Schulterschmerzen

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Schulterschmerzen finden sich fast in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern. Manchmal treten die Schmerzen in der Schulter akut auf, zum Beispiel beim Sport oder nach dem Heben einer schweren Last. Andere Menschen leiden unter chronischen Schulterschmerzen, etwa aufgrund von Gelenkverschleiß. Unabhängig von ihrer Ursache können Schulterschmerzen das Alltagsleben deutlich beeinträchtigen. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Ursachen und Behandlung von Schulterschmerzen.

schulterschmerzen

Kurzübersicht

  • Beschreibung: akute oder chronische Schmerzen in der Schulterregion, evtl. mit weiteren Symptomen wie eingeschränkter Beweglichkeit von Schulter und Arm
  • Ursachen: z.B. Sehnenentzündung oder -verletzung, Schleimbeutelentzündung, chronische Muskelverspannung, Knochenbruch, Nervenschädigung, Impingement-Syndrom, Gelenkverschleiß (Arthrose), Schultersteife ("frozen shoulder"), rheumatische Erkrankungen, Fibromyalgie, Karpaltunnelsyndrom, Neuroborreliose, Gürtelrose, Gallenkolik, Herzinfarkt
  • Diagnose: Erhebung der Krankengeschichte im Arzt-Patient-Gespräch, körperliche und orthopädische Untersuchungen, ggf. noch andere Untersuchungen (neurologische Untersuchung, Bluttests, Gelenkpunktion, Ultraschall, Kernspintomografie, Computertomographie)
  • Therapie: abhängig von Schwere und Ursache der Beschwerden, z.B. Schmerzmittel, Physiotherapie, Kälte-/Wärmebehandlung, alternative Heilmethoden (wie Akupunktur, Heilpflanzen), gezieltes Training der Schulterpartie, Operation

Schulterschmerzen: Beschreibung

Schulterschmerzen sind Beschwerden in der Schulterregion, die manchmal in den Oberarm oder Hals ausstrahlen. Mediziner unterscheiden zwischen akuten und chronischen Schulterschmerzen:

  • Akute Schulterschmerzen treten plötzlich auf, etwa nach einem Unfall oder Sturz auf die Schulter oder den Arm. Grund ist zum Beispiel ein Bizepssehnenriss, eine ausgekugelte Schulter oder ein Oberarmbruch.
  • Chronische Schulterschmerzen entwickeln sich schleichend und können sehr hartnäckig sein. Sie werden zum Beispiel durch Gelenkverschleiß (Arthrose), Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule oder Schultersteife verursacht.

Bemerkbar machen sich die Schulterschmerzen auf unterschiedliche Weise - die Symptome variieren je nach Ursache. So kann es wehtun, wenn Betroffene den Arm abspreizen oder seitlich heben. Oft tritt auch ein Schmerz beim Liegen auf, sodass es für betroffene Patienten manchmal schwierig ist, eine bequeme und schmerzfreie Schlafposition zu finden. In einigen Fällen von Schulterschmerzen ist auch die Beweglichkeit des Schultergelenks merklich eingeschränkt, das Gelenk versteift („frozen shoulder“).

Hier können Schulterschmerzen entstehen
Schulterschmerzen
Schulterschmerzen können viele Ursachen haben. In den meisten Fällen ist nicht das Schultergelenk selbst Auslöser der Schmerzen, sondern Verletzungen oder Erkrankungen von Muskeln, Sehnen oder dem Schleimbeutel um das Gelenk.

Schulterschmerzen: Ursachen und mögliche Erkrankungen

In etwa 85 Prozent der Fälle liegt die Ursache von Schulterschmerzen nicht im Schultergelenk selbst, sondern im gelenknahen Bereich (periartikuläre Ursache). So können zum Beispiel zu schwache Muskeln oder Fehlstellungen sowie verletzungs- oder erkrankungsbedingte Schäden an Muskeln, Sehnen, Gelenkkapsel und/oder Gelenkschmiere Schulterschmerzen hervorrufen. Daneben können auch Erkrankungen innerer Organe (Gallensteine, Herzinfarkt etc.) oder rheumatische Erkrankungen mit Schulterschmerzen einhergehen.

