Blut

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Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Blut wird manchmal „roter Lebenssaft“ genannt, weil es für den Körper absolut lebenswich-tig ist. Es fungiert unter anderem als Transport- und Kommunikationsmittel und ist für die Aufrechterhaltung unzähliger Körperfunktionen unerlässlich. Lesen Sie mehr über die Aufga-ben des Blutes, seine Zusammensetzung, Blut-Bildung sowie gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit dem roten Lebenssaft!

Was ist Blut?

Blut ist ein „flüssiges Organ“, das im Körper zirkuliert und zu allen Organen und Zellen ge-langt. Der Motor dieses Blutkreislaufs ist das Herz. Es pumpt das Blut bis in die äußerste Pe-ripherie des Körpers und wieder zurück. Je nach dem Sauerstoff- oder Kohlendioxidgehalt ist es hellrot (arteriell) bis dunkelrot (venös).

Woraus besteht Blut?

Das Blut setzt sich zusammen aus dem Plasma (flüssige Komponente) und aus Blutzellen (korpuskuläre Blutbestandteile).

Das Plasma besteht in erster Linie aus Wasser, in dem verschiedenste Stoffe gelöst sind. Da-zu zählen unter anderem Nährstoffe, Vitamine, Elektrolyte, Hormone, Gase, Abfallprodukte des Stoffwechsels (wie Harnsäure, Kreatinin) und vor allem verschiedene Eiweiße (wie Anti-körper = Immunglobuline, Fibrinogen, Albumin etc.). Als Blutserum bezeichnet man das Plasma ohne den Gerinnungsstoff Fibrinogen (Faktor I der Blutgerinnung).

Im Blutplasma schwimmen als feste Bestandteile des Blutes die Blutzellen:

  • rote Blutkörperchen (Erythrozyten): zuständig für den Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid
  • weiße Blutkörperchen (Leukozyten): sind die zellulären Bestandteile des Immunsys-tems und gliedern sich in Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten
  • Blutplättchen (Thrombozyten): wichtig für die Blutgerinnung

Alle Blutzellen zusammen machen bei Männern etwa 47 Prozent des Blutes aus, bei Frauen etwa 42 Prozent. Dieser Volumenanteil an Zellen pro Einheit Blutvolumen wird als Hämato-krit bezeichnet.

Wo wird das Blut gebildet?

Alle Blutzellen haben den gleichen Ursprung: die Stammzellen, die sich beim Ungeborenen in Leber und Milz, beim Erwachsenen im roten Knochenmark verschiedener Knochen (Rip-pen, Brustbein, Wirbelkörper etc.) befinden. Diese Stammzellen sind als einzige Körperzellen pluripotent, das heißt, sie können sich zu nahezu alle Typen von Körperzellen entwickeln und auch Kopien von sich selbst herstellen.

Wie viel Liter Blut hat ein Mensch?

Die Blutmenge beim Mensch hängt vor allem von Körpergröße und Körpergewicht ab. So beträgt das Blutvolumen bei einem Erwachsenen ungefähr sieben Prozent der fettfreien Körpermasse – also etwa fünf bis sechs Liter. Dabei haben Männer meist etwas mehr Blut als Frauen. Rund 45 Prozent des Blutvolumens machen die Blutzellen aus.

Blutgruppen

Ist von Blutgruppen die Rede, bezieht sich das meist auf das sogenannte ABO-System. Dabei handelt es sich um das wichtigste Blutgruppensystem beim Menschen. Es basiert auf be-stimmten Eiweißen (Proteinen) auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen und unter-scheidet vier Hauptgruppen: die Blutgruppen A, B, AB und 0 (zum Teil mit Untergruppen und Varianten).

In Mitteleuropa haben etwa 40 Prozent der Menschen die Blutgruppe A und weitere 40 Pro-zent die Blutgruppe 0. Die übrigen 20 Prozent weisen die Blutgruppe B oder – selten – die Blutgruppe AB auf.

Rhesus-Faktor

Das Rhesus-System ist ein weiteres Blutgruppensystem. Es beruht ebenfalls auf einem be-stimmten Oberflächenprotein der Erythrozyten (genauer: auf einer Gruppe verwandter Pro-teine). Tragen die roten Blutkörperchen den Rhesus-Faktor an ihrer Außenseite, ist der be-treffende Mensch Rhesus-positiv (Rh-positiv). Fehlt der Rhesus-Faktor, ist man Rhesus-negativ (Rh-negativ).

