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Oberkiefer

Der Oberkiefer (Maxilla) ist jener Gesichtsknochen, in dem die oberen Zähne sitzen. Er besteht aus zwei Knochen und bildet die knöcherne Grundlage des oberen Gesichts. Somit bestimmt er zu einem großen Teil Form und Größe des Gesichts. Lesen Sie hier alles Wichtige über den Oberkiefer: Anatomie, Funktion sowie wichtige Erkrankungen und Verletzungen!

Was ist der Oberkiefer?

Der aus zwei Knochen bestehende Oberkiefer zählt zum Gesichtsschädel. Er besteht aus einem gedrungenen Körper (Corpus maxillae) mit vier Flächen (Facies anterior, infratemporalis, orbitalis und nasalis) sowie aus vier von diesem Körper abgehenden Knochenfortsätzen (Processus frontalis, zygomaticus, alveolaris und palatinus).

Im Oberkiefer-Körper befindet sich die paarige Kieferhöhle, die von einem Flimmerepithel ausgekleidet ist und zu den Nasennebenhöhlen zählt.

Vordere Fläche des Oberkiefer-Körpers

Die vordere Fläche (Facies anterior) der Maxilla, die Gesichtsfläche, hat an ihrem oberen Rand eine Öffnung (Foramen infraorbitale), durch das der gleichnamige Nerv und Gefäße in die Augenhöhle ziehen. Oberhalb dieses Foramens, am unteren Rand der Augenhöhle, setzt der Muskel an, der die Oberlippen und die Nasenflügel anhebt.

Im unteren Bereich der vorderen Fläche gibt es mehrere Knochenerhebungen – die Stellen, in denen die Zahnwurzeln liegen: im mittleren Bereich die Fossa incisiva für die Schneidezähne, im Eckzahnbereich die Fossa canina. Hier setzen auch verschiedene Muskeln an, die Nase und Mund bewegen.

Die beiden zur Mitte weisenden Bereiche der Vorderfläche der Maxilla bilden dort, wo sie zusammenstoßen, die Spina nasalis, an der die knorpelige Nasenscheidewand ansetzt.

Hintere Fläche des Oberkiefer-Körpers

Die hintere Fläche (Facies infratemporalis) des Oberkiefers wird von der vorderen Fläche durch den Jochfortsatz (siehe unten) und einen Knochenkamm getrennt, der vom ersten Backenzahn nach oben geht. Die Facies infratemporalis hat eine höckerartige Vorwölbung (Tuber maxillae) mit kleinen Löchern, den Alveolarkanälen (Foramina alveolaria), durch die die Zahnnerven und Zahngefäße ziehen.

Im unteren Bereich der hinteren Fläche des Oberkiefer-Knochens befindet sich über dem hinteren Bereich, in dem die Weisheitszähne durchbrechen, eine Knochenvorwölbung (Tuberositas maxillaris). Hier ist die Maxilla gelenkig mit dem Gaumenbein verbunden. Außerdem setzt hier ein Muskel an, der für den Kieferschluss wichtig ist.

Obere Fläche des Oberkiefer-Körpers

Die obere Fläche (Facies orbitalis) des Oberkiefer-Knochens bildet zum Teil den Boden der Augenhöhle (Orbita). Hier besteht eine Furche, die in den Canalis infraorbitalis übergeht und in der der gleichnamige Nerv und Gefäße verlaufen.

Zur Mitte hin besteht eine Einbuchtung, hinter der der Oberkiefer mit dem Tränenbein, dem Siebbein und dem Gaumenbein verbunden ist. Im vorderen Bereich grenzt er an den unteren Rand der Augenhöhle.

Innere Fläche des Oberkiefer-Körpers

Die innere Fläche (Facies nasalis) des Oberkiefers bildet zum Teil die seitliche Wand der Nasenhöhle. Hier liegt der Hiatus maxillaris, der große, unregelmäßig viereckige Eingang in die Kieferhöhle (Sinus maxillaris), die hinten von der knöchernen Nasenscheidewand begrenzt wird. Die Fläche unterhalb dieser Öffnung bildet den unteren Nasengang, wo zwischen Nasenmuschel und Nasenboden der Nasentränengang mündet. Hier befindet sich ein Kanal, in dem die Nerven und Gefäße zur Versorgung des Gaumens verlaufen.

Die Vorderseite der inneren Fläche des Oberkiefers bildet einen Teil des mittleren Nasengangs. Hier verläuft ein Knochenkamm, an dem der Oberkiefer mit der unteren Nasenmuschel in Verbindung steht.

Stirnfortsatz (Processus frontalis)

Der Stirnfortsatz (Processus frontalis) geht neben der Nase vom Körper des Oberkiefers ab. Hier setzen verschiedene Gesichtsmuskeln an. Außerdem ist der Stirnfortsatz am Aufbau der seitlichen Nasenwand beteiligt.

Jochfortsatz (Processus zygomaticus)

Der Jochfortsatz (Processus zygomaticus) weist zur äußeren Gesichtsseite hin und verbindet den Oberkiefer mit dem Jochbein.

Zahn- oder Alveolarfortsatz (Processus alveolaris)

Der Zahnfortsatz oder Alveolarfortsatz (Processus alveolaris)geht vom Körper des Oberkiefers nach unten ab und verläuft elliptisch rund um den knöchernen Gaumen. An seiner Außenfläche trägt er längliche, senkrecht stehende Wülste (Juga alveolaria), hinter denen die Wurzeln für die Schneide- und Eckzähne liegen. Im Alveolarfortsatz befinden sich die Zahnfächer (Alveoli dentales) für die Wurzeln der Zähne – in verschiedenen Größen je nach Art des Zahnes. Zwischen diesen Zahnfächern liegen knöcherne Scheidewände (Septa interalveolaria). Die Zahnfächer der Backenzähne, die mehrere Wurzeln haben, sind durch Wurzelscheidewände, kleine Knochenbälkchen, unterteilt.