Insgesamt sind folgende Erkrankungen und Verletzungen häufige Ursachen von Schulterschmerzen:

  • Chronische Muskelverspannungen: Eine chronische Verspannung der Nacken-Schulter-Muskulatur ist oft schuld an Schulterschmerzen. Betroffen sind meist Menschen in sitzenden Berufen, die viel mit nach vorn gebeugtem Kopf und Oberkörper arbeiten (etwa am Computer). Auch Menschen, die generell zu Verkrampfungen, Spannungskopfschmerz oder Depressionen neigen, entwickeln oft verspannungsbedingte Nacken- und Schulterschmerzen.
  • Gelenkabnutzung: Bei einer Schultergelenksarthrose (Omarthrose) nutzt sich die Knorpelschicht an den Gelenkflächen, die für eine reibungslose Beweglichkeit des Schultergelenks sorgt, immer mehr ab. Die Folgen sind über Jahre zunehmende Schulterschmerzen beim Bewegen der Schulter sowie Bewegungseinschränkungen. Die Beschwerden machen sich vor allem bemerkbar, wenn der Arm nach außen gedreht oder auf Schulterhöhe (oder höher) angehoben wird. Mögliche Ursachen der Omarthrose sind etwa altersbedingter Verschleiß, Durchblutungsstörungen am Oberarmkopf, Rotatorenmanschettenriss, häufiges Auskugeln der Schulter oder Rheumatoide Arthritis. Lässt sich keine Ursache für den schmerzhaften Gelenkverschleiß finden, sprechen Mediziner von idiopathischer (= ohne erkennbare Ursache) Schultergelenksarthrose.
  • Engpass-Syndrom (Impingement-Syndrom): Unter Engpass- oder Impingement-Syndrom der Schulter versteht man Funktionsstörungen der Schulter aufgrund einer Einengung zwischen Schulterdach- und Oberarmknochen: Durch Reizung, Verkalkung oder Verschleiß der Sehnen und Schleimbeutel wird der Raum im Schultergelenk zu eng, sodass der Kopf des Oberarmknochens an das Schulterdach stößt und die Sehne im Gelenk regelrecht eingeklemmt wird. Die Folge sind Schulterschmerzen, besonders bei Belastung.

    Wenn der Arm seitlich oder nach hinten angehoben wird (etwa, um etwas aus der hinteren Hosentasche zu ziehen), können die Schulterschmerzen sogar sehr stark werden. Meist sind sie an der Außenseite des Oberarms zu spüren. Später können auch nächtliche Schulterschmerzen auftreten.

    Die Ursache des Impingement-Syndroms ist meist langjährige Belastung der Schulter, etwa bei Sportlern, die viele Überkopfbewegungen mit ihren Armen ausüben wie Handballer, Volleyballer und Schwimmer („Sportlerschulter“). Auch Menschen, die bei der Arbeit die Arme oft über den Kopf heben müssen (wie Maler, Flugzeugmechaniker), leiden nicht selten unter Schulterschmerzen aufgrund des Impingement-Syndroms.
  • Entzündung des Schulterschleimbeutels (Bursitis subacromialis): Eine Entzündung des Schulterschleimbeutels kann ebenfalls zu Schulterschmerzen und einer Bewegungseinschränkung des Schultergelenks führen. Sie entwickelt sich meist im Rahmen des Impingement-Syndroms.
  • Riss der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur): Die Rotatorenmanschette ist ein kräftiger „Mantel“ aus Muskeln und Sehnen, der den Oberarmkopf in der Schultergelenkpfanne hält und zugleich Armbewegungen in alle Richtungen (Rotation) ermöglicht. Eine oder mehrere Sehnen der Rotatorenmanschette können teilweise oder vollständig reißen, was sich in plötzlichen Schulterschmerzen äußert.

