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Hirnhäute

Die Hirnhäute sind drei dicht aneinander liegende Hüllen um unser Gehirn. Zwischen ihnen befindet sich Liquor (Hirn-Rückenmarksflüssigkeit) und verlaufen Blutgefäße. Die Hirnhäute bilden einen Schutz für das Gehirn vor mechanischen Einflüssen und vor größeren Temperaturschwankungen. Lesen Sie hier alles Wichtige über Aufbau und Funktion der drei Hirnhäute Dura mater, Arachnoidea und Pia mater!

Was sind die Hirnhäute?

Die drei Hirnhäute sind Bindegewebsschichten, die das Gehirn umschließen. Sie entwickeln sich aus dem embryonalen Neuralrohr. Die Hirnhäute heißen von außen nach innen:

  • Dura mater (harte Hirnhaut)
  • Spinngewebshaut (Arachnoidea)
  • Pia mater (weiche Hirnhaut)

Dura mater

Die Dura mater ist die äußerste der drei Hirnhäute und recht straff. Sie kleidet die Schädelhöhle aus und besteht aus zwei Schichten: aus Bindegewebe und einer niedrigen, inneren Epithelschicht. Die äußere Schicht, in der Gefäße verlaufen, die den Schädelknochen versorgen, ist gleichzeitig die Knochenhaut (Periost) des Schädelknochens.

Dieses Periost ist bis ins Jugendalter hinein noch fest mit dem Schädelknochen verwachsen. Dadurch wird sichergestellt, dass sich der kindliche Schädel, dessen einzelne Knochen noch durch weiche Nähte getrennt sind, nicht verformen kann. Beim Erwachsenen dann lässt sich das Periost leicht vom Knochen lösen – nur an der Schädelbasis bleibt es immer fest mit dem Knochen verbunden.

Die Dura mater bildet auch Duplikaturen, die trennend zwischen die beiden Großhirnhälften und zwischen Großhirn und Kleinhirn vorspringen: die Hirnsichel (Falx cerebri), die Kleinhirnsichel (Falx cerebelli) und das Kleinhirnzelt (Tentorium cerebelli).

Die beiden Hirnsicheln trennen in der Mitte des Schädels die beiden Großhirnhemisphären tief voneinander ab, bis hinunter zum Balken.

Das Kleinhirnzelt (Tentorium cerebelli) dagegen ist quer gestellt und trennt die Großhirn- von der Kleinhirnhemisphäre. Diese Dura mater-Duplikatur geht in den Teil der Dura mater über, die den inneren Schädelknochen auskleidet. Unter dem Tentorium cerebelli liegt in der hinteren Schädelgrube das Kleinhirn; durch einen kleinen Ausschnitt tritt der Hirnstamm hindurch.

An drei Stellen teilt sich die Dura mater in zwei Blätter auf: An der Felsenbeinpyramide (in der sich das Innenohr befindet) umschließt sie das Ganglion trigeminale (einen Knoten aus Nervenzellen und -fasern des Nervus Trigeminus); an der Spitze der Felsenbeinpyramide umschließt sie den Saccus endolymphaticus (Sinneszellen für das Gleichgewichtsorgan); im Bereich der Sella turcica (Türkensattel) umfasst sie die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse).

Unter der Dura mater liegt ein enger Raum, der Subduralraum, der die Dura mater von der mittleren der drei Hirnhäute, der Arachnoidea (Spinngewebshaut), trennt.

Arachnoidea

Die Arachnoidea besteht aus Bindegewebe, ist gefäßlos und verbindet sich auf der Innenseite über kleine Bälkchen und Häutchen mit der darunter liegenden, inneren Hirnhaut, der weichen Pia mater. Nach außen hin, zur Dura mater, bildet die Arachnoidea eine Abschlussmembran für den Liquor, der diese Grenze nicht passieren kann.

Die Arachnoidea liegt glatt auf der Hirnoberfläche auf, sie übergeht die Furchen und Vertiefungen des Gehirns im Bereich der gesamten gewölbten Schädelkalotte. Nur an der Hirnbasis bilden sich, bedingt durch knöcherne Erhebungen und Vertiefungen, zisternenähnliche Erweiterungen.

Die Arachnoidea bildet zottenartige bindegewebige, gefäßlose Auswüchse (Arachnoidalzotten), die in die Dura mater, in Venen und auch in den Schädelknochen reichen. Über diese Arachnoidalzotten wird der Liquor aus dem Subarachnoidalraum resorbiert und ins Blut abgegeben.

Pia mater

Die dritte Schicht der Hirnhäute, die Pia mater, liegt direkt auf dem Gehirn auf, folgt den Furchen und Vertiefungen des Groß- und Kleinhirns und führt die Gefäße und Nerven, die in das Gehirn hineinführen. Die Pia mater reicht auch in die Hirnkammern hinein.