Hinter dem ersten Backenzahn setzt an der äußeren Fläche des Alveolarfortsatzes ein Wangenmuskel an, der für das Seitwärtsziehen der Mundwinkel und das Anpressen der Lippen an die Wangen und Zähne notwendig ist. Dieser Muskel versteift auch die Wangen beim Saugen und schiebt beim Kauen die Speisen zwischen die Zähne.

Der Alveolarfortsatz hat eine Spongiosastruktur (Schicht aus Knochenbälkchen), deren Trabekel so angeordnet sind, dass der Druck, der beim Kauen auf die Zähne wirkt, auf den Oberkiefer übertragen wird.

Gaumenfortsatz (Processus palatinus)

Der Gaumenfortsatz (Processus palatinus) des Oberkiefer-Knochens geht horizontal von dessen Körper ab und verbindet sich in einer Knochennaht (Sutura palatina mediana) mit der Gegenseite und in einer weiteren Knochennaht (Sutura palatina transversa) mit dem Gaumenbein. Zusammen bilden diese Knochen den größten Teil des harten Gaumens.

Die obere Fläche des Gaumenfortsatzes hat am mittleren Rand eine Knochenleiste, die zur Nasenscheidewand verläuft und einen Teil des Nasenbodens bildet. Im vorderen Bereich liegt die obere Öffnung des Canalis incisivus, durch den die Arterie und der Nerv, die den Gaumen und das Zahnfleisch versorgen, ziehen.

Die untere Fläche des Gaumenfortsatzes ist rau und hat mehrere Öffnungen für die Gefäße und Nerven, welche die Schleimhaut des Gaumens versorgen.

Hinter den oberen Schneidezähnen befinden sich beidseits zwei kleine Kanäle im Oberkiefer, der an dieser Stelle Os incisivum (intermaxillare) heißt. Durch diese Kanäle ziehen die durch die obere Öffnung kommende Arterie und der Nerv. Dieser Knochen ist in den ersten Lebensjahren noch durch eine Knochennaht von den beiden Oberkiefer-Knochen getrennt.

Welche Funktion hat der Oberkiefer?

Oberkiefer und Unterkiefer mit ihren Zahnreihen sind wichtig für die Nahrungsaufnahme – das Kauen und Zerkleinern jedes Bissens. Außerdem ist der Oberkiefer auf Aufbau der Augenhöhle, der Nasenwand und des harten Gaumens beteiligt.

Die Funktion der Kieferhöhlen und der anderen Nasennebenhöhlen ist noch nicht völlig geklärt. Experten vermuten, dass die luftgefüllten Knochenhohlräume das Gewicht der Schädelknochen verringern und als Resonanzraum für die Stimme dienen.

Wo befindet sich der Oberkiefer?

Der Oberkiefer befindet sich etwa in der Mitte des Gesichts und bestimmt wesentlich Form dun Größe des Gesichtsschädels. Er grenzt an andere Gesichtsknochen an wie dem Stirnbein, Jochbein und Nasenbein.

Welche Probleme kann der Oberkiefer verursachen?

Eine Oberkieferfraktur steht meist im Zusammenhang mit einer Mittelgesichtsfraktur.

Oberkieferzysten gehören zu den häufigeren Erkrankungen im Kieferbereich. Betroffen sind vor allem Männer zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Zysten entstehen aus Geweben des Zahnsystems, die bei der Entstehung der Zähne verbleiben. Die flüssigkeitsgefüllten Hohlräume wachsen langsam und verdrängen umliegendes Gewebe (Zähne, Nerven). Daher müssen sie chirurgisch entfernt werden.

Direkt unter dem Boden der Kieferhöhlen liegen die Zahnwurzeln der Seitenzähne des Oberkiefers. Die Kieferhöhlen können sich über die Nase, mit der sie über einen Kanal verbunden sind, entzünden; bei eitrigen Entzündungen spricht man von einem Empyem. Es treten Schmerzen und ein Druckgefühl im Kopf, dem Oberkiefer und unter den Augen auf. Durch die nur dünne Knochenlamelle zwischen den Zahnfächern und der Kieferhöhle kommt es dann auch zu Zahnschmerzen.

Eine akute oder chronische Kieferhöhlenentzündung wird Sinusitis maxillaris genannt. Sie kann eine oder beide Kieferhöhlen betreffen.

Angeborene Fehlbildungen im Gesicht, die den Oberkiefer betreffen, sind eine Gaumenspalte oder eine Oberkiefer-Nasen-Spalte.

Oberkiefer-Fehlstellungen können angeboren sein, sie entstehen aber auch durch langanhaltende mechanische Einwirkungen wie zum Beispiel Daumenlutschen, schlechte Positionen der Zähne oder fehlende Zähne. Steht der Oberkiefer zu weit nach vorn, spricht man von einer Antemaxillie, steht er zu weit hinten, von einer Retromaxillie oder Oberkiefer-Hypoplasie. Beide Formen führen zu Problemen mit dem Kiefergelenk, Verspannungen und Schäden an den Zähnen.

Autor:
Eva Rudolf-Müller
Quellen:
  • Kirsch, J. et al.: Taschenlehrbuch Anatomie, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2010
  • Waldeyer, A.: Anatomie des Menschen, Walter de Gruyter Verlag, 17. Auflage, 2002
  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter Verlag, 262. Auflage, 2010
  • Online-Informationen der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Würzburg: www.mkg.ukw.de (Abruf: 06.01.2017)
  • Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.: www.hno-aerzte-im-netz.de (Abruf: 23.01.2017)