    Der Rotatorenmanschettenriss ist in der Regel das Endstadium des Impingement-Syndroms. Die Sehnen sind also bereits durch die Einengung im Gelenk vorgeschädigt, bevor sie reißen. Ein akuter Riss der Rotatorenmanschette ohne Vorschädigung der Sehnen ist dagegen selten, kann aber zum Beispiel bei einem Sturz auf den ausgestreckten Arm passieren.
  • Ausgekugeltes Schultergelenk (Schulterluxation): Nach einem Sturz auf den (ausgestreckten) Arm oder einem Schlag auf die Schulter kann der Oberarmknochen aus der Gelenkpfanne „springen“. Solch eine ausgerenkte Schulter kann ebenfalls für die Schulterschmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit von Schulter und Arm verantwortlich sein.

    Wenn sich die Schulter zum ersten Mal auskugelt, können Bänder oder Knochenstrukturen im Gelenkbereich verletzt werden. Dadurch kann es später immer wieder und schon bei relativ geringen Belastungen zu einer erneuten Schulterluxation kommen. Daneben gibt es Menschen, deren Schultergelenke generell instabil sind und schon bei alltäglichen Bewegungen aus der Gelenkpfanne springen (habituelle Schulterluxation). Erkennbar ist das an plötzlich einschießenden Schulterschmerzen. Was auch immer der Grund für häufiges Schulterausrenken ist – es begünstigt die Schultergelenksarthrose.
  • Oberarmbruch und Schlüsselbeinfraktur: Schulterschmerzen und schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der Schulter können auch bei einem Bruch des Oberarms im schulternahen Bereich (proximale Humerusfraktur) oder durch einen Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) verursacht werden. Ein Oberarmbruch ist meist die Folge eines Sturzes auf den ausgestreckten Arm oder den Ellenbogen. Ein Schlüsselbeinbruch kann ebenfalls beim Sturz auf den ausgestreckten Arm oder aber beim Sturz auf die Schulter passieren.
  • Gelenkeinblutung: Ein Sturz oder Schlag auf die Schulter oder den (ausgestreckten) Arm kann auch eine Einblutung in das Schultergelenk nach sich ziehen, besonders bei Menschen mit Blutgerinnungsstörungen. Symptome sind Schulterschmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit von Schulter und Arm.
  • Bizepssehnenriss: Bei plötzlich auftretenden, stechenden Schmerzen an der Außenseite der Schulter könnte eine Bizepssehnenruptur der Grund sein – also der Riss einer der Bizepssehnen, die den Armbeugermuskel im Schulterbereich befestigen. Weitere Anzeichen, die für einen Bizepssehnenriss sprechen, sind eine Vorwölbung oberhalb des Ellenbogens sowie eine Schwäche im Arm, beim Versuch, ihn zu beugen.
  • Schultersteife („frozen shoulder“): Hier ist durch eine geschrumpfte Schultergelenkkapsel die Beweglichkeit der Schulter schmerzhaft eingeschränkt - die Schulter ist gewissermaßen "eingefroren". Das Ganze entwickelt sich schleichend über mehrere Phasen. In den meisten Fällen tritt die Schultersteife im Schlepptau einer anderen Schultererkrankung oder -verletzung (wie Schultergelenksarthrose, Kalkschulter, Rotatorenmanschettenriss oder Auskugeln der Schulter) auf. Seltener als diese sekundäre Schultersteife ist die primäre Schultersteife, deren Ursache unbekannt bleibt. Die Erkrankung kommt vor allem bei Frauen zwischen 40 und 60 Jahren vor. Auch Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Schultersteife.
  • Kalkschulter (Tendinosis calcarea): Hierbei haben sich Kalkkristalle an den Sehnenansätzen der Rotatorenmanschette abgelagert (vermutlich aufgrund einer Minderdurchblutung). Die Kalkdepots verursachen Schulterschmerzen bei Armbewegungen, vor allem bei Überkopfbewegungen. Wenn sich auch im Schleimbeutel des Schultergelenks Kalkkristalle ablagern, werden die Schulterschmerzen noch stärker und die Armbewegungen weiter eingeschränkt. Eine Kalkschulter entwickelt sich bevorzugt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.
  • Polymyalgia rheumatica (PMR): Diese entzündlich-rheumatische Erkrankung löst Muskelschmerzen aus, vor allem im Schulter- und Beckengürtel. Charakteristisch sind Schulterschmerzen, die bei Bewegung zunehmen und besonders am Morgen ausgeprägt sind. Auch Schmerzen in Nacken, Gesäß und Oberschenkeln sind möglich. Polymyalgia rheumatica tritt bevorzugt in der Altersgruppe der über 60-Jährigen und hier vor allem bei Frauen auf.
  • Bakterielle Schultergelenkentzündung (bakterielle Omarthritis): Sie wird durch Bakterien verursacht, die entweder über das Blut zum Gelenk gelangt sind oder das Gelenk direkt infiziert haben, etwa im Rahmen einer Gelenkpunktion (Entnahme von Gelenkflüssigkeit mittels Nadel). Die Anzeichen der bakteriellen Schultergelenkentzündung sind rasch zunehmende, heftigste Schulterschmerzen und Fieber. Eventuell bildet sich auch eine Schwellung und/oder Rötung im Bereich des Schultergelenks.
  • Fibromyalgie: Die Fibromyalgie ist eine meist chronisch verlaufende Schmerzerkrankung, die mit anhaltenden Schmerzen in vielen Körperregionen einhergeht (z.B. Schulterschmerzen, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen sowie Schmerzen in den Beinen). Oft treten zusätzlich Schlafstörungen, Müdigkeit, depressive Verstimmung und Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne auf. Das Fibromyalgie-Syndrom kommt recht häufig vor, in erster Linie bei Frauen.
  • Schulter-Arm-Syndrom (Zervikobrachialsyndrom): Beim Schulter-Arm-Syndrom treten Nacken- und Schulterschmerzen auf, die in Arm, Hände, Finger und Hinterkopf ausstrahlen können. Aufgrund der Schmerzen lässt sich der Kopf nur eingeschränkt bewegen. Die Beschwerden gehen von der mittleren und unteren Halswirbelsäule aus, wobei die genaue Ursache aber sehr unterschiedlich sein kann.

