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Gliazellen

Gliazellen oder Neuroglia-Zellen bilden das Zellgewebe im Nervensystem des Gehirns. Sie unterscheiden sich in ihrer Struktur und ihrer Funktion von den anderen Zellen im Gehirn. Gliazellen bilden nicht nur das Stützgewebe für die Nervenzellen, sie sind auch an ihrer Ernährung und an der Informationsweiterleitung beteiligt. Lesen Sie alles Wichtige über die verschiedenen Formen von Gliazellen wie Astrozyten und Oligodendrozyten, ihre Aufgaben und mögliche Erkrankungen.

Was sind die Gliazellen?

Die Gliazellen sind das Zellgewebe, das den Raum zwischen den Nervenzellen des Gehirns und den Blutgefäßen bis auf einen kleinen Spalt ausfüllt und das auch die Markscheiden um die Nervenfasern bildet. Der Name Glia leitet sich vom griechischen Wort für Leim ab, denn die erste Annahme bei der Erforschung dieser Zellen war, dass sie nur eine Stützfunktion für das Nervengewebe erfüllten – die Nervenzellen also nur zusammenhalten würden. Inzwischen ist aber bekannt, dass die Gliazellen weit mehr sind. Sie grenzen das Nervengewebe gegenüber der Hirnoberfläche und den Blutgefäßen ab.

Es gibt verschiedene Arten von Gliazellen im Nervengewebe des Gehirns, unter anderem:

  • Astrozyten oder Astroglia (Sternzellen mit strahlenförmigen Fortsätzen): gehören zur Makroglia (großzellige Glia)und bilden den größten Teil der Gliazellen. Sind vor allem in der grauen Substanz des Gehirns zu finden.
  • Oligodendrozyten (kleine, nur wenig verzweigte Zellen): gehören ebenfalls zur Makroglia. Finden sich in der grauen und weißen Substanz des Hirngewebes.
  • Schwannsche Zellen: umgeben die Nervenfasern und bilden deren Markscheide.
  • Mikroglia-Zellen: haben nur kurze Fortsätze. Können sich im Gewebe bewegen und Fremdkörper aufnehmen und enzymatisch verdauen (Phagozytose).

Welche Funktion haben die Gliazellen?

Die Gliazellen schaffen die Voraussetzungen für die Arbeitsfähigkeit der Nervenzellen. Sie erfüllen zum einen eine Stützfunktion für das Nervengewebe des Gehirns, sind zum anderen auch wichtig für dessen Ernährung.

Eine weitere Funktion der Gliazellen ist die Phagozytose – die Aufnahme von Partikeln in das Innere der Zelle zur Nahrungsaufnahme oder zur Eliminierung von Fremdkörpern.

Auch die Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen wird von den Gliazellen beeinflusst und gelenkt. Während der embryonalen Entwicklung des Gehirns wird dessen Wachstum durch die Gliazellen strukturiert. Wenn das Gehirn ausgewachsen ist, sorgen diese Zellen dafür, dass das Milieu um die Nervenzellen und Nervenfasern (Axone) stets gleich bleibt. Sie regulieren den pH-Wert, die Elektrolyt-Konzentration (besonders von Kalium) und bilden die Markscheiden um die Axone der Neuronen.

Markscheiden sind wie die Isolierschicht eines elektrischen Kabels. Sie beschleunigen stark die Weiterleitung der elektrischen Impulse. Oligodendrozyten bilden die Markscheiden im Zentralen Nervensystem (ZNS: Gehirn und Rückenmark), Schwannsche Zellen jene im peripheren Nervensystem.

Wo befinden sich die Gliazellen?

Die Gliazellen befinden sich im gesamten Gehirn und füllen den Raum zwischen den Nervenzellen und den Blutgefäßen aus. Ihre Zahl ist weitaus höher als die der Nervenzellen im Gehirn.

Welche Probleme können die Gliazellen verursachen?

Ein Gliom ist der häufigste bösartige Hirntumor. Er bildet sich aus Gliazellen des Nervengewebes. Je nachdem, aus welcher Art von Gliazellen der Tumor hervorgeht, unterscheidet man verschiedene Formen:

Astrozytom (besonders im Stirnhirn), Glioblastom (am häufigsten, in allen Hirnlappen, subkortikal und auch in der Hirnrinde), Oligodendrogliom (in den Hemisphären), Oligoastrozytom und Mischtumoren. Ein Optikusgliom bildet sich am Sehnerv, ein Ponsgliom am Hirnstamm. Allen Tumoren gemeinsam ist eine unkontrollierte Vermehrung der Zellen.

Ganglien- und Schwannsche Zellen können der Ausgang für ein Gangliogliom sein, ein seltener, gutartiger Hirntumor.

Ein epileptischer Anfall wird durch eine massive Hyperaktivität der Nervenzellen des Gehirns ausgelöst. Dieser Überaktivität erhöht deutlich die Kaliumkonzentration im Extrazellulärraum, weil die Gliazellen den starken Anstieg nicht mehr bewältigen und abfangen können.

Autor:
Eva Rudolf-Müller
Quellen:
  • Waldeyer, A.: Anatomie des Menschen, Walter de Gruyter Verlag, 17. Auflage, 2002
  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter Verlag, 262. Auflage, 2010
  • Emminger, H.: Physikum EXAKT, Springer-Verlag, 4. Auflage, 2005
  • Poeck, K. & Hacke, W.: Neurologie, Springer-Verlag, 12. Auflage, 2006
  • Klinke, R. & Silbernagl, S.: Lehrbuch der Physiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2005