Wo befinden sich die Hirnhäute?

Die Hirnhäute sind bindegewebige Schichten, die das gesamte Gehirn umschließen. Am Foramen magnum, dem großen Hinterhauptsloch in der hinteren Schädelgrube, besteht eine Verbindung mit dem Wirbelkanal. Hier gehen die Hirnhäute in die Rückenmarkshäute über.

Welche Funktion haben die Hirnhäute?

Die Dura mater als äußerste der drei Hirnhäute schützt mit ihrer äußeren Schicht in der Wachstumsphase den Schädel vor Verformungen. Die innere Schicht begrenzt von außen den Subduralraum und fängt Volumenschwankungen des Gehirns auf, die durch Puls und Atmung entstehen.

Die drei Septen der Dura mater (Falx cerebri, Falx cerebelli und Tentorium cerebelli) sichern die Lage aller Gehirnteile in jeder Körperstellung wie eine Verstrebung innerhalb des Schädels.

Die Arachnoidea – die mittlere der drei Hirnhäute – bildet eine Barriere für den Liquorraum, den sie nach außen abdichtet.

Die Pia mater als innerste Hirnhaut bildet durch Einstülpung in die Hirnventrikel zusammen mit Teilen des Nervenrohres die Plexus choroidei. Diese Gefäßknäuel sondern in den Ventrikeln den Liquor ab.

Welche Probleme können die Hirnhäute verursachen?

Ein epidurales Hämatom ist ein Bluterguss aus arterieller Blutung zwischen der Dura mater und dem Schädelknochen, der nach Schädelverletzungen entsteht. Die raumfordernde Blutung führt zu einer Quetschung des Gehirns.

Ein subdurales Hämatom entsteht durch venöse Blutungen zwischen den Hirnhäuten Dura mater und  Arachnoidea oder durch einen Riss des Tentorium cerebelli unter der Geburt.

Eine Subarachnoidalblutung ist eine Blutung im Subarachnoidalraum – dem spaltförmigen Zwischenraum zwischen den beiden inneren Hirnhäuten, Arachnoidea und Pia mater. Sie entsteht oft durch das Reißen eines Aneurysmas (umschriebene Gefäßerweiterung). Symptome sind starke Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und eine Steigerung des Hirndrucks durch die raumfordernde Blutung.

Durch offene Verletzungen des Schädels, die mit einer Verletzung der Dura mater einhergehen, kann sich eine Liquorfistel bilden. Dabei handelt es sich um eine Verbindung zwischen dem Liquorraum und der Außenwelt. Über sie können Keime in das Gehirn eindringen. Anzeichen für eine Liquorfistel ist der Austritt von Liquor aus der Nase oder dem Gehörgang.

Arachnoidalzysten sind Fehlbildungen der Arachnoidea mit gekammerten Flüssigkeitsansammlungen. Sie entstehen meist durch eine Subarachnoidalblutung unter der Geburt oder einer Hirnhautentzündung (Meningitis) in den ersten Lebensjahren. Arachnoidalzysten schädigen durch Druck das darunter liegende Hirngewebe.

Als Meningitis bezeichnen Mediziner eine Entzündung der Hirnhäute, die durch Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten oder Strahlenschäden ausgelöst wird. Zugleich kann auch das Hirngewebe selbst entzündet sein (Enzephalitis) – was zusammen als Meningoenzephalitis bezeichnet wird.

Unter Meningismus versteht man Symptome, die einer Meningitis ähneln, aber eine andere Ursache haben. Dazu gehören Kopf- und Rückenschmerzen, Krämpfe, Nackensteife und Fieber. Ein Meningismus tritt oft als Begleiterscheinung von fieberhaften Erkrankungen auf.

Meningeome sind im Hirntumoren, die ihren Ursprung in einer der Hirnhäute, der Arachnoidea, haben. Sie haften der Dura mater breitflächig an und wachsen in Hirngewebe hinein. Meningeome können gut- oder bösartig sein.

Autor:
Eva Rudolf-Müller
Quellen:
  • Kirsch, J. et al.: Taschenlehrbuch Anatomie, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2010
  • Waldeyer, A.: Anatomie des Menschen, Walter de Gruyter Verlag, 17. Auflage, 2002
  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter Verlag, 262. Auflage, 2010
  • Poeck, K. & Hacke, W.: Neurologie, Springer-Verlag, 12. Auflage, 2006
  • Klinke, R. & Silbernagl, S.: Lehrbuch der Physiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2005
  • Gehlen, W. & Delank, H.-W.: Neurologie, Georg Thieme Verlag, 12. Auflage, 2010