    Möglich sind zum Beispiel schmerzhafte Muskelverspannungen im Nacken, etwa aufgrund von häufiger Schreibtischarbeit oder psychischen Belastungen, Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule, angeborene Wirbelfehlbildungen, Wirbelbrüche, bakterielle Infektionen der Wirbelsäule, Osteoporose und Tumoren an der Wirbelsäule.
  • Sehnenentzündung: Wenn die Sehnen im Schulterbereich verschleißen, kann eine chronische Entzündung entstehen. Beim Bewegen schmerzt es dann im Schulterbereich – und zwar örtlich seitlich und oben sowie am Oberarmknochen.
  • Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule: Plötzlich einschießende, elektrisierende Schmerzen in der Schulter, im Oberarm und Nacken deuten auf einen Bandscheibenvorfall in der unteren Halswirbelsäule hin. Außerdem strahlen die Schmerzen dabei oft in einzelne Finger aus und verstärken sich beim Drehen des Kopfes.
  • Schultergürtel-Kompressionssyndrom (Thoracic-Outlet-Syndrom): Der Begriff umfasst verschiedene seltene Beschwerdebilder im Schulterbereich. Allen gemeinsam ist, dass sie durch eine Einengung des zum Arm führenden Blutgefäß-Nerven-Stranges im oberen Brustkorbbereich ausgelöst werden. Die Folgen sind wechselnde Schulterschmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühl an der Außenseite der Schulter.
  • Karpaltunnelsyndrom: Beim Karpaltunnelsyndrom ist der mittlere Armnerv (Nervus medianus) im Bereich des Karpaltunnels geschädigt. Der Karpaltunnel ist ein enger Durchgang am Handgelenk, der von den Unterarm- und Handwurzelknochen sowie Bändern gebildet wird. In ihm verlaufen der mittlere Armnerv sowie die Beugesehnen der Finger.

