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Mittelhirn

Das Mittelhirn oder Mesencephalon ist ein Teil des Hirnstamms und damit des entwicklungsgeschichtlich ältesten Teils des Gehirns. Es ist zudem der kleinste Abschnitt im Gehirn. Über das Mesencephalon laufen zahlreiche Informationen aufsteigend zum Gehirn und absteigend zum Rückenmark. Störungen im Mittelhirn haben daher oft schwerwiegende Folgen. Lesen Sie alles Wichtige über das Mittelhirn!

Was ist das Mittelhirn?

Das Mittelhirn besteht aus verschiedenen Teilen:

  • In Richtung des Rückens (dorsal) liegt das Mittelhirndach (Tectum mesencephali) mit der Vierhügelplatte (Lamina tecti oder quadrigemina).
  • In der Mitte (Richtung Bauch = ventral) befindet sich das Tegmentum mesencephali (Haube).
  • Vorne liegen zwei Wülste, die Hirnschenkel (Crura cerebri), zwischen denen sich eine Grube (Fossa interpeduncularis) befindet, in der der 3. Hirnnerv verläuft.

Die Vierhügelplatte ist durch eine Längs- und Querfurche in vier Hügel geteilt (zwei obere: Colliculi superiores und zwei untere: Colliculi inferiores). Zwischen den oberen zwei Hügeln liegt die Zirbeldrüse (Corpus pineale) des Zwischenhirns.

Von den vier Hügeln geht jeweils ein Strang ab, der ins Zwischenhirn zieht. Der obere Strang zieht zum Teil in den Sehhügel, zum Teil in die Sehbahn (Tractus opticus). Ein Strang vom hinteren Hügel, einem primären Hörzentrum, führt Fasern der zentralen Hörbahn. Zwischen den unteren zwei Hügeln liegt ein Streifen weißer Substanz, an dessen Seite der 4. Hirnnerv (Nervus trochlearis) austritt.

Die Mittelhirn-Haube (Tegmentum) wird von der Vierhügellatte und den Hirnschenkeln bedeckt. Sie ist gegen die Hirnschenkel durch einen dunklen Streifen abgegrenzt, Substantia nigra genannt. Ihre dunkle Färbung ergibt sich durch Ansammlungen des Farbstoffes Melanin. Ein großer Teil vom Tegmentum wird von einer rötlichen Ansammlung von Nervenzellkörpern (Kerngebiet) eingenommen, die Nucleus ruber genannt wird.

Die Hirnschenkel an der vorderen Fläche der Basis des Mittelhirns werden von Gefäßen durchbohrt und hier tritt ein weiterer Hirnnerv, der Nervus oculomotorius (3. Hirnnerv), aus.

Durchzogen wird das Mittelhirn vom Aquaeductus mesencephali, der dünnen, kanalartigen Verbindung zwischen der III. und IV. Hirnkammer (Ventrikel).

Welche Funktion hat das Mittelhirn?

Das Mittelhirn ist Teil des extrapyramidalen Systems, in dem die Steuerung der Bewegung stattfindet. So ist das Mesencephalon über den 3. Hirnnerven (Nervus oculomotorius) für die Steuerung fast aller Augenmuskeln zuständig – zum Beispiel das Öffnen und Schließen der Augenlider.

Ein Nervenkern des 5. Hirnnerven (Nervus trigeminus) liegt im Mittelhirn. Er ist zuständig für die Sensibilität der Kaumuskulatur, des Kiefergelenks und der äußeren Augenmuskeln.

Der Strang, der von der Vierhügelplatte der Mittelhirns in den Tractus opticus zieht, führt die Bahn für den Pupillenreflex.

Der Nucleus ruber zieht ins Rückenmark und beeinflusst den Muskeltonus. In der Substantia nigra werden Signale für die Bewegung vermittelt. Über das Mittelhirn werden Reize, die aus dem Rückenmark und über das Zwischenhirn kommen, an das Großhirn weitergeleitet. In umgekehrter Richtung werden Reize vom Großhirn an Nervenzellen im Rückenmark weitergeleitet, die für die Motorik zuständig sind.

Signale, die über die Augen und Ohren aufgenommen werden, laufen auf ihrem Weg zum Großhirn über das Mittelhirn. Als Teil des Limbischen Systems spielt das Mesencephalon auch eine Rolle bei der Schmerzwahrnehmung und –empfindung.

Wo befindet sich das Mittelhirn?

Das Mittelhirn liegt zwischen der Brücke (Pons) und dem Zwischenhirn (Diencephalon). Es umgibt den Aquaeductus mesencephali.

Welche Probleme kann das Mittelhirn verursachen?

Bei einer Läsion des Mittelhirns (zum Beispiel durch einen Tumor) kommt es zu Störungen der Bewegungsabläufe, des Gangbildes und zu Konzentrationsstörungen. Auch Störungen der Augenbewegungen und der Pupillen können Hinweis auf einen Tumor im Mesencephalon sein.

Die Parkinson-Krankheit ist durch einen Verfall der Zellen in der Substantia nigra gekennzeichnet. Der Botenstoff Dopamin, der für die Reizweiterleitung notwendig ist, fehlt. Die Folge sind Fehlfunktionen und Störungen in der Motorik.

Veränderungen in der Substantia nigra des Mittelhirns sind auch verantwortlich für das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) und das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS).

Bei Schädigungen des Mittelhirns sind die Betroffenen benommen und reagieren verzögert auf äußere Reize. 

Autor:
Eva Rudolf-Müller
Quellen:
  • Kirsch, J. et al.: Taschenlehrbuch Anatomie, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2010
  • Aumüller, G. et al.: Duale Reihe Anatomie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2014
  • Waldeyer, A.: Anatomie des Menschen, Walter de Gruyter Verlag, 17. Auflage, 2002
  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter Verlag, 262. Auflage, 2010
  • Poeck, K. & Hacke, W.: Neurologie, Springer-Verlag, 12. Auflage, 2006
  • Klinke, R. & Silbernagl, S.: Lehrbuch der Physiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2005