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Progesteron

Progesteron ist ein Sexualhormon, das vor allem im weiblichen Körper gebildet wird. Es ist unter anderem für die Vorbereitung und Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft wichtig. Lesen Sie mehr über die Herstellung und Funktion von Progesteron, seine Normalwerte und mögliche Gründe für veränderte Progesteron-Spiegel.

Was ist Progesteron?

Progesteron ist wie Östrogen ein weibliches Geschlechtshormon, obwohl es auch im männlichen Körper vorkommt. Es wird bei Frauen vor allem im Gelbkörper (Corpus luteum) hergestellt und heißt deshalb auch Gelbkörperhormon. Der Gelbkörper entsteht nach jedem Eisprung aus den geplatzten Eibläschen (Follikel), die im Eierstock zurückbleiben. Deshalb ist bei Frauen die Konzentration von Progesteron im Blut am höchsten in der mittleren Lutealphase ihres Menstruationszyklus. Das ist etwa der fünfte bis achte Tage nach dem Eisprung.

Progesteron reguliert zusammen mit Östrogenen den weiblichen Zyklus und bereitet den Körper auf eine Schwangerschaft vor: Progesteron sorgt dafür, dass das Ei befruchtet werden und sich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten kann, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt und sich die Brustdrüsen auf die Milchsekretion vorbereiten. Deshalb wird bei Schwangeren Progesteron zusätzlich in der Plazenta (Mutterkuchen) produziert.

Bei Männern und Frauen stellen auch die Nebennierenrinden Progesteron her, allerdings nur in kleinen Mengen.

Aus Progesteron werden im Körper viele andere Hormone hergestellt, zum Beispiel Androgene, Cortisol oder Aldosteron.

"Künstliches" Progesteron = Gestagen

Es gibt künstlich hergestellte Hormone, die ähnliche Wirkungen haben wie das natürliche Progesteron. Diese Hormone heißen Gestagene. Sie finden sich in Hormonpräparaten, die zum Beispiel zur Schwangerschaftsverhütung ("Pille"), bei Wechseljahresbeschwerden oder gegen Akne eingesetzt werden.

Wann bestimmt man das Progesteron?

Progesteron wird zum Beispiel bei unerfülltem Kinderwunsch sowie bei Zyklusstörungen bestimmt. Außerdem wird es gemessen, wenn der Arzt eine hormonell bedingte Erkrankung vermutet. Dazu zählen etwa gut- oder bösartige Tumoren, die Progesteron produzieren.

Progesteron-Normwerte

Progesteron wird im Blutserum bestimmt. Für Frauen gelten folgende Normwerte (in Nanogramm pro Milliliter):

Progesteron-Normwert

Follikelphase

< 0,1 ng/ml

Eisprung

1 - 2 ng/ml

Frühe Lutealphase

> 5 ng/ml

Mittlere Lutealphase

> 12 ng/ml

Vor der Pubertät

0 - 2 ng/ml

Nach den Wechseljahren

< 1 ng/ml

Schwangerschaft: 1. Trimester

10 - 50 ng/ml

Schwangerschaft: 2. Trimester

20 - 130 ng/ml

Schwangerschaft: 3. Trimester

130 - 423 ng/ml

Bei Männern liegen die Progesteron-Normwerte zwischen 0,3 und 1,2 ng/ml.

Wann ist der Progesteron-Wert zu niedrig?

Mögliche Gründe für einen erniedrigten Progesteron-Wert sind zum Beispiel:

  • Störungen des Eisprungs (Ovulationsstörungen), zum Beispiel bei einem Menstruationszyklus ohne Eisprung (= anovulatorischer Zyklus) oder einer Gelbkörperschwäche (Corpus-luteum-Insuffizienz)
  • Unterentwicklung der Eierstöcke (Hypogonadismus)
  • Magersucht (Anorexia nervosa)

Nach den Wechseljahren ist der Progesteron-Spiegel natürlicherweise verringert.

Wann ist der Progesteron-Wert zu hoch?

Mögliche Gründe für einen über den Normbereich erhöhten Progesteron-Wert sind:

  • Eierstocktumoren (Thekazelltumor, Chorioneptheliom)
  • Blasenmole (Fehlbildung der Plazenta)
  • Andrenogenitales Syndrom (Gruppe von Erkrankungen mit vermehrter Bildung von Sexualhormonen in der Nebenniere)
Autoren:
Dr. med. Karlheinz Zeilberger, Martina Feichter
Quellen:
  • Hagemann, O.: Laborlexikon, www.laborlexikon.de (Abruf: 19.11.2017)
  • Neumeister, B. et al.: Klinikleitfaden Labordiagnostik, Elsevier/Urban & Fischer, 4. Auflage, 2009
  • Vieten, M.: Laborwerte verstehen leicht gemacht, Trias-Verlag, 2009
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 21.11.2017)
  • Tortora, G.J. & Derrickson, B.H.: Anatomie und Physiologie, Wiley-Blackwell, 2008
  • Schottdorf-Timm, C. & Maier, V.: Laborwerte, Gräfe und Unzer Verlag, 2015