    Die Nervenschädigung löst Schmerzen sowie Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den ersten drei Fingern (teils auch im Ringfinger) aus. Die Beschwerden treten anfangs nur nachts und am frühen Morgen, später auch tagsüber auf. Die Schmerzen können auch in den Unterarm und bis in die Schulter ausstrahlen. Die Ursache des Karpaltunnelsyndroms bleibt in den meisten Fällen ungeklärt. Die Erkrankung tritt vor allem bei Frauen mittleren Alters auf.
  • Neuroborreliose: Die Borreliose (Lyme-Disease) ist eine bakterielle Gelenksentzündung. Sie wird durch Bakterien (Borrelia burgdorferi) ausgelöst, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden. Die Erkrankung kann auch auf das Nervensystem übergreifen und wird dann Neuroborreliose genannt. Die Betroffenen entwickeln manchmal Schulterschmerzen.
  • Gürtelrose: Dieser schmerzhafte Hautausschlag wird vom gleichen Virus verursacht wie die Windpocken, Variella-Zoster-Virus. Er zieht sich meist gürtelförmig und einseitig am Rumpf von der Wirbelsäule nach vorne. Neben starken Rückenschmerzen kann eine Gürtelrose auch Schulterschmerzen verursachen.
  • Herzinfarkt: Treten die Schmerzen plötzlich in der linken Schulter und hinter dem Brustbein auf, könnte ein Herzinfarkt die Ursache sein. Das gilt besonders, wenn der Patient auch ein Engegefühl in der Brust, Atemnot und Todesangst entwickelt. Allerdings können diese Symptome auch andere Ursachen haben wie etwa Brustenge (Angina pectoris) oder eine Panikattacke. In jedem Fall ist aber ein sofortiger Arztbesuch ratsam!
  • Gallenkolik: Treten die Schulterschmerzen rechts auf und verspürt der Betroffene gleichzeitig an- und abschwellende kolikartige Schmerzen im Ober- und Mittelbauch, handelt es sich wahrscheinlich um eine Gallenkolik. Deren Ursache ist entweder eine Gallenblasenentzündung oder ein Gallenstein, der im Ausführungsgang zwischen Gallenblase und Dünndarm steckt. Bei Verdacht auf eine Gallenkolik sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen!
  • Embolie in der Lunge: Bei einer Lungenembolie wird ein Blutgefäß der Lunge durch ein angeschwemmtes Blutgerinnsel verstopft. Die Symptome hängen davon ab, wie groß das verstopfte Gefäß ist. Möglich sind zum Beispiel Brustschmerzen, die in die Schulter oder den Bauch ausstrahlen, Atemnot bzw. beschleunigtes Atmen, Husten (evtl. Bluthusten), Rasselgeräusche beim Atmen, Schweißausbruch, Herzrasen, Angst, Schwindel oder Ohnmacht.
  • Lungentumor (Pancoast-Tumor): Beim Pancoast-Tumor handelt es sich um eine seltene Form von Lungenkrebs, die sich an der Lungenspitze entwickelt. Sie kann neben Rückenschmerzen auch Schulterschmerzen verursachen.

Schulterschmerzen: Wann sollten Sie zum Arzt?

In folgenden Fällen von Schulterschmerzen ist ein Arztbesuch ratsam:

  • sehr starke Schulterschmerzen
  • anhaltende Schulterschmerzen
  • immer wiederkehrende Schulterschmerzen
  • Schulterschmerzen nach einem Sturz auf die Schulter oder den Arm oder nach einem Unfall
  • deutliche Bewegungseinschränkung von Schulter und Arm
  • Ausstrahlen der Schmerzen in andere Körperregionen wie Nacken oder Arm
  • Begleitsymptome wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln

In folgenden Situationen sollte schnellstens ein Arzt alarmiert werden:

  • sehr starke, wellenförmig auftretende Schmerzen in der rechten Schulter und im rechten Oberbauch, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen (Verdacht auf Gallenkolik)
  • starke Schmerzen in der rechten Schulter und im rechten Oberbauch mit Fieber und Schüttelfrost (Verdacht auf Gallenblasenentzündung)
  • plötzlich auftretende linksseitige Schulterschmerzen sowie Schmerzen hinter dem Brustbein, Engegefühl in der Brust, Atemnot, Todesangst, oft auch Schwindel und/oder Übelkeit (Verdacht auf Herzinfarkt oder Angina pectoris)
  • plötzlich auftretende Brustschmerzen mit Ausstrahlung in die Schulter, eventuell begleitet von Symptomen wie Atemnot oder beschleunigte Atmung, Herzrasen, Schweißausbruch, Husten oder Bluthusten, Schwindel, Ohnmacht (Verdacht auf Lungenembolie)

