig, um zu verhindern, die Immunzellen den eigenen Körper angreifen und sogenannte Autoimmunkrankheiten entstehen.

Der Thymus besteht aus einem rechten und einem linken Lappen, die beide von einer bindegewebigen Kapsel umgeben werden. Von dieser Kapsel ziehen Bindegewebsstränge durch die Lappen und unterteilen den Thymus in viele kleine Läppchen, die man Lobuli thymi nennt. Jedes Läppchen besteht aus einer hellen Markzone (Medulla), umgeben von einer dunkleren Rinde (Kortex).

In der Markzone der Thymusdrüse finden sich die charakteristischen Hassall-Körperchen. Sie sind vor allem optisch unter dem Mikroskop gut zu erkennen. Die Hassall-Körperchen bestehen wahrscheinlich aus zusammengelagerten Deckgewebszellen (Epithelzellen) und sehen durch diese Schichtung aus wie kleine Zwiebeln. Ihre Funktion ist noch nicht geklärt, man vermutet aber, dass sie bei der Reifung der Immunzellen behilflich sind.

Wandel der Thymusdrüse

Der Thymus ist nicht das ganze Leben lang gleichermaßen aktiv: Bereits vor der Geburt beginnt die Thymusdrüse ihre Arbeit mit der Produktion und Ausreifung von T-Lymphozyten.

Beim Neugeborenen ist der Thymus cicra fünf Zentimeter lang und zwei Zentimeter breit. Im Laufe der Kindheit bis hin zur Pubertät erreicht der Thymus sein maximales Gewicht von 35 bis 50 Gramm. Ab der Geschlechtsreife schrumpft die Thymusdrüse. Funktion und Gewebe verändern sich. Im Alter findet man dort überwiegend Fett- und Bindegewebe, das Gewicht reduziert sich auf etwa drei Gramm. Diesen Vorgang nennt man Thymusinvolution. Der größte Teil der Ausbildung der Immunzellen ist aber bereits vorher abgeschlossen.

Nach seiner Rückbildung übernehmen die sekundären lymphatischen Organe (Lymphknoten, Milz) die Aufgaben des Thymus.

Welche Funktion hat der Thymus?

Der Thymus wird gemeinsam mit dem Knochenmark als primäres lymphatisches Organ bezeichnet. Das bedeutet: In Thymus und Knochenmark entwickelt sich das Immunsystem und reift heran.

Dazu durchlaufen die Immunzellen mehrere Stationen:

Knochenmark

Aus dem Knochenmark wandern „multipotente Stammzellen“ aus, es handelt sich um Vorläuferzellen, deren grundsätzliche Funktion zwar schon feststeht, die Entwicklung ist aber noch nicht abgeschlossen.

Thymus

Über die Blutbahn gelangen diese Zellen in den Thymus. Um die Prägung und Differenzierung zu erhalten, müssen die Vorläuferzellen (Thymozyten) den Thymus von der Rinde her bis in die Markregion durchwandern, um dann als T-Lymphozyten wieder in die Blutbahn entlassen zu werden.

Prägung der Immunzellen

Die Prägung läuft in drei Schritten ab. Anschließend werden diejenigen Zellen aussortiert, die nicht richtig oder nicht gut genug „geschult“ wurden. Dabei werden über 90 Prozent der geprägten Zellen eliminiert.

Am Ende der Prägung und der Selektion haben die verbleibenden T-Lymphozyten gelernt, körpereigenes von körperfremden Gewebe zu unterschieden, indem sie die Oberflächenstrukturen entsprechend erkennen. Sie können später Bakterien, Viren, Parasiten oder Tumorzellen identifizieren und angreifen, körpereigene Zellen werden verschont.

Umlagerung in die Lymphknoten

Nach ihrer „Schulung“ werden die T-Lymphozyten wieder ins Blut entlassen und kommen so in die Lymphknoten. Dort warten sie auf ihren Einsatz. Erkennt eine T-Zelle ihr ganz spezielles Oberflächenmolekül bei einem Eindringling, vermehrt sich diese T-Zelle. Gemeinsam greifen die Klone etwa Bakterien an. So wird eine Infektion abgewehrt.

Thymusdrüse: Hormon-Produktion

Warum heißt dieses Organ auch Thymusdrüse? Funktion des Thymus als Drüse ist auch die Herstellung von Thymosin, Thymopoetin I und II. Diese Hormone spielen eine Rolle bei der Reifung und Differenzierung der T-Lymphozyten im Thymus.

Wo befindet sich der Thymus?

Der Thymus liegt im Brustkorb, direkt mittig hinter dem oberen Drittel des Brustbeins (Sternum). Er befindet sich oberhalb des Herzbeutels im Mittelfell (Mediastinum) und reicht etwa vom Ansatz der Schlüsselbeine bis zum vierten Rippenpaar. Durch seine Lage über dem Herzbeutel, sitzt der Thymus auf den großen Gefäßen des Herzens, der Hauptschlagader (Aorta) und der oberen Hohlvene (Vena cava superior). Seitlich wird der Thymus vom Rippenfell und den Lungen begrenzt.

Welche Probleme kann der Thymus verursachen?

Durch den komplexen Aufbau des Thymus kann es häufiger zu Anomalien kommen. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass seine Funktion beeinträchtigt ist. Wenn, dann spielt eine Beinträchtigung vor allem in jungen Jahren eine Rolle, wenn der Thymus aktiv ist.

Es gibt beispielsweise angeborene Störungen, bei denen der Thymus gar nicht (Thymusaplasie) oder nur teilweise ausgebildet wird. Diese Entwicklungsstörung kann zu ausgeprägten Immundefekten mit hoher Infektanfälligkeit führen. Oft ist die Thymusaplasie auch Begleiterscheinung von anderen erblich bedingten Defekten, wie etwa das DiGeorge-Syndrom, Retinoid-Embryopathie, Louis-Bar-Syndrom oder Wiskott-Aldrich-Syndrom.

Besonders im frühen Säuglingsalter kann es passieren, dass sich der Thymus vergrößert (Persistierende Thymushyperplasie) und auf die Luftröhre drückt, sodass es zu Atemschwierigkeiten kommt. Meist bildet sich das aber spontan zurück.

Der Thymus scheint ebenfalls bei einer bestimmten schweren autoimmunologischen Erkrankung der Skelettmuskulatur (Myasthenia gravis pseudoparalytica) eine Rolle zu spielen – bei vielen Patienten ist hier der Thymus ebenfalls vergrößert

Im Thymus kann sich auch ein Abszess bilden. Durch eine Infektion mit Eiterbildung kapselt sich dabei ein Abszess ab. Ebenfalls möglich ist es, dass sich gutartige (Thymome) oder bösartige Tumoren (Thymuskarzinome) entwickeln.

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Autor:
Dr. med. Manuela Mai
Quellen:
  • Speer, C. & Gahr, M.: Pädiatrie, Springer Verlag, 4. Auflage, 2013
  • Eder, M. & Gedigk, P.: Lehrbuch der Allgemeinen Pathologie und der Pathologischen Anatomie, Springer Verlag, 31. Auflage, 2013
  • Online-Informationsportal zu Krebs und Bluterkrankungen bei Kindern: www.kinderkrebsinfo.de; (Abrufdatum: 01.07.2016)
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