Besonders wichtig ist das Rhesus-System in der Schwangerschaft, und zwar dann, wenn eine Rh-negative Schwangere erstmals ein Rh-positives Kind erwartet. Bei der Geburt kann etwas kindliches Blut in den Blutkreislauf der Mutter gelangen. Der Körper der Frau produziert daraufhin spezifische Antikörper gegen den Fremdstoff Rhesus-Faktor. Das kann gefährlich werden, wenn es später zu einer weiteren Schwangerschaft mit einem Rh-positiven Kind kommt: Mütterliche Antikörper gegen den Rhesus-Faktor können über die Plazenta in den Blutkreislauf des Ungeborenen gelangen und dort die Rh-positiven Erythrozyten des Kindes angreifen. Das Kind kann so eine gefährliche Blutarmut entwickeln.

Um das zu verhindern, erhalten Rh-negative Frauen, die erstmals ein Rh-positives Kind er-warten, ein Medikament, das die Bildung von Rhesusfaktor-Antikörpern verhindert.

Welche Funktion hat Blut?

Zu den Aufgaben des Blutes zählt die Versorgung aller Körperzellen mit Sauerstoff und Nähr-stoffen. Auch andere wichtige Substanzen wie Hormone und Antikörper werden über den Blutkreislauf im Körper verteilt und zu ihren Zielorten gebracht.

Eine weitere Funktion des Blutes ist der Abtransport von Abfallprodukten hin in Richtung der Ausscheidungsorgane (Niere, Darm, Lunge, Haut).

Besonders reich durchblutet ist die Leber, weil sie das zentrale Stoffwechselorgan des Kör-pers ist. So ist eine ihrer Aufgaben der Ab- und Umbau von Nährstoffen, die im Darm aufge-nommen und über das Blut herantransportiert wurden.

Da auch Wärme mit dem Blut transportiert wird, kann der Körper über die Weitung und Verengung der Gefäße die Wärmeabgabe und damit die Körpertemperatur regulieren.

Das Blut hilft auch mit, den Säure-Base-Haushalt im Gleichgewicht zu halten: Über Puffersys-teme hält es den eigenen Säuregrad (Blut-pH-Wert) möglichst konstant bei ungefähr 7,4.

Die Blutplättchen (Thrombozyten) und Gerinnungsfaktoren im Blut schützen den Körper vor größeren Blutverlusten, indem sie bei einer Gefäßverletzung ein Gerinnsel bilden und so das Leck abdichten.

Nicht zuletzt spielt das Blut auch eine wichtige Rolle in der Immunabwehr: Die verschiede-nen Gruppen der weißen Blutkörperchen können eingedrungene Fremdstoffe und Krank-heitserreger bekämpfen.

Wo befindet sich Blut?

Das gesamte Blut im Körper zirkuliert im geschlossenen Blutkreislaufsystem, bestehend aus Arterien, Venen und den feinsten Gefäßen (Kapillaren) als Verbindungsstücke zwischen Arte-rien- und Venensystem.

Welche Körperbereiche wie gut durchblutet werden, wird vom aktuellen Bedarf beeinflusst. Ein Beispiel: Im Ruhezustand findet sich der Großteil des Blutes in den Gefäßen der Verdau-ungsorgane – der Körper hat Zeit, sich auf die Nährstoffaufnahme zu konzentrieren. Dage-gen strömt bei starker körperlicher Anstrengung das meiste Blut in die Skelettmuskeln, weil diese es gerade sehr dringend benötigen. Dafür wird die Durchblutung der Verdauungsorga-ne (und anderer Körperregionen) in dieser Situation stark gedrosselt.


Welche Probleme kann Blut verursachen?


Bei einer Blutarmut (Anämie) ist entweder die Zahl der Erythrozyten zu gering oder der Hämoglobingehalt der Erythrozyten zu niedrig. In beiden Fällen ist der Sauerstofftransport beeinträchtigt. Eine Blutarmut kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Oft beruht sie auf einer Störung der Blutbildung, etwa infolge eines Mangels an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure. Auch starker Blutverlust – akut oder chronisch – kann eine Anämie verursachen.

Hämorrhagische Diathesen sind angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen, die mit erhöhter Blutungsneigung einhergehen. Beispiele sind Hämophilie („Bluterkrankheit“), Mye-lodysplastisches Syndrom und Purpura Schönlein-Henoch.

Eine andere wichtige Blutkrankheit ist Leukämie („Blutkrebs“). Der Begriff bezeichnet ei-gentlich verschiedene Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, die aber eine Gemein-samkeit haben: die unkontrollierte Vermehrung von entarteten weißen Blutkörperchen im Blut.

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