Schulterschmerzen: Diagnose

Bei Schulterschmerzen wird der Arzt Sie zunächst ausführlich zur Krankengeschichte (Anamnese) befragen. Wichtig ist zum Beispiel, wann und wie oft die Schmerzen in der Schulter auftreten, ob sie sich nur beim Bewegen des Armes beziehungsweise der Schulter oder auch schon in Ruhe bemerkbar machen und ob neben den Schulterschmerzen weitere Beschwerden wie Kraftverlust im Arm oder Taubheitsgefühle in den Fingern auftreten.

Dann folgt eine körperliche Untersuchung (klinische Funktionstests, Abtasten von Triggerpunkten, Sehnen und Gelenken, Bewegungsprüfung). Anhand der Anamnese und der körperlichen Untersuchung kann der Arzt meist schon Vermutungen über die mögliche Ursache der Schulterschmerzen anstellen. Weitergehende Untersuchungen bringen Klarheit:

  • Orthopädische Untersuchung: Sie ist Standard bei Schulterschmerzen und kann zum Beispiel Hinweise auf eine Arthrose des Schultergelenks, Impingement-Syndrom, Kalkschulter, Fibromyalgie und Knochenbrüche (Schlüsselbein- oder Oberarmbruch) geben.
  • Neurologische Untersuchung: Hier wird der Funktions- und Leitungszustand von Nervenbahnen wird geprüft, wenn möglicherweise ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule die Schulterschmerzen verursacht.
  • Bluttests: Könnte eine Neuroborreliose oder Gürtelrose hinter den Schulterschmerzen stecken, kann eine Blutprobe des Patienten auf Antikörper gegen den jeweiligen Erreger der Erkrankung untersucht werden. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt werden in der Blutprobe die Herzenzyme bestimmt. Auch Gerinnungsstörungen als mögliche Ursache einer Gelenkeinblutung lassen sich über eine Blutanalyse feststellen.
  • Röntgen-Untersuchung: Röntgenbilder werden angefertigt, wenn als Auslöser der Schulterschmerzen zum Beispiel Kalkschulter, Polymyalgia rheumatica. ein Knochenbruch oder ein ausgekugeltes Schultergelenk in Frage kommen.
  • Ultraschall-Untersuchung: Mittels Ultraschall (Sonografie) lassen sich beispielsweise Schultersteife, Bizepssehnenriss, Gallenblasenentzündung und Gallensteine als Ursache von Schulterschmerzen identifizieren.
  • Gelenkpunktion: Wenn der Arzt eine bakterielle Entzündung des Schultergelenks vermutet, wird er mit einer dünnen Nadel eine Probe der Gelenksflüssigkeit entnehmen (Gelenkpunktion), um eine Bakterienkultur anzulegen. Lassen sich aus der Gelenkflüssigkeit tatsächlich Bakterien anzüchten, bestätigt dies den Verdacht des Arztes.
  • Lumbalpunktion: Kommt eine Neuroborreliose als Ursache von Schulterschmerzen in Betracht, wird im Bereich der Lendenwirbelsäule mit einer dünnen Nadel eine Probe der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) entnommen. Im Labor wird die Probe auf Borrelien – die Erreger der Neuroborreliose – hin untersucht.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Eine Magnetresonanz- oder Kernspintomografie ist angezeigt, wenn die Schulterschmerzen möglicherweise durch ein Impingement-Syndrom der Schulter, Gelenkabnutzung, einen Riss der Rotatorenmanschette oder ein Schultergürtel-Kompressionssyndrom ausgelöst werden.
  • Computertomografie (CT): Kommt als Ursache von Schulterschmerzen beispielsweise ein Lungentumor (Pancoast-Tumor), eine Lungenembolie, ein Schulter-Arm-Syndrom oder ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule in Frage, lässt sich dies mittels Computertomografie abklären.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Eine Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität verrät, ob eventuell ein Herzinfarkt die Schmerzen in der Schulter verursacht hat.
  • Herzkatheteruntersuchung: Auch eine Untersuchung mittels Herzkatheter wird immer dann bei Schulterschmerzen durchgeführt, wenn ein Herzinfarkt der Auslöser für die Schmerzen sein könnte.
  • Lungenspiegelung: Bei dieser auch Bronchoskopie genannten Untersuchung wird eine kleine Kamera, befestigt an der Spitze eines dünnen Schlauches oder eines Metallrohrs, über Mund oder Nase in die Luftröhre und ihre Hauptabzweigungen (Hauptbronchien) eingeführt. So kann der Arzt diese Luftwege von innen begutachten. Das macht man vor allem bei Verdacht auf einen Lungentumor.

Schulterschmerzen: Therapie und Übungen

Die Behandlung von Schulterschmerzen richtet sich nach der Art und Ausmaß der Beschwerden.

Behandlung beim Arzt und Physiotherapeuten

Wenn eine Verletzung oder Erkrankung hinter den Schulterschmerzen steckt, wird der Arzt diese entsprechend behandeln. So wird er etwa ein ausgekugeltes Schultergelenk (Schulterluxation) mittels Hebeltechnik wieder einrenken und dann in einem Verband für einige Zeit ruhigstellen. Anschließend wird die Schulter mit krankengymnastischen Übungen wieder langsam an Bewegung gewöhnt.

In manchen Fällen kann man Schulterschmerzen nicht ursächlich behandeln: Die Abnutzung eines Schultergelenks (Omarthrose) lässt sich nicht rückgängig machen. Aber man kann zumindest versuchen, mit konservativen Maßnahmen die Schulterschmerzen zu lindern. So erhalten Patienten mit Schulterarthrose entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente (zum Beispiel als Tabletten oder als Spritzen ins Schultergelenk). Auch Physiotherapie (Krankengymnastik, Wärmeanwendungen etc.) kann schmerzlindernd wirken.

In sehr schweren Fällen, also bei heftigen Schulterschmerzen aufgrund stark fortgeschrittener Arthrose, kann ein künstliches Schultergelenk eingesetzt werden.

Generell gibt es folgende Therapie-Möglichkeiten, abhängig von Ursache und Schweregrad der Schulterschmerzen:

  • schmerz- bzw. entzündungshemmende Medikamente
  • Ruhigstellen
  • Physiotherapie (Krankengymnastik, Wärme-/Kältebehandlung etc.)
  • alternative Heilverfahren
  • operative Eingriffe (z.B. Vernähen gerissener Sehnen, Einrichten eines komplizierten Oberarmbruchs, Einsetzen eines künstlichen Schultergelenks)
  • alternative / komplementäre Heilverfahren (wie Akupunktur)

Das können Sie selbst tun

  • Kälte/Wärme: Bei akut auftretenden oder sich plötzlich verschlechternden Schulterschmerzen (etwa aufgrund von Schleimbeutelentzündung, Bizepssehnenriss, Rotatorensehnenriss oder Kalkschulter), ist im Allgemeinen Kälte wohltuend – zum Beispiel in Form von Eis, Kühlpackungen oder feuchtkühlen Umschlägen. Bei chronischen Schulterschmerzen wird dagegen meist Wärme als angenehmer empfunden.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Wichtig, wenn die Schulterschmerzen auf Muskelverspannungen durch häufige Schreibtischarbeit zurückzuführen sind. Denn ein ergonomischer Arbeitsplatz beugt einer ungleichmäßigen Belastung der Muskeln in Schulter, Nacken und Rücken und damit schmerzhaften Muskelverspannungen vor. Achten Sie etwa auf die richtige Höhe von Tisch und Stuhl, den richtigen Abstand zur Tastatur sowie Handballenauflagen vor der Tastatur.
  • Akupunktur, Schröpfen & Co.: Beim Schulter-Arm-Syndrom empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausdrücklich Akupunktur. Auch Massagen, Schröpfen und Arnika-Salben können die Schulterschmerzen der Betroffenen lindern.
  • Gezieltes Training: Um einer schmerzhaften „Sportlerschulter“, einer komplexen chronischen Überlastung, vorzubeugen, sollte man die Schultermuskulatur gezielt und gleichmäßig aufbauen und die Muskeln und Bänder im hinteren Schulterbereich regelmäßig dehnen. Ein Sportarzt oder erfahrener Trainer zeigt Ihnen geeignete Übungen.

    Die Dehnungsübungen für den hinteren Schulterbereich sind in Kombination mit Krankengymnastik auch dann ratsam, wenn jemand bereits an einer „Sportlerschulter“ leidet: Mäßig ausgeprägte Schulterschmerzen lassen sie sich damit oft lindern (bei stärkeren Schulterschmerzen wird operiert). Um erneuten Beschwerden vorzubeugen, sind regelmäßige Bewegungsübungen der Schulter empfehlenswert.

    Bei chronischen Schulterschmerzen (etwa aufgrund von Arthrose oder Kalkschulter) gewöhnen sich Betroffene oft eine Schonhaltung an, wodurch sich die Schultermuskeln mit der Zeit verkürzen. Um dem entgegenzuwirken, sollten die Muskeln regelmäßig gedehnt werden. Lassen Sie sich von einem Sportarzt oder Physiotherapeuten geeignete Dehnungsübungen für den Schulterbereich zeigen.

    Generell empfehlen sich bei chronischen Schulterschmerzen regelmäßige Maßnahmen, um die Schulterbeweglichkeit zu verbessern und die Muskulatur im Schulterbereich zu kräftigen – gerade auch an den schmerzenden Stellen. Geeignet sind zum Beispiel gezielte Übungen für den Schultergürtel, Massagen, Feldenkrais oder Krankengymnastik. Besonders bei Arthrose sollte die Schulter trotz Schmerzen regelmäßig bewegt werden. Sonst wird sie mit der Zeit zunehmend steifer.
  • Entspannungstechniken: Stress, Anspannung und Alltagssorgen sind oft (mit-)verantwortlich für Schulterschmerzen. Hier können Entspannungsverfahren für die notwendige Entlastung der Muskeln, Sehnen, Bänder und der Seele sorgen. Geeignet sind zum Beispiel Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training und Yoga. Solche Entspannungsverfahren werden oft auch in Kombination mit alternativen Heilverfahren wie Akupunktur, Magnettherapie oder Biofeedback zur Behandlung chronischer Schulterschmerzen eingesetzt.
  • Heilpflanzen: Sind die Schulterschmerzen auf Arthrose zurückzuführen, können Sie mit Heilpflanzen viel gegen die Beschwerden tun. Bei akuten schmerzhaften Gelenksentzündungen etwa eignen sich Umschläge mit Arnikablüten oder Einreibungen mit Arnika-Salbe oder -Gel. Durchblutungsfördernde Bäder mit Heublumen oder Rosmarinöl (zusammen mit Eukalyptusöl) können in Zeiten geringerer Beschwerden (nicht-aktivierte Arthrose) als wohltuende Wärmetherapie angewendet werden. Empfehlenswert bei arthrosebedingten Schulterschmerzen ist außerdem ein entzündungshemmender Tee aus Teufelskrallenwurzel.
  • Zur Anwendung von rezeptfreien Schmerzmitteln und Entzündungshemmern (wie Ibuprofen) bei Schulterschmerzen sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker sprechen: Er berät Sie hinsichtlich Auswahl, Dosierung und Anwendungsdauer eines geeigneten Präparates.

Weiterführende Informationen

Bücher:

  • Schulter-Nacken-Training: Endlich schmerzfrei und entspannt! Das Training zur Selbsthilfe von Ronald Thomschke, Steffen Verlag (2017)
  • Starke Schultern: Beschwerden einfach wegtrainieren Die besten ‹bungen aus der Spiraldynamik von Christian Larsen und Bea Miescher, TRIAS (2010)

Leitlinien:

  • Leitlinie "" der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (2017)

www.steroid-pharm.com

https://biceps-ua.com/

steroid-pharm.com